# taz.de -- Music for President: Lalala Obama
       
       > Warum welcher Song auf Ihrer privaten Obama-Siegesparty nicht fehlen
       > darf? Erklären wir Ihnen hier. Auf dem Soundtrack: Billie Holiday, 2Pac,
       > The Scorpions und Tarkan.
       
 (IMG) Bild: Rapper will.i.am von den Black Eyed Peas sampelte eine Obama-Rede.
       
       The Pointer Sisters: We got to make this land a better land / Than the
       world in which we live / And we got to help each man be a better man / With
       the kindness that we give / I know we can make it / I know darn well we can
       work it out / Oh yes we can, I know we can can 
       
       Der Urtext aller Obama-Reden; geschrieben und komponiert von Allen
       Toussaint für Lee Dorsays gleichnamiges Album von 1970, bescherte [1]["Yes
       we can"] drei Jahre darauf den Pointer Sisters den ersten Charterfolg.
       Streng betrachtet ein unerträglich naiver und pathetischer Text, entwickelt
       das Stück dank der lässigen Baseline und dem kräftig-geschmeidigen
       Leadgesang von Anita Pointer einen funky Zauber, dem man sich nicht
       entziehen kann. Sehr obamesk.
       
       Will.I.am: Yes we can to opportunity and prosperity / Yes we can heal this
       nation / Yes we can repair this world / Yes we can 
       
       Das Original. Oder doch die Kopie? Rapper will.i.am von den Black Eyed Peas
       millionenfach geklicktes [2][Sampling einer Obama-Rede]. Frei nach Emma
       Goldman: Wenn ich zu deiner Rede nicht tanzen kann, bist du nicht mein
       Präsident.
       
       Obama Girl: You tell the truth unlike the right / You can love but you can
       fight / You can Barack me tonight / I've got a crush on Obama 
       
       Ein Video, in dem Amber Lee Ettinger zum Teen-Pop-Gesang von Leah Kauffman
       ein Obama-Groupie spielt und nur einer von etlichen Clips, die mehr oder
       weniger bekannte Musiker in den letzten anderthalb Jahren auf Youtube
       veröffentlicht haben. Warum gerade das? Wegen der Zeile [3]["Barack me
       tonight"] natürlich.
       
       Stevie Wonder: Here I am, baby / Signed, sealed, delivered, Im yours / You
       got my future in your hands 
       
       Das Treiben im Web 2.0 war das eine, der choreografierte Einsatz von
       Popmusik im Wahlkampf das andere. Doch während John McCain Mühe hatte,
       Musiker aufzutreiben, die ihre Stücke herzugeben bereit waren, konnte Obama
       nach dem Ausscheiden Hillary Clintons aus dem Vollen schöpfen. Die Bühne
       betrat er oft zu "City of blinding lights" (U2) und ging mit Stevie Wonder
       ab. Dieses Stück ist auch auf der CD-Compilation "Yes we can - Voices of a
       Grassroots Movement" enthalten - ein offizieller, daher sehr um
       Konsensfähigkeit bedachter Obama-Soundtrack. Aber [4][konsensfähige Musik]
       ist nicht immer schlechte. Und ganz ohne Konsens kann zwar Kunst auskommen,
       Change aber ist so nicht zu haben.
       
       Billie Holiday: Black bodies swinging in the southern breeze / Strange
       fruit hanging from the poplar trees 
       
       Billie Holiday blieb zeit ihres Lebens dazu gezwungen, die Bühne durch
       Hintereingänge zu betreten. Andererseits musste sie bei Tourneen mit
       Jazzbands oft ihr Gesicht mit Make-up schwärzen, weil sie dem weißen
       Publikum nicht schwarz genug erschien. Wir spielen [5][ihren Klassiker]
       über Lynchmorde in den Südstaaten, erinnern uns an Nina Simones zornige
       Variation desselben Themas in "Mississippi Goddam" und vergegenwärtigen uns
       die Geschichtsträchtigkeit des Tages.
       
       Gil Scott-Heron: You will not be able to stay home, brother / You will not
       be able to plug in, turn on and cop out / You will not be able to lose
       yourself on skag and skip / Skip out for beer during commercials / Because
       the revolution will not be televised 
       
       Hunderte von naseweisen Medientkritikern haben schon darauf hingewiesen,
       dass [6][Scott-Herons berühmte Zeile] aus dem Jahr 1970 von der Technik
       überholt worden sei und heute CNN selbstverständlich live... Ach nee! "Was
       man sieht, sind manchmal nur die Ergebnisse bestimmter Prozesse, doch das
       ist keine wirkliche Revolution. Revolution findet im Kopf statt", hat
       Scott-Heron dazu einmal der taz diktiert. Recht hat er. Aber die Ergebnisse
       bestimmter Prozesse, die sehen wir dann gerne auf CNN. Besonders heute
       Abend.
       
       Jello Biafra & Mojo Nixon: And I love Blacks and Gays and Latinos / As long
       as they don't move next door / So love me, love me, love me / I'm a liberal 
       
       Ja, auf dem Teppich bleiben: Ein Demokrat gewinnt die Wahl. [7][Na und]?
       
