1:1 Die Geschichte der getrennten Reiche Zweiter Teil: 1,1 - 17,41 Elija und Ahasja: 1,1-18 Nach dem Tod Ahabs fiel Moab von Israel ab. 1:2 Ahasja war in Samaria durch das Gitter seines Obergemachs gefallen und hatte sich verletzt. Er sandte Boten ab mit dem Auftrag: Geht, befragt Beelzebul, den Gott von Ekron, ob ich von diesem Leiden genesen werde. [Die Bezeichnung Zebul (= Fuerst) wurde Baal und anderen Goettern beigelegt; sie ist auch im Namen des Gottes von Ekron enthalten. Mt 10,25 hat die urspruengliche Namensform Beelzebul. Baalzebub in H ist eine Entstellung des Namens (= Herr der Fliegen).] 1:3 Doch der Engel des Herrn sprach zu Elija aus Tischbe: Mach dich auf, geh den Boten des Koenigs von Samaria entgegen, und sag zu ihnen: Gibt es denn keinen Gott in Israel, so dass ihr fortgehen muesst, um Beelzebul, den Gott von Ekron, zu befragen? 1:4 Darum: So spricht der Herr: Vom Lager, auf das du dich gelegt hast, wirst du nicht mehr aufstehen; denn du musst sterben. Elija ging weiter. 1:5 Die Boten aber kehrten zum Koenig zurueck, und er fragte sie: Wie kommt es, dass ihr schon zurueck seid? 1:6 Sie antworteten ihm: Ein Mann kam uns entgegen und trug uns auf: Kehrt zum Koenig zurueck, der euch gesandt hat, und sagt zu ihm: So spricht der Herr: Gibt es denn keinen Gott in Israel, so dass du Boten aussenden musst, die Beelzebul, den Gott von Ekron, befragen sollen? Darum wirst du von dem Lager, auf das du dich gelegt hast, nicht mehr aufstehen; denn du musst sterben. 1:7 Da fragte er sie: Wie sah der Mann aus, der euch entgegenkam und diese Worte zu euch sprach? 1:8 Sie erwiderten: Er trug einen Mantel aus Ziegenhaaren und hatte einen ledernen Gurt um die Hueften. Da sagte er: Das war Elija aus Tischbe. [Der Mantel war das besondere Kleidungsstueck der Propheten (1 Sam 28,14; 1 Koen 19,13.19; 2 Koen 2,8.14; Sach 13,4; Mt 3,4).] 1:9 Er sandte nun den Hauptmann ueber Fuenfzig und seine Leute zu ihm. Dieser stieg zu Elija hinauf, der auf dem Gipfel des Berges sass, und rief ihm zu: Mann Gottes, der Koenig befiehlt dir herabzukommen. 1:10 Doch Elija antwortete dem Hauptmann der Fuenfzig: Wenn ich ein Mann Gottes bin, so falle Feuer vom Himmel und verzehre dich und deine Fuenfzig. Sogleich fiel Feuer vom Himmel und verzehrte ihn und seine Leute. 1:11 Darauf sandte der Koenig einen anderen Hauptmann ueber Fuenfzig und seine Leute zu ihm. Auch dieser ergriff das Wort und rief Elija zu: Mann Gottes, so spricht der Koenig: Komm sofort herab! 1:12 Doch Elija antwortete ihnen: Wenn ich ein Mann Gottes bin, so falle Feuer vom Himmel und verzehre dich und deine Fuenfzig. Sogleich fiel das Feuer Gottes vom Himmel und verzehrte ihn und seine Leute. 1:13 Nun schickte der Koenig einen dritten Hauptmann ueber Fuenfzig und seine Leute. Dieser kam hinauf, kniete vor Elija nieder und flehte ihn an: Mann Gottes, moechte doch mein Leben und das Leben deiner fuenfzig Knechte kostbar sein in deinen Augen. 1:14 Feuer ist vom Himmel gefallen und hat die ersten zwei Hauptleute und ihre fuenfzig Mann verzehrt. Moechte nun mein Leben kostbar sein in deinen Augen. 1:15 Da sagte der Engel des Herrn zu Elija: Geh mit ihm hinab, und fuerchte dich nicht vor ihm! Elija stand also auf, ging mit ihm zum Koenig hinab 1:16 und hielt ihm vor: So spricht der Herr: Du hast Boten ausgesandt, um Beelzebul, den Gott von Ekron, zu befragen, als gaebe es in Israel keinen Gott, dessen Wort man einholen koennte. Darum wirst du von dem Lager, auf das du dich gelegt hast, nicht mehr aufstehen; denn du musst sterben. 1:17 So starb Ahasja nach dem Wort des Herrn, das Elija verkuendet hatte. (Sein Bruder) Joram wurde Koenig an seiner Stelle im zweiten Jahr Jorams, des Sohnes Joschafats, des Koenigs von Juda; denn er hatte keinen Sohn. [Sein Bruder: eingefuegt wegen des Zusammenhangs, vgl. 3,1. Der Regierungswechsel wird hier in das zweite Jahr Jorams, des Nachfolgers Joschafats, in 3,1 dagegen in das 18. Jahr Joschafats datiert. Der Unterschied entstand dadurch, dass in 3,1 die Regierungsjahre Omris und seiner Nachfolger Ahab und Ahasja vom Todesjahr Simris (= 27. Jahr Asas), in 1,17 dagegen, wie in G, erst vom Beginn der Alleinherrschaft Omris (= 31. Jahr Asas, nach Ausschaltung Tibnis) an berechnet wurden.] 1:18 Die uebrige Geschichte Ahasjas und seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 2:1 Die Entrueckung Elijas: 2,1-18 An dem Tag, da der Herr Elija im Wirbelsturm in den Himmel aufnehmen wollte, ging Elija mit Elischa von Gilgal weg. [Gilgal ist nicht der in Jos 4,19 genannte Ort bei Jericho, sondern ein Ort noerdlich von Bet-El.] 2:2 Er sagte zu Elischa: Bleib hier; denn der Herr hat mich nach Bet-El gesandt. Doch Elischa erwiderte: So wahr der Herr lebt, und so wahr du lebst: Ich verlasse dich nicht. So gingen sie nach Bet-El. 2:3 Dort kamen die Prophetenjuenger, die in Bet-El waren, zu Elischa heraus und sagten zu ihm: Weisst du, dass der Herr heute deinen Meister ueber dein Haupt hinweg aufnehmen wird? Er antwortete: Auch ich weiss es. Seid still! [Prophetenjuenger: die Mitglieder der Prophetengemeinschaften.] 2:4 Elija aber sagte zu ihm: Bleib hier, Elischa; denn der Herr hat mich nach Jericho gesandt. Elischa erwiderte: So wahr der Herr lebt, und so wahr du lebst: Ich verlasse dich nicht. So kamen sie nach Jericho. 2:5 Dort traten die Prophetenjuenger, die in Jericho waren, an Elischa heran und sagten zu ihm: Weisst du, dass der Herr heute deinen Meister ueber dein Haupt hinweg aufnehmen wird? Er antwortete ihnen: Auch ich weiss es. Seid still! 2:6 Elija aber bat ihn: Bleib hier; denn der Herr hat mich an den Jordan gesandt. Elischa erwiderte: So wahr der Herr lebt, und so wahr du lebst: Ich verlasse dich nicht. So gingen beide miteinander. 2:7 Fuenfzig Prophetenjuenger folgten ihnen und blieben dann seitwaerts in einiger Entfernung stehen. Die beiden traten an den Jordan. 2:8 Hier nahm Elija seinen Mantel, rollte ihn zusammen und schlug mit ihm auf das Wasser. Dieses teilte sich nach beiden Seiten, und sie schritten trockenen Fusses hindurch. 2:9 Als sie drueben angekommen waren, sagte Elija zu Elischa: Sprich eine Bitte aus, die ich dir erfuellen soll, bevor ich von dir weggenommen werde. Elischa antwortete: Moechten mir doch zwei Anteile deines Geistes zufallen. [Durch die Verleihung von zwei Anteilen des Geistes des Elija faellt Elischa die Stellung eines Erstgeborenen zu (vgl. Dtn 21,17).] 2:10 Elija entgegnete: Du hast etwas Schweres erbeten. Wenn du siehst, wie ich von dir weggenommen werde, wird es dir zuteil werden. Sonst aber wird es nicht geschehen. 2:11 Waehrend sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor. 2:12 Elischa sah es und rief laut: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und sein Lenker! Als er ihn nicht mehr sah, fasste er sein Gewand und riss es mitten entzwei. [Der Ausruf drueckt die Bedeutung Elijas aus. Der Kriegswagen gehoerte zur wirkungsvollsten Ausruestung des damaligen Heeres.] 2:13 Dann hob er den Mantel auf, der Elija entfallen war, kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. 2:14 Er nahm den Mantel, der Elija entfallen war, schlug mit ihm auf das Wasser und rief: Wo ist der Herr, der Gott des Elija? Als er auf das Wasser schlug, teilte es sich nach beiden Seiten, und Elischa ging hinueber. 2:15 Die Prophetenjuenger von Jericho, die in der Naehe standen, sahen ihn und sagten: Der Geist des Elija ruht auf Elischa. Sie kamen ihm entgegen und warfen sich vor ihm zur Erde nieder. 2:16 Dann sagten sie zu ihm: Unter deinen Knechten sind fuenfzig starke Maenner. Sie sollen auf die Suche nach deinem Meister gehen. Der Geist des Herrn koennte ihn fortgetragen und auf einem der Berge oder in einem der Taeler niedergesetzt haben. Doch Elischa entgegnete: Schickt niemand! 2:17 Als sie aber heftig darauf bestanden, sagte er: Schickt sie also hin! Sie schickten fuenfzig Mann aus, und diese suchten drei Tage lang. Da sie ihn nicht fanden, 2:18 kehrten sie zu Elischa zurueck. Er hielt sich noch in Jericho auf und sagte zu ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Ihr sollt nicht hingehen? 2:19 Die ersten Taten Elischas: 2,19-25 Die Maenner der Stadt sagten zu Elischa: Unser Herr sieht, dass man in dieser Stadt gut wohnen kann; nur das Wasser ist ungesund, und in der Gegend gibt es viele Fehlgeburten. 2:20 Elischa befahl: Bringt mir eine neue Schuessel, und schuettet Salz hinein! Man brachte sie ihm, 2:21 und er ging zur Wasserquelle und warf das Salz hinein mit den Worten: So spricht der Herr: Ich mache dieses Wasser gesund. Es wird keinen Tod und keine Fehlgeburt mehr verursachen. 2:22 Daher ist das Wasser bis zum heutigen Tag gesund, wie es Elischa vorausgesagt hatte. 2:23 Von dort ging er nach Bet-El. Waehrend er den Weg hinaufstieg, kamen junge Burschen aus der Stadt und verspotteten ihn: Sie riefen ihm zu: Kahlkopf, komm herauf! Kahlkopf, komm herauf! 2:24 Er wandte sich um, sah sie an und verfluchte sie im Namen des Herrn. Da kamen zwei Baeren aus dem Wald und zerrissen zweiundvierzig junge Leute. 