16:1 Das Ritual fuer den Versoehnungstag: 16,1-34 Nach dem Tod der beiden Soehne Aarons, die umgekommen waren, als sie vor den Herrn hintraten, redete der Herr mit Mose. [10,1-5 1-34: Der Versoehnungstag wird am 10. Tag des Monats Tischri (September/Oktober), fuenf Tage vor dem Laubhuettenfest, gefeiert. Er ist ein Fasttag und der Tag, an dem der Hohepriester sich, die Priester und das Volk fuer alle Vergehen entsuehnt. Nur an diesem Tag darf er das Allerheiligste des Tempels betreten (vgl. auch Num 29,7-11).] 16:2 Der Herr sprach zu Mose: Sag deinem Bruder Aaron, er soll nicht zu jeder beliebigen Zeit das Heiligtum hinter dem Vorhang vor der Deckplatte der Lade betreten. Dann wird er nicht sterben, wenn ich ueber der Deckplatte in einer Wolke erscheine. [Ex 25,17-21] 16:3 Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier fuer ein Suendopfer und einem Widder fuer ein Brandopfer. 16:4 Ein geweihtes Leinengewand soll er anhaben, leinene Beinkleider tragen, sich mit einem Leinenguertel guerten und um den Kopf einen Leinenturban binden. Das sind heilige Gewaender; deshalb soll er seinen ganzen Koerper in Wasser baden und sie erst dann anlegen. 16:5 Von der Gemeinde der Israeliten soll er zwei Ziegenboecke fuer ein Suendopfer und einen Widder fuer ein Brandopfer erhalten. 16:6 Hat er den Jungstier fuer seine eigene Suende dargebracht und sich und sein Haus entsuehnt, 16:7 dann soll Aaron die beiden Ziegenboecke nehmen und sie vor dem Herrn am Eingang des Offenbarungszeltes aufstellen. 16:8 Fuer die beiden Boecke soll er Lose kennzeichnen, ein Los "fuer den Herrn" und ein Los "fuer Asasel". [8.20-22: Der Ritus mit dem Suendenbock fuer Asasel geht wohl auf einen alten Brauch zurueck, der durch den Jahwekult nicht ganz verdraengt werden konnte und darum als symbolische Handlung in das Ritual des Versoehnungstags eingebaut wurde. Asasel ist ein Wuestendaemon. Alle Suenden Israels sollen durch die Handauflegung gleichsam auf den Ziegenbock geladen und mit ihm in die Wueste, zu den Wuestendaemonen, getrieben, d. h. aus der Mitte Israels verbannt werden.] 16:9 Aaron soll den Bock, fuer den das Los "fuer den Herrn" herauskommt, herbeifuehren und ihn als Suendopfer darbringen. 16:10 Der Bock, fuer den das Los "fuer Asasel" herauskommt, soll lebend vor den Herrn gestellt werden, um fuer die Suehne zu dienen und zu Asasel in die Wueste geschickt zu werden. 16:11 Aaron soll den Jungstier fuer sein eigenes Suendopfer herbeibringen lassen, um sich und sein Haus zu entsuehnen, und diesen Jungstier als Suendopfer fuer sich schlachten. 16:12 Dann soll er eine Raeucherpfanne voll gluehender Kohlen vom Altar, der vor dem Herrn steht, und zwei Handvoll zerstossenen duftenden Raeucherwerks nehmen. Er soll alles hinter den Vorhang bringen 16:13 und das Raeucherwerk auf das Feuer vor dem Herrn tun; die Wolke des Raeucherwerks soll die Deckplatte ueber der Lade einhuellen, damit er nicht sterben muss. 16:14 Dann soll er vom Blut des Jungstiers nehmen und es mit seinem Finger gegen die Vorderseite der Deckplatte spritzen; auch vor die Deckplatte soll er mit seinem Finger siebenmal etwas Blut spritzen. 16:15 Nachher soll er den Bock schlachten, der als Suendopfer fuer das Volk bestimmt ist, und sein Blut hinter den Vorhang tragen. Er soll es mit diesem Blut ebenso machen wie mit dem Blut des Jungstiers und es auf die Deckplatte und vor die Deckplatte spritzen. 