# taz.de -- Sacharow-Preis an "arabischen Frühling": Ehrung für den Mut
       
       > Fünf Aktivisten des Arabischen Frühlings werden mit dem Preis für
       > Meinungsfreiheit des EU-Parlaments ausgezeichnet. Darunter ist auch
       > Mohamed Bouazizi, der sich selbst verbrannte.
       
 (IMG) Bild: Graffiti in Tunis.
       
       STRAßBURG afp | Für ihr Engagement zugunsten politischer Veränderungen
       erhalten fünf Aktivisten des "Arabischen Frühlings" den diesjährigen
       Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments.
       
       Wie das Parlament am Donnerstag mitteilte, ist unter den Preisträgern auch
       der verstorbene tunesische Straßenhändler Mohamed Bouazizi, der mit seiner
       Selbstverbrennung im Dezember 2010 die ersten Aufstände ausgelöst hatte.
       
       Ausgezeichnet wurden ferner die 26 Jahre alte Ägypterin [1][Asmaa Mahfus],
       die im Januar im Internet zu Massenprotesten auf dem Tahrir-Platz in Kairo
       [2][aufgerufen hatte], sowie die syrische Frauenrechtsaktivistin und
       Journalistin Rasan Saituneh. Sie informiert in dem Blog "[3][Syrian Human
       Rights Information Link]" (SHRIL) über Fälle von Menschenrechtsverletzungen
       in Syrien. Nachdem Saituneh untergetaucht war, wurden im Frühjahr ihr Mann
       und dessen 20 Jahre alter Bruder in Isolationshaft genommen.
       
       Bei den anderen Preisträgern handelt es sich um den 77 Jahre alten
       Dissidenten Ahmed el Subair el Sanusi, der 31 in libyschen Gefängnissen
       inhaftiert war, und den Syrer Ali Farzat, einen bekannten politischen
       Karikaturisten. Er nahm in seinen Karikaturen den syrischen Machthaber
       Baschar el Assad und Regierungsvertreter ins Visier. Im August wurde er von
       maskierten Bewaffneten mitten in Damaskus [4][brutal niedergeschlagen].
       
       Mit dem Preis würdige das Europaparlament den "Mut der Völker, der zu den
       politischen Veränderungen geführt hat", sagte der Vorsitzende der liberalen
       Fraktion, Guy Verhofstadt. Das Jahr 2011 werde in die Geschichte als das
       Jahr eingehen, in dem die Menschen in der arabischen Welt einen neuen Weg
       gewählt hätten - den Weg zu Demokratie.
       
       ## Konkurrenten aus Weißrussland und Kolumbien
       
       Die Vertreter des "Arabischen Frühlings" setzten sich in der Endabstimmung
       in einem einstimmigen Beschluss gegen den weißrussischen Journalisten und
       Bürgerrechtler Dsmitri Bandarenka sowie die Bauerngemeinschaft San José de
       Apartadó durch, die sich in Kolumbien für Menschenrechte einsetzt.
       
       Die Kandidaten für den Sacharow-Preis werden vom außenpolitischen Ausschuss
       des Parlaments nominiert. Die Entscheidung liegt dann beim Präsidium, dem
       der Parlamentspräsident und die Vorsitzenden der Fraktionen angehören. Die
       feierliche Preisübergabe ist Mitte Dezember in Straßburg geplant.
       
       Der heute mit 50.000 Euro dotierte und nach dem sowjetischen Dissidenten
       Andrej Sacharow benannte Preis wird seit 1988 an Menschen und
       Organisationen verliehen, die sich besonders mutig für Menschenrechte und
       Meinungsfreiheit einsetzten.
       
       Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen der Apartheids-Gegner
       und spätere Staatschef von Südafrika, Nelson Mandela, der Vater des Prager
       Frühlings, Alexander Dubcek, die birmanische Oppositionspolitikerin Aung
       San Suu Kyi und der inhaftierte chinesische Bürgerrechtsaktivist Hu Jia. In
       den beiden vergangenen Jahren ging der Preis an die russische
       Menschenrechtsorganisation "Memorial" und den kubanischen Dissidenten
       Guillermo Fariñas.
       
       27 Oct 2011
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bloggerin-in-gypten-festgenommen/!76285/
 (DIR) [2] http://www.youtube.com/watch?v=1UUbVr3eB9c
 (DIR) [3] http://www.shril-sy.info/enshril/
 (DIR) [4] /Aufstand-in-Syrien/!76883/
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA