# taz.de -- Schreibweisen in der taz: Kein Richtig oder Falsch
       
       > Das Umweltbundesamt ist kein Bundesumweltamt! Und Kobane ist nicht
       > Kobani? Über Schreibweisen in der taz. 
       
       Wie Eigennamen in der taz geschrieben werden, steht auf einer Liste. Elf
       Seiten ist sie lang, gefüllt mit Namen vor allem aus anderen
       Schriftsystemen und der korrekten Schreibweise geläufiger Abkürzungen.
       Wobei „korrekt” hier heißt: „von der Korrektur entschieden”. Während zum
       Beispiel die Mehrheit der deutschsprachigen Medien sich für die
       Schreibweise „Kobane” entschieden hat, schreibt die taz „Kobani”; meistens
       jedenfalls. Fehler kommen vor. 
       
       Ein Problem jedoch, das die bisweilen der taz eigene Schreibweise
       bestimmter Namen mit sich bringt, ist die mangelnde Auffindbarkeit durch
       Suchmaschinen im Internet. So schreibt taz.de, angepasst an die
       Entscheidung der Korrektur (meistens) „Kobani”. Der Suchbegriff für
       NutzerInnen, die sich über den Krieg in Syrien informieren wollen, dürfte
       jedoch häufiger „Kobane” sein – das ist schlecht für uns. Solange die
       Seitenzugriffe über Suchmaschinen aber noch circa ein Fünftel der Besuche
       auf taz.de ausmachen, verfallen wir da nicht Panik und üben uns in aus der
       Notwendigkeit geborener Souveränität. 
       
       ## Der Klang des Originals
       
       Eine Begründung für bestimmte Schreibweisen ist die Nähe zum Klang des
       Originals, Kobani eben oder Petro (nicht Pjotr) Poroschenko. Das Original
       ist in ersterem Fall der kurdische Name der Stadt, die auf Arabisch Ain
       al-Arab heißt. Bei Letzterem ist die ukrainische statt der russischen
       Herkunft des ukrainischen Politikers ausschlaggebend. 
       
       Ein bekannter ägyptischer Muslimbruder wird „Abd al-Munim Abul Futuh”
       geschrieben und nicht in der an die englische Transkription angelehnte
       Schreibweise „Abdel Moneim Abul Futuh”. Gleiches gilt für den
       palästinensischen Politiker Salam Fajad (statt Fayyad). 
       
       ## Die eine oder andere Variante
       
       Gerade bei Transkriptionen gibt es häufig kein eindeutiges Richtig oder
       Falsch, sondern nur eine Entscheidung für die eine oder andere Variante –
       die dann natürlich konsequent durchgehalten werden sollte. Manchmal ist es
       noch viel simpler. Dann erzwingt der Zeichensatz der gedruckten Zeitung
       Lösungen, die niemanden so recht befriedigen. So fehlen uns schon immer die
       türkischen Sonderzeichen. Statt also den ungerundeten geschlossenen
       Hinterzungenvokal richtig darzustellen, schreiben wir einfach – korrekt,
       von der Korrektur entschieden – i. 
       
       Unkompliziert sind hingegen die Umschreibungen jener Abkürzungen, die sich
       auch als Wörter sprechen lassen und ebenso geschrieben werden. So schreiben
       wir Asem, nicht ASEM, oder Ver.di statt ver.di. Konsequent schreiben wir
       aber nicht Dax, sondern DAX, grad so, als wäre er ein AKW oder eine CD-Rom,
       verzeihung, ROM. Den Suchmaschinen ist das übrigens gleichgültig, sie
       beachten die Groß- und Kleinschreibung einfach nicht und sind auch bei
       Binnenmajuskeln so entspannt wie die Korrektur der taz und werden nicht
       unnötig sprachpuristisch, wenn ihnen YouTube, ProSieben oder
       JournalistInnen begegnen. 
       
       ## Ramstein vs. Rammstein
       
       Auf der elfseitigen Liste korrekter Schreibweisen lässt sich aber noch mehr
       lernen oder in Erinnerung rufen, zum Beispiel, dass der Ort zwar Ramstein,
       die Band aber Rammstein heißt, dass Subcomandante mit einem m zu schreiben
       ist, dass „X-tausendmal quer” nur hinter dem X mit einem Bindestrich
       versehen wird, dass die Sachsen LB seit 2008 „Sachsen Bank” genannt werden
       möchte und dass wir anscheinend recht häufig über iranische Regisseure
       berichten. Namen mit dem entsprechenden Vermerk sind öfter zu finden. 
       
       Die wichtigste Information auf der ganzen Liste aber ist gleich zweimal mit
       einem gefetteten „Achtung!” versehen: „Umweltbundesamt ist nicht gleich
       Bundesumweltamt.” 
       
       DANIÉL KRETSCHMAR ist Ressortleiter taz.de
       
        4 Nov 2014
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniél Kretschmar
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA