# taz.de -- Service Bahnfahren: Berlin-Trier, 1. Klasse, drei Euro
       
       > Fünf Millionen Reisende nutzen die Bahncard. Manche, obwohl es sich gar
       > nicht rechnet. Eine Orientierungshilfe mit einem Tipp für Biertrinker.
       
 (IMG) Bild: Später noch ein Weizenbier? Manche verdienen sich mit der Bahncard ihren Feierabend.
       
       Ob eine Bahncard sich lohnt, ist schwer vorherzusehen, denn die Preise
       schwanken teilweise stark. Auch ein [1][Bahncard-Rechner der Bahn] gibt nur
       sehr grobe Orientierung.
       
       Nach Meldungen zur Bahncard-Abschaffung im Dezember, wird die Bahn in der
       kommenden Woche ein neues Konzept für den Fernverkehr vorstellen. Wir haben
       vorher versucht, ein wenig nachzurechnen – und dafür auch die
       Facebook-Hinweise unserer Leser genutzt.
       
       Am beliebtesten ist die Bahncard 25. Sie hat etwa 3,5 Millionen Nutzer und
       macht vor allem Sinn für Frühbucher, denn 25 Prozent Rabatt gelten hier
       auch für Sparpreise, die vor allem, wenn man rechtzeitig dran ist, stark
       unter dem regulären Preis liegen. Für eine Fahrt von Berlin nach Köln und
       zurück, einer der beliebtesten Strecken Deutschlands, zahlt man für das
       Wochenende in zwei Monaten zur Zeit 120 Euro für die zweite Klasse, 90 Euro
       mit Bahncard 25. Die Bahncard 25 kostet regulär 62, reduziert 41 Euro.
       Sprich: Die reduzierte Bahncard lohnt sich ab zwei, die reguläre ab vier
       Reisen von Berlin nach Köln.
       
       ## Mit Croissants und Bonuspunkten
       
       Familien bekommen zum Teil Rabatte für die Bahncard: Eine vierköpfige
       Familie mit zwei Kindern über 14 zahlt nur 92 Euro für 4 Bahncards. Für sie
       lohnt sich die Bahncard 25 ab dem zweiten Trip von Berlin nach Köln.
       
       Auf unsere Bahncard-Umfrage [2][//www.facebook.com/taz.kommune:auf der
       taz-Kommune auf Facebook] schrieb uns ein Leser, der die Familien-Bahncard
       25 so für die 1. Klasse nutzt. „Wenn man es schlau macht“, behauptet er,
       „dann fährt man wirklich fast umsonst durch die Gegend.“ Er rechnet dann
       tatsächlich ein Beispiel für eine IC-Fahrt in der 1. Klasse von Trier nach
       Berlin vor: Die könne man früh gebucht für 29 Euro bekommen. Seine Rechnung
       sieht folgendermaßen aus:
       
       „Dafür gibt es 44 Bonuspunkte für die Fahrkarte und 14 Bonuspunkte für das
       Bezahlen mit der Bahnkreditkarte (Wert circa 2,50 Euro in Freifahrten
       gerechnet). Pause in Köln mit Frühstück in der Lounge mit 2 Kaffee und 1
       Croissant (Wert circa 6 Euro). In Berlin dann 2 Weizenbiere und eine Suppe
       bei der Ankunft in der Lounge (Wert circa 10 Euro). Macht Vergünstigungen
       im Wert von fast 18,50 Euro. Damit beträgt der reine Fahrpreis 1. Klasse
       Trier - Berlin nur noch circa 10 Euro. Wenn man dann noch das 'Glück' hat,
       dass es zu einer Stunde Verspätung gekommen ist, dann bekommt man 7,25 Euro
       vom Fahrpreis wieder und ist dann praktisch für 3 Euro nach Berlin gefahren
       (so kann man sich die Welt schönrechnen).“
       
       ## „Nur darstellen, was möglich ist“
       
       „Natürlich“, gibt der Familienvater zu, „ist das jetzt ein absolutes
       Extrembeispiel, was wohl keiner regelmäßig praktiziert.“ Weder bekomme er
       immer den günstigsten Sparpreis - oft müsse er 51 Euro bezahlen - noch
       mache er regelmäßig Pause in Köln, weil er ans Ziel kommen wolle. „Außerdem
       ist mir am Ziel nicht immer nach zwei Weizenbieren und der Zug ist in
       diesem Fall nicht auch noch 1 Stunde verspätet. Wollte nur darstellen, was
       möglich ist.“
       
       Die Bahncard 50 wiederum lohnt sich vor allem für Leute, die relativ viel
       und spontan Bahn fahren – schließlich gelten die 50 Prozent Rabatt nur auf
       den regulären Ticketpreis. Vorausschauende Bucher zahlen oft mit der
       Bahncard 25 weit weniger, und zum Teil auch ohne Bahncard dank Sparpreis
       kaum mehr als mit der Bahncard 50.
       
