# taz.de -- Jugend wohnt: Wut im Raum
       
       > Steigende Mieten betreffen junge Leute besonders. Mit dem Projekt
       > „Wohnwut“ machen sie ihrem Ärger Luft – und fordern mehr Durchmischung im
       > Kiez.
       
 (IMG) Bild: Billig und zentral wohnen: Für viele nur noch ein Traum
       
       Dass schulischer Erfolg von Kindern und Jugendlichen auch mit deren
       Wohnsituation zu tun hat, sich etwa mangelnder eigener Raum für Lernen und
       Hausaufgaben negativ auf Noten und damit die Karriere auswirkt, haben
       Bildungsstudien schon gezeigt: Armut macht arm.
       
       Unter wie beengten und prekären Verhältnissen Jugendliche teilweise
       aufwachsen und wie bewusst ihnen dieses Problem selbst ist, zeigt nun eine
       Umfrage unter 350 BerlinerInnen zwischen 14 und 29 Jahren, die das
       Kreuzberger Jugendkunst- und Kulturhaus Schlesische 27 durchgeführt hat –
       und die nicht ohne Grund den sprechenden Titel „Wohnwut“ trägt.
       
       SchülerInnen, Auszubildende, Studierende und PraktikantInnen wurden dabei
       nach ihrer Wohnsituation, ihren Erfahrungen bei der Wohnungssuche und ihren
       Vorstellungen einer lebenswerten Stadt gefragt. Die Ergebnisse,
       veröffentlicht als 70-seitige Broschüre und als Hördatei im Internet,
       machen klar, dass junge Menschen – in der Regel nicht zahlungskräftig – von
       steigenden Mieten und Verdrängung besonders betroffen sind.
       
       Leben große Familien in zu kleinen Wohnungen, geht das oft auf Kosten der
       Kinder, die dann kaum Privatsphäre haben. Und wer da rauswill, aber noch
       kein oder nur ein geringes eigenes Einkommen hat, steht auf der
       Beliebtheitsskala der VermieterInnen ganz unten. Wenn „Anzugträger“ unter
       den Bewerbern seien, so ein Befragter, „haben wir keine Chance“.
       
       Besonders schlimm, sagt Regina Schödl, Referentin für Soziales beim
       Paritätischen Wohlfahrtsverband, dessen Stiftung die Umfrage finanziert
       hat, sei die Lage für junge Flüchtlinge und Jugendliche, die in betreuten
       Wohngemeinschaften lebten – und mit der Volljährigkeit auf den freien
       Wohnungsmarkt entlassen würden, wo sie mit Schüler-Bafög und ohne solide
       Elternbürgschaft so gut wie chancenlos sind. Schödl berichtet von einer
       Jugendlichen, die eineinhalb Jahre lang auf Sofas bei Freunden lebte: in
       der Abiturphase, ohne Platz auch nur für Bücher. „Ausgerechnet von denen,
       die Probleme haben, wird erwartet, dass sie mit 18 alles allein regeln
       können“, ergänzt Andreas Schulz, Jugendhilfereferent beim Paritätischen
       Wohlfahrtsverband.
       
       ## Von der Politik ignoriert
       
       Berlin als Stadt, die mit einem bunten, weltoffenen und jugendlichen Image
       wirbt, könne mehr für sie tun, etwa preiswerten Wohnraum bereithalten,
       wünschen sich die Jugendlichen. Ihr Ideal ist die gemischte Stadt, in der
       Alt und Jung, Arm und Reich nebeneinander leben. Ein konkreter Vorschlag
       dazu: verschiedene Miethöhen in denselben Häusern. Von der Politik fühlen
       sich die Befragten kaum wahrgenommen.
       
       Bei der Veröffentlichung der Umfrage soll es deshalb nicht bleiben: Derzeit
       erarbeiten Jugendliche mit KünstlerInnen Konzepte, um ihre Ideen für eine
       lebenswerte Stadt bei der Aktion „Junipark“ im Juni zu präsentieren – auf
       einem Neuköllner Brachengelände und mit bezirksbezogenen
       „Guerillaaktionen“.
       
       ■ Interessierte mit Wut im Bauch können noch mitmachen:
       [1][wohnwuts27.wordpress.com/]
       
       24 Mar 2014
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://wohnwuts27.wordpress.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alke Wierth
       
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