43:1 Die zweite Reise der Brueder Josefs nach Aegypten: 43,1 - 45,28 Der Hunger lastete schwer auf dem Land. 43:2 Das Getreide, das sie aus Aegypten gebracht hatten, war aufgezehrt. Da sagte ihr Vater zu ihnen: Geht noch einmal hin, kauft uns etwas Brotgetreide! 43:3 Juda antwortete ihm: Der Mann hat uns nachdruecklich eingeschaerft: Kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr nicht euren Bruder mitbringt. [42,15f.20] 43:4 Wenn du bereit bist, unseren Bruder mitzuschicken, ziehen wir hinunter und kaufen dir Brotgetreide. 43:5 Willst du ihn aber nicht mitschicken, gehen wir nicht. Denn der Mann hat uns gesagt: Kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr nicht euren Bruder mitbringt. 43:6 Da sagte Israel: Warum habt ihr mir so etwas Schlimmes angetan, jenem Mann zu sagen, dass ihr noch einen Bruder habt? 43:7 Der Mann, entgegneten sie, hat sich bei uns eingehend nach unserer Verwandtschaft erkundigt und gefragt: Lebt euer Vater noch, habt ihr noch einen Bruder? Wir haben ihm Auskunft gegeben, wie es wirklich ist. Konnten wir denn wissen, dass er sagen wuerde: Bringt euren Bruder her! [42,10-13] 43:8 Juda schlug seinem Vater Israel vor: Lass den Knaben mit mir ziehen! Dann koennen wir aufbrechen und uns auf die Reise machen. So werden wir am Leben bleiben und nicht sterben, wir und du und unsere Kinder. 43:9 Ich verbuerge mich fuer ihn; aus meiner Hand magst du ihn zurueckfordern. Wenn ich ihn dir nicht zurueckbringe und vor dich hinstelle, will ich alle Tage bei dir in Schuld stehen. 43:10 Haetten wir nicht so lange gezoegert, koennten wir schon zum zweitenmal zurueck sein. 43:11 Da sagte ihr Vater Israel zu ihnen: Wenn es schon sein muss, dann macht es so: Nehmt von den besten Erzeugnissen des Landes in eurem Gepaeck mit, und ueberbringt es dem Mann als Geschenk: etwas Mastix, etwas Honig, Tragakant und Ladanum, Pistazien und Mandeln. [Zu Mastix, Tragakant und Ladanum vgl. die Anmerkung zu 37,25.] 43:12 Nehmt den doppelten Geldbetrag mit! Das Geld, das sich wieder oben in euren Getreidesaecken fand, gebt mit eigenen Haenden zurueck! Vielleicht war es ein Versehen. 43:13 So nehmt denn euren Bruder mit, brecht auf, und geht wieder zu dem Mann zurueck! 43:14 Gott, der Allmaechtige, lasse euch Erbarmen bei dem Mann finden, so dass er euch den anderen Bruder und Benjamin freigibt. Ich aber, ich verliere noch alle Kinder. 43:15 Die Maenner nahmen das Geschenk und den doppelten Geldbetrag mit und dazu auch Benjamin. Sie machten sich auf, zogen nach Aegypten hinab und traten vor Josef hin. 43:16 Als Josef bei ihnen Benjamin sah, sagte er zu seinem Hausverwalter: Fuehre die Maenner ins Haus, schlachte ein Tier, und richte es her! Die Maenner werden naemlich mit mir zu Mittag essen. 43:17 Der Mann tat, wie Josef angeordnet hatte: Er fuehrte die Maenner in das Haus Josefs. 43:18 Die Maenner fuerchteten sich, weil man sie in Josefs Haus fuehrte, und dachten: Wegen des Geldes, das sich beim erstenmal wieder in unseren Getreidesaecken fand, werden wir da hineingefuehrt. Man wird sich auf uns werfen, man wird uns ueberfallen und uns als Sklaven zurueckhalten samt unseren Eseln. 43:19 Sie traten naeher an den Hausverwalter Josefs heran und begannen mit ihm an der Haustuer ein Gespraech. 43:20 Sie sagten: Bitte, Herr, schon frueher sind wir einmal hierher gekommen, um Brotgetreide zu kaufen. 43:21 Als wir aber in die Herberge kamen und unsere Getreidesaecke oeffneten, lag das Geld eines jeden von uns oben im Sack, unser Geld im vollen Betrag. Wir bringen es mit eigenen Haenden wieder zurueck. 43:22 Darueber hinaus haben wir noch mehr Geld mitgebracht, um Brotgetreide einzukaufen. Wir wissen nicht, wer das Geld in unsere Saecke gelegt hat. 43:23 Ihr koennt beruhigt sein, antwortete er, fuerchtet euch nicht! Euer Gott, der Gott eures Vaters, hat euch heimlich ein Geschenk in eure Saecke gelegt. Bei mir ist euer Geld eingegangen. Dann brachte er Simeon zu ihnen heraus. 43:24 Als er die Maenner ins Haus Josefs gefuehrt hatte, gab er ihnen Wasser zum Fuessewaschen und liess ihre Esel fuettern. 43:25 Sie legten, bis Josef zu Mittag kam, das Geschenk zurecht; denn sie hatten gehoert, dass sie dort essen sollten. 43:26 Als Josef ins Haus kam, ueberreichten sie ihm das Geschenk, das sie mit hineingenommen hatten, und warfen sich vor ihm auf die Erde nieder. 43:27 Er erkundigte sich, wie es ihnen gehe, und fragte: Geht es eurem alten Vater gut, von dem ihr erzaehlt habt? Ist er noch am Leben? 43:28 Sie erwiderten: Deinem Knecht, unserem Vater, geht es gut; er lebt noch. Dann verneigten sie sich und und warfen sich nieder. 43:29 Als er hinsah und seinen Bruder Benjamin, den Sohn seiner Mutter, erblickte, fragte er: Ist das euer juengster Bruder, von dem ihr mir erzaehlt habt? Und weiter sagte er: Gottes Gnade sei mit dir, mein Sohn. 43:30 Dann ging Josef schnell weg, denn er konnte sich vor Ruehrung ueber seinen Bruder nicht mehr halten; er war dem Weinen nahe. Er zog sich in die Kammer zurueck, um sich dort auszuweinen. 43:31 Dann wusch er sein Gesicht, kam zurueck, nahm sich zusammen und ordnete an: Tragt das Essen auf! 43:32 Man trug das Essen auf, getrennt fuer ihn, fuer sie und fuer die mit ihm speisenden Aegypter. Die Aegypter koennen naemlich nicht gemeinsam mit den Hebraeern essen, weil das bei den Aegyptern als unschicklich gilt. 43:33 Die Brueder kamen vor ihm so zu sitzen, dass der Erstgeborene den ersten und der Juengste den letzten Platz einnahm. Da blickten die Maenner einander verwundert an. 43:34 Er liess ihnen Gerichte vorsetzen, die vor ihm standen, was man aber Benjamin vorsetzte, uebertraf das aller anderen um das Fuenffache. Sie tranken mit ihm und waren guter Dinge.