# taz.de -- Moscheebau in Monheim: Raus aus den Hinterhöfen
       
       > Eigentlich ist in Monheim alles schon entschieden, und dennoch erhitzten
       > sich die Gemüter einmal mehr am Runden Tisch von taz.meinland.
       
 (IMG) Bild: Am Runden Tisch  herrscht Uneinigkeit über den Bau zweier Moscheen
       
       von [1][VOLKAN AĞAR] 
       
       Die Gemeinde Monheim beteiligt sich finanziell am Bau zweier Moscheen. Dies
       beschloss der Stadtrat nach einer langen Phase der Diskussion im
       vergangenen Herbst. Monheim fördert den Kauf zweier Grundstücke mit
       insgesamt 840.000 Euro. Eine besondere Geste in einem Land, in dem geplante
       muslimische Gotteshäuser immer wieder für Proteste sorgten und extrem
       rechte Propagandisten beflügelten. 
       
       Ganz ohne Reibung war dieser Schritt jedoch auch in Monheim nicht möglich:
       Seitdem die Initiative bekannt wurde, widersetzen sich nicht nur örtliche
       Politiker der CDU und SPD, auch die extrem rechte Website PI-news
       mobilisierte nach Monheim. Im Visier stand der Initiator, der junge
       Bürgermeister Daniel Zimmermann, der mit seiner ehemaligen
       Studierendenpartei PETO (lat.: „Ich fordere“) eine absolute Mehrheit in der
       rheinländischen Stadt innehat. 
       
       ## Streit um Moscheebau in harmonischer Kleinstadt
       
       Auch Moderator Jan Feddersen dürfte die Anspannung schnell verspürt haben,
       stieg er doch mit einer eher harmlosen Frage in den Abend am Runden
       taz.meinland Tisch ein: Wie ist das Zusammenleben in Monheim? 
       
       Kurt Arnold Holz von der evangelischen Kirche erzählte von der regen
       Zusammenarbeit der beiden christlichen Gemeinden mit der Stadtverwaltung,
       und „den Vorteilen einer überschaubaren Stadt mit 44.000 Einwohnern“. Bernd
       M. Wehner von der katholischen Gemeinde im Ort stimmte zu. Auch mit den
       Muslimen gebe es Austausch. Im Arbeitskreis „Christen treffen Muslime“
       „reden wir über Gott und die Welt“, sagte er. Es habe auch schon gemeinsame
       Erklärungen gegen islamistischen Terror gegeben. 
       
       Jene Harmonie wurde spätestens 2016 mit dem Bekanntwerden der Förderpläne
       herausgefordert. Dabei, so Farid El Karrouchi von der Islamischen Gemeinde
       Monheim e.V., sei diese Entscheidung ein Fortschritt nicht für sie selbst,
       sondern auch für die Sicherheit der Monheimer: „Um aus den Hinterhöfen
       rauszukommen und transparent arbeiten zu können, war das genau die richtige
       Entscheidung“, sagte der Mann, der an diesem Abend nicht nur einmal betont,
       dass er sich als Monheimer fühle, obwohl er in Marokko geboren worden sei. 
       
       Mohamed Adib von der islamisch-türkischen Gemeinde, die dem türkischen
       Moscheeverband Ditib angehört, sprach von der Not der muslimischen
       Glaubenshäuser: „Wir haben das jetzige Moscheegebäude Anfang der 1980er
       Jahre übernommen und umfunktioniert“. Eine improvisierte Moschee solle nun
       von einer richtigen ersetzt und „ins Stadtgebiet integriert und sichtbar“
       werden. 
       
       Bürgermeister Daniel Zimmermann versteht die beiden Vertreter der
       muslimischen Gemeinden. Von Beginn an habe es eine „Hinterhoflage“ gegeben
       und auch große Raumnot, weil die Moscheen niemals als Moscheen gebaut
       worden seien: „Niemand würde auf die Idee kommen, eine Kirche im
       Gewerbegebiet zu bauen“. 
       
