# taz.de -- Wozu wollen wir diese Frage klären?: Gibt es eine „Dritte Generation“? 
       
       > taz Talks meets DeZIM: Vom Stammbaum zur Integrationsforschung. Ein
       > Gespräch über die „Dritte Generation“.
       
       Von der „Dritten Generation“ ist immer wieder die Rede: zuletzt im Juni
       2020 nach der Krawallnacht von Stuttgart, als Polizei und Medien
       hervorhoben, dass viele der beteiligten Jugendlichen zwar einen deutschen
       Pass, aber auch einen Migrationshintergrund besaßen. Diese Form der
       „[1][Stammbaumforschung]“ wurde vielfach kritisiert. Sie ist aber auch in
       der Wissenschaft üblich, denn Integrationsprozesse werden zuweilen bis in
       die „dritte Generation“ hinein untersucht. 
       
       Zur „[2][Dritten Generatio]n“ gibt es verschiedene Theorien. Die klassische
       Assimilationstheorie geht davon aus, dass sich die Enkel von Einwanderern
       der ersten Generation in vielen Belangen der Mehrheitsgesellschaft immer
       mehr angleichen. Zugleich zeigen Studien, dass die Nachkommen vieler
       Migrant*innen in Deutschland weiterhin [3][strukturell benachteiligt] sind.
       Hinzu kommt das Phänomen eines ‚ethnic revivals‘, welches der US-Soziologe
       Herbert Gans einst beschrieb. Demnach betonen Nachfahren von Einwanderern
       ihre ethnische Herkunft teilweise sogar noch stärker, als es einst ihre
       Eltern und Großeltern getan haben. 
       
       Zu den Enkel*innen von Einwander*innen in Deutschland gibt es bisher nur
       wenige belastbare Daten. Wie sinnvoll ist es überhaupt, von einer „dritten
       Generation“ zu sprechen? Welche Thesen lassen sich damit überprüfen, welche
       Erkenntnisse gewinnen? Wie homogen ist diese Gruppe, und wer ist damit
       überhaupt gemeint? Oder dient der Begriff nur dazu, bestimmte Gruppen zu
       stigmatisieren? 
       
       Diesen und anderen Fragen widmet sich das DeZIM in seinem Projekt „Die
       Dritte Generation“. Und darüber diskutieren wir mit unseren Gästen: 
       
       Aylin Selçuk ist Unternehmerin und Zahnärztin. Sie gründete 2007 als
       Abiturientin den Verein „DeuKische Generation“, für dessen Projekte sie
       mehrfach ausgezeichnet wurde. Ziel des Vereins war es, der sogenannten
       „dritten Generation“ eine Stimme zu geben, Bildung zu fördern sowie
       Vorurteile abzubauen. Den Vereinsmitgliedern war es wichtig, dass
       Jugendliche auch mehr Eigenverantwortung übernehmen und sich einsetzen.
       Aylin Selçuk beriet Parteien und die Politik zu Fragen der Jugend, Bildung
       sowie Integration und wurde 2016 von der Familienministerin zum Mitglied
       des Bundesjugendkuratoriums berufen. 
       
       [4][Prof. Dr. Claudia Diehl] ist Soziologin mit Schwerpunkt Mikrosoziologie
       an der Universität Konstanz und Co-Sprecherin des Exzellenzcluster „The
       Politics of Inequality“. Sie ist Mitglied im Sachverständigenrat deutscher
       Stiftungen für Integration und Migration (SVR) sowie im Wissenschaftliche
       Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren,
       Frauen und Jugend (BMFSFJ). Sie forscht zu internationaler Migration,
       Eingliederungsprozessen von Zuwanderern im Generationenvergleich sowie zu
       den Themen Ausgrenzung und Diskriminierung. 
       
       [5][Dr. Niklas Harder] ist Politologe und Co-Leiter der Abteilung
       Integration am DeZIM-Institut sowie assoziiertes Mitglied des Immigration
       Policy Labs an der Stanford University (USA). Er forscht zu Integration und
       politischer Partizipation, zudem wertet er integrationspolitische Maßnahmen
       in Europa und Nordamerika aus. Am DeZIM-Institut leitet er u.a. das
       Forschungsprojekt „Die Dritte Generation“, das gängige Theorien über die
       Enkel von Einwander*innen überprüft. 
       
       Moderation: [6][Daniel Bax], Leiter der Abteilung Kommunikation und
       Wissenstransfer am DeZIM-Institut. 
       
       Fragen zum Thema können Sie gern während des Streams über die Chatfunktion
       stellen oder per E-Mail an [7][veranstaltungen@dezim-institut.de] senden. 
       
       Bei taz Talks meets DeZIM diskutieren Wissenschaftler*innen und Gäste zu
       aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. Die Reihe ist eine Kooperation
       zwischen dem [8][Deutschen Zentrum für Integrations- und
       Migrationsforschung] (DeZIM) und der taz. 
       
       Foto: Jérôme, Creative Commons
       
       24 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Stammbaumforschung-in-Stuttgart/!5694775/
 (DIR) [2] /Forscherin-ueber-Migrationshintergrund/!5694878/
 (DIR) [3] /Rassismus-als-System/!5702380/
 (DIR) [4] http://www.soziologie.uni-konstanz.de/diehl/team/prof-dr-claudia-diehl/
 (DIR) [5] http://www.dezim-institut.de/das-dezim-institut/dr-niklas-harder/
 (DIR) [6] http://www.dezim-institut.de/das-dezim-institut/daniel-bax/
 (DIR) [7] /veranstaltungen@dezim-institut.de
 (DIR) [8] http://dezim-institut.de/
       
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