2:25 Von dort ging er zum Berg Karmel und kehrte dann nach Samaria zurueck. 3:1 Joram von Israel: 3,1-27 Im achtzehnten Jahr Joschafats, des Koenigs von Juda, wurde Joram, der Sohn Ahabs, in Samaria Koenig von Israel. Er regierte zwoelf Jahre 3:2 und tat, was dem Herrn missfiel. Doch trieb er es nicht so schlimm wie sein Vater und seine Mutter; denn er entfernte das Steinmal des Baal, das sein Vater errichtet hatte. [1 Koen 16,32] 3:3 Nur an der Suende, zu der Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte, hielt er fest und liess nicht von ihr ab. 3:4 Mescha, der Koenig von Moab, betrieb Schafzucht und musste dem Koenig von Israel hunderttausend Laemmer und die Wolle von hunderttausend Widdern liefern. 3:5 Nach dem Tod Ahabs aber fiel der Koenig von Moab vom Koenig von Israel ab. [Ueber die Erfolge Meschas berichtet ein nach ihm benannter Gedenkstein.] 3:6 Koenig Joram rueckte daher zu dieser Zeit von Samaria aus und musterte ganz Israel. 3:7 Auch liess er Joschafat, dem Koenig von Juda, sagen: Der Koenig von Moab ist von mir abgefallen. Willst du mit mir gegen Moab in den Krieg ziehen? Joschafat antwortete: Ich ziehe mit dir, mein Volk mit deinem Volk, meine Pferde mit deinen Pferden. [1 Koen 22,4] 3:8 Dann fragte Joram: Auf welchem Weg sollen wir hinaufziehen? Joschafat entschied: Durch die Wueste von Edom. 3:9 Der Koenig von Israel, der Koenig von Juda und der Koenig von Edom rueckten nun aus. Als sie bereits einen Weg von sieben Tagen zurueckgelegt hatten, fehlte es dem Heer und dem Vieh, das sie mitfuehrten, an Wasser. 3:10 Der Koenig von Israel sagte: Weh uns, der Herr hat diese drei Koenige hierher gerufen, um sie in die Gewalt der Moabiter zu geben. 3:11 Joschafat aber fragte: Ist hier kein Prophet des Herrn, durch den wir den Herrn befragen koennten? Einer von den Dienern des Koenigs von Israel antwortete: Hier ist Elischa, der Sohn Schafats, der Elija Wasser ueber die Haende gegossen hat. 3:12 Joschafat sagte: Bei ihm ist das Wort des Herrn. Da ging der Koenig von Israel mit Joschafat und dem Koenig von Edom zu ihm hinab. 3:13 Doch Elischa sagte zum Koenig von Israel: Was habe ich mit dir zu schaffen? Geh zu den Propheten deines Vaters und zu den Propheten deiner Mutter! Der Koenig von Israel entgegnete: Darum geht es jetzt nicht. Der Herr hat diese drei Koenige hierher gerufen, um sie in die Gewalt der Moabiter zu geben. 3:14 Elischa antwortete: So wahr der Herr der Heere lebt, in dessen Dienst ich stehe: Wenn ich nicht auf Joschafat, den Koenig von Juda, Ruecksicht naehme, dich wuerde ich nicht beachten und keines Blickes wuerdigen. 3:15 Aber nun holt mir einen Harfenspieler! Als der Spieler ueber die Saiten fuhr, kam die Hand des Herrn ueber Elischa, 3:16 und er rief: So spricht der Herr: Macht in diesem Tal Grube neben Grube! 3:17 Denn so spricht der Herr: Ihr werdet weder Wind noch Regen sehen. Doch dieses Tal wird sich mit Wasser fuellen, und ihr werdet trinken, wie auch eure Herden und euer Vieh. 3:18 Aber das ist dem Herrn noch zu wenig. Er wird die Moabiter in eure Gewalt geben. 3:19 Ihr werdet alle Festungen und ihre besten Staedte erobern, alle wertvollen Baeume faellen, alle Wasserquellen zuschuetten und alle guten Aecker mit Steinen verderben. 3:20 Und wirklich, am naechsten Morgen, zur Zeit, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt, kam Wasser von Edom her, und die ganze Gegend wurde vom Wasser ueberflutet. [Der Hinweis auf das Speiseopfer ist Zeitangabe wie in 1 Koen 18,29.] 3:21 Als ganz Moab erfuhr, dass die Koenige zum Krieg gegen das Land anrueckten, wurden alle aufgeboten, die Waffen tragen konnten; sie stellten sich an der Grenze auf. 3:22 Fruehmorgens aber, als die Sonne ueber dem Wasser aufging, erschien ihnen das Wasser drueben rot wie Blut. [Die rote Faerbung des Wassers koennte vom mitgefuehrten Sand oder von einer Luftspiegelung kommen, bei der das Wasser unter der aufgehenden Sonne rot erschien.] 3:23 Sie sagten: Das ist Blut. Die Koenige haben sich selbst umgebracht; einer hat den andern erschlagen. Auf jetzt, zur Beute, ihr Moabiter! 3:24 Doch als sie sich dem Lager der Israeliten naeherten, erhoben sich diese und schlugen die Moabiter in die Flucht. Unaufhoerlich draengten die Israeliten nach und machten sie nieder. [draengten die Israeliten nach: Text korr. nach G.] 3:25 Sie zerstoerten die Staedte, und auf alle guten Aecker warf jeder seinen Stein, bis sie ganz bedeckt waren. Auch schuetteten sie alle Wasserquellen zu und faellten alle wertvollen Baeume. Zuletzt blieb nur noch Kir-Heres uebrig; diese Stadt umstellten und beschossen die Schleuderer. 3:26 Als der Koenig von Moab sah, dass er dem Angriff nicht mehr standhalten konnte, sammelte er siebenhundert mit dem Schwert bewaffnete Maenner um sich und versuchte beim Koenig von Edom durchzubrechen. Doch es gelang ihnen nicht. 3:27 Nun nahm er seinen erstgeborenen Sohn, der nach ihm Koenig werden sollte, und brachte ihn auf der Mauer als Brandopfer dar. Da kam ein gewaltiger Zorn ueber Israel. Sie zogen von Moab ab und kehrten in ihr Land zurueck. 4:1 Das Oel der Witwe: 4,1-7 Eine von den Frauen der Prophetenjuenger wandte sich laut rufend an Elischa: Mein Mann, dein Knecht, ist gestorben. Du weisst, dass dein Knecht gottesfuerchtig war. Nun kommt der Glaeubiger, um sich meine beiden Soehne als Sklaven zu nehmen. [Zahlungsunfaehige Schuldner konnten zu Sklaven gemacht werden (vgl. Am 2,6; 8,6; Mt 18,25).] 4:2 Elischa fragte sie: Was kann ich fuer dich tun? Sag mir: Was hast du im Haus? Sie antwortete: Deine Magd hat nichts im Haus als einen Krug Oel. 4:3 Da sagte er: Geh und erbitte dir auf der Gasse von allen deinen Nachbarn leere Gefaesse, aber nicht zu wenige! 4:4 Dann geh heim, verschliess die Tuer hinter dir und deinen Soehnen, giess Oel in alle diese Gefaesse, und stell die gefuellten beiseite! 4:5 Sie ging von ihm weg und verschloss die Tuer hinter sich und ihren Soehnen. Diese reichten ihr die Gefaesse hin, und sie fuellte ein. 4:6 Als alle Gefaesse voll waren, sagte sie zu ihrem Sohn: Bring mir noch ein Gefaess! Er antwortete: Es ist keines mehr da. Da floss das Oel nicht mehr weiter. 4:7 Sie aber kam und erzaehlte es dem Gottesmann. Dieser befahl ihr: Geh, verkauf das Oel, und bezahl deine Schuld! Von dem, was uebrig bleibt, magst du mit deinen Soehnen leben. 4:8 Die Totenerweckung: 4,8-37 Eines Tages ging Elischa nach Schunem. Dort lebte eine vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu essen. Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er vorbeikam. [Schunem: noerdlich von Jesreel.] 4:9 Sie aber sagte zu ihrem Mann: Ich weiss, dass dieser Mann, der staendig bei uns vorbeikommt, ein heiliger Gottesmann ist. 4:10 Wir wollen ein kleines, gemauertes Obergemach herrichten und dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter fuer ihn bereitstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurueckziehen. 4:11 Als Elischa eines Tages wieder hinkam, ging er in das Obergemach, um dort zu schlafen. 4:12 Dann befahl er seinem Diener Gehasi: Ruf diese Schunemiterin! Er rief sie, und als sie vor ihm stand, 4:13 befahl er dem Diener: Sag zu ihr: Du hast dir so viel Muehe um uns gemacht. Was koennen wir fuer dich tun? Sollen wir beim Koenig oder beim Obersten des Heeres ein Wort fuer dich einlegen? Doch sie entgegnete: Ich wohne inmitten meiner Verwandten. [Die Frau haelt eine Vermittlung beim Koenig fuer unnoetig und bezeugt damit die starke Stellung des Familienverbands im israelitischen Staat.] 4:14 Und als er weiter fragte, was man fuer sie tun koenne, sagte Gehasi: Nun, sie hat keinen Sohn, und ihr Mann ist alt. 4:15 Da befahl er: Ruf sie herein! Er rief sie, und sie blieb in der Tuer stehen. 4:16 Darauf versicherte ihr Elischa: Im naechsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen. Sie aber entgegnete: Ach nein, Herr, Mann Gottes, taeusche doch deiner Magd nichts vor! 4:17 Doch die Frau wurde schwanger, und im naechsten Jahr, um die Zeit, die Elischa genannt hatte, gebar sie einen Sohn. 4:18 Als das Kind herangewachsen war, ging es eines Tages zu seinem Vater hinaus zu den Schnittern. [(18-37) 1 Koen 17,17-24] 4:19 Dort klagte es ihm: Mein Kopf, mein Kopf! Der Vater befahl seinem Knecht: Trag das Kind heim zu seiner Mutter! 4:20 Der Knecht nahm es und brachte es zu ihr. Es sass noch bis zum Mittag auf ihren Knien; dann starb es. 4:21 Sie stieg nun in das obere Gemach hinauf, legte das Kind auf das Bett des Gottesmannes und schloss die Tuer hinter ihm ab. Dann verliess sie das Haus, 4:22 rief ihren Mann und bat ihn: Schick mir einen von den Knechten und einen Esel! Ich will zum Gottesmann eilen und komme bald zurueck. 4:23 Er wandte ein: Warum gehst du heute zu ihm? Es ist doch nicht Neumond und nicht Sabbat. Doch sie sagte nur: Friede mit dir!, Aus der Frage geht hervor, dass man an Neumondtagen und Sabbaten Propheten aufsuchte. 4:24 sattelte den Esel und befahl dem Knecht: Treib tuechtig an, und halte mich beim Reiten nicht auf, es sei denn, dass ich es dir sage. 4:25 So reiste sie ab und kam zum Gottesmann auf den Karmel. Als er sie von ferne sah, sagte er zu seinem Diener Gehasi: Da kommt die Schunemiterin. 