3:1 Rut auf der Tenne des Boas: 3,1-15 Ihre Schwiegermutter Noomi sagte zu ihr: Meine Tochter, ich moechte dir ein Heim verschaffen, in dem es dir gut geht. 3:2 Nun ist ja Boas, bei dessen Maegden du warst, ein Verwandter von uns. Heute abend worfelt er die Gerste auf der Tenne. [2-4: Auf der Tenne, die sich im Freien vor der Stadt befindet, wird zunaechst das Getreide gedroschen, indem man mit Ochsen ein schlittenartiges, unten mit spitzen Haken versehenes Geraet ueber das Getreide fuehrt und so die Aehren zerkleinert, wobei die Koerner herausfallen. Dann wirft man mit Gabeln oder Schaufeln das gedroschene Getreide hoch, so dass der Wind die Spreu forttraegt, waehrend die schwereren Koerner zu Boden fallen. Diesen Reinigungsvorgang nennt man Worfeln. Das durch Worfeln gereinigte Getreide wird in Haufen am Rand der Tenne gesammelt. Um Diebstahl zu verhindern, schlaeft man ueber Nacht beim Getreide.] 3:3 Wasch dich, salbe dich, und zieh dein Obergewand an, dann geh zur Tenne! Zeig dich aber dem Mann nicht, bis er fertig gegessen und getrunken hat. 3:4 Wenn er sich niederlegt, so merk dir den Ort, wo er sich hinlegt. Geh dann hin, deck den Platz zu seinen Fuessen auf, und leg dich dorthin! Er wird dir dann sagen, was du tun sollst. 3:5 Rut antwortete ihr: Alles, was du sagst, will ich tun. 3:6 Sie ging zur Tenne und tat genauso, wie ihre Schwiegermutter ihr aufgetragen hatte. 3:7 Als Boas gegessen und getrunken hatte und es ihm wohl zumute wurde, ging er hin, um sich neben dem Getreidehaufen schlafen zu legen. Nun trat sie leise heran, deckte den Platz zu seinen Fuessen auf und legte sich nieder. 3:8 Um Mitternacht schrak der Mann auf, beugte sich vor und fand eine Frau zu seinen Fuessen liegen. 3:9 Er fragte: Wer bist du? Sie antwortete: Ich bin Rut, deine Magd. Breite doch den Saum deines Gewandes ueber deine Magd; denn du bist Loeser. ["Das Gewand ueber jemand breiten" bedeutet soviel wie "jemand beschuetzen". Hier ist an den Schutz der kinderlosen Witwe durch den Vollzug der Leviratsehe gedacht.] 3:10 Da sagte er: Gesegnet bist du vom Herrn, meine Tochter. So zeigst du deine Zuneigung noch schoener als zuvor; denn du bist nicht den jungen Maennern, ob arm oder reich, nachgelaufen. 3:11 Fuerchte dich nicht, meine Tochter! Alles, was du sagst, will ich dir tun; denn jeder in diesen Mauern weiss, dass du eine tuechtige Frau bist. 3:12 Gewiss, ich bin Loeser, aber es gibt noch einen Loeser, der naeher verwandt ist als ich. [Dtn 25,5f] 3:13 Bleib ueber Nacht, und wenn er dich dann am Morgen loesen will, gut, so mag er loesen. Wenn er dich aber nicht loesen will, so werde ich dich loesen, so wahr der Herr lebt. Bleib liegen bis zum Morgen! 3:14 Sie blieb zu seinen Fuessen liegen bis zum Morgen. Doch noch ehe man einander erkennen konnte, stand sie auf. Denn Boas wollte nicht bekannt werden lassen, dass die Frau auf die Tenne gekommen war. 3:15 Er sagte zu ihr: Reich mir das Tuch, das du umgelegt hast. Sie hielt es hin, und er fuellte sechs Mass Gerste hinein und lud es ihr auf. Dann ging er zur Stadt. 3:16 Der Rat der Schwiegermutter: 3,16-18 Rut kam nun zu ihrer Schwiegermutter, und diese fragte: Wie steht es, meine Tochter? Sie erzaehlte ihr, wieviel Gutes ihr der Mann erwiesen hatte, 3:17 und sagte: Diese sechs Mass Gerste hat er mir gegeben; denn er meinte: Du sollst nicht mit leeren Haenden zu deiner Schwiegermutter kommen. 3:18 Noomi antwortete ihr: Warte ab, meine Tochter, bis du erfaehrst, wie die Sache ausgeht; denn der Mann wird nicht ruhen, ehe er noch heute die Sache erledigt hat.