# taz.de -- NACHRUF: FRITZ BRINGMANN: Leben im Widerstand
       
       Der offene Blick durch seine Brille verriet es: Konzentriert und
       interessiert hörte er zu. Fragte und dachte über die Aussagen nach – auch
       um zu widersprechen. Im Widerspruch zu sein mit Mehrheitsmeinungen und
       Zeitgeist, störte Fritz Bringmann wenig. Als in Deutschland das Verdrängen
       der nationalsozialistischen Verbrechen gleich nach 1945 begann, war er
       schon wieder im Widerstand. Sein Engagement machte mit möglich, dass in
       Hamburg nach Jahrzehnten die KZ-Gedenkstätte Neuengamme entstand.
       
       Der bekennende Kommunist hatte dort einst selbst in Haft gesessen. Anfang
       1942 verweigerte er als Häftlingssanitäter mehrmals Befehle der SS, kranke
       sowjetische Kriegsgefangene zu töten. Er wurde schwer misshandelt. Schläge
       der Gestapo hatte er da schon oft erfahren. Mit 17 Jahren saß er erstmals
       in Gefängnis. Mit seinem Bruder hatte er in Lübeck 1935 Anti-Nazi-Parolen
       an die Häuser gemalt. „Nieder mit Hitler“ auf dem Dach der Firma „Marmor
       Rother“ war fast fertig, als sie aufflogen – Haft und Folter waren die
       Folge. Die Solidarität der Genossen habe ihm geholfen durchzuhalten, sagte
       der spätere Ehrenpräsident der „Arbeitsgemeinschaft Neuengamme“ und der
       „Amicale Internationale KZ Neuengamme“ (AIN). Für ihn galt immer: „Weil die
       Toten schweigen, müssen wir Überlebenden berichten.“ Und berichten hieß für
       den Vater von drei Kindern, sich einzumischen – immer wieder, für die
       Verfolgung von NS-Tätern und für das Gedenken.
       
       Mit seiner Familie lebte er im schleswig-holsteinischen Aukrug. Aus aller
       Welt kamen Freunde dorthin. Überlebende des Faschismus, die er in der
       „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ kennengelernt hatte. Im Jahr
       2000 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Lange versuchten Hardliner der
       CDU ihm diese Ehrung zu verwehren. Deren Anfeindungen entlockten ihm nur
       ein Schmunzeln.
       
       In den eigenen Reihen stritt Bringmann aber nicht minder engagiert. „Der
       Widerstand muss mehr dargestellt werden“, sagte er immer wieder. Das tat er
       bis zuletzt selbst, vor allem in Schulklassen. Fritz Bringmann ist im Alter
       von 93 Jahren gestorben. ANDREAS SPEIT
       
       6 Apr 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) ANDREAS SPEIT
       
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