# taz.de -- EU-Umweltpolitik: Klima wird in Brüssel gemacht
       
       > Klimaschutzexperte und Spitzenkandidat der Europa-Grünen, Bas Eickhout,
       > berichtet am taz lab von Lobbyarbeit und der Zukunft der Umweltpolitik.
       
 (IMG) Bild: Wie aber steht es um die Mehrheiten in Brüssel in Sachen Umwelt und Klima?
       
       von [1][MARTIN UNFRIED] 
       
       Die Musik in Sachen Umwelt und Klima spielt in Brüssel. Seit einigen
       Jahrzehnten gibt es im Grunde keine nationale Umweltpolitik. Die Qualität
       unseres Trinkwassers, die Regeln für die Ausweisung von Naturgebieten
       (FFH), die Verpflichtung, wie viel Abfall recycelt werden muss, und die
       Qualität der Luft in unseren Innenstädten: Nationale Gesetze sind
       umgesetztes EU-Recht. 
       
       Im Fall der deutschen Debatte über Feinstaub und Stickoxide wurde zum
       wiederholten Male deutlich, dass Medien und Öffentlichkeit nur wenig davon
       begreifen, wie EU-Umweltpolitik funktioniert. Ein deutscher Minister kann
       eben nicht aus einer politischen Laune heraus nach Brüssel reisen und die
       Grenzwerte ändern. Dort entscheiden das Europäische Parlament und die
       Mitgliedstaaten. Die entscheidenden Auseinandersetzungen werden also nicht
       in Berlin, sondern in Brüssel geführt. 
       
       Der Niederländer [2][Bas Eickhout] sitzt seit Jahren im Umweltausschuss des
       Europäischen Parlaments und hat wichtige Gesetzgebung mitgestaltet. Im
       Moment ist er Verhandlungsführer des Parlaments in Sachen CO2-Standard für
       Lkws. Als Klimaschutzexperte kennt Bas Eickhout die Kräfteverhältnisse
       zwischen den politischen Fraktionen und den Einzelinteressen der nationalen
       Regierungen. 
       
       Und er verkörpert in diesem Wahlkampf persönlich die Politik der
       europäischen Grünen: Diese haben Eickhout – zusammen mit Franziska Keller –
       zum Spitzenkandidaten der Europawahl gekürt. Theoretisch hat er die Chance,
       Kommissionspräsident zu werden. Dann nämlich, wenn die Grünen die größte
       Fraktion stellen, was bekanntlich eher unwahrscheinlich ist. 
       
       ## Grüne spielen bisher keine Rolle
       
       Wie aber steht es im Jahre 2019 um die politischen Mehrheiten in Brüssel in
       Sachen Umwelt und Klima? Wie funktioniert Lobbyarbeit im Detail, und wie
       erlebt ein Parlamentarier die Kräfteverhältnisse der unterschiedlichen
       Lobbys? Wie steht es um die politischen Mehrheiten für eine konsequente
       EU-Politik in Sachen Dekarbonisierung im Sinne des Pariser
       Klimaschutzabkommens? 
       
       Bisher sind die angestrebten 40 Prozent selbst nach Einschätzung der
       Kommission nicht im Einklang mit Paris. Nur mit neuen Mehrheiten könnte
       sich das ändern. Derzeit spielen grüne Parteien allerdings kaum eine Rolle
       in nationalen Regierungen. In Frankreich, Italien, Österreich und anderen
       Mitgliedstaaten sind die grünen Parteien in der Krise. In Deutschland und
       den Niederlanden dagegen sind sie laut Umfragen auf einem Höhenflug. 
       
       Wie steht es angesichts dieser Ungleichzeitigkeit um die europäische
       Kampagnenfähigkeit? Den Parteien gelingt es auch im Jahre 2019 nur
       sporadisch, als europäische Parteien im Wahlkampf wahrgenommen zu werden.
       Wie könnte sich das ändern, wo sich nicht mal die Idee der paneuropäischen
       Listen durchsetzen konnte? 
       
       Auch ist es im Moment schwierig, ein Konzept zur Reformierung der
       EU-Institutionen auszumachen, das mehrheitsfähig wäre. Dabei gelten die
       Grünen im Europäischen Parlament als ausgesprochene Unterstützer der EU. 
       
       Wie wollen sie die [3][populistischen EU-Gegner politisch bekämpfen]?
       Welche EU-Reform hält ihr Spitzenkandidat Bas Eickhout für entscheidend? 
       
       ➡ Auf dem taz lab diskutiert Bas Eickhout mit Umweltexperte Martin Unfried:
       [4][„Was steht zur Wahl?“, 14.00 Uhr, taz Kantine ]
       
       26 Mar 2019
       
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