# taz.de -- Die Medienlandschaft 2011: Wann darf "Wetten, dass ..?" sterben?
       
       > Warum musste die Super-Nanny gehen? Wo sind die Millionen des Kika? Das
       > vergangene Jahr ließ viele Fragen der Medienwelt offen. Eine Bitte um
       > Antwort.
       
 (IMG) Bild: Die Frage nach Thomas Gottschalks Nachfolge ist noch unbeantwortet.
       
       Wo sind die Millionen aus dem Kika-Betrug wirklich hin? 
       
       Immerhin geht es um weit über 8 Millionen Euro, fein säuberlich aufgeteilt
       zwischen dem bereits verknackten Herstellungsleiter des Senders (56
       Prozent) und dem Geschäftsführer der hauptsächlich in den Skandal
       verwickelten Produktionsfirma (44 Prozent), dem erst 2012 der Prozess
       gemacht wird.
       
       Der Herstellungsleiter war spielsüchtig und hat alles ins Casino getragen,
       weshalb bei seinem Prozess auch alle aktuellen Mitarbeiter der Erfurter
       Spielbank als Zeugen geladen waren.
       
       Der Geschäftsführer will alles verbraten haben, um seine auch so marode
       Firma doch noch über Wasser zu halten. Nur: Warum haben Produktionsfirmen
       zumindest teilweise die Anwaltskosten für ebenjenen Herstellungsleiter
       übernommen?
       
       Und was bitte meint der vom MDR intern eingesetzte Sonderermittler Ingmar
       Weitemeier, wenn er – wie mehrere Rundfunkratsmitglieder unabhängig
       voneinander bestätigen – sinngemäß sagt, er gehe davon aus, dass das Geld
       gar nicht weg sei?
       
       Sondern zu großen Teilen einfach nur irgendwo geparkt? Und warum hat
       Weitemeier die nicht ganz unbedeutungschwangeren Andeutungen ausgerechnet
       in einer länglichen Sitzungspause des Rundfunkrats gemacht, die nicht
       protokolliert wurde?
       
       Was trieb Udo Foth zu seinen Finanzkapriolen? 
       
       Warum der MDR-Unterhaltungschef seinen nicht ganz kleinen
       Herrschaftsbereich beim Volksmusikstadl zur halbamtliche Spar- und
       Darlehenskasse umfunktionierte, ist immer noch unklar. Weil alle das Maul
       halten, Foth natürlich erst recht. So eilig scheint es beim MDR und darüber
       hinaus in der ARD aber auch keiner zu haben, Antworten zu finden.
       
       Zum Beispiel warum völlig unbeteiligte, aber offenbar einigermaßen solvente
       Dritte – Musikmanager und Event-Impresarios zum Beispiel – für den MDR
       Rechnungen bezahlten, wovon zumindest der jetzt glücklich pensionierte
       MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze auch seit 2009 wusste?
       
       Und warum hat der MDR offenbar weiterhin Probleme mit von Foth
       unterschriebenen Verträgen oder zugesagten (Moderations-)Engagements, zum
       Beispiel mit dem Edel-Ossi Carsten J. W. Weidling, der von seiner vom
       Gebührenzahler finanzierten MDR-Weltreise immerhin eine Menge hübscher
       Klobildchen ins Netz gestellt hat?
       
       Dass der "arme" Udo "Ufo" Foht dabei ertragen muss, ständig mit vollem
       Namen genannt zu werden, während bis auf die Sächsische Zeitung alle höchst
       anonymisierend vom Kika-Herstellungsleiter Marco K. schreiben, ist dabei
       noch die Zugabe für medienjuristische Feinschmecker.
       
       Wann gibt Werner Kimmig endlich seine Erklärung vom September 2011 ab? 
       
       Ja, schon wieder MDR. Aber keiner sage, er sei nicht gewarnt. Also: Kimmig,
       mit allen großen deutschen TV-Sendern verbandelter Großimpresario aus dem
       schönen Oberkirch (Schwarzwald), hatte völlig uneigennützig zumindest eine
       Foht/MDR-Rechnung bezahlt. Und Ende August über seine Firma ankündigen
       lassen, er sei gerade als guter Schwarzwälder auf Wanderurlaub, würde sich
       aber in den nächsten Tagen zur Sache äußern. Wir warten.
       
       Aber vielleicht reicht als Erklärungsansatz ja schon der zum Jahresende
       aufgerufene Sendungsticker von Kimmigs Website: 06. 01. "Ella Endlich",
       MDR; 07. 01., "Krone der Volksmusik", ARD; 13. 01. "Helene Fischer live",
       MDR; 15. 01., "Helene Fischer - so wie ich bin", RBB; 30. 01., "Orden wider
       den tierischen Ernst", ARD, es folgen "Verstehen Sie Spaß", der "Echo",
       usw., usf. … Nur: Warum regt das keinen auf?
       
       Wann geht Thomas Raabe Bertelsmann-Oberpriesterin Liz Mohn auf den Geist? 
       
       Dass der unumstritten höchstbegabte Zahlendreher Raabe, bislang
       Finanzvorstand von Deutschlands größtem Medienhaus, den anscheinend doch zu
       ostwestfälischen Hartmut Ostrowski ablöst, gehört zu den fast
       durchgerutschten Geschichten des Jahres 2011. Will der dank Stiftungsgenie
       hier und da steuerbegünstigte Familienkonzern aus Gütersloh am Ende doch
       wieder an die Weltspitze anschließen, die er in den 1990ern noch anführte?
       
