# taz.de -- Kommentar Flaschenverbot: Verbote laufen ins Leere
       
       > Wer im Suff Krawall machen möchte, der tut es – da helfen auch 5.000
       > Polizeieinsätze und verdachtsunabhängige Kontrollen nicht.
       
 (IMG) Bild: Eine kleine Schwester der Reeperbahn: die Kieler Bergstraße
       
       Aus der Sicht eines Sicherheits-Hardliners mag es schlüssig klingen. Jede
       verhinderte Körperverletzung ist ein Erfolg, jede Körperverletzung, die
       zudem noch durch den Konsum von Alkohol ausgelöst wird, ist eine zu viel.
       Das mag man durchaus unterschreiben – wenn es denn in der Realität so wäre.
       
       Doch gerade der Sachstandsbericht über die Erfahrungen mit dem
       Flaschenverbot auf dem St. Pauli-Kiez zeigt, dass mit repressiven Maßnahmen
       das Gewaltphänomen, was zweifelsohne in dieser Gesellschaft ein ernstes
       Problem ist, nicht begegnet kann.
       
       So ist trotz des Einsatzes von 5.000 Polizisten übers Jahr verteilt, die
       aufgrund ihrer polizeilichen Befugnisse verdachtsunabhängige Kontrollen
       nach Waffen und Flaschen durchführen dürfen, die Zahl der mit Flasche
       verübten Körperverletzungen kaum zurückgegangen. Wer im Suff aggressiv
       Krawall machen möchte, der macht es – trotz Waffen- oder Flaschenverbot.
       
       Schon bei der Videoüberwachung der Reeperbahn, wo Millionen Kiezbesucher
       mit einem Eingriff in ihr informationelles Selbstbestimmungsrecht
       konfrontiert waren, wurde klar, dass die Videoaugen zu keinen Rückgang der
       Kriminalität beitragen haben. Und das Flaschenverbot offenkundig auch nicht
       – außer, dass einige Leute den Bock auf den Kiez verloren haben.
       
       10 May 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai von Appen
       
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