# taz.de -- Internationale Vermarktung der Bundesliga: Markt der Möglichkeiten
       
       > Auch im Ausland steigt der Wert des deutschen Fußballs. Die Bundesliga
       > steigert die Erlöse aus TV-Rechten um 50 Prozent, sieht aber immer noch
       > großes Potenzial.
       
 (IMG) Bild: Er hat die Haare schön: Bayern-Keeper Neuer bei DFB-Marketingtagen.
       
       Die Globalisierung ist auch für den deutschen Fußball nicht aufzuhalten.
       Mag sich der Besucher längst daran gewöhnt haben, dass Profis aus aller
       Herren Länder hierzulande auf den Gehaltslisten stehen, ist es doch eine
       recht neue Erkenntnis, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mittlerweile im
       Gegenzug ganz gutes Geld damit macht, ihr Produkt im Ausland zu vermarkten.
       
       Wie Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, zu
       Wochenbeginn in der Zentrale im Frankfurter Westend mitteilte, wird die
       Bundesliga aus der internationalen Vermarktung in der kommenden
       dreijährigen Rechteperiode bis 2015 summa summarum 214 Millionen Euro
       erlösen - mehr als 70 Millionen Euro pro Saison. Steigerungsrate 50
       Prozent.
       
       In allen 208 Fifa-Mitgliedsländern ist die Bundesliga mittlerweile zu
       sehen, Livebilder gibt es in 200 Ländern, wenn auch größtenteils im
       Bezahlfernsehen. Zwar sei, wie Seifert ausführte, die Premier League, die
       rund eine halbe Milliarde Euro pro Spielzeit aus diesem Sektor einnimmt,
       weltweit auch auf absehbare Zeit viel stärker gefragt, aber "wir legen den
       nächsten Gang ein und werden Gas geben".
       
       ## Dramatischen Rückstand aufholen
       
       Dabei lohne der selbstkritische Blick zurück. "Unser Rückstand war
       dramatisch", sagte Seifert über die Einnahmen aus der internationalen
       Vermarktung vor der WM 2006. Während die Premier League 2005 bereits 150
       Millionen Euro und die italienische Serie A 50 Millionen mit der
       Auslandsvermarktung verdiente, flossen für die Bundesliga ganze 12
       Millionen. "Über Jahre haben wir viel zu wenig gemacht", bekannte Seifert,
       "der Nachholbedarf war signifikant."
       
       Für die DFL hat sich nicht nur gelohnt, unter der Führung von Jörg
       Daubitzer eine eigene Abteilung mit der Auslandsvermarktung zu
       beschäftigen, sondern sich nachhaltig neu zu positionieren. Erst seit 2009
       vermarktet die DFL mit ihrer Tochterfirma Sports Enterprises die Rechte
       selbst und bietet die selbst produzierten Bilder in diversen Formaten mit
       dem Ziel an, "vom großen Kuchen ein größeres Stück abzubekommen", so
       Seifert.
       
       Dazu gehört auch, dass die DFL in diesem Halbjahr mit zwei Mitarbeitern
       eine eigene Außenstelle in Singapur eröffnet, um mit einer
       Asien-Pazifik-Repräsentanz als Brückenkopf näher an den dortigen
       Medienpartnern zu sein. Die dortige Region biete die besten
       Wachstumschancen, glaubt die DFL.
       
       ## Sogwirkung durch lokale Größen
       
       Interessant auch, dass die Bundesliga ab dem Sommer - pünktlich zu ihrem
       50. Geburtstag - [1][eine eigene Website] nur für ausländische
       Interessenten schalten wird, die zunächst in Englisch und Spanisch, dann
       auch in Japanisch oder Polnisch gehalten werden soll.
       
       Die Sogwirkung der Liga fußt nicht nur auf Topteams und Topstars, sondern
       funktioniert vor allem mit lokalen Größen. So seien in Polen nicht etwa
       Klassiker mit Real Madrid oder Manchester United im Fernsehen am meisten
       gefragt, sondern die Spiele von Borussia Dortmund, wo mit Robert
       Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek drei prominente
       Nationalgrößen beschäftigt sind.
       
       Die Einnahmen aus der Auslandsvermarktung, auf nationalem Feld als
       Einzelposten nur von Sky und ARD übertroffen, werden übrigens nach einem
       komplizierten Schlüssel fast allein unter den Erstligisten verteilt, den
       größten Batzen erhalten die international beschäftigten Teams. Seifert hält
       das für "folgerichtig, schließlich sind das im Ausland auch unsere größten
       Werbeträger". Der 42-Jährige kann sich für eine bessere Präsenz vorstellen,
       "den DFL-Supercup mittelfristig in Asien oder Amerika auszutragen - nur
       müssten dann auch die Klubs mitziehen".
       
       1 Feb 2012
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.bundesliga.com
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frank Hellmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Fußball
       
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