# taz.de -- Geförderte Bildungs-Projekte: Kita-Kinder spielen mit Energie
> Seit Jahren fördert die SWB Lernprojekte wie den "Energiepfad" einer
> Bremer Kita. Wie lange das angesichts der EWE-Sparpläne noch möglich sein
> wird, weiß niemand.
(IMG) Bild: Der "Solarzeppelin" ist eine Station des Energie-Parcours, die auch ohne Fördergeld umzusetzen ist
BREMEN taz | Es gibt für Kinder ja nichts Schöneres als herumzumatschen. Im
Garten der Kita „Arche“ am Buntentorsteinweg können die Drei- bis
Sechsjährigen das an einer „Matsch-Station Deluxe“ tun. Die besteht aus
einer Pumpe, einem langem Wasserlauf mit regulierbaren Schotten und einem
Wasserrad, und finanziert wurde sie von der SWB.
„Kinder haben bereits im Kinderwagen Präkonzepte“, sagt Kita-Leiterin Rose
Hergesell. „Wenn sie immer wieder den gleichen Gegenstand auf den Boden
werfen, testen sie eigentlich nur aus, ob sich ihre Vorstellung davon, dass
dieser Gegenstand tatsächlich runterfällt, bestätigt.“ Für ein solches
Austesten ist auch die neue Wasserstation bestimmt: Wie schnell fließt das
Wasser, wie hoch kann ich es stauen, wann bricht der selbst gebaute Damm?
Und: Sie ist nicht einfach nur ein neues Spielgerät oder ein „Ort für
Auseinandersetzungsprozesse der Kinder“, wie es Hergesell beschreibt,
sondern Teil eines „Energie-Parcours“, der aus mehreren Stationen besteht.
Mit einem „Solar-Zeppelin“ zeigen die ErzieherInnen, dass warme Luft nach
oben steigt, auf dem „Energie-Sofa“ können die Kinder testen, welche
Materialien sich schnell und welche sich langsam erwärmen, die
„Luftballon-Rakete“ schießt zum großen Vergnügen der Kleinen
unterschiedlich stark aufgepumpte Ballons ab.
Der Parcours ist Teil des Projekts „Energie sichtbar machen“, mit dem sich
die Kita um Fördergeld der SWB-Bildungsinitiative beworben hat. 3.000 Euro
gab‘s für das Baumaterial, die Arbeit wurde mit den Eltern der 60 Kinder in
Eigeninitiative geleistet.
„Toll ist vor allem die Nachhaltigkeit“, sagt Rose Hergesell, „denn die
Wasserstation ist ja als Spiel- und Lernort fest installiert.“ Und die
restlichen Bestandteile des Parcours ließen sich ohne Zeit- und Geldaufwand
bei Bedarf jederzeit wieder neu aufbauen.
„Das Kita-Projekt“, sagt SWB-Sprecher Friedhelm Behrens, „ist thematisch
natürlich sehr nah an unserem Unternehmen, aber das ist keine Voraussetzung
für eine Förderung“. Viel mehr gehe es darum, kreative Ideen von Schulen
und Kindergärten zu unterstützen, für die von anderer Stelle kein Geld zu
erwarten sei: „Gerade Bremen braucht im Bildungsbereich an vielen Stellen
Hilfe.“
Gefördert werden seit zehn Jahren Projekte zur Integration, Sprach-,
Schreib- und Lesekompetenz, zu Medien, Bildender Kunst, Politik oder
Naturwissenschaften. „Das können auch Tanz- Theater- oder Filmprojekte
sein“, sagt Behrens.
Eine Jury, in der Vertreter des Bildungs- und des Sozialressorts, des
Landesinstituts für Schule, Pädagogen, Eltern, Schüler und natürlich
Unternehmensvertreter sitzen, entscheidet darüber, wer gefördert wird und
verleiht seit zwei Jahren außerdem Sonderpreise für die besten Projekte.
110.000 Euro stellt die SWB jährlich dafür zur Verfügung. Wie lange sie das
noch kann, steht in den Sternen, denn ihr Oldenburger Mutterkonzern EWE
möchte Firmenteile zusammenlegen, Geschäftsbereiche der SWB übernehmen und
rund 30 Millionen Euro pro Jahr einsparen.
„Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass die Bildungsinitiative noch fünf
Jahre weitergehen wird“, sagt Behrens. Erst einmal sei sie bis zum Jahr
2015 geplant. „Das kann aber auch heißen, dass schon früher Schluss ist“.
Er hoffe aber, „dass alle auch in Zukunft davon überzeugt sind, dass Geld
für die Förderung von Chancengleichheit gut angelegt ist“.
Das „Bündnis für Gemeinnützigkeit“ tut das offenbar. Es besteht unter
anderen aus dem Bundesverband Deutscher Stiftungen und dem Deutschen
Kulturrat und hat die Bildungsinitiative im Juni für den Deutschen
Engagementpreis nominiert.
4 Jul 2012
## AUTOREN
(DIR) Simone Schnase
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Privatisierungsfolgen: EWE will Bremer SWB-AG abwickeln
Der Senat hat seine Stadtwerke verkauft - nun geraten sie wegen der
Konzernmutter EWE in die Krise. So oder so wird die EWE-Sanierung
Arbeitsplätze kosten.