29:1 Jakobs Frauen und Soehne: 29,1 - 30,24 Jakob machte sich auf und zog weiter ins Land der Soehne des Ostens. [1-30,24: Jakobs Ehe mit zwei Schwestern widerspricht Lev 18,18, wird aber vor der Gesetzgebung vom Sinai nicht beanstandet. Zu den Soehnen von den zwei Maegden vgl. die Anmerkung zu 16,2.] 29:2 Eines Tages sah er einen Brunnen auf freiem Feld. Dort lagerten drei Herden von Schafen und Ziegen; denn aus dem Brunnen traenkte man die Herden. Ein grosser Stein lag ueber der Brunnenoeffnung. 29:3 Wenn sich dort alle Herden eingefunden hatten, schob man den Stein von der Brunnenoeffnung und traenkte das Vieh. Dann schob man den Stein wieder zurueck an seinen Platz ueber der Brunnenoeffnung. 29:4 Jakob fragte die Leute dort: Meine Brueder, woher seid ihr? Aus Haran, antworteten sie. 29:5 Da sagte er zu ihnen: Kennt ihr Laban, den Sohn Nahors? Ja, wir kennen ihn, antworteten sie. 29:6 Weiter fragte er sie: Geht es ihm gut? Sie entgegneten: Ja, es geht ihm gut. Aber da kommt gerade seine Tochter Rahel mit der Herde. 29:7 Da sagte er: Es ist noch mitten am Tag und nicht die Zeit, das Vieh zusammenzutreiben. Traenkt doch die Tiere, dann geht, und weidet weiter! 29:8 Da sagten sie: Das koennen wir nicht, bevor nicht alle Herden sich eingefunden haben. Erst dann kann man den Stein von der Brunnenoeffnung wegschieben und die Tiere traenken. 29:9 Waehrend er sich noch mit ihnen unterhielt, war Rahel mit der Herde, die ihrem Vater gehoerte, eingetroffen; denn sie war Hirtin. 29:10 Als Jakob Rahel, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und dessen Herde sah, trat er hinzu, schob den Stein von der Brunnenoeffnung und traenkte das Vieh Labans, des Bruders seiner Mutter. 29:11 Dann kuesste er Rahel und begann laut zu weinen. 29:12 Jakob sagte zu Rahel, dass er ein Bruder ihres Vaters und der Sohn Rebekkas sei. Da lief sie weg und erzaehlte es ihrem Vater. 29:13 Als Laban von Jakob, dem Sohn seiner Schwester, hoerte, lief er ihm entgegen; er umarmte und kuesste ihn und fuehrte ihn in sein Haus. Jakob erzaehlte Laban die ganze Geschichte. 29:14 Da erwiderte ihm Laban: Du bist wirklich mein Bein und mein Fleisch. Als Jakob etwa einen Monat bei ihm geblieben war, [Zu der Redensart vgl. die Anmerkung zu 2,21-23.] 29:15 sagte Laban zu ihm: Sollst du mir umsonst dienen, weil du mein Bruder bist? Sag mir, welchen Lohn du haben willst. 29:16 Laban hatte zwei Toechter; die aeltere hiess Lea, die juengere Rahel. 29:17 Die Augen Leas waren matt, Rahel aber war schoen von Gestalt und hatte ein schoenes Gesicht. 29:18 Jakob hatte Rahel lieb, und so sagte er: Ich will dir um die juengere Tochter Rahel sieben Jahre dienen. 29:19 Laban entgegnete: Es ist besser, ich gebe sie dir als einem anderen. Bleib bei mir! 29:20 Jakob diente also um Rahel sieben Jahre. Weil er sie liebte, kamen sie ihm wie wenige Tage vor. [Hos 12,13] 29:21 Dann aber sagte er zu Laban: Gib mir jetzt meine Frau; denn meine Zeit ist um, und ich will nun zu ihr gehen. 29:22 Da liess Laban alle Maenner des Ortes zusammenkommen und veranstaltete ein Festmahl. 29:23 Am Abend nahm er aber seine Tochter Lea, fuehrte sie zu ihm, und Jakob wohnte ihr bei. 29:24 Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd. 29:25 Am Morgen stellte sich heraus: Es war Lea. Da sagte Jakob zu Laban: Was hast du mir angetan? Habe ich dir denn nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich hintergangen? 29:26 Laban erwiderte: Es ist hierzulande nicht ueblich, die Juengere vor der Aelteren zur Ehe zu geben. 29:27 Verbring mit dieser noch die Brautwoche, dann soll dir auch die andere gehoeren um weitere sieben Jahre Dienst. 29:28 Jakob ging darauf ein. Er verbrachte mit Lea die Brautwoche, dann gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau. 29:29 Laban gab seine Magd Bilha seiner Tochter Rahel zur Magd. 29:30 Jakob wohnte Rahel ebenfalls bei, und er liebte Rahel mehr als Lea. Er blieb noch weitere sieben Jahre bei Laban im Dienst. 29:31 Als der Herr sah, dass Lea zurueckgesetzt wurde, oeffnete er ihren Mutterschoss, Rahel aber blieb unfruchtbar. 29:32 Lea wurde schwanger und gebar einen Sohn. Sie nannte ihn Ruben (Seht, ein Sohn!); denn sie sagte: Der Herr hat mein Elend gesehen. Jetzt wird mein Mann mich lieben. 29:33 Sie wurde abermals schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Der Herr hat gehoert, dass ich zurueckgesetzt bin, und hat mir auch noch diesen geschenkt. Sie nannte ihn Simeon (Hoerer). 29:34 Sie wurde noch einmal schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Jetzt endlich wird mein Mann an mir haengen, denn ich habe ihm drei Soehne geboren. Darum nannte sie ihn Levi (Anhang). 29:35 Abermals wurde sie schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Diesmal will ich dem Herrn danken. Darum nannte sie ihn Juda (Dank). Dann bekam sie keine Kinder mehr.