# taz.de -- Gespräch mit Christoph Keller: Behindert sein, behindert werden
       
       > Der Schriftsteller Christoph Keller im Gespräch mit taz-Redakteurin Doris
       > Akrap über sein neues Buch „Jeder Krüppel ein Superheld“.
       
       
       [1][Leben mit einer Behinderung] ist umfangen vom Bemühen um
       "[2][Inklusion]". So sagt es uns unser Selbstbild. Christoph Keller, selbst
       betroffen von Spinaler Muskelatrophie (SMA III), wurde 2020 mit dem
       Alemannischen Literaturpreis ausgezeichnet. In seinem neuen Buch „Jeder
       Krüppel ein Superheld“ zeigt er, dass es die Exklusion ist, die die
       [3][behinderte Wirklichkeit] beherrscht. Ihre Bewältigung bedarf Tag für
       Tag der Anstrengungen eines Superhelden. 
       
       Angelegt als Collage verschiedenster Texte und einer Kafkas „Verwandlung“
       widersprechenden, erschreckend komischen Erzählung, ruft „Jeder Krüppel ein
       Superheld“ zu Mitgefühl und Empörung auf und zeigt auf berührende Weise,
       wie auch mit einer Behinderung ein volles Leben gelebt werden kann, wenn
       man akzeptiert, dass die Diagnose „Leben" heisst. 
       
       Nach seinem erfolgreichen Erinnerungsroman „Der beste Tänzer“ über sein
       Leben mit Spinaler Muskelatrophie unternimmt Christoph Keller eine ebenso
       unorthodoxe wie provokative Befragung dessen, was es im 21. Jahrhundert
       bedeutet, ein [4][Mensch mit körperlicher Behinderung] zu sein. Was es
       bedeutet, den Alltag zu bewältigen, zu lieben, zu schreiben, zu reisen
       (oder eben nicht), wenn man nicht wie die anderen ist. Wenn man im Museum
       für eine Strecke, die in ein paar Minuten zurückzulegen wäre, fünfzig
       braucht. Wie es sich anfühlt, wenn man auf der Sitzfläche von der Größe
       eines A4-Blattes in ein Flugzeug kommt. Warum man im Gorillagehege in einem
       Zoo ein Rollstuhlschild am Rollstuhl tragen muss, damit klar ist, dass man
       in einem Rollstuhl unterwegs ist. 
       
       [5][Christoph Keller], 1963 in St. Gallen geboren, ist der Autor
       zahlreicher preisgekrönter Romane. Keller, der ausführlich über
       zeitgenössische russische Literatur geschrieben hat, publizierte die
       Essay-Sammlung „Herumstreunende Bären unter dem Höllenhimmel“ und gab zwei
       Anthologien russischer Erzählungen heraus. Sein Theaterstück „Ballerina“
       wurde 2004 anlässlich einer Woche, die seinem Schaffen gewidmet wurde, in
       Bregenz uraufgeführt. Darüber hinaus ist er zusammen mit Heinrich Kuhn Teil
       des Autorenteams Keller+Kuhn, das drei Romane veröffentlichte und zuletzt
       den Band Kürzesterzählungen „Alles Übrige ergibt sich von selbst“
       herausgegeben hat. Seine auf Englisch geschriebenen Erzählungen erschienen
       u. a. in Paris Review, Absinthe, Fail Better, The Means, Gobshite, Sand und
       Quadrant. Kellers Photographien, fester Teil seiner zuletzt erschienenen
       Bücher, wurden in New York in zwei Ausstellungen in der Galerie art101
       gezeigt. Ab 2019 erscheint die von ihm betreute zweisprachige Bangla
       American Poets Series in Indien. Christoph Keller lebt in St. Gallen. 
       
       Ein taz Talk des Limmat Verlags, der auch das [6][Buch] verlegt hat. 
       
       Anregungen und Fragen nehmen wir mit Freuden entgegen über
       [7][taztalk@taz.de].
       
       23 Nov 2020
       
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