# taz.de -- Uni Lübeck will Schavan auszeichnen: Ehrung mit Geschmäckle
       
       > Lübecks Uni will die Bundesbildungsministerin auszeichnen. SPD-Politiker
       > erkennen darin Wahlkampf. Die Geehrte selbst will nun ein Jahr warten.
       
 (IMG) Bild: Kommt wieder, aber erst 2013: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Lübeck.
       
       HAMBURG taz | Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) steht vor
       ihrem vierten Doktortitel - und es ist wohl der mit dem größten politischen
       Aufreger-Potential: Die Universität zu Lübeck möchte der CDU-Ministerin den
       Titel ehrenhalber verleihen. Geplant war das für Anfang April - wenige
       Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Darüber ereifern sich
       SPD-Politiker im Land, aber auch auf Bundesebene. Schavan reagiert auf
       diese Kritik: Sie will die Ehrung erst ein Jahr später entgegennehmen.
       
       Der Doktortitel hat auch deshalb politische Sprengkraft, weil er an den
       Kampf der Hochschule um ihre Existenz erinnert. Denn der Kern der Uni, der
       Medizinstudiengang, stand 2010 auf einer Streichliste des schwarz-gelben
       Kieler Kabinetts. Schavan verhinderte die Schließung: Über Umwege ließ sie
       Schleswig-Holstein zusätzliche Bundesmittel zukommen. So erreichte die
       Landesregierung ihr Sparziel, aber die Uni konnte trotzdem weiter bestehen.
       Unter anderem wurde das Kieler Geomar-Zentrum für Meeresforschung
       umgewandelt: Zuvor ein Leibniz-Institut, zählt es heute zur
       Helmholtz-Gesellschaft. Der Clou: Nun trägt das Bundesland nur noch nur
       zehn Prozent der Kosten, bei einem Leibniz-Institut wären es 50 Prozent
       gewesen.
       
       Noch recht verhalten reagierte am Dienstagabend der bildungspolitischer
       Sprecher Kieler SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, auf die geplante
       Auszeichnung: Das sei "ein interessanter Zeitpunkt, der aus Sicht des
       Wahlkämpfers zu kritisieren sein könnte", schrieb er in einer Mitteilung.
       Wenn der Preis für die Rettung der Lübecker Uni ein Ehrendoktorhut für Frau
       Schavan sei, so Habersaat, "sei er ihr gegönnt".
       
       Die Zeitungen im Land berichteten über Habersaats Kritik. Auf dem
       Kurznachrichtendienst Twitter äußerten sich auch SPD-Landeschef Ralf
       Stegner: Er [1][schrieb] von "Amigos im Norden" und mutmaßte: "wetten, de
       Jager steht daneben und strahlt". Jost de Jager ist Wissenschaftsminister
       und CDU-Spitzenkandidat bei der anstehenden Wahl im Mai. In Anspielung auf
       den umstrittenen Bundespräsidenten Christian Wulff [2][sah Stegner] gar den
       "neuen Zeitgeist von Bellevue" auch durch Schleswig-Holstein wehen.
       
       De Jagers Sprecher sagte auf taz-Anfrage, dass der Minister nicht selbst am
       Jahresempfang der Universität teilnehmen werde - allerdings sei eine Visite
       von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) geplant.
       
       [3][Deutlicher] noch als Stegner wurde der parlamentarische Geschäftsführer
       der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann: "Es ist nicht statthaft, wenn
       die amtierende Ministerin für Bildung von einer deutschen Universität einen
       Ehrendoktor erhält." [4][Das erwecke den Anschein,] die Universität wolle
       sich das Wohlwollen Schavans erkaufen.
       
       Derweil erklärte sich der Sprecher der Universität, Rüdiger Labahn: Die
       Verleihung von Ehrendoktor würden sei stets an den Jahresempfang gekoppelt
       worden. Und der finde traditionell zum Beginn des Sommersemesters statt,
       also Mitte April. Den Ehrendoktor erhalte Schavan auch, weil sie
       Gesundheits-Forschungszentren ins Leben gerufen habe und sich für den
       Wissenschaftscampus Lübeck "BioMedTec" engagiere, so Labahn. Auf die
       SPD-Vorwürfe wollte er nicht eingehen: "Twitternachrichten von Politikern
       im Wahlkampf lassen wir grundsätzlich unkommentiert."
       
       Ganz so locker wie die Uni-Leitung sah Schavans Ministerium den Fall wohl
       nicht: Die Ministerin Schavan werde die ihr von der Universität Lübeck
       angetragene Ehrendoktorwürde annehmen, teilte ihr Haus am Nachmittag mit -
       allerdings nicht am 13. April. "Sie hat mit der Universität Lübeck
       vereinbart, dass die Verleihung auf die Jahrestagung im nächsten Jahr
       verschoben wird", teilte ein Sprecher mit. Warum? "Es wäre schade, wenn die
       Verleihung einer akademischen Auszeichnung zu Wahlkampfzwecken
       instrumentalisiert würde."
       
       SPD-Mann Habersaat freut sich über Schavans Terminentscheidung: 2013, sagt
       er, sei die Verleihung halb so wild.
       
       15 Feb 2012
       
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