# taz.de -- Saarbrücken-"Tatort": "Guckt den Film nicht!"
       
       > Der Saarbrücken-"Tatort" am Sonntagabend ist der letzte mit Ermittler
       > Deininger. Der Film und die Schauspieler wachsen weit übers übliche
       > "Tatort"-Niveau hinaus.
       
 (IMG) Bild: Autobahn von unten: Szene aus dem "Saarbrücken-"Tatort".
       
       BERLIN taz | Eine bessere Werbung für einen "Tatort" kann es eigentlich
       nicht geben: Der eigene Kommissar tingelt durch die Presse und fordert:
       "Guckt den Film nicht!" Allerdings geht es dem Saarbrücker Ermittler Stefan
       Deininger nicht um Guerilla-Marketing für "Verschleppt". Gregor Weber, der
       in der Saar-Ausgabe der ARD-Krimireihe den Deininger mimt, meint es ernst.
       Dabei ist dieser "Tatort" wahrscheinlich sein bester.
       
       Denn der Film und mit ihm die Schauspieler wachsen deutlich über das
       übliche "Tatort"-Niveau hinaus. Schon die ersten, verstörenden Sequenzen,
       in denen sich ein verletztes Mädchen im weißen Nachthemd an der
       Lärmschutzwand einer Autobahn entlang tastet, dazu der schrille, dem
       Zuschauer einiges abverlangende Ton: "Verschleppt" ist mehr Thriller als
       betulicher Krimi-Alltag.
       
       Und noch dazu mit einem Thema, dass garantiert nicht zur gemütlichen
       Sonntagabendunterhaltung taugt. Denn das Mädchen, das wenig später tot in
       der Nähe der Autobahn gefunden wird, wurde entführt und über Jahre von
       ihrem Peiniger in einem Keller versteckt und mit bizarren Methoden auf
       Gehorsam trainiert.
       
       ## Absolut sehenswert
       
       Doch bevor sie davon auch nur eine Ahnung haben, werden Deininger und sein
       Kollege Kappl (Maximilian Brückner) mit dem nächsten Opfer konfrontiert.
       Wieder trägt das Mädchen nicht mehr als ein weißes Nachthemd. Aber es lebt.
       
       Während "oben" die Polizeiarbeit sich zunächst auf einen einschlägig
       bekannten Pädophilen konzentriert, führt "Verschleppt" die Zuschauer immer
       wieder in fast schon physisch schmerzhaften Szenen in das Kellerverlies.
       Die Parallelen zum realen Fall Fritzl/Kampusch sind unübersehbar, und die
       Ermittler geraten schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
       
       Weber spielt seinen Deininger hart an der Grenze des Nervenzusammenbruchs.
       Zeugen wie Kollegen werden angeschnauzt, Verdächtige über alle Maßen unter
       Druck gesetzt – da ist nichts mehr von überheblicher Ermittler-Coolness
       oder gewollte Kaltschnäuzigkeit, sondern nur noch pure Verzweiflung.
       
       Allein das macht "Verschleppt" absolut sehenswert. Dass Weber den Film
       trotzdem derart in die Tonne tritt, hat eher damit zu tun, dass
       "Verschleppt" (Regie: Hannu Salonen) [1][sein letzter "Tatort" von der Saar
       sein wird.] Der Saarländische Rundfunk hat die Kommissare Kappl und
       Deininger gefeuert, ab 2013 ermittelt Devid Striesow als neuer Kommissar
       bei der zweitkleinsten ARD-Anstalt.
       
       22 Jan 2012
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Tatort-Kommissar-ueber-sein-neues-Leben/!86069/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA