# taz.de -- Zehnjährige in Paraguay vergewaltigt: Abtreibung verboten
> Ein 10-jähriges Mädchen darf nach sexuellem Missbrauch durch ihren
> Stiefvater nicht abtreiben. Die UN kritisiert die Entscheidung des
> paraguayischen Gesundheitsministers.
(IMG) Bild: „Alle für eine würdige und glückliche Kindheit“ – in Paraguay setzen sich viele für das Schicksal des Mädchens ein.
ASUNCIÓN ap | In der hitzigen Debatte um die Schwangerschaft eines
zehnjährigen Mädchens äußern UN-Menschenrechtler scharfe Kritik an der
Regierung in Paraguay. Die Führung habe es versäumt, das Kind zu schützen,
hieß es in einer am Montag in Genf veröffentlichten Erklärung von vier
Experten. So sei dem im fünften Monat schwangeren Mädchen eine
lebensrettende Behandlung verweigert worden, zu der eine „zeitnahe sichere
und therapeutische Abtreibung“ gehören müsse.
Das Kind soll von seinem Stiefvater vergewaltigt worden sein. Der
42-Jährige war am Samstag festgenommen worden, bestreitet aber nach
Medienberichten die Vorwürfe. Die Mutter der Kleinen ist schon länger in
Gewahrsam, weil sie ihre Tochter nicht beschützt hatte. Amnesty
International hatte die Behörden gebeten, zum Schutz des Mädchens einen
Schwangerschaftsabbruch zu erlauben.
Eine Abtreibung ist in Paraguay aber nur bei Gefahr für die Mutter erlaubt.
Gesundheitsminister Antonio Barros hatte eine Ausnahme abgelehnt, weil die
Zehnjährige gesund und die Schwangerschaft schon zu weit fortgeschritten
sei.
Darüber zeigten sich die vier UN-Experten empört. Die Entscheidung der
paraguayischen Behörden führe zu groben Verstößen gegen das Recht auf
Leben, Gesundheit, mentaler Unversehrtheit sowie auf Bildung des Mädchens.
Auch dessen wirtschaftliche und soziale Zukunftschancen seien gefährdet.
Das Schicksal der Kleinen hat Paraguay tief gespalten. In dem Land leben
6,8 Millionen Einwohner. Registriert werden pro Jahr rund 600
Schwangerschaften bei Kindern bis 14 Jahren.
12 May 2015
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