4:26 Lauf ihr entgegen, und frag sie: Geht es dir gut? Geht es auch deinem Mann und dem Kind gut? Sie antwortete: Es geht gut. 4:27 Sobald sie aber zum Gottesmann auf den Berg kam, umfasste sie seine Fuesse. Gehasi trat hinzu, um sie wegzudraengen; aber der Gottesmann wehrte ab: Lass sie; denn ihre Seele ist betruebt. Doch der Herr hat mir den Grund verborgen und mir nicht mitgeteilt. 4:28 Darauf sagte sie: Habe ich denn meinen Herrn um einen Sohn gebeten? Habe ich nicht gesagt: Mach mir keine falschen Hoffnungen? 4:29 Elischa befahl nun Gehasi: Guerte dich, nimm meinen Stab in die Hand, und mach dich auf den Weg! Wenn du jemand begegnest, so gruess ihn nicht; und wenn dich jemand gruesst, so antworte ihm nicht! Leg meinen Stab auf das Gesicht des Kindes! 4:30 Aber die Mutter des Kindes sagte: So wahr der Herr lebt, und so wahr du lebst: Ich lasse nicht von dir ab. Da stand er auf und folgte ihr. 4:31 Gehasi war vorausgeeilt und hatte den Stab auf das Gesicht des Kindes gelegt; doch es kam kein Laut und kein Lebenszeichen. Daher lief er zum Gottesmann zurueck und berichtete: Das Kind ist nicht aufgewacht. 4:32 Als Elischa in das Haus kam, lag das Kind tot auf seinem Bett. 4:33 Er ging in das Gemach, schloss die Tuer hinter sich und dem Kind und betete zum Herrn. 4:34 Dann trat er an das Bett und warf sich ueber das Kind; er legte seinen Mund auf dessen Mund, seine Augen auf dessen Augen, seine Haende auf dessen Haende. Als er sich so ueber das Kind hinstreckte, kam Waerme in dessen Leib. [1 Koen 17,21; Apg 20,10] 4:35 Dann stand er auf, ging im Haus einmal hin und her, trat wieder an das Bett und warf sich ueber das Kind. Da nieste es siebenmal und oeffnete die Augen. 4:36 Nun rief Elischa seinen Diener Gehasi und befahl ihm, die Schunemiterin zu rufen. Er rief sie, und als sie kam, sagte der Gottesmann zu ihr: Nimm deinen Sohn! 4:37 Sie trat hinzu, fiel Elischa zu Fuessen und verneigte sich bis zur Erde. Dann nahm sie ihren Sohn und ging hinaus. 4:38 Die ungeniessbare Speise: 4,38-41 Elischa kehrte nach Gilgal zurueck. Im Land herrschte damals eine Hungersnot. Als die Prophetenjuenger vor ihm sassen, befahl er seinem Diener: Setz den grossen Topf auf, und koch ein Gericht fuer die Prophetenjuenger! 4:39 Einer von ihnen ging auf das Feld hinaus, um Malven zu holen. Dabei fand er ein wildes Rankengewaechs und pflueckte davon so viele Fruechte, wie sein Gewand fassen konnte. Dann kam er zurueck und schnitt sie in den Kochtopf hinein, da man sie nicht kannte. 4:40 Als man sie aber den Maennern zum Essen vorsetzte und sie von der Speise kosteten, schrien sie laut und riefen: Der Tod ist im Topf, Mann Gottes. Sie konnten nichts essen. 4:41 Doch er befahl: Bringt mir etwas Mehl! Er streute das Mehl in den Topf und sagte: Setzt es nun den Leuten zum Essen vor! Jetzt war nichts Schaedliches mehr im Topf. 4:42 Die Brotvermehrung: 4,42-44 Einmal kam ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Gottesmann Brot von Erstlingsfruechten, zwanzig Gerstenbrote, und frische Koerner in einem Beutel. Elischa befahl seinem Diener: Gib es den Leuten zu essen! 4:43 Doch dieser sagte: Wie soll ich das hundert Maennern vorsetzen? Elischa aber sagte: Gib es den Leuten zu essen! Denn so spricht der Herr: Man wird essen und noch uebriglassen. 4:44 Nun setzte er es ihnen vor; und sie assen und liessen noch uebrig, wie der Herr gesagt hatte. 5:1 Die Heilung des Aramaeers Naaman: 5,1-27 Naaman, der Feldherr des Koenigs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der Herr den Aramaeern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt. 5:2 Nun hatten die Aramaeer bei einem Streifzug ein junges Maedchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen. 5:3 Es sagte zu seiner Herrin: Waere mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er wuerde seinen Aussatz heilen. 5:4 Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Maedchen aus Israel gesagt. 5:5 Der Koenig von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den Koenig von Israel mitgeben. Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit 5:6 und ueberbrachte dem Koenig von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst. [In Damaskus zaehlte man Elischa zu den Hofpropheten; daher richtete der Koenig das Schreiben an den Koenig von Israel, der einen Propheten mit der Heilung beauftragen kann.] 5:7 Als der Koenig von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der toeten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht. 5:8 Als der Gottesmann Elischa hoerte, der Koenig von Israel habe seine Kleider zerrissen, liess er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt. 5:9 So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. 5:10 Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und liess ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein. 5:11 Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er wuerde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand ueber die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. 5:12 Sind nicht der Abana und der Parpar, die Fluesse von Damaskus, besser als alle Gewaesser Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. 5:13 Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt haette, wuerdest du es tun; wieviel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich, und du wirst rein. [Wenn: Text korr.] 5:14 So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein. 5:15 Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurueck, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiss ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt ausser in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! 5:16 Elischa antwortete: So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. 5:17 Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen koennen; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein. [Der besonderen Beziehung Jahwes zum Land Israel wegen will er Opfer auf israelitischer Erde darbringen.] 5:18 Nur dies moege Jahwe deinem Knecht verzeihen: Wenn mein Herr zur Anbetung in den Tempel Rimmons geht, stuetzt er sich dort auf meinen Arm. Ich muss mich dann im Tempel Rimmons niederwerfen, wenn er sich dort niederwirft. Dann moege das Jahwe deinem Knecht verzeihen. [wenn er sich dort niederwirft: Text korr. nach G; H: wenn ich mich dort niederwerfe.] 5:19 Elischa antwortete: Geh in Frieden! Als Naaman schon eine Strecke Weges von ihm entfernt war, 5:20 sagte sich Gehasi, der Diener Elischas, des Gottesmannes: Mein Herr hat diesen Aramaeer Naaman geschont und nichts von dem angenommen, was er mitgebracht hatte. So wahr der Herr lebt: Ich werde ihm nachlaufen und mir etwas von ihm holen. 5:21 Gehasi eilte ihm also nach. Als ihn Naaman hinter sich herankommen sah, beugte er sich ihm vom Wagen aus zu und fragte: Steht alles gut? 5:22 Er antwortete: Ja; nur laesst mein Herr sagen: Soeben sind vom Gebirge Efraim zwei junge Maenner, zwei Prophetenjuenger, zu mir gekommen. Gib ihnen doch ein Talent Silber und zwei Festkleider! 5:23 Naaman erwiderte: Tu mir den Gefallen, und nimm zwei Talente! Er bat ihn dringend darum und tat zwei Talente Silber in zwei Beutel, legte zwei Festkleider dazu und liess sie durch zwei Diener vor ihm hertragen. 5:24 Als Gehasi auf der Hoehe angekommen war, nahm er ihnen die Geschenke ab und brachte sie in das Haus. Die Maenner schickte er weg, und sie kehrten zurueck. 5:25 Er selbst ging hinein und trat vor seinen Herrn. Elischa fragte ihn: Woher kommst du, Gehasi? Er antwortete: Dein Knecht ist nirgendwohin gegangen. 5:26 Da sagte Elischa zu ihm: War nicht mein Geist zugegen, als sich jemand von seinem Wagen aus dir zuwandte? Ist es denn Zeit, Geld anzunehmen und Kleider, Oelgaerten, Weinberge, Schafe und Rinder, Knechte und Maegde zu erwerben? 5:27 Der Aussatz Naamans aber soll fuer immer an dir und deinen Nachkommen haften. Gehasi ging hinaus und war vom Aussatz weiss wie Schnee. 6:1 Das verlorene Beil: 6,1-7 Die Prophetenjuenger klagten bei Elischa: Der Raum, in dem wir vor dir sitzen, ist zu eng fuer uns. 6:2 Wir wollen an den Jordan gehen, und dort soll jeder von uns einen Balken holen, damit wir uns hier einen Raum errichten, in dem wir wohnen koennen. Er antwortete: Geht! 6:3 Einer aber bat ihn: Erweis uns den Gefallen, und geh mit deinen Knechten! Er erwiderte: Ich gehe mit. 6:4 Er ging also mit ihnen, und sie kamen an den Jordan und faellten Baeume. 6:5 Einem aber fiel beim Faellen seines Stammes die eiserne Klinge des Beils in das Wasser. Er rief laut: Wehe, mein Herr, das Beil ist auch noch geliehen! 6:6 Der Gottesmann fragte: Wohin ist es gefallen? Er zeigte ihm die Stelle; Elischa schnitt ein Stueck Holz ab, warf es dorthin und brachte das Eisen zum Schwimmen. 6:7 Dann befahl er: Hol es herauf! Der Mann streckte die Hand aus und ergriff es. 6:8 Die Gefangenen des Propheten: 6,8-23 Der Koenig von Aram fuehrte Krieg mit Israel. Er verabredete mit seinen Untergebenen, an einer bestimmten Stelle einen Hinterhalt zu legen. [8f: Hinterhalt: Text korr. nach G (V. 9).] 6:9 Aber der Gottesmann liess dem Koenig von Israel sagen: Huete dich, an jener Stelle vorbeizugehen; denn die Aramaeer liegen dort im Hinterhalt. 6:10 Der Koenig von Israel schickte nun Spaeher an die Stelle, die ihm der Gottesmann genannt und vor der er ihn gewarnt hatte, und nahm sich dort in acht. Als das nicht nur einmal oder zweimal geschah, 6:11 wurde der Koenig von Aram beunruhigt. Er rief seine Untergebenen und fragte sie: Koennt ihr mir nicht angeben, wer von den Unsrigen zum Koenig von Israel haelt? 6:12 Da sagte einer von seinen Leuten: Niemand, mein Herr und Koenig, sondern Elischa, der Prophet in Israel, verraet dem Koenig von Israel, was du in deinem Schlafzimmer sprichst. 6:13 Da befahl er: Geht und erkundet, wo er sich aufhaelt, damit ich ihn festnehmen lasse. Man meldete ihm: Er ist in Dotan. [Dotan: noerdlich von Samaria.] 6:14 Er schickte also Pferde und Wagen und eine starke Truppe dorthin. Sie erreichten die Stadt in der Nacht und umstellten sie. 6:15 Als der Diener des Gottesmannes am naechsten Morgen aufstand und hinaustrat, hatte die Truppe die Stadt mit Pferden und Wagen umstellt. Da sagte der Diener zu seinem Herrn: Wehe, mein Herr, was sollen wir tun? 6:16 Doch dieser sagte: Fuerchte dich nicht! Bei uns sind mehr als bei ihnen. 6:17 Dann betete Elischa: Herr, oeffne ihm die Augen, damit er sieht. Und der Herr oeffnete dem Diener die Augen: Er sah den Berg rings um Elischa voll von feurigen Pferden und Wagen. 6:18 Als dann die Aramaeer anrueckten, betete Elischa zum Herrn und rief: Schlag doch diese Leute mit Verblendung! Und der Herr schlug sie auf das Wort Elischas hin mit Verblendung. 6:19 Daraufhin sagte Elischa zu ihnen: Das ist nicht der richtige Weg und nicht die richtige Stadt. Folgt mir! Ich werde euch zu dem Mann fuehren, den ihr sucht. Er fuehrte sie aber nach Samaria. 6:20 Als sie dort angekommen waren, betete Elischa: Herr, oeffne ihnen die Augen, damit sie sehen. Der Herr oeffnete ihnen die Augen, und sie sahen, dass sie mitten in Samaria waren. 6:21 Sobald nun der Koenig von Israel sie erblickte, rief er Elischa zu: Soll ich sie totschlagen, mein Vater? 6:22 Doch dieser erwiderte: Toete sie nicht! Erschlaegst du denn jene, die du mit deinem Schwert und Bogen gefangennimmst? Setz ihnen Brot und Wasser vor, damit sie essen und trinken und dann zu ihrem Herrn zurueckkehren. 6:23 Der Koenig gab ihnen reichlich zu essen und zu trinken und entliess sie zu ihrem Herrn. Seitdem kamen keine aramaeischen Streifscharen mehr in das Land Israel. 6:24 Die Rettung aus Hungersnot: 6,24 - 7,20 Danach sammelte Ben-Hadad, der Koenig von Aram, seine ganze Streitmacht, zog gegen Samaria und belagerte es. [Ben-Hadad III., der Nachfolger Hasaels. In Israel regiert Joasch (vgl. 13,24f).] 6:25 In der eingeschlossenen Stadt entstand eine grosse Hungersnot, so dass der Kopf eines Esels achtzig Silberschekel kostete und ein Viertelkab Milchsterne fuenf Silberschekel. [Milchstern: ein Zwiebelgewaechs, das man nur in Notzeiten ass; andere Uebersetzungsmoeglichkeit: Taubenmist.] 6:26 Als der Koenig von Israel einmal auf der Mauer vorbeischritt, rief ihm eine Frau zu: Hilf mir, mein Herr und Koenig! 6:27 Er antwortete: Wenn dir der Herr nicht hilft, wie soll ich dir helfen? Soll es etwas von der Tenne oder von der Kelter sein? 6:28 Dann fragte er sie: Was fehlt dir? Sie sagte: Diese Frau hat von mir verlangt: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn heute aufessen. Meinen Sohn werden wir dann morgen verzehren. 6:29 So haben wir meinen Sohn gekocht und aufgegessen. Als ich aber am naechsten Tag zu ihr sagte: Gib jetzt deinen Sohn her, damit wir ihn verzehren, hatte sie ihren Sohn versteckt. 6:30 Als der Koenig die Worte der Frau hoerte, zerriss er seine Kleider, und da er auf der Mauer entlang ging, sah das Volk, dass er ein Bussgewand auf dem blossen Leib trug. 6:31 Er rief: Gott soll mir dies und das antun, wenn Elischa, der Sohn Schafats, bis heute abend seinen Kopf behaelt. 6:32 Elischa hielt sich in seinem Haus auf, und die Aeltesten sassen bei ihm. Der Koenig hatte einen Mann vor sich her gesandt; aber noch vor der Ankunft des Boten sagte Elischa zu den Aeltesten: Merkt ihr, dass dieser Sohn eines Moerders (seinen Henker) schickt, der mir den Kopf abschlagen soll? Gebt nun acht! Wenn der Bote kommt, verschliesst die Tuer, und haltet ihn an der Tuer zurueck! Sind nicht schon die Schritte seines Herrn hinter ihm zu hoeren? 6:33 Noch waehrend er mit ihnen redete, kam der Koenig und sagte: Dieses Elend kommt vom Herrn. Was soll ich noch vom Herrn erwarten? [kam der Koenig: H: kam der Bote. - Der Koenig konnte Elischa fuer die Not verantwortlich machen, wenn sie von ihm angekuendigt worden war (vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 18,10) oder wenn Elischa gegen den Willen des Koenigs zum Durchhalten geraten hatte.] 7:1 Doch Elischa entgegnete: Hoert das Wort des Herrn! So spricht der Herr: Morgen um diese Zeit kostet am Tor von Samaria ein Sea Feinmehl nur noch einen Schekel, und auch zwei Sea Gerste kosten nur noch einen Schekel. [Man wird Lebensmittel wieder zu normalen Preisen erhalten, sie werden also wieder in genuegender Menge vorhanden sein.] 7:2 Doch der Adjutant, auf dessen Arm sich der Koenig stuetzte, antwortete dem Gottesmann: Selbst wenn der Herr Schleusen am Himmel anbraechte, koennte das nicht geschehen. Elischa erwiderte: Du wirst es mit deinen eigenen Augen sehen, aber nicht davon essen. 7:3 Vor dem Eingang des Stadttors sassen vier aussaetzige Maenner. Sie sagten zueinander: Warum sitzen wir hier, bis wir sterben? 7:4 Wollten wir in die Stadt gehen, in der Hungersnot herrscht, dann sterben wir in ihr. Bleiben wir draussen, dann sterben wir auch. Kommt, wir gehen in das Lager der Aramaeer hinueber! Wenn sie uns am Leben lassen, bleiben wir am Leben. Wenn sie uns toeten, so sterben wir. 7:5 Sie machten sich daher in der Abenddaemmerung auf, um in das Lager der Aramaeer zu gehen. Doch als sie in den Bereich des aramaeischen Lagers kamen, war dort niemand zu sehen. 7:6 Der Herr hatte naemlich das Rollen von Wagen, das Getrampel von Pferden und das Laermen eines grossen Heeres im Lager vernehmen lassen, so dass einer zum andern sagte: Der Koenig von Israel hat die Koenige der Hetiter und die Koenige von Aegypten gegen uns angeworben, um uns ueberfallen zu lassen. 7:7 Sie waren daher in der Daemmerung aufgebrochen und geflohen. Dabei hatten sie ihre Zelte, Pferde und Esel und das ganze Lager, so wie es war, zurueckgelassen, um durch die Flucht ihr Leben zu retten. 7:8 Als nun die Aussaetzigen in den Bereich des Lagers kamen, gingen sie in ein Zelt, assen und tranken, nahmen Silber, Gold und Kleider und entfernten sich, um die Beute zu verstecken. Dann kamen sie zurueck, gingen in ein anderes Zelt, machten auch hier ihre Beute und entfernten sich wieder, um sie zu verstecken. 7:9 Dann aber sagten sie zueinander: Wir handeln nicht recht. Heute ist ein Tag froher Botschaft. Wenn wir schweigen und bis zum Morgengrauen warten, trifft uns Schuld. Kommt also; wir gehen und melden es im Palast des Koenigs. 7:10 Sie machten sich auf, riefen die Waechter der Stadt und erzaehlten ihnen: Wir sind in das Lager der Aramaeer gekommen. Aber dort war niemand zu sehen und kein menschlicher Laut zu hoeren. Die Pferde und Esel waren angebunden, und die Zelte standen so da, wie sie waren. 7:11 Da schlugen die Waechter Laerm, und man meldete es drinnen im Palast des Koenigs. [schlugen Laerm: Text korr. nach G.] 7:12 Noch in der Nacht stand der Koenig auf und sagte zu seinen Leuten: Ich will euch erklaeren, was die Aramaeer gegen uns planen. Sie wissen, dass wir Hunger leiden, und haben das Lager nur verlassen, um sich auf dem freien Feld zu verstecken mit dem Hintergedanken: Wenn sie die Stadt verlassen, nehmen wir sie lebendig gefangen und dringen in die Stadt ein. 7:13 Doch einer von den Leuten schlug vor: Man nehme doch fuenf von den noch vorhandenen Pferden. Ihnen mag es ergehen wie den vielen Israeliten, die schon zugrunde gegangen sind. Wir wollen Maenner mit den Pferden hinschicken und dann weiter sehen. [H ist durch Doppelschreibung einer Zeile entstellt.] 7:14 Man nahm also zwei Wagen mit den Pferden. Der Koenig schickte sie der Streitmacht der Aramaeer nach und befahl ihnen: Brecht auf, und seht nach! 7:15 Sie fuhren hinter ihnen her bis an den Jordan und fanden den ganzen Weg mit Kleidern und Waffen uebersaet, die die Aramaeer auf ihrer ueberstuerzten Flucht weggeworfen hatten. Als sie zurueckkamen und dem Koenig Meldung erstatteten, 7:16 stroemte das Volk hinaus und pluenderte das Lager der Aramaeer. Jetzt kostete ein Sea Feinmehl nur noch einen Schekel, und auch zwei Sea Gerste kosteten nur noch einen Schekel, wie es der Herr vorausgesagt hatte. 