6:1 Das verlorene Beil: 6,1-7 Die Prophetenjuenger klagten bei Elischa: Der Raum, in dem wir vor dir sitzen, ist zu eng fuer uns. 6:2 Wir wollen an den Jordan gehen, und dort soll jeder von uns einen Balken holen, damit wir uns hier einen Raum errichten, in dem wir wohnen koennen. Er antwortete: Geht! 6:3 Einer aber bat ihn: Erweis uns den Gefallen, und geh mit deinen Knechten! Er erwiderte: Ich gehe mit. 6:4 Er ging also mit ihnen, und sie kamen an den Jordan und faellten Baeume. 6:5 Einem aber fiel beim Faellen seines Stammes die eiserne Klinge des Beils in das Wasser. Er rief laut: Wehe, mein Herr, das Beil ist auch noch geliehen! 6:6 Der Gottesmann fragte: Wohin ist es gefallen? Er zeigte ihm die Stelle; Elischa schnitt ein Stueck Holz ab, warf es dorthin und brachte das Eisen zum Schwimmen. 6:7 Dann befahl er: Hol es herauf! Der Mann streckte die Hand aus und ergriff es. 6:8 Die Gefangenen des Propheten: 6,8-23 Der Koenig von Aram fuehrte Krieg mit Israel. Er verabredete mit seinen Untergebenen, an einer bestimmten Stelle einen Hinterhalt zu legen. [8f: Hinterhalt: Text korr. nach G (V. 9).] 6:9 Aber der Gottesmann liess dem Koenig von Israel sagen: Huete dich, an jener Stelle vorbeizugehen; denn die Aramaeer liegen dort im Hinterhalt. 6:10 Der Koenig von Israel schickte nun Spaeher an die Stelle, die ihm der Gottesmann genannt und vor der er ihn gewarnt hatte, und nahm sich dort in acht. Als das nicht nur einmal oder zweimal geschah, 6:11 wurde der Koenig von Aram beunruhigt. Er rief seine Untergebenen und fragte sie: Koennt ihr mir nicht angeben, wer von den Unsrigen zum Koenig von Israel haelt? 6:12 Da sagte einer von seinen Leuten: Niemand, mein Herr und Koenig, sondern Elischa, der Prophet in Israel, verraet dem Koenig von Israel, was du in deinem Schlafzimmer sprichst. 6:13 Da befahl er: Geht und erkundet, wo er sich aufhaelt, damit ich ihn festnehmen lasse. Man meldete ihm: Er ist in Dotan. [Dotan: noerdlich von Samaria.] 6:14 Er schickte also Pferde und Wagen und eine starke Truppe dorthin. Sie erreichten die Stadt in der Nacht und umstellten sie. 6:15 Als der Diener des Gottesmannes am naechsten Morgen aufstand und hinaustrat, hatte die Truppe die Stadt mit Pferden und Wagen umstellt. Da sagte der Diener zu seinem Herrn: Wehe, mein Herr, was sollen wir tun? 6:16 Doch dieser sagte: Fuerchte dich nicht! Bei uns sind mehr als bei ihnen. 6:17 Dann betete Elischa: Herr, oeffne ihm die Augen, damit er sieht. Und der Herr oeffnete dem Diener die Augen: Er sah den Berg rings um Elischa voll von feurigen Pferden und Wagen. 6:18 Als dann die Aramaeer anrueckten, betete Elischa zum Herrn und rief: Schlag doch diese Leute mit Verblendung! Und der Herr schlug sie auf das Wort Elischas hin mit Verblendung. 6:19 Daraufhin sagte Elischa zu ihnen: Das ist nicht der richtige Weg und nicht die richtige Stadt. Folgt mir! Ich werde euch zu dem Mann fuehren, den ihr sucht. Er fuehrte sie aber nach Samaria. 6:20 Als sie dort angekommen waren, betete Elischa: Herr, oeffne ihnen die Augen, damit sie sehen. Der Herr oeffnete ihnen die Augen, und sie sahen, dass sie mitten in Samaria waren. 6:21 Sobald nun der Koenig von Israel sie erblickte, rief er Elischa zu: Soll ich sie totschlagen, mein Vater? 6:22 Doch dieser erwiderte: Toete sie nicht! Erschlaegst du denn jene, die du mit deinem Schwert und Bogen gefangennimmst? Setz ihnen Brot und Wasser vor, damit sie essen und trinken und dann zu ihrem Herrn zurueckkehren. 6:23 Der Koenig gab ihnen reichlich zu essen und zu trinken und entliess sie zu ihrem Herrn. Seitdem kamen keine aramaeischen Streifscharen mehr in das Land Israel. 6:24 Die Rettung aus Hungersnot: 6,24 - 7,20 Danach sammelte Ben-Hadad, der Koenig von Aram, seine ganze Streitmacht, zog gegen Samaria und belagerte es. [Ben-Hadad III., der Nachfolger Hasaels. In Israel regiert Joasch (vgl. 13,24f).] 6:25 In der eingeschlossenen Stadt entstand eine grosse Hungersnot, so dass der Kopf eines Esels achtzig Silberschekel kostete und ein Viertelkab Milchsterne fuenf Silberschekel. [Milchstern: ein Zwiebelgewaechs, das man nur in Notzeiten ass; andere Uebersetzungsmoeglichkeit: Taubenmist.] 6:26 Als der Koenig von Israel einmal auf der Mauer vorbeischritt, rief ihm eine Frau zu: Hilf mir, mein Herr und Koenig! 6:27 Er antwortete: Wenn dir der Herr nicht hilft, wie soll ich dir helfen? Soll es etwas von der Tenne oder von der Kelter sein? 6:28 Dann fragte er sie: Was fehlt dir? Sie sagte: Diese Frau hat von mir verlangt: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn heute aufessen. Meinen Sohn werden wir dann morgen verzehren. 6:29 So haben wir meinen Sohn gekocht und aufgegessen. Als ich aber am naechsten Tag zu ihr sagte: Gib jetzt deinen Sohn her, damit wir ihn verzehren, hatte sie ihren Sohn versteckt. 6:30 Als der Koenig die Worte der Frau hoerte, zerriss er seine Kleider, und da er auf der Mauer entlang ging, sah das Volk, dass er ein Bussgewand auf dem blossen Leib trug. 6:31 Er rief: Gott soll mir dies und das antun, wenn Elischa, der Sohn Schafats, bis heute abend seinen Kopf behaelt. 6:32 Elischa hielt sich in seinem Haus auf, und die Aeltesten sassen bei ihm. Der Koenig hatte einen Mann vor sich her gesandt; aber noch vor der Ankunft des Boten sagte Elischa zu den Aeltesten: Merkt ihr, dass dieser Sohn eines Moerders (seinen Henker) schickt, der mir den Kopf abschlagen soll? Gebt nun acht! Wenn der Bote kommt, verschliesst die Tuer, und haltet ihn an der Tuer zurueck! Sind nicht schon die Schritte seines Herrn hinter ihm zu hoeren? 6:33 Noch waehrend er mit ihnen redete, kam der Koenig und sagte: Dieses Elend kommt vom Herrn. Was soll ich noch vom Herrn erwarten? [kam der Koenig: H: kam der Bote. - Der Koenig konnte Elischa fuer die Not verantwortlich machen, wenn sie von ihm angekuendigt worden war (vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 18,10) oder wenn Elischa gegen den Willen des Koenigs zum Durchhalten geraten hatte.]