# taz.de -- Aufmarsch mit Hindernissen: Polizei legt Neonazis still
       
       > 300 "Autonome Nationalisten" müssen am 2. Juni ihren "Tag der deutschen
       > Zukunft" auf einer Kreuzung feiern.
       
 (IMG) Bild: 1. Mai 2008: Bei einer Demonstration, die die NPD angemeldet hatte, liefen überraschend auch 600 "autonome Nationalisten" mit.
       
       Hamburg steht am 2. Juni ein turbulenter Samstag bevor. Mehr als 1.000
       Neonazis wollen in der Elbmetropole ihren selbst ernannten „Tag der
       deutschen Zukunft“ begehen, um sich gegen die „Überfremdung des deutschen
       Volkes“ zu wehren. Die Polizei befindet sich in Alarmbereitschaft.
       
       Vor dem Hintergrund der mutmaßlich zehn Morde durch das Zwickauer Nazi-Trio
       des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ habe die Veranstaltung eine
       „nicht zu unterschätzende symbolische Wirkung für rechtsextreme
       Gruppierungen nicht nur auf lokaler, sondern auch auf internationaler
       Ebene“, heißt es in der Gefahrenprognose des Landeskriminalamtes, die der
       taz in Auszügen vorliegt.
       
       Ursprünglich wollte der braune Mob vom Gänsemarkt aus quer durch die
       Innenstadt zum Berliner Tor marschieren. In den Kooperationsgesprächen
       hatte die Polizei die Route abgelehnt, ebenso einen von den Nazis wegen des
       Symbol-Charakters vorgeschlagene Alternativweg entlang der historischen
       Stätten des „Altonaer Blutsonntags“. An den Gesprächen nahm auf Seite der
       Neonazis erstmals seit langem das in freudiger Eintracht wiedervereinte
       Neonazi-Tandem Thomas Wulff und Christian Worch teil.
       
       Der braune Spuk ist als stationäre Kundgebung auf die Kreuzung Pappelallee
       / Ecke Hammer Straße in Wandsbek verlegt worden – den Neonazis schmeckt das
       nicht. „Gegen diese Auflage ist Klage eingereicht worden“, sagt
       Polizeisprecherin Sandra Levgrün.
       
       Obwohl die Organisatoren Ricarda und Dieter Riefling persönlich zerstritten
       sind und die rechte Szene in Niedersachsen deswegen gespalten ist,
       organisieren die beiden den Aufmarsch gemeinsam weiter. Im
       mecklenburgischen Grevesmühlen – eine Autostunde von Hamburg entfernt –
       fand am Wochenende eine Mobilisierungsveranstaltung im „Thing Haus“ mit
       Wulff und den Rieflings statt, wo die Bedeutung der Aktion in Hamburg
       unterstrichen worden ist. Es sei notwendig, „politischen Widerstand gegen
       die Überfremdungs-Strategie der Politmafia“ zu leisten.
       
       Das Hamburger Bündnis gegen rechts ruft am 2. Juni zur Gegendemonstration
       auf. Senat, Bürgerschaft, Gewerkschaften und Kirchen haben zu einer
       Volksversammlung unter dem Motto „Hamburg bekennt Farbe“ auf dem
       Rathausmarkt aufgerufen. „Wir begrüßen das breite zivilgesellschaftliche
       Engagement“, sagt die innenpolitische Sprecherin der Linkspartei,
       Christiane Schneider. Es stelle sich aber die Frage: „Warum zieht die
       Innenbehörde ein Verbot des Nazi-Aufmarsches nicht ernsthaft in Erwägung?“
       
       Im Auflagenbescheid wird ein Urteil des niedersächsischen
       Oberverwaltungsgerichts angeführt, wonach die Teilnahme von 340
       gewalttätigen „autonomen Nationalisten“ an einem Aufmarsch ein Verbot
       rechtfertigen könne. Der Hamburger Staatsschutz rechnet mit der Teilnahme
       von 300 Personen aus diesem Spektrum. Bei ihrem letzten Auftreten in
       Hamburg am 1. Mai 2008 kamen entgegen der niedrigeren Prognosen des
       Verfassungsschutzes 600 „autonome Nationalisten“.
       
       22 May 2012
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Proteste gegen Naziaufmarsch in Hamburg: Rechte müssen warten und ausweichen
       
       Wasserwerfer gegen Sitzblockaden: Am Rande eines rechten Aufmarsches kommt
       es zu Ausschreitungen zwischen Polizei und Linken. Rund 500 Neonazis
       mussten drei Stunden warten.
       
 (DIR) Gegendemo: "Unser Kreuz hat keine Haken"
       
       Mobilisierung gegen den Nazi- Aufmarsch am 2. Juni.