# taz.de -- die wahrheit: Runter mit den Organspendierhosen!
> Organspenden? Ick steh druff, die Frage ist eher: Welche? Die Leber ist
> nicht mal mehr vg, das Herz mehrfach gebrochen, die Lunge voll
> Allergospasmin, ...
Organspenden? Ick steh druff, die Frage ist eher: Welche? Die Leber ist
nicht mal mehr vg, das Herz mehrfach gebrochen, die Lunge voll
Allergospasmin, die Gebärmutter auch nicht gerade bnwt. Aber: Was macht die
Milz denn noch mal, außer sich zu ballen und zur Seite zu rücken, wenn ein
Pils kommt? Die kann jedenfalls gern haben, wer will, sollte es so weit
sein, genau wie die Nierchen, ich glaube, ich habe eh zwei.
Augen übrigens auch, aber vermutlich lassen sich Astigmatismus und -3,5
Dioptrien ebenfalls schlecht unter die Leute bringen. Die Schilddrüse
brauchte trotz säckeweise Jod-S11-Körnchen jahrelang zusätzlich Thyroxin,
allerdings bin ich nicht sicher, ob das nicht eine einzige
Pharmaverschwörung ist: Vor, während und nach der Einnahme änderte sich an
meinem Leben eigentlich nichts. Obwohl mir die Beipackzettelangabe
"nüchtern vor dem Frühstück" prinzipiell zusagt, ist es doch viel
einfacher, vor dem Frühstück nüchtern zu bleiben als nach dem Abendbrot.
Das Einzige, was ich guten Gewissens zusätzlich anbieten könnte, wären
diverse Gelenke: Die tragen keinen einzigen Knacks in sich, und wenn hier
das gleiche Prinzip wie beim gebrauchten Kindersitz bzw. Fahrradhelm
greift, dann ist das Unfallfreisein oberste Priorität beim Weiterverwenden.
Andererseits sind Gelenke keine Organe, wenn ich mich nicht irre; Biologie
ist nicht mein Fachgebiet, ebenso wenig wie Botanik. Vielleicht trägt der
kleine Avocadobaum, den ich mit meinen schwarzen Daumen höchstpersönlich
aus einem Kern gezogen habe, darum auch noch keine Früchte. Oder war da was
mit Frau Avocado? Braucht der Baum vielleicht eine fertile Biene? Die
hatten doch bei Pflanzen so eine Art Storchfunktion?
Im Netz steht, dass ein Avocadobaum Gesellschaft von anderen exotischen
Früchten möchte, im Blumentopf daneben räkelt sich darum seit ein paar
Wochen ein (ebenfalls selbstgezogenes) Mangopflänzchen, es ist sexy
dunkelgrün, doch auch daran baumeln noch keine Minimangos. Zusätzlich gurre
ich dem designierten Strauchpärchen jeden Abend "Underneath the mango tree
me honey and me can watch fort he moon / underneath the mango tree me honey
and me make boolooloop soon" vor.
Ich werde die beiden demnächst mal eine Weile allein lassen, bis endlich
etwas im Busch ist, vielleicht schauen ihnen auf dem Küchenfensterbrett
tagsüber einfach zu viele Spanner zu. Oder sie bevorzugen andere Praktiken,
so wie in dem alten Ralf-König-Comic mit dem SM-Fikus, der erst mit
Nippelklemmen richtig aufblüht.
Und wer jetzt genant errötet, sollte daran denken, dass BDSM längst ein
akzeptierter Teil unserer Gesellschaft ist, sogar die Sandwichkette Subway
wirbt neuerdings in Anzeigen mit dem "Sub des Tages". Ein mutiger Schritt
zur Special-Interest-Klientel, wahrscheinlich wurde bei der Tagung das
Thema "Vanilla Eis" auch gleich mit evaluiert. Die Zeiten, in denen
Untern-Pulli-Gehen schon die Dämme brechen ließ, sind eben endgültig
vorbei. Diese neuen Schlauchtops kriegt man eh so schwer hochgeschoben.
1 Nov 2011
## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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