       ## Nicht ganz einverstanden
       
       Sowohl Werner Goller von der örtlichen SPD, als auch Markus Gronauer von
       der Monheimer CDU stimmen dem Bürgermeister in einem Punkt zu: Die
       islamischen Gemeinden sollen ihre Moscheen bekommen. Wo der Dissens aber
       liege, so Goller, sei die „Art und Weise“, wie die Förderung der
       Moscheebauten beschlossen worden ist. Darin sind sich Vertreter der
       Volksparteien an diesem Abend einig. 
       
       „Unser Bürgermeister vergisst immer zu sagen, dass unsere Fraktion auch
       dafür gestimmt hat“, sagte Gronauer (CDU). Wenn sie über die Vorgehensweise
       des Bürgermeisters abgestimmt hätten, wäre jedoch nicht einmal die Hälfte
       der Zustimmung erreicht worden, so Gronauer: „Das Ganze hat einen
       unglücklichen Anfang genommen“. Einverstanden sei er auch nicht damit, dass
       der Bürgermeister die Grundstücke, den Besitz der Gemeinde, „ohne jegliche
       Vordebatte“ verschenke. „Wenn er das anders gemacht hätte, dann wäre das
       nicht so eskaliert“. 
       
       Goller (SPD) sieht das ähnlich: „Es gab ein fertiges Konzept, bevor
       irgendetwas diskutiert wurde“. Neben der Kritik am Verfahren, sei es für
       sie auch ein Problem, dass eine der beiden Moscheen am Ortseingang gebaut
       werde, so Gronauer (CDU). 
       
       Genau diese Haltung, entgegnete Zimmermann, entlarve, dass es den beiden
       nicht um Verfahrensfragen, sondern um die Zugehörigkeit des Islam zu
       Monheim gehe. So unversöhnlich er den beiden in diesem Punkt
       gegenübersteht, so wenig räumt Zimmermann die Kritik an seinem Vorgehen
       ein. Alles sei von Anfang an transparent gewesen – mit Bürgerdiskussionen,
       Debatten im Stadtrat und der Offenheit für alternative Vorschläge und
       Kritik. 
       
       Dennoch hätten einige den Anschein erweckt, als sei alles schon
       entschieden. Zimmermann erinnert auch an das dreistündige Bürgergespräch –
       mit über 800 Monheimer*innen. „Viele Leute haben sich dort mit den Inhalten
       auseinandergesetzt, mit den Details der Vereinbarung.“ Zimmermann findet es
       deshalb zynisch, wenn die anderen Parteien sagen, dass er als Bürgermeister
       alles falsch gemacht habe. 
       
       ## Skepsis aus dem Publikum
       
       Gleich mehrere Personen aus dem Publikum schalten sich in die Diskussion
       ein, sie fragen in zum Teil sehr emotionalen Redebeiträgen: Weshalb muss es
       gleich zwei Moscheen geben? Reicht nicht auch eine? 
       
       Adib erklärt, dass beide Gemeinden sunnitisch seien, es aber dennoch viele
       Unterschiede gebe. Während die eine islamische Gemeinde von Menschen mit
       marokkanischer Herkunft besucht wird, werde die andere Gemeinde vor allem
       von türkischsprachigen Personen frequentiert. Adib gesteht: „Es ist mein
       Traum, dass wir irgendwann auf arabisch beten und auf deutsch predigen
       können“. Heute jedoch seien die Deutschkenntnisse vieler Gemeindemitglieder
       noch nicht ausreichend hierfür. 
       
