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       Schröders Merkel: Über die Bedrohung, die der Bau von „Nord Stream 2“ mit sich bringt [1]
       von Serg Marco [2]
       
                                                   Nach mir die Sintflut
                                                   Marquise de Pompadour
       
       Am 16. Februar fand ein nicht ganz triviales Ereignis in der Welt statt, das
       wiederum zeigt, dass deutsche Kanzler ähnlich der sprichwörtlichen Katze, die
       das Mäuschen ständig im Auge behält, ihre Karriere trotz des Reichtums und der
       Bequemlichkeit der Europäischen Union bei russischen Energiekonzernen
       weiterführen möchten. Man möchte jetzt schon darüber spekulieren, ob
       möglicherweise eine Frau zur nächsten Vorsitzenden des Verwaltungsrates von
       „Rosneft“ gewählt wird. Aber analysieren wir das eigentliche Ereignis zuerst.
       
       Frau Merkel gab am 16. Februar bekannt, dass die deutsche Regierung keine
       Gefahr für die Diversifizierung der europäischen Energieversorgung durch den
       Bau der Pipeline „Nord Stream 2“ aus Russland nach Deutschland sehe. Die
       deutsche Regierungschefin betonte, dass Berlin das als ein rein
       wirtschaftliches Geschäftsprojekt zur Lieferung von russischem Gas durch die
       Ostsee nach Deutschland sehe.
       
       Just business – deutet die Kanzlerin an. Unsere Geschäftsvorteile. Es könnte
       vorteilbringend sein, die Interessen der Europäischen Union zu verkaufen und
       Schritte in Richtung auf eine weitere Konflikteskalation auf dem Kontinent zu
       machen. Ist das zu laut gesagt? Das würde ich nicht behaupten…
       
       Und deswegen ein wenig Geschichte:
       
       Der Sommer 2014 war nicht besonders sonnig für die von Russland unterstützten
       Separatistenenklaven in der Ukraine. Russland konnte keinen ausreichenden
       Wiederstand gewährleisten, um den Vormarsch der ukrainischen Armee zu
       unterbrechen, die größtenteils aus wehrpflichtigen Soldaten bestand. Verbände
       der ukrainischen Streitkräfte und des Innenministeriums zusammen mit
       Freiwilligenverbänden befreiten eine Stadt nach der anderen. Der Sieg war nah.
       Und für Russland blieben zwei Optionen – entweder sich aus dem Donbas
       zurückzuziehen und mit der Krim zufriedenzugeben oder den Konflikt durch den
       Einsatz von regulären Verbänden zur Eskalation zu bringen. Und dann marschierte
       die russische Armee vor. Zuerst überfielen russische Verbände heimtückisch die
       Verbände der ukrainischen Streitkräfte entlang der Grenze mit dem
       grenzübergreifendem Feuer der Geschütz- und Raketenartillerie. Anschließend
       stießen acht bataillon-taktische Gruppen der Streitkräfte der RF auf
       ukrainisches Territorium vor und zerschlugen bei ihrem Vormarsch die durch
       monatelangen Krieg entkräfteten Verbände der ukrainischen Armee. Ukrainische
       Truppen direkt an der Grenze bei Luhansk konnten sich den Weg durchkämpfen. Die
       Truppengruppierung bei Ilowajsk wurde von den Russen vernichtet, nachdem ihnen
       ein „grüner Korridor“ versichert worden war. Einer der traurigsten Tage dieses
       blutbefleckten Krieges: Ilowajsk.
       
       Auf die ins Innere der Ukraine marschierenden Kolonnen russischer Soldaten
       regneten Tonnen von Metall der Raketenartillerie nieder. Der Vormarsch der
       Russen wurde unterbunden. Heute kann man nur raten, was sie damals aufgehalten
       hat. Möglicherweise waren es unvergleichbare Verluste, oder es lag an der
       schlechten Zusammenarbeit von bataillon-taktischen Kampfgruppen, deren Verbände
       durch den „friendly fire“- Beschuss sowohl durch russisches Militär als auch
       Separatistenkräfte umkamen, Verluste durch ballistische Boden-Boden Raketen
       könnten eine Rolle spielen, oder vielleicht war es die drohende Sprengung des
       Gasleitungsnetzes der Ukraine.
       
