Jer 12,1-1 1 Du bleibst im Recht, Herr, wenn ich mit dir streite; / dennoch muss ich mit dir rechten. Warum haben die Frevler Erfolg, / weshalb koennen alle Abtruennigen sorglos sein? 2 Du hast sie eingepflanzt und sie schlagen Wurzel, / sie wachsen heran und bringen auch Frucht. Nur ihrem Mund bist du nah, / ihrem Herzen aber fern. 3 Du jedoch, Herr, kennst und durchschaust mich; / du hast mein Herz erprobt / und weisst, dass es an dir haengt. Raff sie weg wie Schafe zum Schlachten, / sondere sie aus fuer den Tag des Mordens! 4 Wie lange noch soll das Land vertrocknen, / das Gruen auf allen Feldern verdorren? Weil seine Bewohner Boeses tun, / schwinden Vieh und Voegel dahin. / Denn sie denken: Er sieht unsre Zukunft nicht. - 5 Wenn schon der Wettlauf mit Fussgaengern dich ermuedet, / wie willst du mit Pferden um die Wette laufen? Wenn du nur im friedlichen Land dich sicher fuehlst, / wie wirst du dich verhalten im Dickicht des Jordan? 6 Selbst deine Brueder und das Haus deines Vaters handeln treulos an dir; / auch sie schreien laut hinter dir her. Trau ihnen nicht, / selbst wenn sie freundlich mit dir reden. 7 Ich verlasse mein Haus, / ich verstosse mein Erbteil. Meinen Herzensliebling gebe ich preis / in die Hand seiner Feinde. 8 Mein Erbteil wandte sich gegen mich / wie ein Loewe im Wald. Es erhob gegen mich seine Stimme; / deshalb bin ich ihm Feind. 9 Ist mir mein Erbteil zur Hoehle einer Hyaene geworden, / dass Raubvoegel es umlagern? Auf, sammelt euch, alle Tiere des Feldes, / kommt zum Frass! 10 Hirten in grosser Zahl / haben meinen Weinberg verwuestet, mein Feld zertreten, / mein praechtiges Feld zur oeden Wueste gemacht. 11 Man hat es in duerres Oedland verwandelt, / verwuestet liegt es vor mir. Das ganze Land ist veroedet, / doch keiner nimmt sich das zu Herzen. 12 ueber alle Huegel der Steppe drangen Verderber ein; / denn das Schwert des Herrn frisst von einem Ende des Landes zum andern. / Kein Mensch bleibt unversehrt. 13 Sie haben Weizen gesaet und Dornen geerntet, / sie haben sich abgemueht, doch ohne Ertrag. Enttaeuscht sind sie von ihrer Ernte; / (sie ist vernichtet) durch den gluehenden Zorn des Herrn. 14 So spricht der Herr: Alle meine boesen Nachbarn, die das Erbteil antasten, das ich meinem Volk Israel zum Erbe gegeben habe, fuerwahr, ich reisse sie von ihrem Boden weg; doch auch das Haus Juda reisse ich aus ihrer Mitte. 15 Aber nachdem ich sie weggerissen habe, will ich mich ihrer wieder erbarmen und sie zurueckbringen, einen jeden in sein Erbteil und in seine Heimat. 16 Lernen sie dann die rechte Lebensweise meines Volkes, sodass sie bei meinem Namen schwoeren: So wahr der Herr lebt!, wie sie vorher mein Volk gelehrt hatten, beim Baal zu schwoeren, dann sollen sie inmitten meines Volkes wiederhergestellt werden. 17 Gehorchen sie jedoch nicht, so werde ich dieses Volk voellig ausreissen und vernichten - Spruch des Herrn.