i# taz.de -- NDR-Entscheidung zu „Klar“: Von wegen „Cancel-Culture“ taz.de 70 i taz.de 70 i> Der NDR trennt sich von der umstrittenen Moderatorin Julia Ruhs. Das ist taz.de 70 i> keine linke Agenda, wie Rechte fabulieren. Das ist Qualitätssicherung. taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Selbstbewusst in der Opferrolle: Julia Ruhs /picture/7940016/948/39275951.jpeg taz.de 70 i taz.de 70 iHier sind wir wieder, in der nächsten Runde des taz.de 70 i„Cancel-Culture“-Karussells. [1][Die Absetzung von Julia Ruhs durch den taz.de 70 iNDR] hat eine neue Debatte über die Ausrichtung des öffentlich-rechtlichen taz.de 70 iRundfunks in Gang gesetzt. Zuvor moderierte sie drei Folgen des taz.de 70 iReportageformats „Klar“, das nicht zuletzt [2][von anderen taz.de 70 iJournalist*innen] hinsichtlich der Qualität stark kritisiert wurde. So taz.de 70 ieine Gelegenheit, gegen eine vermeintliche links-grüne Meinungshegemonie zu taz.de 70 ischießen, lassen führende Politiker*innen selten sausen. taz.de 70 i taz.de 70 iEin „Tiefpunkt deutscher Debattenkultur“, klagt CDU-Generalsekretär Carsten taz.de 70 iLinnemann und fordert, die ÖRR-Gebühren einzufrieren, damit Druck entstehe taz.de 70 iund Reformen passierten. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel taz.de 70 iGünther (CDU) spricht von einem „extrem schlechten Signal“ und übergeht taz.de 70 ieine NDR-Veranstaltung zum Intendantenwechsel. Stattdessen besuchte er eine taz.de 70 iVeranstaltung in Kiel, auf der Ruhs’ neues Buch „Links-grüne Meinungsmacht taz.de 70 i– Die Spaltung unseres Landes“ vorgestellt wurde. Beides fand am taz.de 70 iDonnerstagabend statt. Offiziell sage Günther die NDR-Veranstaltung in taz.de 70 iHamburg aus terminlichen Gründen ab. Er habe in Kiel bleiben müssen und taz.de 70 ideswegen spontan zugesagt. taz.de 70 i taz.de 70 i## NDR-interne Kritik an bisherigen Folgen taz.de 70 i taz.de 70 iDoch von vorne: Was war passiert? Nach Recherchen der Welt soll der NDR taz.de 70 iseit Ausstrahlung der Pilotfolge im April in einen internen Konflikt rund taz.de 70 ium das Format „Klar“ mit Moderatorin Ruhs geraten sein. Die Sendung taz.de 70 ientstand aus einer Kooperation von BR und NDR. Laut NDR, um die taz.de 70 iöffentlich-rechtliche Perspektivenvielfalt zu erhöhen. taz.de 70 i taz.de 70 iWie der Sender mittlerweile in einer Pressemitteilung bestätigt, lebt die taz.de 70 iIdee weiter – nur Julia Ruhs steht in den vom NDR produzierten Folgen nicht taz.de 70 iweiter vor der Kamera. Während sie die BR-Folgen weiterhin anleitet, wird taz.de 70 iTanit Koch den Job ab 2026 für den NDR übernehmen, wie aus einer taz.de 70 i[3][Pressemitteilung] vom Freitagnachmittag hervorgeht. taz.de 70 i taz.de 70 iDie bisherige Karriere von Koch ist markant. Unter anderem war sie zwei taz.de 70 iJahre lang Chefredakteurin der Bild und leitete später die taz.de 70 iWahlkampfkommunikation von Armin Laschet. Genau wie Julia Ruhs schreibt taz.de 70 iTanit Koch auch für Focus. taz.de 70 i taz.de 70 i250 Mitarbeiter*innen des Norddeutschen Rundfunks sollen sich laut taz.de 70 iWelt in einem offenen Brief an ihre Vorgesetzten von „Klar“ distanziert taz.de 70 ihaben. Darin äußern sie unter anderem Zweifel an der Einhaltung von im taz.de 70 iMedienstaatsvertrag festgeschriebenen journalistischen Standards. taz.de 70 i taz.de 70 i## Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk taz.de 70 i taz.de 70 iRechte Medien wittern in dieser Kritik durch Mitarbeitende des ÖRR eine taz.de 70 iEinseitigkeit des ÖRR; der Cicero etwa trauert der „einzigen