       Im Sommer 2014 bereitete die Staatsleitung Pläne für die Sprengung des
       Gasleitungssystems der Ukraine vor. Für den Fall, wenn man nichts mehr zu
       verlieren hat. Die Einführung des Kriegsrechts wurde in Betracht gezogen, und
       Russland vom europäischen Geld abzuschneiden wäre eine richtige Entscheidung
       gewesen. Andererseits hatte der europäische Markt Einwände gegen eine solche
       Entwicklung, weil sein Gesamtvolumen zu einem Drittel aus russischem Gas
       besteht, das durch das ukrainische GLS transportiert wurde.
       
       Aber der europäische Markt gehörte nicht zu unseren Prioritätsfragen. Der Krieg
       stand vor der Tür. Und während in Kyiw eine dem Unabhängigkeitstag gewidmete
       Parade stattfand, ging man bei der Regierung „worst case“- Szenarien durch. Wir
       haben Glück gehabt, und die Vorwärtsbewegung der Russen kam zum Stillstand. Die
       Zündschnur erlosch, und das Gasleitungssystem bestand fort.
       
       Nach der Analyse der heutigen Situation erhöhten die Russen den Druck auf
       Europa und die Türkei, um Pipelines in Umgehung der Ukraine zu bauen. Ich
       persönlich war überzeugt, dass der abgeschossene Militärjet und Erdogans Ego
       überwiegen würden, aber das Geld setzte sich durch, und „Turkish Stream“ ist in
       der Abschlussphase. Etwa 15% des Gesamtvolumens nimmt die Pipeline dem
       ukrainischen GLS ab, das momentan rund 3 Milliarden Dollar jährlich einbringt
       und ein Objekt von Gerichtsverhandlungen ist, die der Ukraine bedeutende
       Profite versprechen.
       
       Aber wenn Russland „Nord Stream 2“ zu Ende baut, trocknet das ukrainische GLS
       aus.
       
       Dann würde Putin nichts mehr von einem Angriff auf die Ukraine abhalten.
       Natürlich kann Frau Merkel behaupten, dass sie keine Voraussetzungen dafür
       sehe. Aber stimmt das?
       
       Die Ukrainische OSINT-Gemeinschaft InformNapalm hat schon des Öfteren Beweise
       für fortlaufende Militarisierung in ukrainischer Grenznähe geliefert. Dank der
       OSINT-Informationen aus offenen Quellen ist es bekannt geworden, dass zum Ende
       März 2017 mindestens zwei Panzerbataillons auf den russischen
       Truppenübungsplatz Kusminski verlegt wurden. Diese Verbände wurden aus
       Budjonnowsk in der Region Stawropol umstationiert. Seit dem Herbst 2016 wird
       dort (im Stationierungsort der 205. selbstständigen motorisierten
       Schützenbrigade und 78. selbstständigen Logistikbrigade) das neue 68.
       Panzerregiment (M/E 91714) im Bestand der 150. Division der neu formierten 8.
       Gardearmee des Südlichen Militärbezirks mit Militärpersonal und Technik
       komplettiert. [3] [4]
       
       Gleichzeitig wird in Maikop (Republik Adygeja) am Stationierungsort der
       mittlerweile ehemaligen 33. selbstständigen motorisierten Bergschützenbrigade
       die Komplettierung des 102. motorisierten Schützenregiments fortgesetzt, das
       noch im Februar 2017 in die neue Militärbasis nahe des Truppenübungsplatzes
       Kadamowski im Rostower Gebiet verlegt werden sollte. Aus einer Reihe von
       Gründen – darunter der Mangel an Zeitsoldaten – wurde das Regiment immer noch
       nicht vollständig aufgefüllt. Das stört den Kommandostab des Südlichen
       Militärbezirks Russlands aber nicht, Truppenteile in Kampfeinsätze zu schicken:
       eine taktische Kampfgruppe aus dem Bestand dieses Truppenverbandes wurde
       kürzlich an die ukrainische Grenze abkommandiert.
       
       Am 4. August 2017 veröffentlichte die russische Tageszeitung „Iswestija“ einen
       Artikel über die neue 150. motorisierte Schützendivision (MSD) mit einer
       „einzigartigen Organisations- und Personalstruktur“, die sich in der Nähe der
       ukrainischen Grenze im Rostower Gebiet Russlands befindet. Nach Angaben des
       Verlags, der sich auf eigene Quellen beim Verteidigungsministerium und auf
       Expertenwissen bezieht, besteht die „Einzigartigkeit“ der neuen Division darin,
       dass ihre strukturellen Hauptkampfverbände statt der bisher üblichen drei
       motorisierten Schützenregiments (MSR) und eines Panzerregiments (PR) von
       jeweils zwei MSR und PR repräsentiert werden. Dabei gibt es in jedem MSR
       verstärkte Panzerbataillone, und in den Panzerregimentern – eigene
       Artillerieabteilungen. Darüberhinaus gehören der Division Geschütz- und
       Raketenartillerieregimenter und weitere Versorgungsverbände an. In der
       Veröffentlichung wird angemerkt, dass die 150. MSD beim russischen Militär
       schon den Spitznamen „Stahlungeheuer“ bekam, weil sie durch Personal- und
       Hilfstechnikkürzung über eine viel höhere Mobilität und Kampffeuerkraft
       verfügt. [5]
       
       Parallel dazu machen sich Veränderungen bei der 58. Armee des Südlichen
       Militärbezirks Russlands bemerkbar. Unter anderem werden die 17. und 18.
       motorisierten Schützenbrigaden (stationiert in Tschetschenien) und das 70. und
       71. Regimenter (unter Beibehaltung der Stationierungsorte in Schali und
       Kalinowskaja) umformatiert. Sie werden der 42. motorisierten Schützendivision
       angegliedert (die momentan die Aufbauphase durchläuft). [6]
       
       Ja, das ist dieselbe 58. Armee, die Georgien überfiel. Formell wird sie im
       Nordkaukasus stationiert sein – in Wladikawkas, Chankala, Mosdok, etc. – aber
       in Wirklichkeit nimmt sie den ganzen Wurmfortsatz im Südosten Russlands
       inklusive des unteren Dongebietes ein. Sie wird schon seit langem verstärkt,
       jedoch wurden vor kurzem Formatierungspläne für neue motorisierte
       Schützendivisionen beschlossen, die mit der neusten Kampftechnik komplettiert
       werden. Faktisch wird ihre Stärke und Kampfbereitschaft verdoppelt – es sind am
       Ende drei vollblutige Divisionen.
       
       Dabei gibt es im Kaukasus keine Kampfaufgaben, für die derartige Kräfte
       benötigt werden könnten. Sie könnten dort physikalisch keinen Platz finden,
       auch wenn man Georgien, Armenien und Aserbaidschan gleichzeitig einen Krieg
       erklären würde. Diese Armee ist für die Ukraine gedacht. Für eine großangelegte
       Offensive.
       
       Manche könnten behaupten, es sei nicht möglich. Man sollte sie an die Worte
       unserer Militärangehörigen aus dem Jahr 2008 erinnern, als sie behaupteten,
       Russland werde eines Tages Krim besetzen. Als Russland seine Stellung in der
       Krim kontinuierlich ausbaute und gleichzeitig militärische Aufklärung mit der
       Einnahme von Leuchttürmen mit Hilfe der Marineinfanterie durchführte, waren
       ukrainische Landetruppen schnell auf der Krim und zeigten den nördlichen
       „Brüdern“ die möglichen Konsequenzen, wenn sie sich nicht beruhigten. Die
       Russen hoben ihre Pfötchen, analysierten aber gleichzeitig die Reaktionszeit
       und Kampfbereitschaft der ukrainischen Streitkräfte – und begannen mit den
       Vorbereitungen. Ukrainische Militärs haben die Annexion der Krim sechs Jahre
       vor dem eigentlichen Ereignis vorhergesagt. Wer hat ihnen zugehört? Alle
       Stellungsverstärkungsmaßnahmen auf der Krim hat Russland mit der Konfrontation
       mit NATO begründet.
       
       Die momentane Entwicklung verläuft auf ähnliche Weise. Russland stärkt seine
       Streitkräfte, und „Naftogas“ versucht alles, um das GLS zu erhalten, und ist
       bereit, „die Röhren“ unter europäische Führung zu übertragen, nur damit der Bau
       von „Nord Stream 2“ gestoppt werden kann. Aber leider hat Russland viel größere
       Möglichkeiten bei der deutschen Politik – die Russen haben unzählige Lobbyisten
       in Deutschland, vor allem wenn man bedenkt, wo momentan der ehemalige Kanzler
       momentan arbeitet. Russland gibt gern astronomische Beträge für Lobbyismus aus
       und besticht deutsche Politiker, bietet deutschen Unternehmen ultra-profitable
       Verträge an. Und das resultiert in Merkels Rede. Es gehe nur ums Geschäft.
       
       Nein, Frau Merkel, es geht nicht nur ums Geschäft. Und ich erkläre Ihnen,
       warum.
       
       Weil wenn in der Ukraine ein großangelegter Krieg beginnt, werden Sie die
       Staatsausgaben für die Verteidigung ihres Landes mehrfach erhöhen müssen. Über
       wie viele einsatz- und kampfbereite Verbände verfügen Sie? Sie haben doch schon
       die Anzahl und Ausgaben für Ihre Armee gekürzt. Wie viele Panzer haben Sie?
       Allein die russische Kollaborationsarmee im Osten der Ukraine verfügt momentan
       über zwei Armeekorps und eine Panzerarmee, Deutschland hat dagegen keine.
       Denken Sie etwa, das würde den wohlhabenden und gemächlichen deutschen Bürgern
       niemals zustoßen? Glauben Sie etwa, dass ein Land, dessen Hauptstolz aus dem
       Sieg gegen Deutschland und Autoaufklebern „Nach Berlin“ und „Wir wiederholen‘s“
       besteht, sich niemals in Ihre Richtung ausbreiten würde, nachdem es
       jahrzehntelang die Ideologie des Hasses auf Europa und gegen europäische Werten
       gepflegt hatte? Wer wird Sie beschützen? Großbritannien? Die USA? Warum sollten
       sie, wenn Sie sich Ihr Grab selber graben? Sind Sie bereit, Frau Merkel,
       Millionen von Ukrainern auf dem Territorium der EU zu empfangen? Keine Tausende
       – Millionen. Syrische Flüchtlinge? Das wäre dann nur ein Vorspiel gewesen.
       
       Und deswegen kann ich die Reaktion des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz
       Morawiecki verstehen, der in der letzten Zeit alle Anstrengungen unternimmt, um
       den Bau der Pipeline für das russische Exportgas zu unterbinden und ukrainische
       Interessen in den Vordergrund zu stellen. Unabhängig vom Standpunkt Polens zu
       ukrainischen Nationalisten versteht Herr Morawiecki, dass die Zeit immer näher
       rückt, wenn ukrainische Nationalisten zusammen mit polnischen Nationalisten in
       denselben Schützengräbern sitzen werden.
       
       Aber darauf begrenzen sich die Risiken nicht. Im Falle eines großangelegten
       Krieges wäre es beispielsweise unmöglich, die Unversehrtheit ukrainischer
       Atomkraftwerke zu garantieren.
       
       Ja, ich bin mir dessen bewusst, dass dieses Szenario nicht morgen stattfindet.
       In vielen Jahren. Vielleicht bringt Frau Merkels „Wirtschaftsprojekt“ sogar
       Gewinne für deutsche Öl- und Gaskonzerne. Aber es wird auch riesige Verluste
       für NATO-Partnerländer mit sich ziehen, die Milliarden für die Reaktion auf die
       wachsende russische Bedrohung ausgeben werden müssen. Welchen Sinn haben diese
       Ausgaben, wenn Sie mit einer Hand Unmengen an Geld gegen die russische
       Bedrohung ausgeben und mit der anderen zur Realisierung der Möglichkeiten
       Russlands beitragen, ein Monopol auf dem europäischen Energiemarkt zu
       etablieren und sein Geschäft auch nach der Invasion in die Ukraine
       fortzuführen? Unverständlich.
       
       Frau Merkel, wenn russische Panzer vor den Toren der EU stehen, wird sich die
       Preisentwicklung für Öl und Gas nicht nach der Wirtschaftlichkeit, sondern nach
       Russlands Interessen richten. Obwohl-  wenn Sie zu diesem Zeitpunkt schon bei
       „Gazprom“ arbeiten, dann werden Sie möglicherweise nicht mehr in den Kategorien
       der deutschen Industrie denken…
       
       Wie dem auch sei, am 16. Februar fand ein historisches Ereignis statt. Ein
       Ereignis, das im Falle der Fertigstellung der Pipeline „Nord Stream 2“ und
       einer vollwertigen Militäroperation der RF in der Ukraine dazu führen wird,
       dass Sie, Frau Merkel, in die Geschichte eingehen – als jener Mensch, der den
       Kriegsvertrag unterschreibt.
       
       Dieses Material wurde von Serg Marco exklusiv für Petr&Mazepa vorbereitet;
       übersetzt von Volodymyr Cernenko; korrigiert von Klaus H.Walter.
       
       Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen
       Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der
       Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen
       tatsächlich brechen. [7] [8] [9] [10]
       
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 (HTM) [2] http://petrimazepa.com/SergMarco
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 (HTM) [6] https://informnapalm.org/de/500-namen-der-militaerangehoerig...
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 (HTM) [10] https://www.facebook.com/khwalter
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