9:1 Die Wahl Abimelechs zum Koenig: 9,1-6 Abimelech, der Sohn Jerubbaals, ging nach Sichem zu den Bruedern seiner Mutter und sagte zu ihnen und zur ganzen Sippe der Familie seiner Mutter: [8,31] 9:2 Redet doch allen Buergern von Sichem zu und sagt: Was ist besser fuer euch: wenn siebzig Maenner ueber euch herrschen, alle Soehne Jerubbaals, oder wenn nur ein Mann ueber euch herrscht? Denkt auch daran, dass ich euer Fleisch und Bein bin. [Gen 2,23] 9:3 Da redeten die Brueder seiner Mutter seinetwegen allen Buergern Sichems zu, und zwar genau mit seinen Worten, so dass sich ihr Herz Abimelech zuwandte. Denn sie sagten sich: Er ist unser Bruder. 9:4 Sie gaben ihm siebzig Silberstuecke aus dem Tempel des "Baal des Bundes", und Abimelech warb damit Maenner an, die nichts zu verlieren hatten und zu allem faehig waren; sie wurden sein Gefolge. [8,33 Woertlich: die leer und zuchtlos waren (vgl. 11,3).] 9:5 Dann drang er in das Haus seines Vaters in Ofra ein und brachte seine Brueder, die Soehne Jerubbaals, siebzig Mann, auf ein und demselben Stein um. Nur Jotam, der juengste Sohn Jerubbaals, blieb uebrig, weil er sich versteckt hatte. [8,35] 9:6 Da versammelten sich alle Buerger von Sichem und Bet-Millo, zogen zu der Eiche, die bei Sichem steht, und machten Abimelech zum Koenig. [Gen 35,4; Jos 24,26] 9:7 Die Fabel vom Koenig der Baeume: 9,7-21 Als man das Jotam meldete, stellte er sich auf den Gipfel des Berges Garizim und rief ihnen mit erhobener Stimme zu: Hoert auf mich, ihr Buerger von Sichem, damit Gott auf euch hoert. 9:8 Einst machten sich die Baeume auf, um sich einen Koenig zu salben, und sie sagten zum oelbaum: Sei du unser Koenig! 9:9 Der Oelbaum sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Goetter und Menschen ehrt, und hingehen, um ueber den anderen Baeumen zu schwanken? [mit dem: Text korr., vgl. G.] 9:10 Da sagten die Baeume zum Feigenbaum: Komm, sei du unser Koenig! 9:11 Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Soll ich meine Suessigkeit aufgeben und meine guten Fruechte und hingehen, um ueber den anderen Baeumen zu schwanken? 9:12 Da sagten die Baeume zum Weinstock: Komm, sei du unser Koenig! 9:13 Der Weinstock sagte zu ihnen: Soll ich meinen Most aufgeben, der Goetter und Menschen erfreut, und hingehen, um ueber den anderen Baeumen zu schwanken? 9:14 Da sagten alle Baeume zum Dornenstrauch: Komm, sei du unser Koenig! 9:15 Der Dornenstrauch sagte zu den Baeumen: Wollt ihr mich wirklich zu eurem Koenig salben? Kommt, findet Schutz in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen. 9:16 Wenn ihr also treu und redlich gehandelt habt, als ihr Abimelech zum Koenig machtet, und wenn ihr an Jerubbaal und seinem Haus gut gehandelt habt, wenn ihr so an ihm gehandelt habt, wie das Wirken meines Vaters es verdient, 9:17 der fuer euch gekaempft, sein Leben gewagt und euch aus der Gewalt Midians befreit hat, 9:18 waehrend ihr euch heute gegen das Haus meines Vaters erhoben habt, seine Soehne, siebzig Maenner, auf ein und demselben Stein umgebracht und Abimelech, den Sohn seiner Sklavin, zum Koenig ueber die Buerger von Sichem gemacht habt, weil er euer Bruder ist, - 9:19 wenn ihr also heute treu und redlich an Jerubbaal und seinem Haus gehandelt habt, dann sollt ihr eure Freude haben an Abimelech, und er soll seine Freude an euch haben. 