# taz.de -- Lauschangriff? Rücktritt!
       
       > ■ Justizministerin warnt die FDP
       
       Bonn (dpa) – Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will
       zurücktreten, falls der FDP-Bundesparteitag im Juni in Mainz seine
       Zustimmung zum Großen Lauschangriff gibt. Aus Gründen der politischen
       Glaubwürdigkeit sei einer Gegnerin des Lauschangriffs kaum zuzumuten, eine
       entgegengesetzte Linie als verantwortliche Ministerin „auch noch zu
       exekutieren“, berichtete die Leipziger Volkszeitung unter Berufung auf die
       Umgebung der Politikerin. Von früheren FDP-Parteitagen war der Große
       Lauschangriff, mit dem bei der Fahndung nach Schwerkriminellen unter
       anderem auch private Telefone angezapft werden können, abgelehnt worden.
       Der Favorit für die Nachfolge von FDP- Chef Klaus Kinkel, Wolfgang
       Gerhardt, ist ein erklärter Befürworter dieser Abhörmaßnahme.
       
       Die Liberalen in Schleswig-Holstein forderten Jürgen Möllemann auf, sich um
       den FDP-Vorsitz zu bewerben. Möllemann will am Montag bekanntgeben, ob er
       sich in Mainz für ein Führungsamt bewirbt. Er sprach sich für eine
       schonungslose inhaltliche und personelle Debatte aus. Es sei nicht damit
       getan, Kinkel durch Gerhardt zu ersetzen, sagte er im Deutschlandfunk. Wäre
       die FDP ein Unternehmen mit einer vergleichbaren katastrophalen Bilanz,
       würde der Vorstand auch ausgewechselt.
       
       27 May 1995
       
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