konservativen taz.de 70 iJournalistin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ nach. Ruhs selbst lässt taz.de 70 idie Debatte auch nicht ruhen, im Gegenteil. Gegenüber Table Media erhebt taz.de 70 isie schwere Vorwürfe gegen den NDR. „Mundtot“ habe man sie gemacht, der NDR taz.de 70 ihalte offenbar weniger von Meinungsvielfalt als der BR. taz.de 70 i taz.de 70 iÜberraschend äußert sich auch Heidi Reichinnek. Gegenüber dem Spiegel gibt taz.de 70 idie Linke-Politikerin zu bedenken: „Es ist wirklich hochproblematisch, wenn taz.de 70 iauf Druck von irgendeiner Seite etwas abgesetzt wird.“ Damit lässt auch taz.de 70 iReichinnek sich auf eine verkürzte Rhetorik ein, die eine breitere taz.de 70 iKontextualisierung vermissen lässt. taz.de 70 i taz.de 70 i## Niemand wurde gecancelt taz.de 70 i taz.de 70 iAber von einer Cancel-Culture kann keine Rede sein. Wie der Deutsche taz.de 70 iJournalisten-Verband (DJV) in einer Pressemitteilung schreibt, sei es Fakt, taz.de 70 idass Ruhs nicht aus dem ÖRR rausgeschmissen werde, sondern weiterhin „Klar“ taz.de 70 imoderieren dürfe – fortan eben beim BR und im Wechsel mit anderen taz.de 70 iKolleg*innen. taz.de 70 i taz.de 70 iNichts daran rechtfertige Aufgeregtheit bis in höchste politische Kreise. taz.de 70 iBesonders die Aussagen der CDU-Politiker kritisierte der Verband. Die taz.de 70 iBeiträge einzufrieren – wie von Linnemann gefordert –, sei taz.de 70 i„verfassungswidrig“. taz.de 70 i taz.de 70 iAuch der Redaktionsausschuss des NDR schaltete sich ein, dessen taz.de 70 iStellungnahme liegt dem Evangelischen Pressedienst vor. Der Ausschuss taz.de 70 ifordere eine zeitige Aufarbeitung aller Entscheidungen rund um „Klar“ und taz.de 70 isämtlicher Entscheidungen. Sie seien zum Teil sachlich falsch oder verzerrt taz.de 70 ikommuniziert worden. taz.de 70 i taz.de 70 iDass der NDR sie zum Schweigen bringe, behandelt Julia Ruhs wie eine taz.de 70 iknallharte Tatsache, ebenso einige Politiker*innen. Öffentlich ist das taz.de 70 iinterne Schreiben der Mitarbeiter*innen aber nicht, so ist es laut taz.de 70 iPressemitteilung des NDR auch gewollt. Mindestens merkwürdig also, wie taz.de 70 iselbstbewusst Rechte sich in ihrer Opferrolle niederlassen. taz.de 70 i taz.de 70 iEinzelne Teile des offenen Briefs machte die Welt publik. In ihm heiße es, taz.de 70 idie Sendung über Migration verletze „eine Reihe von Grundsätzen unserer taz.de 70 ijournalistischen Arbeit und kommt unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag taz.de 70 igemäß NDR-Staatsvertrag nicht nach“. taz.de 70 i taz.de 70 i## Absetzung wegen mangelnder journalistischer Qualität taz.de 70 i taz.de 70 iDass 250 Mitarbeiter*innen sich gegen ihre Vorgesetzten auflehnen, ist taz.de 70 ikein Ausdruck von Cancel-Culture, sondern gelebter Widerstand. Ihrer Kritik taz.de 70 ian der journalistischen Qualität steht eine repräsentative Befragung des taz.de 70 iSenders entgegen. Die ergab, dass 63 Prozent der Befragten „Klar“ die Noten taz.de 70 iEins oder Zwei geben, BR-Programmdirektor Thomas Hinrichs spricht taz.de 70 iangesichts dessen von einer hohen Akzeptanz beim Publikum. Doch trotz taz.de 70 imächtiger Quote halten die Redakteur*innen journalistische Werte hoch. taz.de 70 i taz.de 70 iDie spaltende Rhetorik, die sie in der „Klar“-Folge über Migration taz.de 70 ibeobachten, lehnen sie deshalb ab – ganz gleich, ob sie den taz.de 70 iZuschauer*innen Freude bereitet oder nicht. Ruhs mache es „fassungslos“, taz.de 70 idass hier nicht die Zuschauer*innen eine Rolle spielten, sondern taz.de 70 i„politische