9:20 Wenn aber nicht, dann soll Feuer von Abimelech ausgehen und die Buerger Sichems und Bet-Millos fressen. Und von den Buergern Sichems und von Bet-Millo soll Feuer ausgehen und Abimelech fressen. 9:21 Dann machte sich Jotam davon, floh vor seinem Bruder Abimelech nach Beer und liess sich dort nieder. 9:22 Der Kampf um Sichem: 9,22-49 Als Abimelech drei Jahre lang ueber Israel geherrscht hatte, 9:23 sandte Gott einen boesen Geist zwischen Abimelech und die Buerger von Sichem, so dass die Buerger von Sichem von Abimelech abfielen. 9:24 Das Verbrechen an den siebzig Soehnen Jerubbaals sollte sich raechen; ueber ihren Bruder Abimelech, der sie umgebracht hatte, sollte die Strafe fuer das Blutvergiessen kommen und ebenso ueber die Buerger von Sichem, die ihm tatkraeftig bei der Ermordung seiner Brueder geholfen hatten. [die ihm geholfen hatten, woertlich: die seine Haende stark gemacht hatten.] 9:25 Die Buerger von Sichem legten ihm auf den Hoehen der Berge einen Hinterhalt. Sie raubten dort jeden aus, der auf seinem Weg bei ihnen vorbeikam. Das wurde Abimelech gemeldet. 9:26 Gaal, der Sohn Ebeds, kam mit seinen Bruedern und Knechten nach Sichem, und die Buerger von Sichem fassten Vertrauen zu ihm. [und Knechten: Text korr.] 9:27 Sie gingen aufs Feld hinaus, hielten in ihren Weinbergen die Weinlese, kelterten und feierten ein Freudenfest; sie zogen zum Haus ihres Gottes, assen und tranken und verfluchten Abimelech. 9:28 Gaal, der Sohn Ebeds, sagte: Wer ist schon Abimelech? Und was ist Sichem, dass wir Abimelech dienen sollten? Ist er nicht der Sohn Jerubbaals, und ist nicht Sebul sein Vogt? Dient lieber den Maennern Hamors, des Vaters von Sichem! Warum sollten wir ihm dienen? 9:29 Waere doch dieses Volk in meiner Gewalt; ich wollte Abimelech vertreiben. Ich wuerde zu Abimelech sagen: Du hast ein grosses Heer, also zieh in den Kampf! [ich wuerde . . . sagen: Text korr. nach G. - Du hast ein grosses Heer: Text korr.; H: Mach gross (?) dein Heer!] 9:30 Als Sebul, der Vogt der Stadt, von den Reden Gaals, des Sohnes Ebeds, hoerte, entbrannte sein Zorn. 9:31 Er schickte Boten zu Abimelech nach Aruma und liess ihm sagen: Gaal, der Sohn Ebeds, und seine Brueder sind nach Sichem gekommen und hetzen nun die Stadt gegen dich auf. [Aruma: Text korr. nach V. 41.] 9:32 Brich also noch in der Nacht mit den Leuten auf, die du bei dir hast, und leg dich auf dem freien Feld in einen Hinterhalt! 9:33 Am Morgen aber brich bei Sonnenaufgang auf, und rueck gegen die Stadt vor! Sobald dann Gaal mit seinen Leuten gegen dich ausrueckt, mach mit ihm, wie es sich fuer dich ergibt. 9:34 Abimelech brach noch in der Nacht mit allen Leuten, die er bei sich hatte, auf, und sie legten sich in vier Abteilungen bei Sichem in einen Hinterhalt. 9:35 Als Gaal, der Sohn Ebeds, herauskam und vor das Stadttor trat, brach Abimelech mit seinen Leuten aus dem Hinterhalt hervor. 9:36 Als Gaal die Maenner sah, sagte er zu Sebul: Sieh, da steigen Leute von den Hoehen der Berge herunter. Sebul entgegnete ihm: Du siehst den Schatten der Berge fuer Menschen an. 9:37 Doch Gaal redete weiter und sagte: Sieh doch, da kommen Leute vom Nabel des Landes herab, und eine Abteilung kommt aus der Richtung der Orakel-Eiche. [Nabel des Landes: gemeint ist wohl der Garizim als Mittelpunkt.] 9:38 Da sagte Sebul zu ihm: Wo bleibt nun dein grosses Maul, mit dem du gesagt hast: Wer ist schon Abimelech, dass wir ihm dienen sollten? Sind das nicht die Leute, die du verachtet hast? Rueck jetzt nur aus, und kaempfe mit ihnen! 