# taz.de -- Französisches Genozid-Gesetz: Protest aus der Türkei
       
       > In der französischen Nationalversammlung steht am Donnerstag das
       > Genozid-Gesetz auf der Tagesordnung. Künftig soll es strafbar sein, die
       > offiziell anerkannten Genozide zu leugnen.
       
 (IMG) Bild: Gedenken: Geschätzt wird, dass 1915/16 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Armenier und Armenierinnen umgebracht wurden.
       
       PARIS dpa | Frankreich hält trotz türkischer Proteste an der Abstimmung
       über ein umstrittenes Genozid-Gesetz fest. Der von einer konservativen
       Abgeordneten eingebrachte Gesetzesvorstoß wurde am Dienstag auf der
       Tagesordnung der Nationalversammlung für diesen Donnerstag bestätigt.
       
       Das Gesetz schreibt hohe Strafen für diejenigen fest, die die von
       Frankreich offiziell anerkannten Genozide leugnen.
       
       Da Paris 2001 auch die Verbrechen an den Armeniern im Osmanischen Reich
       1915-1917 zum Völkermord erklärt hatte, rief der Entwurf massive türkische
       Proteste hervor. Der Vorwurf des Genozids wird von der Türkei, der
       Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs, bestritten.
       
       Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Frankreich
       gewarnt, dass die Verabschiedung des Gesetzes harte Konsequenzen haben
       würde.
       
       Nach unterschiedlichen Schätzungen kamen 1915/16 zwischen 200 000 und 1,5
       Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. In Frankreich leben
       heute rund eine halbe Million armenischstämmige Menschen.
       
       20 Dec 2011
       
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