34:1 Die Rache der Jakobssoehne an den Sichemiten: 34,1-31 Dina, die Tochter, die Lea Jakob geboren hatte, ging aus, um sich die Toechter des Landes anzusehen. [1-31: Vergewaltigung einer Frau gilt noch heute bei den Beduinen als ein dem Mord gleichwertiges Verbrechen und loest Blutrache aus. Das Verwerfliche der Tat der Jakobsoehne an den Sichemiten ist nicht die Blutrache an sich, sondern der Vollzug der Blutrache, obwohl bereits Ausgleichsverhandlungen zum erfolgreichen Abschluss gekommen sind, die einem Verzicht auf Blutrache gleichkommen. Zur Blutrache nach Vergewaltigung einer Frau vgl. auch 2 Sam 13.] 34:2 Sichem, der Sohn des Hiwiters Hamor, des Landesfuersten, erblickte sie; er ergriff sie, legte sich zu ihr und vergewaltigte sie. 34:3 Er fasste Zuneigung zu Dina, der Tochter Jakobs, er liebte das Maedchen und redete ihm gut zu. 34:4 Zu seinem Vater Hamor sagte Sichem: Nimm mir dieses Maedchen zur Frau! 34:5 Jakob hoerte, dass man seine Tochter Dina entehrt hatte. Seine Soehne waren gerade auf dem Feld bei seiner Herde, und so behielt Jakob die Sache fuer sich bis zu ihrer Rueckkehr. 34:6 Inzwischen kam Hamor, der Vater Sichems, zu Jakob heraus, um mit ihm darueber zu reden. 34:7 Als Jakobs Soehne vom Feld kamen und davon erfuhren, empfanden sie das als Beleidigung und wurden sehr zornig; eine Schandtat hatte Sichem an Israel begangen, weil er der Tochter Jakobs beiwohnte; so etwas darf man nicht tun. 34:8 Hamor redete mit ihnen und sagte: Mein Sohn Sichem hat zu eurer Tochter Zuneigung gefasst. Gebt sie ihm doch zur Frau! 34:9 Verschwaegern wir uns; gebt uns eure Toechter, und nehmt die unseren! 34:10 Ihr koennt euch bei uns ansiedeln, und das Land steht euch offen. Bleibt da, geht hier euren Geschaeften nach, und macht euch im Land ansaessig! 34:11 Sichem sagte zu Dinas Vater und zu ihren Bruedern: Finde ich euer Wohlwollen, dann will ich geben, was ihr auch von mir verlangt. 34:12 Legt mir ruhig ein sehr hohes Heiratsgeld und eine hohe Brautgabe auf! Ich will geben, was ihr von mir verlangt. Nur gebt mir das Maedchen zur Frau! 34:13 Die Soehne Jakobs gaben Sichem und seinem Vater Hamor, als sie die Verhandlungen aufnahmen, eine hinterhaeltige Antwort, weil er ihre Schwester entehrt hatte. 34:14 Sie sagten zu ihnen: Wir koennen uns nicht darauf einlassen, unsere Schwester einem Unbeschnittenen zu geben; denn das gilt bei uns als Schande. 34:15 Nur unter der Bedingung gehen wir auf euren Vorschlag ein, dass ihr euch uns anpasst und alle maennlichen Personen beschneiden lasst. 34:16 Dann wuerden wir euch unsere Toechter geben, und wir koennten eure Toechter nehmen; wir koennten mit euch zusammen wohnen und ein einziges Volk werden. 34:17 Wollt ihr aber von der Beschneidung nichts wissen, so nehmen wir unsere Tochter zurueck und ziehen fort. 34:18 Hamor und sein Sohn Sichem waren mit ihrem Vorschlag einverstanden. 34:19 Der junge Mann verlor keine Zeit, die Angelegenheit zu regeln; denn er hatte die Tochter Jakobs lieb, und er war der einflussreichste von allen im Hause seines Vaters. 34:20 Hamor und sein Sohn Sichem gingen an das Tor ihrer Stadt und sprachen zu ihren Mitbuergern: 34:21 Jene Leute sind uns friedlich gesinnt. Sie koennten sich im Land ansiedeln und ihren Geschaeften nachgehen. Das Land hat ja nach allen Seiten Platz genug fuer sie. Wir koennten ihre Toechter zu Frauen nehmen und unsere Toechter ihnen geben. 34:22 Allerdings wollen die Maenner bloss unter der Bedingung auf unseren Vorschlag eingehen, mit uns zusammen zu wohnen und ein einziges Volk zu werden, dass sich bei uns alle Maenner beschneiden lassen, so wie sie beschnitten sind. 34:23 Ihre Herden, ihr Besitz, ihr Vieh, koennte das nicht alles uns gehoeren? Gehen wir also auf ihren Vorschlag ein, dann werden sie bei uns bleiben. 34:24 Alle, die durch das Tor der Stadt ausziehen, hoerten auf Hamor und seinen Sohn Sichem; und alle Maenner, alle, die durch das Tor seiner Stadt ausziehen, liessen sich beschneiden. [die durch das Tor der Stadt ausziehen: die wehrfaehigen Maenner.] 34:25 Am dritten Tag aber, als sie an Wundfieber litten, griffen zwei Soehne Jakobs, Simeon und Levi, die Brueder Dinas, zum Schwert, ueberfielen ungefaehrdet die Stadt und brachten alles Maennliche um. 34:26 Hamor und seinen Sohn Sichem machten sie mit dem Schwert nieder, holten Dina aus dem Hause Sichems und gingen davon. 34:27 Dann machten sich die Soehne Jakobs ueber die Erschlagenen her und pluenderten die Stadt, weil man ihre Schwester entehrt hatte. 34:28 Ihre Schafe und Rinder, ihre Esel und was es sonst in der Stadt oder auf dem Feld gab, nahmen sie mit. 34:29 Ihre ganze Habe, all ihre Kinder und Frauen fuehrten sie fort und raubten alles, was sich in den Haeusern fand. 34:30 Jakob sagte darauf zu Simeon und Levi: Ihr stuerzt mich ins Unglueck. Ihr habt mich in Verruf gebracht bei den Bewohnern des Landes, den Kanaanitern und Perisitern. Meine Maenner kann man an den Fingern abzaehlen. Jene werden sich gegen mich zusammentun und mich niedermachen. Dann ist es vorbei mit mir und meinem Haus. [49,5-7] 34:31 Die Soehne aber sagten: Durfte er unsere Schwester wie eine Dirne behandeln?