# taz.de -- A. Seubert über die Genossenschaft: Beweglich und unabhängig bleiben
> Was haben Titelseiten-Diskussionen und die taz-Genossenschaft miteinander
> zu tun? Einiges! Ein kleiner Einblick.
(IMG) Bild: Annabelle Seubert arbeitet seit 2011 als Redakteurin in der Wochenendausgabe der taz
von [1][ANNABELLE SEUBERT]
Als ich bei der taz am Wochenende angefangen habe, haben wir in der
[2][Wochenendredaktion] oft überlegt, wie die Titelseiten auszusehen haben.
Wir wollten sie neu machen, auffälliger und imposanter. Immer wieder hörte
ich damals den Satz: „Das funktioniert am Kiosk nicht.“ Ein „Plakat“ – mit
großem Foto und wenig Text: funktionierte am Kiosk nicht. Viele Ankündiger
mit kleinerem Foto: funktionierten am Kiosk nicht. Eine Titelgeschichte
über die Liebe: HALLO, AM KIOSK???
Ich wunderte mich über die Gewissheit, mit der meine Kolleginnen und
Kollegen schon vor Erscheinen unserer Zeitung über ihre Verkaufszahlen
sprachen. Bis ich die taz allmählich verstand.
Irgendwann sah ich ein, dass niemand wirklich wissen konnte, was am Kiosk
funktionierte, dass die KollegInnen stattdessen mit viel Verve über ihre
taz sprachen und mit einer Leidenschaft daran arbeiteten, sie gut und
besser zu machen, die auch für ein Medienunternehmen bestimmt nicht
selbstverständlich ist. In der taz wird geliebt und gestritten wie in einer
Familie. Man kritisiert und versöhnt sich und stellt die eigenen
Gewissheiten in Frage.
Vor Kurzem haben wir in der Wochenendredaktion wieder die Titelseiten
überarbeitet. Es ist jetzt alles möglich, Plakate, wenig Text,
ausschließlich Text; es gibt fünf „Eskalationsstufen“ und niemand hat
gesagt, dies oder das funktioniere am Kiosk nicht.
Titelgeschichten über die Liebe haben wir längst gemacht, und da kommen
noch mehr – solange wir beweglich bleiben und unabhängig genug, um uns zu
verändern; und die Genossenschaft die Unabhängigkeit unserer Redaktion
stützt.
5 Jul 2018
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