# taz.de -- Die taz arbeitet mit DOJO zusammen: „Dick und gemütlich“ umstritten
> Die Kampagne der taz.am wochenende kommt von der Berliner Werbeagentur
> DOJO. Wie war die Zusammenarbeit?
(IMG) Bild: Das Geld liegt auf der Straße... So sehen sich die MitarbeiterInnen von DOJO.
Wer seinen Webauftritt „[1][dojofuckingyeah]” nennt, ist jung, hip und
extrem cool. Oder hält sich zumindest dafür. Die taz ist nicht mehr ganz so
jung (35 Jahre), ihre Hipness ist Ansichtssache und cool...? Eine gedruckte
Zeitung?
Vielleicht wollten wir also jünger, hipper und cooler werden. Oder auch
nicht. Sondern einfach einen anderen Blickwinkel auf ein altes Produkt, das
nie aus der Mode kommt, einnehmen. Auf unsere gedruckte Zeitung,
insbesondere unser Wochenend-Abo sollte nach einem aufwändigen Relaunch
bekannter gemacht werden.
Der Leiter der taz-Werbeabteilung Willi Vogelpohl ließ sich vom Elan der
Agentur DOJO mitreißen: „Die Agentur ist vor allem schnell. Verdammt
schnell. Schnell in der Auffassungsgabe, schnell im Verstehen der
spezifischen Punkte, die es zu verstehen gilt, wenn man für die taz werben
soll. Und schnell in der Ausführung. Das liegt wahrscheinlich daran, dass
die Kreativen um DOminic und JOachim so jung sind.”
## Keine Papierzeitung
Dass sie jung sind, merkt man außerdem daran, dass sie keine Zeitung lesen.
Also keine Papierzeitung. Aber sie können sich gut vorstellen, dass es gut
sein kann, am Wochenende Zeitung zu lesen – im Bett, am Frühstückstisch,
auf dem Sofa, auf der Decke im Park, auf der Bank, sonstwo. Dick und
gemütlich eben.
Während es für die taz eher ein Wagnis war, sich auf diese ungewöhnliche
Agentur einzulassen, war es für diese offensichtlich eine große Ehre: „Als
die taz an einem verregneten Sonntagmorgen bei uns vor der Tür stand,
ließen wir sie zweimal klingeln, um uns unsere Freude nicht anmerken zu
lassen. Für uns war sie nach Gemüsedöner, Biosupermarkt und Stadtmagazin
der letzte fehlende Stein im Kreuzberger Kundenpuzzle, und entsprechend
leuchteten unsere Augenringe, als die taz uns bat, die neue
Wochenend-Ausgabe unter die Leute zu bringen.” So die Jungs und Mädels von
der Agentur.
Die Ansprüche der taz waren und sind hoch – dementsprechend der Druck auf
die Kreativen von DOJO. Wir wollten eine Kampagne, die sich von unseren
bisherigen unterschied, die zeigte, dass etwas völlig Neues kreiert worden
war – und die trotzdem „tazzig" blieb. Für DOJO eine große Herausforderung:
„Einige flambierte Cocktails später hatten wir die zündende Idee zwar immer
noch nicht, aber Kopfschmerzen, als ob wir unser ganzes Jahres-Abo auf
einmal gelesen hätten. Nachdem wir endlich alles Unnütze aus unseren Köpfen
raus hatten, kam uns die Idee für die Bewerbung der neuen
Wochenend-Ausgabe: taz wird dick und gemütlich. Denn schließlich sollte es
in der neuen taz.am wochenende um die großen Themen der Zeit gehen, und dem
Leser eine gute Ausrede für ein Wochenende auf dem Sofa geboten werden.”
## Natürlich auch ein Video
Dass sie jung sind, merkt man des Weiteren daran, dass sie gar nicht mehr
darüber reden, dass es natürlich auch ein Video braucht – und eine Adaption
fürs Netz sowieso. Dass sie jung sind, merkt man schließlich auch daran,
dass sie „auf die Straße gehen” um zu demonstrieren und „auf die Straße
gehen” um eine Zeitung am Kiosk zu kaufen unverkrampft locker miteinander
in einem Video verbinden können. Die taz-Werbeabteilung findet das
anrührend, aufmerksamkeitsstark und in der Botschaft eindeutig. Viele
MitarbeiterInnen der taz (besonders aus der Redaktion) sehen das nicht so.
DOJO erinnern sich an den Moment der Präsentation: „Als wir die Idee dann
vor versammelter Mannschaft (Geschäftsführung, Chefredaktion und
Werbeleitung der taz) präsentierten, hieß es 'Das werden bestimmt viele
nicht gut finden. Lasst es uns machen.' – Ab da wussten wir, dass unsere
Liebe für die taz nicht nur auf dem Papier existierte."
Der taz-Geschäftsführer Andreas Bull dachte bei DOJO bisher eigentlich nur
an [2][Gemüsedöner]. Seine Stimme bekam DOJO nach dem Pitch, weil sie
„jung, dynamisch und frech, außerdem gut vernetzt in Berlin” sind. Zudem
hält er die MitarbeiterInnen der Agentur für unkonventionell und
professionell genug, die taz zu verstehen und ihr zu helfen. Als DOJO bei
der Vorstellung ihrer Kampagne tatsächlich eine Titeländerung der „taz.die
tageszeitung” am Samstag in „taz.am wochenende” vorschlugen, wusste er:
„Die sind mutig! Das war das Entscheidende. Sie sind mit Chuzpe an die
Sache rangegangen."
## peinlich und denunzierend
Kaum wurde der Spot im Haus gezeigt, hagelte es interne Kritik: „Bringt das
Zeigen dieses Spots mehr Nutzen oder Schaden?" war noch die harmlosere Form
der Meinungsäußerung. Andere forderten zum Protest auf: „Ja, guckt euch den
mal an! Und schon mal eine Schüssel bereit halten. Das ist dermaßen
peinlich und denunziert das, wofür wir arbeiten. ich bin sauer."
Der Spot wurde erneut diskutiert. Überschätzten wir die Ironiefähigkeit des
Publikums? Darf man demonstrierende Menschen für Werbung missbrauchen? Eine
andere Kollegin schrieb: „Die taz ist nun dick und gemütlich, und auf die
Straße geht hier auch niemand. Sind Stubenhocker nun die neue Zielgruppe?”
Die Kritik an dem Spot griff selbstredend auch auf die Produzierenden über:
„Ach Mensch, nun sei doch nicht so!! Da haben sich doch ein paar wirklich
jung und schlecht gelaunte Menschen sicher sehr viele Gedanken über die taz
gemacht ...”
## Kritische Haltung sich selbst gegenüber
Einige positive Stimmen mischten sich unter das Grollen aus den
Redaktionsräumen: „Selbstironie ist eine Ironie, deren unmittelbare
Zielscheibe die eigene Rolle oder Meinung ist und die daher eine
spielerische, relativierende oder sogar kritische Haltung sich selbst
gegenüber einnimmt. Selbstironie gilt daher oft als Zeichen von Humor und
sympathischer Bescheidenheit bzw. steht, aufgrund ihrer immanenten
Selbstkritik, auch für eine generell undogmatische Lebenseinstellung." Der
Kollege zitiert Wikipedia und trifft genau den Punkt. Das wollten wir
eigentlich mit dem Spot zeigen: Dass die taz für eine undogmatische
Lebensführung steht.
Der Spot ist umstritten und soll es auch sein. Wäre sich die taz einmal
komplett einig, dann hätte sie sicherlich einen großen Teil ihrer
„Tazzigkeit” verloren.
Nicola Schwarzmaier (Sitemanagement Verlag)
15 Jul 2013
## LINKS
(DIR) [1] http://www.dojofuckingyeah.de/arbeit#alles
(DIR) [2] http://www.youtube.com/watch?v=ay898gbNDgg
## AUTOREN
(DIR) Nicola Schwarzmaier
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