Befindlichkeiten“, wie sie in einem Interview mit dem taz.de 70 i[4][Cicero] sagt. taz.de 70 i taz.de 70 iNatürlich ist es wichtig, dass das geplante Programm auch gut beim taz.de 70 iPublikum ankommt und nicht ins Leere gesendet wird. Doch genauso ist es taz.de 70 iAufgabe aller Mitarbeitenden, einzuschreiten, wenn sie die Vorschriften taz.de 70 ieines Grundsatzes verletzt sehen. Mit „politischen Befindlichkeiten“ hat taz.de 70 idas überhaupt nichts am Hut. taz.de 70 i taz.de 70 iGecancelt wurde hier niemand. Es wurden nur die redaktionellen Vorschriften taz.de 70 ides NDR-Staatsvertrags beachtet, nämlich die Sorgfaltspflicht. taz.de 70 i taz.de 70 i## Fantasie eines linken Mobs im ÖRR taz.de 70 i taz.de 70 iKulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) warnte den taz.de 70 iöffentlich-rechtlichen Rundfunk im Fernsehsender der Welt vor einem taz.de 70 iAkzeptanzverlust. Weite Teile der Bevölkerung hätten den Eindruck, dass der taz.de 70 iÖRR einseitig berichte. „Und das ist ein Problem, weil die taz.de 70 iÖffentlich-Rechtlichen von großer Akzeptanz leben.“ Damit hat er recht. taz.de 70 iDoch liegt der Akzeptanzverlust wirklich an der NDR-Trennung von Ruhs? Oder taz.de 70 inicht vielmehr daran, dass manche in der Wahrung journalistischer Standards taz.de 70 ieinen hegemonialen linken Mob sehen und darstellen wollen? taz.de 70 i taz.de 70 iLetzteres lässt sich aktuell in jeglichen konservativen bis rechten Medien taz.de 70 iund in den Äußerungen von Günther, Linnemann oder Weimer beobachten. taz.de 70 i taz.de 70 i19 Sep 2025 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] /Konflikt-um-NDR-Format-Klar/!6114127 /Konflikt-um-NDR-Format-Klar/!6114127 taz.de 70 1[2] /Neue-Sendung-Klar/!6081388 /Neue-Sendung-Klar/!6081388 taz.de 70 1[3] https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/tanit-koch-verstaerkt-fuer-ndr-ab-2026-moderations-team-von-klar,pressemeldungndr-254.html https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/tanit-koch-verstaerkt-fuer-ndr-ab-2026-moderations-team-von-klar,pressemeldungndr-254.html taz.de 70 1[4] https://www.cicero.de/kultur/julia-ruhs-uber-die-intrige-beim-ndr-man-wollte-mich-loswerden https://www.cicero.de/kultur/julia-ruhs-uber-die-intrige-beim-ndr-man-wollte-mich-loswerden taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Wlada Froschgeiser /!a225533 taz.de 70 1Jonas Kähler /!a94305 taz.de 70 i taz.de 70 i## TAGS taz.de 70 i taz.de 70 1Schwerpunkt Pressefreiheit /!t5007487 taz.de 70 1cancel culture /!t5709848 taz.de 70 1GNS /!t5755982 taz.de 70 1NDR /!t5015042 taz.de 70 1Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk /!t5015122 taz.de 70 1Social-Auswahl /!t5964401 taz.de 70 1talkshow /!t6093575 taz.de 70 1Reden wir darüber /!t6101305 taz.de 70 1Julia Ruhs /!t6114281 taz.de 70 1WDR /!t5007695 taz.de 70 1Julia Ruhs /!t6114281 taz.de 70 1Schwerpunkt Pressefreiheit /!t5007487 taz.de 70 1Landwirtschaft /!t5007831 taz.de 70 1Migration /!t5007824 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 i taz.de 70 1Kritik am ÖRR: Das Sprachrohr der Konservativen /!6111433 taz.de 70 i taz.de 70 iCDU-Politiker kritisieren die Entscheidung, Moderatorin Ruhs zu ersetzen. taz.de 70 iDoch der ÖRR sollte weder rechts noch links sein, sondern machtkritisch. taz.de 70 i taz.de 70 1Tanit Koch beim NDR: Wird „Klar“ nun klarer? /!6111331 taz.de 70 i taz.de 70 iFür die vom NDR geschasste Moderatorin Julia Ruhs übernimmt nun die frühere taz.de 70 iBild-Chefredakteurin die Moderation. 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