7:17 Der Koenig hatte die Aufsicht ueber das Tor dem Adjutanten uebertragen, auf dessen Arm er sich zu stuetzen pflegte. Ihn trat das Volk im Stadttor nieder, und so starb er, wie es ihm der Gottesmann vorausgesagt hatte, als der Koenig gekommen war, um mit ihm zu reden. 7:18 Als naemlich der Gottesmann zum Koenig sagte: Morgen um diese Zeit kosten am Tor von Samaria zwei Sea Gerste nur noch einen Schekel, und ein Sea Feinmehl kostet nur noch einen Schekel, 7:19 hatte der Adjutant dem Gottesmann geantwortet: Selbst wenn der Herr Schleusen am Himmel anbraechte, koennte dies nicht geschehen. Und Elischa hatte ihm erwidert: Du wirst es mit deinen Augen sehen, aber nicht davon essen. 7:20 So geschah es ihm nun: Das Volk trat ihn im Tor nieder, so dass er starb. 8:1 Die Sorge fuer die Frau aus Schunem: 8,1-6 Elischa sagte zu der Frau, deren Sohn er zum Leben erweckt hatte: Mach dich auf, zieh mit deiner Familie fort, und halte dich irgendwo in der Fremde auf; denn der Herr hat eine Hungersnot verhaengt. Schon kommt sie ueber das Land, und sie wird sieben Jahre dauern. [4,32-37] 8:2 Da machte sich die Frau auf den Weg und tat, was ihr der Gottesmann geraten hatte. Sie zog mit ihren Angehoerigen fort und hielt sich sieben Jahre im Land der Philister auf. 8:3 Nach Ablauf von sieben Jahren kehrte sie aus dem Land der Philister zurueck und ging zum Koenig, um wegen ihres Hauses und ihrer Felder seine Hilfe zu erbitten. 8:4 Der Koenig war gerade im Gespraech mit Gehasi, dem Diener des Gottesmannes, und hatte ihn aufgefordert: Erzaehl mir alles Grosse, das Elischa vollbracht hat. 8:5 Waehrend dieser dem Koenig erzaehlte, wie Elischa den Toten zum Leben erweckt hatte, kam die Frau, deren Sohn er zum Leben erweckt hatte, um wegen ihres Hauses und ihrer Felder die Hilfe des Koenigs zu erbitten. Da sagte Gehasi: Das, mein Herr und Koenig, ist die Frau, und das ist ihr Sohn, den Elischa zum Leben erweckt hat. 8:6 Nun fragte der Koenig die Frau selbst, und sie erzaehlte ihm alles. Darauf gab ihr der Koenig einen Beamten mit und trug ihm auf: Verschaff ihr alles wieder, was ihr gehoert, auch den ganzen Ertrag ihrer Felder von dem Tag an, da sie das Land verlassen hat, bis heute. 8:7 Elischa in Damaskus: 8,7-15 Elischa kam nach Damaskus, wo Ben-Hadad, der Koenig von Damaskus, krank daniederlag. Man meldete ihm, dass der Gottesmann gekommen sei. [Ben-Hadad II., der Vorgaenger Hasaels.] 8:8 Darauf befahl der Koenig dem Hasael: Nimm ein Geschenk, geh dem Gottesmann entgegen und befrag durch ihn Jahwe, ob ich von dieser Krankheit wieder genesen werde. 8:9 Hasael ging Elischa entgegen; als Geschenk nahm er allerlei Kostbarkeiten von Damaskus mit, so viel, wie vierzig Kamele tragen konnten. Er kam zu Elischa, trat vor ihn hin und sagte: Dein Sohn Ben-Hadad, der Koenig von Aram, hat mich zu dir gesandt und laesst fragen: Werde ich von dieser Krankheit wieder genesen? 8:10 Elischa antwortete ihm: Geh und sag ihm: Du wirst genesen. - Doch der Herr hat mir gezeigt, dass er sterben muss. [Der Bescheid des Propheten besteht aus zwei scheinbar sich widersprechenden Saetzen. Der erste wird von manchen so verstanden: Du koenntest genesen, aber der Tod wird durch andere Ursachen herbeigefuehrt werden. Hasael taeuscht den kranken Koenig, indem er ihm den zweiten Teil des Bescheids vorenthaelt und dadurch auch den Sinn des ersten Teils verfaelscht.] 8:11 Hasael verzog keine Miene und blickte ihn scharf an. Der Gottesmann aber weinte. 8:12 Als Hasael dann fragte: Warum weint mein Herr?, gab er zur Antwort: Weil ich weiss, wieviel Leid du den Israeliten bringen wirst. Du wirst ihre Festungen in Brand stecken, ihre jungen Maenner mit dem Schwert toeten, ihre Kinder zerschmettern, ihren schwangeren Frauen den Leib aufschlitzen. [10,32f; Am 1,3] 8:13 Hasael entgegnete: Was ist denn dein Knecht, dieser Hund, dass er so gewaltige Dinge tun koennte? Elischa antwortete: Der Herr hat dich mir als Koenig von Aram gezeigt. 8:14 Hasael verliess Elischa und kehrte zu seinem Herrn zurueck. Dieser fragte ihn: Was hat Elischa zu dir gesagt? Und er gab zur Antwort: Er hat zu mir gesagt, dass du genesen wirst. 8:15 Am folgenden Tag aber nahm er eine Decke, tauchte sie ins Wasser und legte sie ihm ueber das Gesicht, so dass er starb. Hasael wurde Koenig an seiner Stelle. [Das Subjekt des Satzes wird nicht ausdruecklich genannt. Wahrscheinlich wurde der Koenig von Hasael ermordet.] 8:16 Joram von Juda: 8,16-24 Im fuenften Jahr Jorams, des Sohnes Ahabs, des Koenigs von Israel, waehrend Joschafat noch Koenig von Juda war, wurde Joram, der Sohn Joschafats, Koenig von Juda. [(16-24) 2 Chr 21,5-10 Das fuenfte Jahr Jorams von Israel war erst das 22./23. Jahr Joschafats. Sein Sohn uebernahm also die Regierung zu Lebzeiten seines Vaters vgl. 2 Chr 21,4.] 8:17 Er war zweiunddreissig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte acht Jahre in Jerusalem. 8:18 Er folgte den Wegen der Koenige von Israel, wie es das Haus Ahab getan hatte; denn er hatte eine Tochter Ahabs zur Frau, und er tat, was dem Herrn missfiel. 8:19 Doch der Herr wollte Juda nicht verderben wegen seines Knechtes David, dem er versprochen hatte, er werde ihm fuer immer eine Leuchte vor seinen Augen geben. [1 Koen 11,36] 8:20 In den Tagen Jorams fiel Edom von Juda ab und setzte einen eigenen Koenig ein. 8:21 Joram zog daher mit all seinen Kriegswagen nach Zair. Waehrend der Nacht griff er an und schlug die Edomiter, die ihn und die Obersten der Kriegswagen umzingelt hatten; seine Leute aber waren in die Zelte geflohen. [Joram und die Hauptleute seiner Wagentruppe waren von den Edomitern eingeschlossen, nachdem die Mannschaften geflohen waren. Doch gelang ihnen der Durchbruch und die Flucht.] 8:22 Doch Edom fiel von Juda ab und ist abtruennig bis zum heutigen Tag. Damals, zur gleichen Zeit, fiel auch Libna ab. 8:23 Die uebrige Geschichte Jorams und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 8:24 Joram entschlief zu seinen Vaetern und wurde bei seinen Vaetern in der Davidstadt begraben. Sein Sohn Ahasja wurde Koenig an seiner Stelle. 8:25 Ahasja von Juda: 8,25-29 Im zwoelften Jahr Jorams, des Sohnes Ahabs, des Koenigs von Israel, wurde Ahasja, der Sohn Jorams, Koenig von Juda. [(25-29) 2 Chr 22,2-6] 8:26 Er war zweiundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte ein Jahr in Jerusalem. Seine Mutter hiess Atalja; sie war eine Enkelin Omris, des Koenigs von Israel. 8:27 Er folgte den Wegen des Hauses Ahab und tat, was dem Herrn missfiel, wie das Haus Ahab; denn er war mit dem Haus Ahab verschwaegert. 8:28 Er zog auch mit Joram, dem Sohn Ahabs, gegen Hasael, den Koenig von Aram, nach Ramot-Gilead in den Krieg. Dabei verwundeten die Aramaeer Joram. [Joram nahm den Versuch, Ramot-Gilead zu erobern, wieder auf (vgl. 1 Koen 22).] 8:29 Koenig Joram musste heimkehren, um in Jesreel von den Wunden Heilung zu suchen, die ihm die Aramaeer geschlagen hatten, als er in Ramot gegen ihren Koenig Hasael kaempfte. Ahasja, der Sohn Jorams, der Koenig von Juda, kam hinab, um Joram, den Sohn Ahabs, in Jesreel zu besuchen, als er krank daniederlag. 9:1 Der Aufstand Jehus: 9,1-15a Der Prophet Elischa rief einen von den Prophetenjuengern und trug ihm auf: Guerte dich, nimm diesen Oelkrug, und geh nach Ramot-Gilead! 9:2 Wenn du dorthin kommst, such Jehu, den Sohn Joschafats, des Sohnes Nimschis! Geh zu ihm, ruf ihn aus dem Kreis seiner Brueder, und begib dich mit ihm in das innerste Gemach! 9:3 Dann nimm den Oelkrug, giess ihn ueber seinem Haupt aus und sag: So spricht der Herr: Ich salbe dich zum Koenig ueber Israel. Dann oeffne die Tuer, und eile unverzueglich fort! 9:4 Der Prophetenjuenger ging nach Ramot-Gilead. 9:5 Als er hinkam, sassen die Obersten des Heeres gerade beisammen. Er sagte: Ich habe einen Auftrag an dich, Oberst. Jehu fragte: An wen von uns? Der junge Mann antwortete: An dich, Oberst. 9:6 Da stand Jehu auf und ging in das Haus. Der Prophetenjuenger goss ihm das Oel ueber das Haupt mit den Worten: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich salbe dich zum Koenig ueber das Volk des Herrn, ueber Israel. 9:7 Du wirst dem Haus Ahabs, deines Herrn, schwere Schlaege versetzen, und ich werde Rache nehmen fuer das Blut meiner Knechte, der Propheten, und fuer das Blut aller Diener des Herrn, das Isebel vergossen hat. 9:8 Das ganze Haus Ahab wird zugrunde gehen. Ich werde vom Haus Ahab alles, was maennlich ist, bis zum letzten Mann in Israel ausrotten [1 Koen 14,10f; 16,4; 21,21-24] 9:9 und es dem Haus Ahab ergehen lassen wie dem Haus Jerobeams, des Sohnes Nebats, und dem Haus Baschas, des Sohnes Ahijas. 9:10 Isebel werden auf der Flur von Jesreel die Hunde fressen, und niemand wird sie begraben. Dann oeffnete er die Tuer und eilte davon. 9:11 Als Jehu zu den Leuten seines Herrn herauskam, fragten sie ihn: Steht es gut? Warum ist denn dieser Verrueckte zu dir gekommen? Er antwortete: Ihr kennt doch den Mann und sein Gerede. [fragten sie: Text korr. nach G; H: fragte er.] 9:12 Doch sie sagten: Das sind Ausfluechte. Teil uns nur alles mit! Da gab er zu: So und so hat er zu mir gesagt: So spricht der Herr: Ich salbe dich zum Koenig ueber Israel. 