       Elvis Costello & The Attractions: There's one thing I wanna know / What's
       so funny ,bout / Peace, love and understanding? 
       
       Obwohl: Obama ist ja nicht irgendein Demokrat. Deshalb dieser Song, der
       (allerdings erst in Costellos aggressiver Coverversion) nicht nur eine
       [8][Ehrenrettung für Schwärmer und Weltverbesserer] aller Art liefert,
       sondern all die Realisten-Analysten-Kapitalisten-Leninisten fragt: Was zum
       Teufel ist so lustig an Frieden, Liebe und Verständigung?
       
       Marvin Gaye: Father, father / We don't need to escalate / You see, war is
       not the answer / For only love can conquer hate 
       
       "What's going on?" Die Frage, die am Anfang des Politischen steht: Was
       passiert in der Welt, was bei uns zuhause? Marvin Gaye stellte sie 1972,
       [9][schrieb damit Musikgeschichte] und neben Curtis Mayfields "People get
       ready" eine der Civil-Rights-Hymnen schlechthin. Einen aber konnte er nicht
       erreichen: Seinen Vater, einen Pfarrer, dem der Lebenswandel des Sohnes
       missfiel und der ihn am Tag vor seinem 45. Geburtstag im Streit erschoss.
       Das Problem sitzt eben nicht nur im Pentagon oder an der Wall Street. Obama
       hatte allen Grund, diesen Song bei einer Umfrage des Magazins Blender auf
       Platz Zwei seiner persönlichen Hitparade zu setzen.
       
       The Fugees: Ready or not, here I come, you cant hide / Gonna find you and
       make you want me 
       
       [10][Obamas Nummer eins]. Gegen "Dancing Queen" (Abba) bei McCain. Es kann
       keinen Zweifel geben, wer gewinnt.
       
       The Rolling Stones: War, children, it's just a shot away / It's just a shot
       away / Rape, murder! / It's just a shot away / It's just a shot away / The
       floods is threat'ning / My very life today / Gimme, gimme shelter / Or I'm
       gonna fade away 
       
       Wir übergehen Obamas Platz 3 ("I'm on fire" von Bruce Springsteen) und
       legen stattdessen Platz 4 auf: die Stones, mit dem Eröffnungsstück ihres
       69er-Albums [11]["Let it bleed"]. Der souligste Song, den Jagger/Richards
       je gemacht haben. Sehr düster. Sehr bedeutungsschwer.
       
       2Pac: And although it seems heaven sent / We ain't ready to see a black
       president, uhh 
       
       Zitathölle Obama: Eine Zeile von Gangsta-Rapper 2Pac aus seinem Stück
       [12]["Changes"] mit Samplings von Bruce Hornby ("Thats just the way it is /
       Some things will never change / But don't you believe them"); zwei Jahre
       nach seinem Tod 1996 veröffentlicht; [13][von Nas auf "Black President"
       gesampelt] - zusammen mit Passagen einer Obama-Rede ("They said this day
       would never come")
       
       John Mellencamp: No I cannot forget where it is that I come from / I cannot
       forget the people who love me / Yeah, I can be myself here in this small
       town / And people let me be just what I want to be 
       
       Der Heartland-Rocker [14][John Mellencamp] hat sich seinen Platz redlich
       erarbeitet: Erst untersagte er McCain, seinen Song "Our Country" zu
       verwenden, dann bekundete er Sympathie für Obama: "Egal, ob du in einer
       Kleinstadt oder einer Großstadt lebst, es ist Zeit für Change."
       
       The Scorpions: Take me to the magic of the moment / On a glory night /
       Where the children of tomorrow dream away / In the wind of change 
       
       Da ist es wieder: Change! Wer will das nicht? Aber sagen Sie hundertmal
       hintereinander das Wort "Brot", und es wird Ihnen völlig sinnlos vorkommen.
       Darum gibt es nicht Bob Dylans "The Times, they are a-changin'", auch nicht
       Sam Cookes "A Change is gonna come", sondern aus dem Mutterland der Wende:
       [15][die Scorpions!] 
       
       Tarkan: Seni gidi findik kiran / Yilani deliginden cikaran / Kaderim
       pösküllü belam / Yakalarsam... 
       
       [16][Tarkans Knutsch-Hit] lässt noch mehr Türken von ihren Sitzen
       aufspringen als die offizielle Nationalhymne. Warum er hier läuft? Weil
       sich andere Leute auf einen Obama freuen dürfen, während unsereins nicht
       mal einen deutschtürkischen Landesminister für Gedöns vorweisen kann und
       auch sonst keinen Grund hat, überheblich zu werden.
       
       Aretha Franklin: R-E-S-P-E-C-T / Find out what it means to me 
       
       Viele Soulklassiker sind durch die Werbung für dit & dat so durchgenudelt,
       dass wir sie kaum noch hören können, ohne im Gedanken ein "Bit" zu
       bestellen. Das gilt, leider, auch für Aretha Franklin. Aber da sie Otis
       Reddings politischen Song (Bürgerrechte!) weiter politisierte
       (Frauenrechte!) und eine satte Portion [17][Rhythmus] reinmixte, wollen wir
       es versuchen.
       
       The J.B.'s: Damn right I am somebody 
       
       Jesse Jackson mag nicht der charismatischste Black-Leader gewesen sein,
       aber ein zentrales Motiv der afroamerikanischen Kunst, die Betonung der
       eigenen Subjektivität gegen die Missachtung durch die weiße Mehrheit, hat
       er am prägnantesten formuliert: "I am somebody", dichtete er; hört her, ich
       bin jemand! 1974 machten die J.B.'s, die Band von James Brown, diese Zeile
       zum [18][Titelstück ihres vierten Albums]. Bevor die Band mit ihrem rauen
       Deep Funk loslegt, fragt der Godfather of Soul, der hier als Produzent am
       Werk war, jeden einzelnen der Bandmitglieder: "Are you somebody?"
       
       Grace Jones: Pull up to my bumper baby / In your long black limousine /
       Pull up to my bumper baby / And drive it in between 
       
       Grace Jones, das war die [19][perfekte Inszenierung von Sex] jenseits von
       race und gender. Obama ist das irgendwie auch. In der staats- und
       familientaugliche Ausführung, versteht sich.
       
       LCD Soundsystem: The time has come / The time has come / The time has come
       today 
       
       In Williamsburg will man den Change nicht weniger als in Harlem. Und: Die
       derzeit beste Electroclash-Band, ach was: [20][die derzeit beste Band der
       Welt] geht immer, dieser Track ("Us vs. Them", 2007) auch und gerade today.
       
       Michael Jackson: But, if / You're thinkin' about my baby / It don't matter
       if you're black or white 
       
       Schwarz, Weiß. Egal. [21][Tanzen].
       
       The Isley Brothers: But I got so many things to do / Ooh, I got work to do,
       I got work baby / I got a job yeah I got work to do 
       
       [22][Weiter tanzen]. Und mit einem alten Stück (36) von der ältesten
       Popband der Welt (54) den jungen Herrn Obama (47) daran erinnern, dass der
       Job erst beginnt.
       
       Tina Turner: [23][You're simply the best] / Better than all the rest /
       Better than anyone, anyone / I've ever met Beethoven/Schiller: Deine Zauber
       binden wieder / Was die Mode streng geteilt / [24][Alle Menschen werden
       Brüder] / Wo dein sanfter Flügel weilt Queen: No time for losers / Cause
       [25][we are the champions] / Of the world 
       
       Und dann, ja dann, können alle Schamgrenzen fallen.
       
       4 Nov 2008
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://de.youtube.com/watch?v=7qHAZ25HYqU
 (DIR) [2] http://www.youtube.com/v/jjXyqcx-mYY
 (DIR) [3] http://de.youtube.com/watch?v=wKsoXHYICqU
 (DIR) [4] http://de.youtube.com/watch?v=yoCKL02MLfg
 (DIR) [5] http://de.youtube.com/watch?v=h4ZyuULy9zs
 (DIR) [6] http://de.youtube.com/watch?v=uTCQSk2l8bc
 (DIR) [7] http://de.youtube.com/watch?v=tGDT7wKvdRk
 (DIR) [8] http://de.youtube.com/watch?v=YbOVtcSUVjI
 (DIR) [9] http://de.youtube.com/watch?v=Y9KC7uhMY9s
 (DIR) [10] http://de.youtube.com/watch?v=XUrJdf4PbEk
 (DIR) [11] http://de.youtube.com/watch?v=FGZlAi7N1wk
 (DIR) [12] http://de.youtube.com/watch?v=F_OpUI0JODY
 (DIR) [13] http://de.youtube.com/watch?v=puBHnYMC-Pg
 (DIR) [14] http://de.youtube.com/watch?v=3eDkAG3R0h8
 (DIR) [15] http://de.youtube.com/watch?v=taVW8Kv2HcQ
 (DIR) [16] http://de.youtube.com/watch?v=C3xx72NGrUc
 (DIR) [17] http://de.youtube.com/watch?v=3kkgQHcdlZU
 (DIR) [18] http://de.youtube.com/watch?v=BHWEPf-qPD4
 (DIR) [19] http://de.youtube.com/watch?v=XVa1T9N62hQ&feature=related
 (DIR) [20] http://de.youtube.com/watch?v=HdVfJwN0-TQ
 (DIR) [21] http://de.youtube.com/watch?v=ZI9OYMRwN1Q
 (DIR) [22] http://de.youtube.com/watch?v=noVoYX5QJqU
 (DIR) [23] http://de.youtube.com/watch?v=JYdMbEPnP1c
 (DIR) [24] http://de.youtube.com/watch?v=bpzx0PPnOsw
 (DIR) [25] http://de.youtube.com/watch?v=sogKUx_q7ig
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Deniz Yücel
       
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