9:39 Da rueckte Gaal an der Spitze der Buerger von Sichem aus und kaempfte gegen Abimelech. 9:40 Aber er musste vor ihm fliehen, und Abimelech verfolgte ihn, und viele wurden erschlagen, sie fielen, noch bevor sie das Tor erreicht hatten. 9:41 Abimelech aber kehrte nach Aruma zurueck, und Sebul vertrieb Gaal und seine Brueder; sie konnten nicht mehr in Sichem bleiben. [kehrte zurueck: Text korr., vgl. G; H: wohnte.] 9:42 Am anderen Morgen gingen die Leute (von Sichem) aufs Feld hinaus. Das meldete man Abimelech. 9:43 Er nahm seine Leute, teilte sie in drei Abteilungen und legte auf dem Feld einen Hinterhalt. Als er sah, wie die Leute aus der Stadt herauskamen, ueberfiel er sie und erschlug sie. 9:44 Abimelech stuermte mit der Abteilung, die bei ihm war, vor und bezog am Eingang des Stadttors Stellung, waehrend die beiden anderen Abteilungen auf die, die auf dem Feld waren, eindrangen und sie erschlugen. [44f: mit der Abteilung: Text korr., vgl. G. Das Ausstreuen von Salz ueber der zerstoerten Stadt ist eine Symbolhandlung, die eine dauernde Verwuestung andeutet (vgl. Dtn 29,22; Ps 107,34).] 9:45 Abimelech kaempfte den ganzen Tag gegen die Stadt. Er eroberte sie und toetete ihre Einwohner. Dann zerstoerte er die Stadt und streute Salz ueber sie. 9:46 Als die Besatzung der Burg von Sichem davon hoerte, zog sie sich in das Gewoelbe des Tempels des "Bundesgottes" zurueck. [46.49: Gewoelbe: Uebersetzung unsicher.] 9:47 Abimelech wurde gemeldet, dass sich die ganze Besatzung der Burg von Sichem dort versammelt hatte. 9:48 Daraufhin stieg Abimelech mit all seinen Leuten den Berg Zalmon hinauf. Abimelech nahm seine Axt in die Hand, hieb einen Busch ab, hob ihn auf, legte ihn auf seine Schulter und sagte zu seinen Leuten: Macht mir nach, was ihr gesehen habt, aber schnell! [seine Axt: Text korr., vgl. G.] 9:49 Da hieben auch alle seine Leute einen Busch ab und zogen hinter Abimelech her. Sie legten die Zweige auf das Gewoelbe und zuendeten sie an und steckten das Gewoelbe ueber der Besatzung in Brand. So kam auch die ganze Besatzung der Burg von Sichem um, etwa tausend Maenner und Frauen. 9:50 Der Tod Abimelechs: 9,50-57 Dann zog Abimelech nach Tebez, belagerte die Stadt und nahm sie ein. Tebez liegt noerdlich von Sichem. 9:51 Mitten in der Stadt aber war eine starke Burg. Dorthin flohen alle Maenner und Frauen, alle Buerger der Stadt. Sie schlossen hinter sich zu und stiegen auf das Dach der Burg. 9:52 Abimelech rueckte an die Burg heran und eroeffnete den Kampf gegen sie. Als er sich dem Burgtor naeherte, um es in Brand zu stecken, 9:53 warf eine Frau Abimelech einen Muehlstein auf den Kopf und zerschmetterte ihm den Schaedel. [2 Sam 11,21] 9:54 Da rief er seinen Waffentraeger und sagte zu ihm: Schnell, zieh dein Schwert, und toete mich! Man soll nicht von mir sagen: Eine Frau hat ihn umgebracht. Der junge Mann durchbohrte ihn, und er starb. 9:55 Als die Israeliten sahen, dass Abimelech tot war, ging jeder zurueck in seinen Heimatort. 9:56 So liess Gott das Verbrechen, das Abimelech an seinem Vater begangen hatte, als er seine siebzig Brueder umbrachte, auf ihn selbst zurueckfallen. 9:57 Auch auf die Einwohner von Sichem liess Gott alles Boese, das sie getan hatten, zurueckfallen. So kam ueber sie der Fluch Jotams, des Sohnes Jerubbaals.