9:13 Sogleich nahmen alle ihre Kleider, legten sie ihm zu Fuessen auf die blossen Stufen, stiessen in das Horn und riefen: Jehu ist Koenig. [Durch das Hinbreiten ihrer Kleider druecken sie aus, dass sie sich ihm unterwerfen (vgl. Mt 21,8).] 9:14 So verschwor sich Jehu, der Sohn Joschafats, des Sohnes Nimschis, gegen Joram. - Joram hatte mit ganz Israel vor Ramot-Gilead im Abwehrkampf gegen Hasael, den Koenig von Aram, gestanden. 9:15 Er war dann heimgekehrt, um in Jesreel Heilung von den Wunden zu suchen, die ihm die Aramaeer geschlagen hatten, als er gegen ihren Koenig Hasael kaempfte. Das Ende der beiden Koenige: 9,15b-29 Jehu sagte nun: Wenn ihr einverstanden seid, lassen wir keinen aus der Stadt entkommen, der nach Jesreel gehen und dort Meldung machen koennte. 9:16 Dann bestieg er seinen Wagen, um selbst nach Jesreel zu fahren; denn dort lag Joram danieder. Auch Ahasja, der Koenig von Juda, war dorthin gekommen, um Joram zu besuchen. 9:17 Der Waechter, der in Jesreel auf dem Turm stand, sah die Schar Jehus herankommen und meldete: Ich sehe eine Schar. Da befahl Joram: Hol einen Reiter, und schick ihn der Schar entgegen! Er soll fragen, ob er in friedlicher Absicht kommt. 9:18 Als der Reiter sie erreichte, sagte er: Der Koenig laesst fragen, ob ihr in friedlicher Absicht kommt. Doch Jehu antwortete: Was geht es dich an, ob wir in friedlicher Absicht kommen? Reih dich hinter mir ein! Der Waechter meldete: Der Bote hat sie erreicht, kehrt aber nicht mehr zurueck. 9:19 Nun schickte der Koenig einen zweiten Reiter. Dieser kam zu ihnen und sagte: Der Koenig laesst fragen, ob ihr in friedlicher Absicht kommt. Doch Jehu antwortete: Was geht es dich an, ob wir in friedlicher Absicht kommen? Reih dich hinter mir ein! 9:20 Der Waechter meldete wieder: Er hat sie erreicht, kehrt aber nicht mehr zurueck. Die Art, wie ihr Anfuehrer faehrt, ist die Art Jehus, des Enkels Nimschis; denn er faehrt wie ein Rasender. 9:21 Da liess Joram selbst anspannen. Man machte seinen Wagen bereit, und Joram, der Koenig von Israel, und Ahasja, der Koenig von Juda, fuhren, jeder auf seinem Wagen, Jehu entgegen. Sie trafen ihn beim Acker Nabots aus Jesreel. 9:22 Als Joram Jehu sah, fragte er: Kommst du in friedlicher Absicht, Jehu? Doch dieser erwiderte: Wie sollte ich in friedlicher Absicht kommen, solange die Unzucht deiner Mutter Isebel und ihre vielen Zaubereien andauern? 9:23 Da lenkte Joram um und wollte fliehen, waehrend er Ahasja zurief: Verrat, Ahasja! 9:24 Doch Jehu ergriff den Bogen und traf Joram zwischen die Schultern, so dass der Pfeil sein Herz durchbohrte und er in seinem Wagen niedersank. 9:25 Dann befahl Jehu seinem Adjutanten Bidkar: Nimm ihn, und wirf ihn auf den Acker Nabots aus Jesreel. Denk daran: Ich und du fuhren auf unseren Gespannen hinter seinem Vater Ahab her, als der Herr dieses Wort ueber ihn verkuenden liess: 9:26 Fuerwahr, ich habe gestern das Blut Nabots und seiner Soehne gesehen - Spruch des Herrn. Ich werde an dir auf diesem Acker Vergeltung ueben - Spruch des Herrn. Nimm ihn also, und wirf ihn auf den Acker, wie es der Herr gesagt hat. [1 Koen 21,19] 9:27 Als Ahasja, der Koenig von Juda, dies sah, floh er in Richtung Bet-Gan. Doch Jehu verfolgte ihn und rief: Schlagt auch diesen nieder! Man schlug ihn beim Anstieg nach Gur, das bei Jibleam liegt, im Wagen nieder. Er kam noch bis Megiddo, wo er starb. 9:28 Seine Diener brachten ihn nach Jerusalem und begruben ihn bei seinen Vaetern in seinem Grab in der Davidstadt. 9:29 Im elften Jahr Jorams, des Sohnes Ahabs, war Ahasja Koenig von Juda geworden. [Nachtrag, der das in 8,25 genannte zwoelfte Jahr Jorams berichtigen soll. Da beide Koenige im zwoelften Jahr Jorams starben und Ahasja nur ein Jahr regierte, muss er im 11. Jahr Jorams Koenig geworden sein.] 9:30 Das Ende Isebels: 9,30-37 Als Jehu nach Jesreel kam und Isebel dies erfuhr, legte sie Schminke auf ihre Augen, schmueckte ihr Haupt und schaute durch das Fenster hinab. [Sie weiss, was ihr bevorsteht, und will noch im Tod ihre Wuerde zeigen.] 9:31 Waehrend dann Jehu an das Tor trat, rief sie ihm zu: Geht es Simri, dem Moerder seines Herrn, gut? [1 Koen 16,10 Sie bezeichnet hoehnisch Jehu als Simri, der den Koenig toetete und sich bereits nach sieben Tagen das Leben nahm (vgl. 1 Koen 16,10.15-18).] 9:32 Jehu schaute zum Fenster empor und fragte: Ist jemand da, der zu mir haelt? Zwei oder drei Hofleute sahen zu ihm herab, 9:33 und er befahl ihnen: Werft sie herunter! Sie warfen sie herunter, und Isebels Blut bespritzte die Wand und die Pferde, die sie zertraten. 9:34 Dann ging Jehu hinein, um zu essen und zu trinken. Schliesslich befahl er: Seht nach dieser Verfluchten, und begrabt sie; denn sie ist eine Koenigstochter. 9:35 Doch als sie hinkamen, um sie zu begraben, fanden sie von ihr nur noch den Schaedel, die Fuesse und die Haende. 9:36 Und sie kamen zurueck, um es ihm zu melden. Er aber sagte: Das ist das Wort, das der Herr durch seinen Knecht Elija aus Tischbe verkuendet hat: Auf der Flur von Jesreel werden die Hunde das Fleisch Isebels fressen. [1 Koen 21,23] 9:37 Die Leiche Isebels soll wie Mist auf dem Feld in der Flur Jesreels liegen, so dass man nicht mehr sagen kann: Das ist Isebel. 10:1 Der Untergang des Hauses Ahab: 10,1-17 Ahab hatte siebzig Soehne in Samaria. Jehu sandte nun Briefe nach Samaria an die Fuersten der Stadt, an die Aeltesten und die Erzieher der Soehne Ahabs. Darin schrieb er: [Fuersten der Stadt . . . Erzieher der Soehne: Text korr. nach dem Zusammenhang.] 10:2 Wenn jetzt dieses Schreiben zu euch kommt, bedenkt: Bei euch sind die Soehne eures Herrn. Ihr habt die Wagen und die Pferde, eine befestigte Stadt und die Waffen. 10:3 Seht euch nach dem besten und tuechtigsten unter den Soehnen eures Herrn um, setzt ihn auf den Thron seines Vaters, und kaempft fuer das Haus eures Herrn! 10:4 Doch sie bekamen grosse Angst und sagten: Die beiden Koenige konnten ihm nicht standhalten. Wie sollten wir es koennen? 10:5 Daher liessen der Palastvorsteher, der Stadtoberste, die Aeltesten und die Erzieher dem Jehu melden: Wir sind deine Knechte und wollen alles tun, was du uns befiehlst; wir werden keinen Koenig aufstellen. Tu, was du fuer richtig haeltst. 10:6 Darauf schrieb er einen zweiten Brief an sie mit folgendem Inhalt: Wenn ihr auf meiner Seite steht und meinen Befehlen gehorchen wollt, dann nehmt die Koepfe der Soehne eures Herrn, und kommt morgen um diese Zeit zu mir nach Jesreel! Die siebzig Soehne des Koenigs waren bei den Grossen der Stadt, die sie erzogen. 10:7 Sobald der Brief angekommen war, ergriff man die Soehne des Koenigs, machte alle siebzig nieder, legte ihre Koepfe in Koerbe und schickte sie zu Jehu nach Jesreel. 10:8 Als der Bote mit der Meldung eintraf, dass man die Koepfe der Koenigssoehne gebracht habe, befahl Jehu: Schichtet sie bis zum Morgen in zwei Haufen vor dem Tor auf! 10:9 Am naechsten Morgen ging er hinaus, trat vor das Volk und sagte: Ihr seid ohne Schuld. Ich bin es, der die Verschwoerung gegen meinen Herrn angezettelt und ihn getoetet hat. Doch wer hat diese alle erschlagen? 10:10 Erkennt also, dass keine der Drohungen unerfuellt bleibt, die der Herr gegen das Haus Ahab ausgesprochen hat. Der Herr hat das getan, was er durch seinen Knecht Elija verkuendet hat. [1 Koen 21,18-24] 10:11 Hierauf liess Jehu alle vom Haus Ahab erschlagen, die noch in Jesreel uebriggeblieben waren, alle Grossen und Vertrauten Ahabs, auch alle seine Priester; keinen von ihnen liess er entkommen. 10:12 Dann brach er auf, um nach Samaria zu ziehen. Als er unterwegs bei Bet-Eked-Roim war, 10:13 traf er die Brueder Ahasjas, des Koenigs von Juda. Er fragte sie: Wer seid ihr? Sie antworteten: Wir sind die Brueder Ahasjas und sind gekommen, um die Soehne des Koenigs und die Soehne der Herrin zu begruessen. [Brueder: im weiteren Sinn von "Verwandten"; die "Herrin" ist die Koenigin-Mutter.] 10:14 Da befahl er: Ergreift sie lebendig! Man ergriff sie lebendig und machte sie am Brunnen von Bet-Eked nieder. Es waren zweiundvierzig Mann; keinen von ihnen liess er am Leben. 10:15 Von da zog er weiter und traf Jonadab, den Sohn Rechabs, der ihm entgegenkam. Er gruesste ihn und fragte: Ist dein Herz aufrichtig gegen mich wie mein Herz gegen dich? Jonadab antwortete: So ist es. (Da sagte Jehu:) Wenn es so ist, dann reich mir deine Hand! Da reichte er ihm die Hand, und Jehu nahm ihn zu sich auf den Wagen [Jer 35,1-11] 10:16 und sagte: Komm mit mir, und sieh meinen Eifer fuer den Herrn! So liess er ihn bei sich im Wagen fahren. [liess er ihn . . . fahren: Text korr. nach G; H: liessen sie ihn . . . fahren.] 10:17 Als er nach Samaria kam, liess er alle erschlagen, die vom Haus Ahab dort noch uebriggeblieben waren. Sie wurden ausgerottet, wie es der Herr zu Elija gesagt hatte. 10:18 Die Beseitigung der Baalspriester: 10,18-29 Jehu versammelte das ganze Volk und trug ihm vor: Ahab hat Baal nur wenig gedient; Jehu wird ihm eifriger dienen. 