# taz.de -- EU-Referendum im britischen Parlament: Der düpierte Mister Cameron
       
       > Niederlage für den britischen Premier: Zwar stimmte das Parlament gegen
       > ein Referendum zu einem Austritt Großbritanniens aus der EU. Doch bei den
       > Konservativen gab es einige Abweichler.
       
 (IMG) Bild: Für Premier David Cameron lief die Debatte im Parlament nicht ganz nach Plan.
       
       LONDON dapd/afp | Der britische Premier David Cameron hat bei einer
       Abstimmung über ein Referendum zu einem Austritt Großbritanniens aus der EU
       eine Niederlage einstecken müssen. Zwar lehnten die Abgeordneten im
       britischen Parlament den Antrag mit deutlicher Mehrheit ab, mehrere
       konservative Abgeordnete ünterstützten aber entgegen der Anordnung ihres
       Parteichefs das Vorhaben. 483 Abgeordnete votierten bei der Abstimmung am
       Montagabend gegen den Antrag, 111 dafür.
       
       Der Franktionsvorsitzende der Tories im britischen Unterhaus, George Young,
       sagte der BBC, er glaube 80 oder 81 konservative Abgeordnete hätten für den
       Antrag gestimmt. Die Rebellion in den Reihen der Konservativen unterstrich
       die Unzufriedenheit mit Camerons Führung, die zuletzt wegen seines für
       viele zu unentschlossenen Umgangs mit den Unruhen in Großbritannien
       gestiegen war. Auch seine Entscheidung einen in den Abhörskandal bei der
       inzwischen eingestellten Boulevardzeitung News of the World verwickelten
       Redakteur zu seinem Kommunikationschef zu machen, war von vielen
       Konservativen kritisiert worden.
       
       Zwar war die Abstimmung rechtlich nicht bindend, doch bedeutet die
       Rebellion der Euro-Skeptiker in den eigenen Reihen eine Ohrfeige für
       Cameron. Laut einer am Sonntag veröffentlichten Meinungsumfrage befürworten
       rund 66 Prozent der Briten ein Referendum darüber, ob Großbritannien weiter
       in der Europäischen Union bleibt.
       
       Die Regierung hatte vor der Abstimmung, ihre Abgeordneten aufgefordert,
       gegen das Referendum zu stimmen und Abweichlern disziplinarische Maßnahmen
       angedroht. Am Montag hatte Cameron versucht, die Rebellen bei den Tories
       noch ein letztes Mal umzustimmen. "Wenn das Haus des Nachbarn brennt,
       sollte der erste Impuls der sein, zu helfen - nicht zuletzt, um ein
       Übergreifen der Flammen auf das eigene Haus zu verhindern", sagte er.
       
       Doch viele der Abweichler betonten während der mehr als fünfstündigen
       Debatte im Parlament, ihre Entschlossenheit das Referendum zu unterstützen,
       auch wenn ihnen dadurch persönliche Nachteile erwachsen würden. "Schweren
       Herzens" würde er die Konsequenzen tragen, sagte etwa der Abgeordnete
       Stewart Jackson.
       
       Die Europafrage belastet auch die derzeitige Koalitionsregierung. Die
       Liberaldemokraten, Juniorpartner in der Koalition, sind proeuropäisch
       eingestellt. Die Abstimmung am Montag war durch eine Petition ist auf der
       Internet-Seite der Regierung angestoßen worden, die von mehr als 100.000
       Bürgern unterzeichnet worden war.
       
       25 Oct 2011
       
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