       Thomas "Reloaded" nennen sie Raabe in Gütersloh, als Reverenz an den
       zumindest für Bertelsmann höchst profitablen, am Ende aber zu
       mächtig-modernen Thomas Middelhoff, berichtet Klaus Boldt vom manager
       magazin. Wie Raabe das Kunststück vollbringen will, Gütersloher
       Bodenständigkeit, Mohn'sche Angst vor Kontrollverlust und globalisierte
       Medienmarktrealitäten unter einen Hut zu bringen, bleibt spannend.
       
       Warum kümmern sich die Zeitungsverleger nicht mal um die Zukunft? 
       
       Dass sich die Herren der Zeitungen vor allem mit den öffentlich-rechtlichen
       Sendern ein Scharmützel nach dem anderen liefern (wobei sie immer noch
       darauf hereinfallen, dass das ZDF in schönster Arbeitsteilung mit der ARD
       den "Good Cop" spielt), scheint auch zu den Konstanten des neuen
       Jahrtausends zu gehören.
       
       Warum konzentrieren sie sich nicht einfach mal darauf, guten Journalismus
       zu verkaufen statt bedrucktes Papier? Und wann wird der beinahe
       messianische Glaube an die große Erlösung durch die App der Erkenntnis
       weichen, dass daran eher mal die Pharisäer von Apple verdienen?
       
       Wieso lässt das ZDF "Wetten, dass ..?" nicht in Ehren sterben? 
       
       Gottschalk ist unersetzbar. Das hat er nicht nur in seiner letzten "Wetten,
       dass ..?"-Sendung bewiesen, sondern auch bei der Werbetour für seine
       künftige ARD-Talkbude (was im Umkehrschluss aber nicht heißt, dass die
       funktioniert: ARD viermal die Woche ist nicht ZDF Samstagabend, 20.15 Uhr).
       
       Und wer soll diesen öffentlich-rechtlichen Todestempel übernehmen? Udo
       Reiter? Carsten Weidling? Im Ernst: Warum ZDF-Programmdirektor Thomas
       Bellut dem künftigen ZDF-Intendanten Thomas Bellut eine solche Hypothek mit
       Zins und Zinseszins in den Weg rollt, wüsste man schon gern. Oder sollte am
       Ende Christian Wulff …?
       
       Wann gewinnt Leo Kirch posthum gegen die Deutsche Bank? 
       
       Der Löwe ist tot, es lebe der Leo. Denn die Prozesse gegen die Bank bzw.
       ihren damaligen Chef Rolf Breuer, der Kirchs Kreditwürdigkeit 2002 im
       TV-Interview bestritt und so nach Kirchs Meinung auslösender Sargnagel für
       die Pleite seines Medienimperiums wurde, laufen weiter. Der Betrugsprozess
       – Breuer soll in einem der vielen seit über zehn Jahren laufenden Verfahren
       gelogen haben – wurde kurz vor Weihnachten gegen Zahlung von 350.000 Euro
       durch Breuer eingestellt.
       
       Wann findet Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) endlich das
       Leistungsschutzrecht für die Verlage wieder? 
       
       Im Bundesministerium der Justiz gibt es viele Schubladen. In einer muss
       dieser vermaledeite Gesetzesentwurf verschüttgegangen sein. Denn er ist
       längst fertig, im Koalitionsvertrag auch zugesagt und tut – so abgespeckt,
       wie er ist – auch keinem wirklich weh.
       
       Warum glaubt die ARD trotz Beweis des Gegenteils immer noch, dass ihre
       Talk-Offensive Sinn macht? 
       
       Nein, "Günther Jauch" mit "stern tv" zu vergleichen, bringt auch schon
       länger keinen Spaß mehr. Selbst der sonst so stimmmächtige Talk-Kritiker
       und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) scheint tot gequatscht.
       Jauchs Quoten stimmen dank "Tatort" davor, alle anderen Talks
       (Maischberger, Will, "Hart aber fair"-Plasberg, Beckmann) haben verloren.
       
       Und überall menschelt's: "Die Fitness-Religion - gehören Pummel an den
       Pranger?"/HAF, "Malochen bis 67 und dann arm - ist das sozial?"/Will, "Nur
       die Liebe zählt"/Maischberger, Jesus! Wen wundert's da, dass "Beckmann"s
       Quoten richtig im Keller sind?
       
       Wieso kündigte bei RTL Super-Nanny Katharina Saalfrank wirklich? 
       
       Zu Weihnachten säuselte die Erziehungsfee ("Alles, was Kinder tun und
       sagen, hat Sinn") im Berliner Tagesspiegel nochmal, sie sei ganz ohne Groll
       gegangen und RTL dolle dankbar. In einer ersten Gefühlsregung Ende November
       hatte das noch etwas anders geklungen: "In meiner Arbeit als Fachkraft in
       diesem Format wurde extrem und teilweise sogar gegen pädagogische
       Interessen eingegriffen." Dies sei sicher der "Entwicklung des medialen
       Marktes" hin zu inszenierter Realität geschuldet, zitierte sie damals der -
       äh: Tagesspiegel. 
       
       Wann klärt Springer seine Vergangenheit auf? 
       
       Im November überraschte Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlags,
       mit der Ankündigung, er wolle den einstigen Umgang seines Hauses mit
       Bild-Kritiker Günter Wallraff untersuchen. Wann gibt es Konsequenzen? Wann
       Ergebnisse? Und: Wo werden sie veröffentlicht?
       
       2 Jan 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
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