       Die Bahncard 50 kostet reduziert 127 Euro, regulär 255 Euro. Die reguläre
       Bahncard 50 lohnt sich beispielsweise ab dem dritten Kurztripp von Berlin
       nach Köln, die reduzierte ab dem zweiten.
       
       Die Bahncard 100 – eine Art Flatrate für's Bahnfahren, kostet 4.090 Euro in
       der zweiten Klasse. Das rentiert sich nur für Dauerpendler. Man müsste zum
       Beispiel 34 Mal im Jahr von Köln nach Berlin mit dem ICE pendeln, damit
       sich eine Bahncard 100 statt der Bahncard 50 - ohne Ermäßigung - rentiert.
       
       ## Bus meist deutlich billiger
       
       Neben Rabatten bei den Ticketpreisen bietet die Bahn auch ein
       Bonusprogramm, mit dem man Punkte sammeln kann. Für diese Punkte lassen
       sich unter anderem Freifahrten buchen. Dieses Programm lohnt sich aber vor
       allem für Vielfahrer: Man muss beispielsweise 1.000 Punkte für eine
       Freifahrt sammeln.
       
       In der Regel bekommt man für eine Fahrt von mehr als fünf Euro pro
       ausgegebenem Euro einen Punkt – sprich: Für eine Freifahrt muss man etwa 12
       Mal zum Sparpreis von Berlin nach Köln und zurück mit der Bahncard 25
       reisen.
       
       Für diejenigen, für die nur der Preis zählt, lohnt sich die Bahncard eher
       nicht, denn Busfahren oder Mitfahrgelegenheiten sind meist deutlich
       preisgünstiger als die Bahn. [3][Eine Studie des Verkehrsclub Deutschland],
       des VCD, fand heraus, dass mit dem Bus statt der Bahn zu reisen deutlich
       preisgünstiger ist. Deutlich teurer als Bahn und Bus sind Auto und
       Flugzeug.
       
       Den Bus zu nehmen lohnt sich vor allem für Kurzentschlossene. Laut VCD
       Studie sparen Reisende, die mit einem Tag Vorlauf ihr Ticket buchen,
       durchschnittlich 59,1 Prozent, wenn sie sich für Bus statt Bahn
       entscheiden. Wer sieben Tage vorher ein Ticket bucht, spart 54,2 Prozent
       mit dem Bus. Wer sein Ticket schon drei Monate vor Abfahrt ersteht spart
       31,7 Prozent.
       
       Selbst für viele Bahncard-Besitzer wird es also oft billiger sein, den Bus
       zu nehmen. Schließlich zahlen Frühbucher mit der Bahncard 25 immer noch 75
       Prozent des regulären Bahnpreises, während Bustickets gute 30 Prozent
       billiger sind – also 5 Prozent billiger als das Bahnticket mit Bahncard.
       Spontanreisende mit der Bahncard 50 zahlen die Hälfte des regulären Preises
       für ein Bahnticket – Bustickets kosten jedoch nur gut 40 Prozent eines
       Bahntickets.
       
       Bahn fahren kann allerdings für Familien mit Bahncard 25 günstiger sein –
       Bus fahren ist meist günstiger für Einzelpersonen. Eine Familie mit zwei
       kleinen Kindern hatte im VCD-Test weit geringere Ersparnisse durch die
       Entscheidung für den Bus als ein Alleinreisender.
       
       Die Titelgeschichte „Rabatt oder Rabatz“ lesen Sie in der taz.am wochenende
       vom 14./15. März 2015.
       
       14 Mar 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.bahn.de/p/view/bahncard/ueberblick/bahncardrechner.shtml
 (DIR) [2] http://https
 (DIR) [3] http://www.vcd.org/bahntest-2014-2015.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mara Bierbach
       
       ## TAGS
       
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