       Bürgermeister Zimmermann lenkt ein: Man müsse Respekt davor haben, dass
       beide Gemeinden ihre Angelegenheiten eigenständig klären wollen. Er bemüht
       eine Analogie, die in dieser sonst aufgeheizten und emotionalen Debatte
       viele Lacher kassiert: „Wir haben es ja nicht einmal geschafft, dass der 1.
       FC Monheim und die Sportfreunde Baumberg auf einem Fussballplatz
       trainieren.“ 
       
       Moderator Feddersen, der von sich behauptet jeder Religion mit großer
       Skepsis gegenüberzustehen, sieht das auch so: „Ich wünsche euch nicht zwei,
       sondern drei Moscheen.“ 
       
       ## Erdogan’sche Einflüsse in Monheim
       
       Als die Stimmung schließlich etwas abkühlt, kommt ein sensibles Thema, das
       vor allem die türkeistämmigen Community seit einiger Zeit beschäftigt, zur
       Sprache. Moderator Feddersen fragt den Bürgermeister Daniel Zimmermann und
       den Vertreter der türkisch-islamischen Gemeinde Mohamed Adib: „Wie steht es
       in Monheim um Sympathien für den türkischen Präsidenten Erdogan?“ 
       
       Natürlich habe das Thema - spätestens nach dem Putschversuch im Sommer 2016
       - auch die Monheimer beschäftigt, antwortet der Bürgermeister. Er selbst
       hätte gegen die Verfassungsänderung von Erdogan gestimmt, aber er sagt
       auch: „Ich vertraue der örtlichen Ditib-Gemeinde, dass sie Politik und
       Religion unterscheidet“. Wichtig sei, wie sich die Gemeinde offiziell
       verhalte. 
       
       Außerdem, als es einen Boykottaufruf gegen einen Einzelhändler in Monheim
       gegeben habe, weil jener ein mutmaßlicher Gülen-Anhänger sei, habe sich die
       Ditib-Gemeinde hinter diese Person gestellt. “Die Gemeinde steht fest auf
       dem Boden des deutschen Grundgesetzes“, sagt Zimmermann, „Ich bin bereit
       sie zu verteidigen.“ Adib konstatiert: „Natürlich sind unsere
       Gemeindemitglieder politisch“. Der Vorstand habe aber klargestellt, dass
       politische Inhalte keinen Platz in der Gemeinde hätten. 
       
       ## Vorreiter in puncto Debattenkultur
       
       Den Konflikt zwischen SPD, CDU und PETO, das zeigte der hoch emotionale
       Verlauf der Debatte, konnte der Runde Tisch von taz.meinland am Abend des
       27. Juni nicht auflösen. Moderator Feddersen zeigt sich dennoch zufrieden:
       Es spreche für Monheim, dass hier solche Diskussionen mit viel Leidenschaft
       und großer Beteiligung geführt würden. „Es bringt nichts wenn wir die
       Schlachten des vorigen Jahres nochmal schlagen“, stellt Holz fest. 
       
       El Karrouchi will das auch nicht – und er ist dankbar für die Unterstützung
       des Bürgermeisters, ohne dessen Hilfe sie es nicht geschafft hätten, die
       Aussicht auf eine eigene Moschee zu bekommen, sagt er. Zimmermann weist den
       Dank zurück: Es sei ein Grundrecht der Muslime in Deutschland, ihrer
       Religion angemessen nachgehen zu können. Zimmermann ist stolz auf den
       langwierigen Diskussionsprozess, und darauf, dass sie sich als PETO nicht
       haben weichspülen lassen - weil es ein gutes Konzept gab, für das man
       einstehen wollte. 
       
       „Wenn die Bürger damit nicht einverstanden sind, dann können sie das bei
       der nächsten Kommunalwahl zum Ausdruck bringen“, beendet er sein
       Schlusswort. El Karrouchi von der islamischen Gemeinde ist sich sicher:
       „Die Menschen in Monheim werden in naher Zukunft sehen, dass das ein guter
       Schritt für alle war.“ Wenn er ein Stimmrecht hätte – das scheint an diesem
       Abend sicher – würde er den Bürgermeister bei den nächsten Kommunalwahlen
       in seinem Amt bestätigen.
       
       28 Jun 2017
       
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