10:19 Ruft jetzt alle Propheten Baals, alle seine Diener und Priester zu mir! Keiner darf fernbleiben; denn ich will ein grosses Schlachtopfer fuer Baal darbringen. Wer nicht erscheint, soll sein Leben verlieren. [Jehu tat dies aus Hinterlist, weil er die Baalsdiener vernichten wollte.] 10:20 Darauf befahl Jehu: Bereitet eine Festversammlung zur Ehre Baals vor! Und um sie einzuberufen, 10:21 sandte Jehu Boten durch ganz Israel. Alle Baalsdiener kamen; es gab keinen, der fernblieb. Sie betraten den Baalstempel, der sich von einem Ende zum andern fuellte. 10:22 Nun befahl Jehu dem Verwalter der Kleiderkammer, jedem Baalsdiener ein Kleid zu reichen. Nachdem dieser die Gewaender ueberreicht hatte, 10:23 betrat Jehu mit Jonadab, dem Sohn Rechabs, den Baalstempel und forderte die Baalsdiener auf: Vergewissert euch, dass nur Baalsdiener hier sind und dass kein Diener Jahwes sich unter euch befindet. 10:24 Darauf begannen sie, Schlacht- und Brandopfer darzubringen. Jehu hatte aber draussen achtzig Mann aufgestellt und ihnen gesagt: Wer einen von den Maennern, die ich in eure Hand gebe, entkommen laesst, wird mit seinem Leben dafuer buessen. 10:25 Nach Beendigung des Brandopfers befahl er den Laeufern und ihren Hauptleuten: Kommt her, und macht sie nieder! Keiner darf entrinnen. Die Laeufer und ihre Hauptleute erschlugen sie mit scharfem Schwert und warfen die Leichen hinaus. Dann machten sie sich ueber den Tempel des Baal her, [Zu den Laeufern vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 14,27. - Der Schluss des Verses in H: machten sie sich ueber die Stadt des Tempels des Baal her.] 10:26 schafften das Steinmal des Baalstempels weg und verbrannten es. 10:27 Sie zerschlugen das Steinmal des Baal, rissen den Baalstempel nieder und machten ihn zu einer Staette des Unrats; das blieb er bis zum heutigen Tag. 10:28 So beseitigte Jehu den Baal aus Israel. 10:29 Doch von den Suenden, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte, den goldenen Kaelbern in Bet-El und Dan, liess Jehu nicht ab. 10:30 Verschiedene Angaben ueber Jehu: 10,30-36 Der Herr sprach zu Jehu: Weil du mein Vorhaben genau vollstreckt und am Haus Ahab alles ausgefuehrt hast, was ich ihm zugedacht hatte, sollen Nachkommen von dir bis in das vierte Geschlecht auf dem Thron Israels sitzen. [Das Vorgehen gegen das Haus Ahab wird als Ausfuehrung der von Gott beschlossenen Strafgerichte anerkannt; anders jedoch in Hos 1,4.] 10:31 Doch Jehu war nicht darauf bedacht, mit ganzem Herzen das Gesetz des Herrn, des Gottes Israels, zu befolgen. Er liess nicht von den Suenden ab, zu denen Jerobeam die Israeliten verfuehrt hatte. 10:32 In jenen Tagen begann der Herr, Israel zu verkleinern. Hasael schlug sie in allen Gebieten Israels 10:33 oestlich des Jordan: Er verwuestete das ganze Land Gilead, das Gebiet der Staemme Gad, Ruben und Manasse bis nach Aroer am Arnon, Gilead und den Baschan. [Dadurch ging das ganze Ostjordanland verloren.] 10:34 Die uebrige Geschichte Jehus, alle seine Taten und Erfolge, sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 10:35 Jehu entschlief zu seinen Vaetern; man begrub ihn in Samaria. Sein Sohn Joahas wurde Koenig an seiner Stelle. 10:36 Die Zeit, die Jehu in Samaria Koenig von Israel war, betrug achtundzwanzig Jahre. 11:1 Atalja: 11,1-20 Als Atalja, die Mutter Ahasjas, sah, dass ihr Sohn tot war, ging sie daran, die ganze Nachkommenschaft der koeniglichen Familie auszurotten. [(1-20) 2 Chr 22,10 - 23,21] 11:2 Doch Joscheba, die Tochter des Koenigs Joram und Schwester Ahasjas, nahm Joasch, den Sohn Ahasjas, aus dem Kreis der Koenigssoehne, die ermordet werden sollten, weg und brachte ihn heimlich mit seiner Amme in die Bettenkammer. Dort versteckte sie ihn vor Atalja, so dass er nicht getoetet wurde. [versteckte sie: Text korr. nach G; H: versteckten sie.] 11:3 Er blieb sechs Jahre bei ihr im Haus des Herrn verborgen, waehrend Atalja das Land regierte. [Durch Atalja, die Tochter Ahabs, war die davidische Linie unterbrochen. Ihre Regierung galt daher als illegitim.] 11:4 Im siebten Jahr bestellte der Priester Jojada die Hundertschaftsfuehrer der Karer und Laeufer zu sich. Er fuehrte sie in das Haus des Herrn, schloss mit ihnen ein Abkommen, liess sie im Haus des Herrn schwoeren und zeigte ihnen den Sohn des Koenigs. [Karer waren auslaendische Soeldner wie die Kereter und Peleter. Zu den "Laeufern" vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 14,27.] 11:5 Dann ordnete er an: Das ist es, was ihr tun sollt: Ein Drittel von der Wache, die am Sabbat aufzieht, soll den Koenigspalast bewachen, [soll den Koenigspalast bewachen: Text korr. nach G.] 11:6 ein Drittel soll am Tor Sur und ein Drittel am Tor hinter den Laeufern stehen. Auf diese Weise sollt ihr abwechselnd die Bewachung des Tempels uebernehmen. 11:7 Die zwei Abteilungen aber, die am Sabbat abziehen, sollen im Haus des Herrn beim Koenig als Wache stehen. 11:8 Schart euch mit der Waffe in der Hand um den Koenig! Wer in die Reihen einzudringen versucht, soll getoetet werden. Seid beim Koenig, wenn er auszieht und wenn er einzieht. 11:9 Die Fuehrer der Hundertschaften befolgten alle Weisungen des Priesters Jojada. Jeder holte seine Leute, sowohl jene, die am Sabbat aufzogen, als auch jene, die am Sabbat abzogen. Sie kamen zum Priester Jojada, 11:10 und dieser gab den Anfuehrern der Hundertschaften die Lanzen und Schilde, die dem Koenig David gehoert hatten und sich jetzt im Haus des Herrn befanden. 11:11 Die Laeufer stellten sich mit der Waffe in der Hand von der Suedseite des Tempels bis zur Nordseite vor dem Altar und dem Tempel rings um den Koenig auf. 11:12 Dann fuehrte Jojada den Koenigssohn heraus und ueberreichte ihm den Stirnreif und das Koenigsgesetz. So machten sie ihn zum Koenig, salbten ihn, klatschten in die Haende und riefen: Es lebe der Koenig! [Dtn 17,18] 11:13 Als Atalja das Geschrei des Volkes hoerte, kam sie zu den Leuten in das Haus des Herrn. 11:14 Da sah sie den Koenig am gewohnten Platz bei der Saeule stehen; die Obersten und die Trompeter waren bei ihm, und alle Buerger des Landes waren voller Freude und bliesen die Trompeten. Atalja zerriss ihre Kleider und schrie: Verrat, Verrat! 11:15 Doch der Priester Jojada befahl den Hundertschaftsfuehrern, die das Kommando ueber die Truppen hatten: Fuehrt sie durch die Reihen hinaus, und schlagt jeden mit dem Schwert nieder, der ihr folgen will; denn - so sagte der Priester - sie soll nicht im Haus des Herrn getoetet werden. 11:16 Da legte man Hand an sie, und als sie an den Weg kam, auf dem man die Pferde zum Palast des Koenigs fuehrt, wurde sie dort getoetet. 11:17 Jojada schloss nun den Bund des Herrn mit Koenig und Volk. Sie versprachen, dass sie das Volk des Herrn sein wollten. Auch Koenig und Volk liess er einen Bund schliessen. [Der Bund zwischen Koenig und Volk hatte die Wiedereinsetzung der davidischen Dynastie zum Ziel.] 11:18 Darauf zogen alle Buerger des Landes zum Baalstempel und rissen ihn nieder. Sie zertruemmerten seine Altaere und Bilder vollstaendig und erschlugen den Baalspriester Mattan vor den Altaeren. Auch stellte Jojada Posten vor das Haus des Herrn 11:19 und rief die Hundertschaftsfuehrer, die Karer und Laeufer sowie alle Buerger des Landes herbei. Sie fuehrten den Koenig aus dem Haus des Herrn durch das Tor der Laeufer hinab in den koeniglichen Palast. Dort setzte er sich auf den Thron der Koenige. 11:20 Alle Buerger des Landes waren voll Freude, und die Stadt blieb ruhig. Atalja aber hatte man vor dem Palast des Koenigs mit dem Schwert umgebracht. 12:1 Joasch von Juda: 12,1-22 Joasch war sieben Jahre alt, als er Koenig wurde. [(1-22) 2 Chr 24,1-27] 12:2 Im siebten Jahr Jehus wurde er Koenig, und vierzig Jahre regierte er in Jerusalem. Seine Mutter hiess Zibja und stammte aus Beerscheba. 12:3 Er tat, was dem Herrn gefiel, solange der Priester Jojada ihn unterwies. 12:4 Nur die Kulthoehen verschwanden nicht. Das Volk brachte noch Schlacht- und Rauchopfer auf ihnen dar. 12:5 Joasch gab den Priestern die Weisung: Alles Geld, das als Weihegabe in das Haus des Herrn gebracht wird, ferner das Geld, das jemandem durch Schaetzung auferlegt wird oder das er nach der Schaetzung fuer andere zu entrichten hat, endlich das Geld, das jemand freiwillig in das Haus des Herrn bringt, [Lev 27,1-8] 12:6 das alles sollen die Priester an sich nehmen, jeder von seinen Bekannten. Sie sollen damit die Schaeden ausbessern, die man am Tempel feststellt. 12:7 Als aber die Priester im dreiundzwanzigsten Jahr des Koenigs Joasch die Schaeden des Hauses noch nicht beseitigt hatten, 12:8 liess Koenig Joasch den Priester Jojada und die uebrigen Priester kommen und hielt ihnen vor: Warum bessert ihr die Schaeden am Tempel nicht aus? Von jetzt an duerft ihr das Geld, das von euren Bekannten kommt, nicht mehr an euch nehmen, sondern muesst es unverzueglich zur Ausbesserung der Schaeden des Hauses abliefern. 12:9 Die Priester waren damit einverstanden, dass sie vom Volk kein Geld mehr annehmen durften, aber auch fuer die Schaeden des Hauses nicht mehr aufkommen mussten. 