# taz.de -- Großfluchhafen BER: Warnung landete im Müll
       
       > Zwei Jahre vor dem ersten Spatenstich gab es eine schriftliche Warnung
       > vor einer "Investitionsruine". Pirat Martin Delius kritisiert fehlende
       > Prüfung.
       
 (IMG) Bild: Zu diesem Zeitpunkt hätte man noch ohne Milliardenschaden aufhören können
       
       Flughafengesellschaft und Senatskanzlei wurden schon lange vor dem ersten
       Spatenstich vor umfangreichen Problemen am BER gewarnt. „Es wird
       befürchtet, dass die veranschlagte Investitionssumme von 1,983 Milliarden
       Euro nicht ausreichend sein wird“, [1][heißt es in einem internen Papier],
       das die taz jetzt veröffentlicht. Das Dokument wurde knapp zwei Jahre vor
       dem ersten Spatenstich verfasst. [2][Darin heißt es], der Bau drohe eine
       „Investitionsruine“ zu werden. Und tatsächlich: Aus den rund 2 Milliarden
       Euro wurden bisher 5,4 Milliarden Euro für den Flughafen, und ein Ende ist
       noch nicht in Sicht.
       
       So deutlich die Aussagen in dem Dokument sind, so unklar ist sein
       Charakter. Wer es ursprünglich verfasst hat, ist nicht bekannt. Im Mai 2005
       muss sich das Dokument in der Flughafengesellschaft befunden haben, denn
       von dort aus wurde es zu diesem Zeitpunkt an die Senatskanzlei des
       Regierenden Bürgermeisters und BER-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit
       gefaxt. Zu erkennen ist das an der Fax-Absendeerkennung. Von der
       Senatskanzlei erhielt die taz das Dokument jetzt durch einen Antrag auf
       Akteneinsicht nach Informationsfreiheitsgesetz.
       
       ## Kein Briefkopf, keine Unterschrift
       
       [3][Das Dokument hat 13 Seiten], keinen Briefkopf, keine Unterschrift, nur
       das rätselhafte Kürzel „B.A.C.“. Der Titel: „Anmerkungen zur Ausbauplanung
       und Finanzierung des Flughafens Schönefeld“. Der Verfasser weist auf
       verschiedene Probleme hin, die aus seiner Sicht bestehen.
       
       „Aus Gründen der öffentlichen Finanzierung müssen Dimension und
       Einzelheiten der Planung hinterfragt werden“, so [4][der Appell auf Seite
       2]. „In der Vergangenheit wurden zu unbedarft öffentliche Fördermittel in
       gescheiterte Großprojekte gesteckt“, heißt es. Beim Flughafen-Neubau
       „besteht das Risiko, dass die Länder Berlin und Brandenburg auf den bislang
       nicht abgesicherten Investitionen in Höhe von rd. 1,5 Milliarden Euro
       sitzen bleiben“.
       
       ## Überdimensiioniertes Terminal
       
       Der Verfasser kritisiert die teure Ausstattung des Flughafens mit
       [5][ungewöhnlich vielen Landebrücken], den aufwändigen [6][Bau eines
       Bahnhofs direkt unter dem Terminal], die [7][Vernachlässigung von
       Geschäftsfliegern]. Zwar steht in der Unterlage nichts zum
       Dauerproblemthema Brandschutz. Doch der Verfasser kritisiert, das Terminal
       sei überdimensioniert. [8][Er fordert die Trennung des Flugverkehrs] auf
       „ein von der Stadt schnell erreichbares Hauptterminal“ und ein zweites
       Terminal für Billigflieger. Ein wesentliches Problem heute mit der
       Brandschutzanlage ist, dass sie wegen der Größe des Terminals zu groß und
       unübersichtlich ist.
       
