# taz.de -- Wiedersehen in Dersau: Wenn sich ein Dorf verändert
> Ein Jahr lang fuhr taz Meinland durch die Republik, um ins Gespräch zu
> kommen. Einiges ist seitdem passiert. Ein Wiedersehen in Dersau.
(IMG) Bild: Hier entsteht Neues in Dersau: Das „Café im Grünen“ eröffnet am 5. Mai 2018
von [1][Malaika Rivuzumwami]
Dersau ist der Ort der guten alten Zeit. 945 EinwohnerInnen, am Großen
Plöner See gelegen. Verlaufen kann man sich kaum, alles führt auf den
Dorfplatz hin. Doch die Zeit hat das idyllische Dorf verändert: Entlang der
breiten Straßen herrscht Leere.
[2][„Wenn ein Dorf stirbt“] – unter diesem Titel war taz Meinland vor einem
Jahr zu Besuch in Dersau. taz Meinland war erfunden worden, um jenen eine
Stimme zu geben, die sonst nicht so zu Wort kommen.
## Ein Traum wird Realität
Im einzigen Hotel im Dorf wurde einen Abend lang gemeinsam diskutiert.
Damals träumte Friederike Leibers, die mit ihrem Mann das „Hotel Leibers“
betreibt, von einem Café, „wo ich mich am Nachmittag hinsetzen kann“. In
diesem Sommer wird ihr Traum Realität.
Almut Laing und ihr Mann lebten in Stuttgart, doch vor einigen Jahren
entflohen sie ihrem Alltagstrott. „Wir haben nichts anderes gemacht als
gearbeitet. Und dann entschlossen wir uns aufzuhören, an dem zu arbeiten,
was uns eigentlich so sehr am Herzen liegt.“
Durch den Verkauf des Familienunternehmens erfüllten sie sich ihren ersten
Traum: Mit einem Segelboot bereisten sie vier Jahre lang die Welt, immer
mit der Frage im Hinterkopf, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Die
Entscheidung, nicht nach Stuttgart zurückzukehren, stand schnell fest. Auf
Besuchen verliebten sie sich in die holsteinische Schweiz und so landeten
sie am Plöner See.
## Diskussion über Dorfsterben
Einfach nur umziehen und irgendwo anders genau so weitermachen, kam für sie
nicht in Frage. Auf der Suche nach Projekten und möglichen Aufgaben wurden
sie auf den Besuch der taz aufmerksam. „Wir wussten, auf was wir uns
einlassen. Uns schreckte auch nicht ab, dass die taz über das Dorfsterben
bei uns diskutiert. Vielmehr hat es uns motiviert!“
Schon am Küchentisch von taz Meinland war die Idee von einem neuen
Treffpunkt zur Sprache gekommen. Doch bisher war nicht viel passiert. Die
Geldgeber fehlten. Nach mehreren Wochen des Grübelns aber wollte Almut
Laing es wagen, gemeinsam mit ihrem Mann und Angelika Frabricius, einer
engagierten und motivierten Rentnerin aus dem Dorf.
## Vier „bekloppte” Alte
Die stillgelegte Gärtnerei unweit vom Ortskern lieferte den passenden Ort
und auch die nötige Unterstützung: Wolfgang Kobs, der Besitzer der
Gärtnerei, schloss sich dem Trio an. Angesteckt durch den Aktivismus,
beschloss er auch, die Gärtnerei wiederzueröffnen. „Es haben einfach nur
vier Alte gefehlt, die bekloppt genug sind, so etwas probieren zu wollen.“
Die Liste der zu klärenden Fragen war zunächst kilometerlang. Mittlerweile
schrumpft sie Woche für Woche. Das Café wird in ein kleines Gewächshaus
ziehen. Noch ist es leer, doch es füllt sich immer mehr mit Leben: Ebay
macht’s möglich! Hunderte Kilometer sind sie durch die Republik gefahren,
um einzelne Thekenteile, Kühlschränke und Tische zu erwerben. Laings Mann
kümmert sich um den Ausbau der Toiletten, der Elektronik und der
Wasserleitungen, ihr Bruder hilft beim Innenausbau. Es ist ein
Gemeinschaftsprojekt.
Das Konzept der Gruppe ist klar: Es soll ein Ort der Begegnung werden. Die
Gärtnerei und das Café sollen eine Synergie ergeben, sich gegenseitig
ergänzen. So findet auch die altbewährte Küchentisch-Idee von taz Meinland
seinen Platz: ein Tisch zum diskutieren und gemeinsamen Feiern. Die ersten
drei Veranstaltungstermine im Sommer stehen schon fest, von überall kommen
Anfragen.
## Eine Menge Freiheit
Wie verrückt ihre Idee auch sein mag, Druck spürt man hier nicht: „Die
Unterstützung ist so groß, durch Freunde, Familie oder auch Fremde, die von
unserem Café hören und uns Hilfe anbieten“, erzählt Laing. „Natürlich kommt
hinzu, wir müssen erst mal nicht davon leben, das gibt uns eine Menge
Freiheit!“.
Die leeren Gebäuden, die schließenden Supermärkte und Banken machen ihnen
keine Angst. Sie wissen, sie werden sehnsüchtig erwartet: „Unsere
Einzigartigkeit hier ist doch perfekt – wir haben weit und breit keine
Konkurrenz.“
## Offene Türen
Am 5. Mai 2018 soll die Eröffnung sein, im Sommer wollen sie jeden Tag
offen haben, regulär von 10 bis 17 Uhr – doch sie werden sich anpassen,
wollen die Türen auch länger offen lassen, wenn es gewünscht ist.
Die Vorfreude ist groß: „Ich werde wahrscheinlich anfangs zwölfmal über
meine eigenen Füße fallen“, erklärt Laing, „aber das macht nichts. Wir
werden es einfach solange ausprobieren, bis wir es draufhaben.“
26 Feb 2018
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## AUTOREN
(DIR) Malaika Rivuzumwami
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