19:1 Das Gericht ueber Sodom und die Rettung Lots: 19,1-29 Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot sass im Stadttor von Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit dem Gesicht zur Erde nieder 19:2 und sagte: Meine Herren, kehrt doch im Haus eures Knechtes ein, bleibt ueber Nacht, und wascht euch die Fuesse! Am Morgen koennt ihr euren Weg fortsetzen. Nein, sagten sie, wir wollen im Freien uebernachten. 19:3 Er redete ihnen aber so lange zu, bis sie mitgingen und bei ihm einkehrten. Er bereitete ihnen ein Mahl, liess ungesaeuerte Brote backen, und sie assen. 19:4 Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Einwohner der Stadt das Haus, die Maenner von Sodom, jung und alt, alles Volk von weit und breit. 19:5 Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Maenner, die heute abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren. 19:6 Da ging Lot zu ihnen hinaus vor die Tuer, schloss sie hinter sich zu 19:7 und sagte: Aber meine Brueder, begeht doch nicht ein solches Verbrechen! 19:8 Seht, ich habe zwei Toechter, die noch keinen Mann erkannt haben. Ich will sie euch herausbringen. Dann tut mit ihnen, was euch gefaellt. Nur jenen Maennern tut nichts an; denn deshalb sind sie ja unter den Schutz meines Daches getreten. [Das Gastrecht ist im Alten Orient so heilig, dass Lot notgedrungen lieber die Preisgabe seiner Toechter waehlt, als dass er seine Gaeste preisgibt (vgl. Ri 19,24f).] 19:9 Sie aber schrien: Mach dich fort!, und sagten: Kommt da so ein einzelner Fremder daher und will sich als Richter aufspielen! Nun wollen wir es mit dir noch schlimmer treiben als mit ihnen. Sie setzten dem Mann, naemlich Lot, arg zu und waren schon dabei, die Tuer aufzubrechen. 19:10 Da streckten jene Maenner die Hand aus, zogen Lot zu sich ins Haus und sperrten die Tuer zu. 19:11 Dann schlugen sie die Leute draussen vor dem Haus, gross und klein, mit Blindheit, so dass sie sich vergebens bemuehten, den Eingang zu finden. 19:12 Die Maenner sagten dann zu Lot: Hast du hier noch einen Schwiegersohn, Soehne, Toechter oder sonst jemand in der Stadt? Bring sie weg von diesem Ort! 19:13 Wir wollen naemlich diesen Ort vernichten; denn schwer ist die Klage, die ueber die Leute zum Herrn gedrungen ist. Der Herr hat uns geschickt, die Stadt zu vernichten. 19:14 Da ging Lot hinaus, redete auf seine Schwiegersoehne ein, die seine Toechter heiraten wollten, und sagte: Macht euch auf, und verlasst diesen Ort; denn der Herr will die Stadt vernichten. Aber seine Schwiegersoehne meinten, er mache nur Spass. 19:15 Als die Morgenroete aufstieg, draengten die Engel Lot zur Eile: Auf, nimm deine Frau und deine beiden Toechter, die hier sind, damit du nicht wegen der Schuld der Stadt hinweggerafft wirst. 19:16 Da er noch zoegerte, fassten die Maenner ihn, seine Frau und seine beiden Toechter an der Hand, weil der Herr mit ihm Mitleid hatte, fuehrten ihn hinaus und liessen ihn erst draussen vor der Stadt los. 19:17 Waehrend er sie hinaus ins Freie fuehrte, sagte er: Bring dich in Sicherheit, es geht um dein Leben. Sieh dich nicht um, und bleib in der ganzen Gegend nicht stehen! Rette dich ins Gebirge, sonst wirst du auch weggerafft. [Wechsel von Einzahl und Mehrzahl, weil hier zwei Erzaehlungen miteinander verzahnt sind: eine, die von Gott allein, eine andere, die von drei uebermenschlichen Wesen sprach.] 19:18 Lot aber sagte zu ihnen: Nein, mein Herr, 19:19 dein Knecht hat doch dein Wohlwollen gefunden. Du hast mir grosse Gunst erwiesen und mich am Leben gelassen. Ich kann aber nicht ins Gebirge fliehen, sonst laesst mich das Unglueck nicht mehr los, und ich muss sterben. 19:20 Da, die Stadt in der Naehe, dorthin koennte man fliehen. Sie ist doch klein; dorthin will ich mich retten. Ist sie nicht klein? So koennte ich am Leben bleiben. 19:21 Er antwortete ihm: Gut, auch das will ich dir gewaehren und die Stadt, von der du sprichst, nicht zerstoeren. 19:22 Schnell flieh dorthin; denn ich kann nichts unternehmen, bevor du dort angekommen bist. Deshalb nannte er die Stadt Zoar (Kleine). 19:23 Als die Sonne ueber dem Land aufgegangen und Lot in Zoar angekommen war, 19:24 liess der Herr auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen, vom Herrn, vom Himmel herab. 19:25 Er vernichtete von Grund auf jene Staedte und die ganze Gegend, auch alle Einwohner der Staedte und alles, was auf den Feldern wuchs. 19:26 Als Lots Frau zurueckblickte, wurde sie zu einer Salzsaeule. 19:27 Am fruehen Morgen begab sich Abraham an den Ort, an dem er dem Herrn gegenuebergestanden hatte. 19:28 Er schaute gegen Sodom und Gomorra und auf das ganze Gebiet im Umkreis und sah: Qualm stieg von der Erde auf wie der Qualm aus einem Schmelzofen. 19:29 Als Gott die Staedte der Gegend vernichtete, dachte er an Abraham und liess Lot mitten aus der Zerstoerung fortgeleiten, waehrend er die Staedte, in denen Lot gewohnt hatte, von Grund auf zerstoerte. 19:30 Die Stammvaeter der Moabiter und Ammoniter: 19,30-38 Lot zog von Zoar weiter hinauf und liess sich mit seinen beiden Toechtern im Gebirge nieder. Er fuerchtete sich naemlich, in Zoar zu bleiben, und wollte lieber mit seinen beiden Toechtern in einer Hoehle wohnen. 19:31 Eines Tages sagte die Aeltere zur Juengeren: Unser Vater wird alt, und einen Mann, der mit uns verkehrt, wie es in aller Welt ueblich ist, gibt es nicht. 19:32 Komm, geben wir unserem Vater Wein zu trinken und legen wir uns zu ihm, damit wir von unserem Vater Kinder bekommen. 19:33 Sie gaben also ihrem Vater am Abend Wein zu trinken; dann kam die Aeltere und legte sich zu ihrem Vater. Er merkte nicht, wie sie sich hinlegte und wie sie aufstand. 19:34 Am anderen Tag sagte die Aeltere zur Juengeren: Ich habe gestern bei meinem Vater gelegen. Geben wir ihm auch heute abend Wein zu trinken, dann geh und leg du dich zu ihm. So werden wir von unserem Vater Kinder bekommen. 19:35 Sie gaben ihrem Vater also auch an jenem Abend Wein zu trinken; dann legte sich die Juengere zu ihm. Er merkte nicht, wie sie sich hinlegte und wie sie aufstand. 19:36 Beide Toechter Lots wurden von ihrem Vater schwanger. 19:37 Die Aeltere gebar einen Sohn und nannte ihn Moab. Er gilt als Stammvater der Moabiter bis heute. 19:38 Auch die Juengere gebar einen Sohn und nannte ihn Ben-Ammi. Er gilt als Stammvater der Ammoniter bis heute.