16:16 So soll er das Heiligtum von den Unreinheiten der Israeliten, von all ihren Freveltaten und Suenden entsuehnen, und so soll er mit dem Offenbarungszelt verfahren, das bei ihnen inmitten ihrer Unreinheiten seinen Sitz hat. 16:17 Kein Mensch darf im Offenbarungszelt sein, wenn er in das Heiligtum eintritt, um die Suehne zu vollziehen, bis er es wieder verlaesst. Hat er sich, sein Haus und die ganze Gemeinde Israels entsuehnt, 16:18 so soll er zum Altar vor dem Herrn hinausgehen und ihn entsuehnen. Er soll etwas Blut des Jungstiers und des Bockes nehmen und es auf die Hoerner rings um den Altar tun. 16:19 Etwas von diesem Blut soll er mit seinem Finger siebenmal auf den Altar spritzen. So soll er ihn von den Unreinheiten der Israeliten reinigen und ihn heiligen. 16:20 Hat er so die Entsuehnung des Heiligtums, des Offenbarungszeltes und des Altars beendet, soll er den lebenden Bock herbringen lassen. 16:21 Aaron soll seine beiden Haende auf den Kopf des lebenden Bockes legen und ueber ihm alle Suenden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wueste treiben lassen, 16:22 und der Bock soll alle ihre Suenden mit sich in die Einoede tragen. Hat er den Bock in die Wueste geschickt, 16:23 dann soll Aaron wieder in das Offenbarungszelt gehen, die Leinengewaender, die er beim Betreten des Heiligtums angelegt hat, ablegen und sie dort verwahren. 16:24 Er soll seinen Koerper in Wasser an einem heiligen Ort baden, wieder seine Kleider anlegen und hinausgehen, um sein Brandopfer und das des Volkes darzubringen. Er soll sich und das Volk entsuehnen 16:25 und das Fett des Suendopfers auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen. 16:26 Der Mann, der den Bock fuer Asasel hinausgefuehrt hat, muss seine Kleider waschen, seinen Koerper in Wasser baden und darf danach wieder in das Lager kommen. 16:27 Den Jungstier und den Bock, die man als Suendopfer dargebracht und deren Blut man in das Heiligtum zur Entsuehnung gebracht hat, soll man aus dem Lager hinausschaffen und ihr Fell, ihr Fleisch und ihren Mageninhalt im Feuer verbrennen. 16:28 Wer sie verbrannt hat, muss seine Kleider waschen, den Koerper in Wasser baden und darf danach wieder ins Lager kommen. 16:29 Folgendes soll euch als feste Regel gelten: Im siebten Monat, am zehnten Tag des Monats, sollt ihr euch Enthaltung auferlegen und keinerlei Arbeit tun, der Einheimische und ebenso der Fremde, der in eurer Mitte lebt. 16:30 Denn an diesem Tag entsuehnt man euch, um euch zu reinigen. Vor dem Herrn werdet ihr von allen euren Suenden wieder rein. 16:31 Dieser Tag ist fuer euch ein vollstaendiger Ruhetag, und ihr sollt euch Enthaltung auferlegen. Das gelte als feste Regel. 16:32 Der Priester, den man gesalbt und an Stelle seines Vaters als Priester eingesetzt hat, soll die Suehne vollziehen. Er soll die Leinengewaender, die heiligen Gewaender, anlegen. 16:33 Er soll das geweihte Heiligtum, das Offenbarungszelt und den Altar entsuehnen; dann soll er die Priester und das ganze Volk der Gemeinde entsuehnen. 16:34 Das soll fuer euch als feste Regel gelten: Einmal im Jahr sollen die Israeliten von allen ihren Suenden entsuehnt werden. Und man tat, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte.