Jer 9,1-25 1 Haette ich doch eine Herberge in der Wueste! / Dann koennte ich mein Volk verlassen und von ihm weggehen. Denn sie sind alle Ehebrecher, / eine Rotte von Treulosen. 2 Sie machen ihre Zunge zu einem gespannten Bogen; / Luege, nicht Wahrhaftigkeit herrscht im Land. Ja, sie schreiten von Verbrechen zu Verbrechen; / mich aber kennen sie nicht - Spruch des Herrn. 3 Nehmt euch in Acht vor eurem Naechsten, / keiner traue seinem Bruder! Denn jeder Bruder betruegt / und jeder Naechste verleumdet. 4 Ein jeder taeuscht seinen Naechsten, / die Wahrheit reden sie nicht. Sie haben ihre Zunge ans Luegen gewoehnt, / sie handeln verkehrt, zur Umkehr sind sie zu traege. 5 Ueberall Unterdrueckung, nichts als Betrug! / Sie weigern sich, mich zu kennen - / Spruch des Herrn. 6 Darum - so spricht der Herr der Heere: / Ja, ich werde sie schmelzen und pruefen; denn wie sollte ich sonst verfahren / mit der Tochter, meinem Volk? 7 Ein toedlicher Pfeil ist ihre Zunge, / truegerisch redet ihr Mund; "Friede", sagt man zum Naechsten, / doch im Herzen plant man den Ueberfall. 8 Sollte ich sie dafuer nicht bestrafen - Spruch des Herrn - / und an einem solchen Volk keine Rache nehmen? 9 Erhebt ueber die Berge hin Weinen und Klagen, / ueber die Weideplaetze der Steppe ein Totenlied! Denn sie sind verwuestet, niemand zieht hindurch / und sie hoeren die Stimme der Herden nicht mehr. Von den Voegeln des Himmels bis zum Vieh / ist alles geflohen, auf und davon. 10 Jerusalem mache ich zum Truemmerhaufen, / zur Behausung fuer Schakale. Judas Staedte mache ich zum Oedland, / das niemand bewohnt. 11 Wer ist so weise, dass er dies einsieht? Zu wem hat der Mund des Herrn geredet, dass er verkuenden kann, warum das Land zugrunde geht, warum es verwuestet ist gleich der Wueste, die niemand durchzieht? 12 Der Herr erwiderte: Weil sie meine Weisung aufgaben, die ich ihnen vorgelegt habe, nicht auf meine Stimme hoerten und nicht meine Weisung befolgten, 13 sondern dem Trieb ihres Herzens folgten und den Baalen nachliefen, an die ihre Vaeter sie gewoehnt hatten. 14 Darum - so spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Ich gebe ihnen [diesem Volk] Wermut zu essen und Giftwasser zu trinken. 15 Ich zerstreue sie unter die Voelker, von denen weder sie noch ihre Vaeter wussten, und schicke das Schwert hinter ihnen her, bis ich sie vernichtet habe. 16 So spricht der Herr der Heere: Begreift es! Ruft die Klagefrauen herbei! / Schickt nach den weisen Frauen! Sie sollen kommen. 17 Schnell sollen sie kommen / und Klage ueber uns anstimmen, sodass unsre Augen von Traenen fliessen / und unsre Wimpern von Wasser triefen. 18 Da, horch, ein Klagelied ist aus Zion zu hoeren: / Ach, wie sind wir misshandelt, / in grosse Schande gestuerzt! Wir muessen die Heimat verlassen, / unsre Wohnungen hat man zerstoert. 19 Ja, hoert, ihr Frauen, das Wort des Herrn, / euer Ohr vernehme das Wort seines Mundes. Lehrt eure Toechter die Klage, / eine lehre die andere das Totenlied: 20 Der Tod ist durch unsre Fenster gestiegen, / eingedrungen in unsre Palaeste. Er rafft das Kind von der Strasse weg, / von den Plaetzen die jungen Maenner. 21 Die Leichen der Leute / liegen wie Duenger auf dem Feld, wie Garben hinter dem Schnitter; / keiner ist da, der sie sammelt. 22 So spricht der Herr: Der Weise ruehme sich nicht seiner Weisheit, / der Starke ruehme sich nicht seiner Staerke, / der Reiche ruehme sich nicht seines Reichtums. 23 Nein, wer sich ruehmen will, ruehme sich dessen, / dass er Einsicht hat und mich erkennt, dass er weiss: Ich, der Herr, bin es, / der auf der Erde Gnade, Recht und Gerechtigkeit schafft. Denn an solchen Menschen habe ich Gefallen - / Spruch des Herrn. 24 Fuerwahr, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, da ziehe ich alle Beschnittenen zur Rechenschaft: 25 Aegypten, Juda, Edom, Ammon, Moab und alle mit gestutztem Haar, die in der Wueste wohnen; denn alle Voelker gelten mir als unbeschnitten - auch das ganze Haus Israel hat ein unbeschnittenes Herz.