       [9][Und noch einen] Vorschlag hat der Verfasser: „Durch eine
       bedarfsgerechte Verkürzung der südlichen Start-/Landebahn kann insbesondere
       die Fluglärmbelastung im Bereich der Ortschaft Blankenfelde reduziert
       werden, so dass hier erheblich geringere Lärmschutzmaßnahmen finanziert
       werden müssen.“ Laut dem [10][in dieser Woche veröffentlichten
       Sachstandsbericht] warten noch mehr als 23.000 Haushalte auf ausreichenden
       Schallschutz. Bislang hat erst etwa jeder zwölfte der 25.500 berechtigten
       Haushalte vom Flughafen die nötigen Papiere erhalten, um Handwerker zu
       beauftragen.
       
       ## Delius: Verfasser vermutlich ein Insider
       
       Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses, der Piraten-Abgeordnete
       Martin Delius, meint: „Die Vermutung liegt nahe, dass das ein Insider aus
       dem Projekt verfasst hat.“ Ihn hätte „vor allem überrascht, dass da das
       Jahr 2004 drauf steht. Jetzt im Nachhinein sieht man ganz klar das Problem,
       hier an dieser Stelle überhaupt einen Großflughafen zu bauen. Aber offenbar
       gab es auch schon vor Baubeginn erhebliche Kritik.“ Er kritisiert: „Das ist
       ein verfehlter Umfang, der sich wie eine Kaskade durch das ganze Projekt
       zieht. Es wurde immer weitergemacht, ohne solche Hinweise ernsthaft zu
       prüfen.“
       
       Nach Ansicht der Flughafengesellschaft war das auch nicht nötig. In dem
       Papier [11][gebe es] „erhebliche gutachterliche Mängel“, es sei eine „bloße
       Aneinanderreihung von Meinungen, welche weder durch Fundstellenangaben oder
       Statistiken belegt, noch durch Verwendung oder Darstellung wissenschaftlich
       anerkannter Vorgehensweisen fundiert begründet werden“, heißt es in einer
       Stellungnahme der Flughafengesellschaft. Und was ist mit dem Dokument
       damals passiert? „Das Schriftstück befindet sich nicht in der
       Archivierung.“ Sprich: Es wurde entsorgt.
       
       Delius kommt das seltsam vor: „Dass die Flughafengesellschaft das Dokument
       damals an den Regierenden Bürgermeister gefaxt hat, zeigt ja, dass sie die
       Kritik darin für maßgeblich gehalten hat.“
       
       Wer hat sachdienliche Hinweise über den Verfasser [12][dieses Dokuments]?
       Melden Sie sich unter heiser@taz.de oder 030/25902-140 
       
       Die Vorgeschichte zu diesem Artikel: [13][Auskunftsklage gegen die
       Flughafengesellschaft] 
       
       Unser Publikationsservice für Informanten: [14][Wir veröffentlichen Ihre
       brisanten Dokumente]
       
       13 Jul 2014
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p5/a165833
 (DIR) [2] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p2/a165834
 (DIR) [3] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html
 (DIR) [4] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p2/a165835
 (DIR) [5] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p6/a165837
 (DIR) [6] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p7/a165838
 (DIR) [7] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p11/a165839
 (DIR) [8] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p3/a165836
 (DIR) [9] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html#document/p4/a165840
 (DIR) [10] http://www.berlin-airport.de/de/unternehmen/aktuelles/sachstandsberichte/
 (DIR) [11] http://www.documentcloud.org/documents/1216523-140623-taz-01-ss-fbb-v-13-06-14.html#document/p4/a165841
 (DIR) [12] http://www.documentcloud.org/documents/1216521-anmerkungen-ausbauplanung-schonefeld.html
 (DIR) [13] http://blogs.taz.de/hausblog/2014/07/13/gerichtsentscheidung-behoerden-muessen-sagen-wenn-sie-etwas-nicht-wissen/
 (DIR) [14] http://blogs.taz.de/hausblog/2014/05/11/publikationsservice-fuer-brisante-dokumente-2/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Heiser
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA