# taz.de -- Glücksspiel in Texas: Der Sieg ist zum Scheißen nah
       
       > In Austin im US-Bundesstaat Texas gibt es sonntags nur eins: Chicken Shit
       > Bingo im Little Longhorn Salon. Der Einsatz ist so billig wie ein Bier.
       
 (IMG) Bild: „Go shit on number 7!“
       
       AUSTIN taz | Klar, den Sonntagnachmittag auf der Couch mit der neuesten
       Staffel „House of Cards“ oder „Mad Men“ vergammeln, das kann man machen.
       Oder, ganz verrückt, zum Flohmarkt gehen. Wer allerdings in Austin,Texas,
       zu Besuch ist, sollte an einem Sonntagnachmittag im [1][Little Longhorn
       Saloon] vorbeischauen. Und zwar nur am Sonntag. Denn dann wird Bingo
       gespielt. Allerdings nicht Kreuzfahrt-langweilig, sondern Texas-Style: als
       [2][Chicken Shit Bingo], Hühnerscheiß-Bingo.
       
       Tierschützer, Veganer, Hühnerfreunde, bitte jetzt ganz ruhig bleiben. Den
       Tieren geht es gut. Sie dürfen tun, was sie immer machen: fressen, scharren
       und kacken. Einmal am Sonntag tun sie das in einem Käfig, auf dessen Boden
       in kleinen Quadraten Nummern geschrieben stehen.
       
       Um den Käfig herum stehen dicht gedrängt leicht angetrunkene Texaner und
       Touristen und schreien Nummern. Aber das Huhn an sich ist erwiesenermaßen
       etwas stumpferer Natur und vergisst schnell. Und bei zwei bis drei Runden
       pro Nachmittag ist ein Huhn stets nur einmal mit dem öffentlichen Auftritt
       dran.
       
       Nachdem der Tierschutzfaktor geklärt ist, zum Wesentlichen. Wäre es nicht
       fürs Hühner-Bingo – den Little Longhorn Saloon könnte man an der
       Durchgangsstraße außerhalb der Innenstadt fast übersehen. Eingereiht
       zwischen einem Bettengeschäft und einer Autowerkstatt, ist die Bar eine
       leicht schäbige Nachbarschaftskneipe. Zwei Häuser weiter ist ein
       Fast-Food-Laden für frittiertes Hühnchen.
       
       ## Glückszahl 7
       
       In Ginny’s Saloon, wie Stammkunden den Laden nennen, gibt es keine Küche,
       im Hof wird ab und an Gegrilltes oder Chili serviert. Ginny Kalmbach hat
       die Bar 1993 mit ihrem Mann übernommen, er hatte die Idee, neben Livemusik
       und Drinks das Chicken Shit Bingo anzubieten. Damit machte er den Laden zur
       Institution.
       
       Das Bingo ist so billig wie das Bier, 2 Dollar kostet ein Ticket, die
       Nummern werden zufällig vergeben. Die Schlange ist lang, die Versuchung
       groß, einfach doch nur ein Bier zu trinken und zuzuschauen, aber Marc und
       Jack – regelmäßige Gäste – besorgen schnell noch ein Ticket für den Gast.
       Glückszahl 7.
       
       Und so steht man schließlich auch schreiend um den Holzkäfig herum, wo
       Ginny die Hühner hereinträgt und den Gewinner ausruft. „Go shit on number
       13!“, „Do it on the 5.“ Scheiß hierhin, nein hier! Im Hintergrund spielt
       eine Liveband Dolly Parton. Das Huhn lässt sich Zeit, pickt hier, scharrt
       dort. Eine gefühlte Ewigkeit steht es genau über der Nummer 7, der Sieg, er
       ist zum Scheißen nah. Aber dann wendet es sich ab. Der Sieg geht an jemand
       anderen.
       
       10 Apr 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://thelittlelonghornsaloon.com/
 (DIR) [2] http://www.youtube.com/watch?v=dOmQ0WSUuBI
       
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