12:10 Der Priester Jojada nahm nun einen Kasten, bohrte ein Loch in seinen Deckel und stellte ihn neben dem Altar rechts vom Eingang zum Tempel des Herrn auf. Dahinein legten die Priester, die an der Schwelle Wache hielten, alles Geld, das in den Tempel des Herrn gebracht wurde. 12:11 Wenn sie dann sahen, dass viel Geld im Kasten war, kam der Schreiber des Koenigs mit dem Hohenpriester. Sie leerten den Kasten, zaehlten das Geld, das sich im Haus des Herrn befand, [sie leerten: Text korr. nach 2 Chr 24,11; H: sie verschnuerten.] 12:12 und uebergaben es abgewogen den Werkmeistern, die die Arbeiten im Haus des Herrn beaufsichtigten. Diese verwendeten es fuer die Zimmerleute und Bauarbeiter, die im Haus des Herrn beschaeftigt waren, 12:13 fuer die Maurer und Steinmetzen, ebenso zum Ankauf von Holz und Bruchsteinen, die man zur Beseitigung der Schaeden am Haus des Herrn benoetigte, und zur Bestreitung aller Unkosten, die bei der Ausbesserung des Hauses entstanden. 12:14 Man liess jedoch von dem Geld, das in den Tempel kam, keine silbernen Becken, Lichtscheren, Schalen, Trompeten, auch keinerlei Gold- und Silbergeraete fuer das Haus des Herrn anfertigen, 12:15 sondern gab alles den Werkmeistern, die damit das Haus des Herrn instandsetzten. 12:16 Man rechnete mit den Maennern, denen man das Geld zur Ausbezahlung an die Arbeiter uebergab, nicht ab; denn sie waren zuverlaessige Leute. 12:17 Geld fuer Schuld- und Suendopfer dagegen wurde nicht an den Tempel abgefuehrt, sondern gehoerte den Priestern. 12:18 Damals zog Hasael, der Koenig von Aram, herauf, griff Gat an und eroberte es. Als er sich anschickte, auch gegen Jerusalem zu ziehen, 12:19 nahm Joasch, der Koenig von Juda, alle Weihegaben, die Joschafat, Joram und Ahasja, seine Vorgaenger, die Koenige von Juda, gespendet hatten, dazu seine eigenen Weihegaben und alles Gold, das in den Schatzkammern des Tempels und des koeniglichen Palastes war, und sandte alles an Hasael, den Koenig von Aram, der daraufhin von Jerusalem abzog. 12:20 Die uebrige Geschichte des Joasch und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 12:21 Seine Diener erhoben sich gegen ihn; sie zettelten eine Verschwoerung an und erschlugen ihn im Haus am Millo beim Abstieg nach Silla. 12:22 Sabad, der Sohn Schimats, und Josabad, der Sohn Schomers, seine Diener, waren es, die ihn erschlugen. So starb er, und man begrub ihn bei seinen Vaetern in der Davidstadt. Sein Sohn Amazja wurde Koenig an seiner Stelle. 13:1 Joahas von Israel: 13,1-9 Im dreiundzwanzigsten Jahr des Joasch, des Sohnes Ahasjas, des Koenigs von Juda, wurde Joahas, der Sohn Jehus, Koenig von Israel. Er regierte siebzehn Jahre in Samaria 13:2 und tat, was dem Herrn missfiel; er hielt an der Suende fest, zu der Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte, und liess nicht von ihr ab. 13:3 Deswegen entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel. Er gab sie in die Gewalt Hasaels, des Koenigs von Aram, und seines Sohnes Ben-Hadad, die ganze Zeit hindurch. 13:4 Als aber Joahas den Herrn besaenftigte, erhoerte ihn der Herr; denn er sah die Bedraengnis, die der Koenig von Aram ueber Israel brachte. 13:5 Er gab Israel einen Helfer, so dass es sich aus der Gewalt Arams befreien konnte und die Israeliten wieder in ihren Zelten wohnten wie frueher. 13:6 Doch liessen sie nicht von der Suende ab, zu der das Haus Jerobeam Israel verfuehrt hatte, sondern hielten an ihr fest. Auch der Kultpfahl blieb in Samaria stehen. 13:7 Der Herr liess vom Heer des Joahas nur fuenfzig Wagenkaempfer, zehn Wagen und zehntausend Mann Fusstruppen uebrig. Alles andere hatte der Koenig von Aram vernichtet und dem Staub gleichgemacht, auf den man tritt. [Der Vers ist Fortsetzung von V. 3.] 13:8 Die uebrige Geschichte des Joahas, alle seine Taten und Erfolge, sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 13:9 Er entschlief zu seinen Vaetern; man begrub ihn in Samaria. Sein Sohn Joasch wurde Koenig an seiner Stelle. 13:10 Joasch von Israel: 13,10-13 Im siebenunddreissigsten Jahr des Koenigs Joasch von Juda wurde Joasch, der Sohn des Joahas, Koenig von Israel. Er regierte sechzehn Jahre in Samaria 13:11 und tat, was dem Herrn missfiel; er liess nicht von der Suende ab, zu der Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte. 13:12 Die uebrige Geschichte des Joasch, alle seine Taten und Erfolge, wie er mit Amazja, dem Koenig von Juda, Krieg fuehrte, all das ist aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. [(12-13) 14,15f] 13:13 Joasch entschlief zu seinen Vaetern, und Jerobeam bestieg seinen Thron. Joasch wurde in Samaria bei den Koenigen von Israel begraben. 13:14 Die Krankheit und der Tod Elischas: 13,14-21 Als Elischa von der Krankheit befallen wurde, an der er sterben sollte, ging Joasch, der Koenig von Israel, zu ihm hinab. Er weinte vor ihm und rief: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und sein Lenker! [2,12] 13:15 Doch Elischa befahl ihm: Hol einen Bogen und Pfeile! Er holte sie herbei. 13:16 Dann sagte Elischa zum Koenig von Israel: Leg deine Hand auf den Bogen! Da legte er die Hand auf den Bogen, Elischa aber legte seine Haende auf die Haende des Koenigs. 13:17 Hierauf sagte er: Oeffne das Fenster nach Osten! Der Koenig oeffnete es, und Elischa forderte ihn auf zu schiessen. Als er abschoss, rief Elischa: Ein Siegespfeil vom Herrn, ein Siegespfeil gegen Aram. Du wirst Aram bei Afek vernichtend schlagen. [Der Koenig soll die Worte des Propheten durch sinnbildliche Handlungen begleiten. Die Erfuellung der Weissagung berichtet 1 Koen 20,26-30.] 13:18 Weiter sagte er: Nimm die Pfeile! Als der Koenig von Israel sie genommen hatte, befahl ihm Elischa, auf den Boden zu schlagen. Der Koenig tat drei Schlaege und hielt dann inne. 13:19 Da wurde der Gottesmann unwillig ueber ihn und sagte: Du haettest fuenf- oder sechsmal schlagen sollen; dann haettest du die Aramaeer vernichtend geschlagen. Jetzt aber wirst du sie nur dreimal schlagen. [13,25] 13:20 Elischa starb, und man begrub ihn. In jenem Jahr fielen moabitische Raeuberscharen in das Land ein. [In jenem Jahr: Text korr.; andere Korrektur: Jahr fuer Jahr.] 13:21 Als man einmal einen Toten begrub und eine dieser Scharen erblickte, warf man den Toten in das Grab Elischas und floh. Sobald aber der Tote die Gebeine Elischas beruehrte, wurde er wieder lebendig und richtete sich auf. 13:22 Die Erfolge gegen Aram: 13,22-25 Hasael, der Koenig von Aram, bedraengte Israel, solange Joahas lebte. 13:23 Doch der Herr war seinem Volk gnaedig und hatte Erbarmen mit ihm. Wegen seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob wandte er sich ihm wieder zu. Er wollte es nicht verderben und hatte es bis dahin nicht von seinem Angesicht verstossen. 13:24 Als daher Hasael, der Koenig von Aram, starb und sein Sohn Ben-Hadad an seiner Stelle Koenig wurde, 13:25 konnte Joasch, der Sohn des Joahas, Ben-Hadad, dem Sohn Hasaels, die Staedte wieder entreissen, die dieser seinem Vater Joahas im Krieg weggenommen hatte. Dreimal schlug ihn Joasch und gewann die israelitischen Staedte zurueck. [1 Koen 20,34] 14:1 Amazja von Juda: 14,1-22 Im zweiten Jahr des Joasch, des Sohnes des Joahas, des Koenigs von Israel, wurde Amazja, der Sohn des Joasch, Koenig von Juda. [(1-20) 2 Chr 25,1-4.17-28] 14:2 Er war fuenfundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Joaddan und stammte aus Jerusalem. 14:3 Er tat, was dem Herrn gefiel, wenn auch nicht in der Weise seines Ahnherrn David; sein Verhalten glich dem seines Vaters Joasch. 14:4 Die Kulthoehen verschwanden nicht; das Volk brachte noch Schlacht- und Rauchopfer auf ihnen dar. 14:5 Sobald die Herrschaft fest in seiner Hand war, liess er die Diener hinrichten, die seinen Vater, den Koenig, erschlagen hatten. 14:6 Die Soehne der Moerder aber verschonte er, wie der Herr es geboten hatte und wie es im Gesetzbuch des Mose niedergeschrieben ist: Die Vaeter sollen nicht fuer ihre Soehne und die Soehne nicht fuer ihre Vaeter mit dem Tod bestraft werden, sondern jeder soll nur fuer sein eigenes Verbrechen sterben. [Dtn 24,16; Ez 18,10-23 (In der Zeit des Koenigs Amazja von Juda, 796-767 v. Chr. war das Gesetz aus Deuteronomium in Geltung. B. Dalkmann)] 14:7 Er besiegte die Edomiter, zehntausend Mann, im Salztal, nahm Sela im Kampf und nannte es Jokteel, wie es bis heute genannt wird. 14:8 Damals sandte Amazja Boten an Joasch, den Sohn des Joahas, des Sohnes Jehus, den Koenig von Israel, und liess ihm sagen: Komm, wir wollen (im Kampf) einander gegenuebertreten. 14:9 Doch Joasch, der Koenig von Israel liess dem Koenig Amazja von Juda sagen: Der Dornstrauch auf dem Libanon liess der Zeder auf dem Libanon sagen: Gib deine Tochter meinem Sohn zur Frau! Aber die Tiere des Libanon liefen ueber den Dornstrauch und zertraten ihn. 14:10 Du hast Edom besiegt und bist uebermuetig geworden. Wahre doch deinen Ruhm, und bleib zu Hause! Wozu willst du das Unglueck herausfordern und zu Fall kommen, du und Juda mit dir? 14:11 Doch Amazja wollte nicht hoeren. Daraufhin rueckte Joasch, der Koenig von Israel, aus. Er und Amazja, der Koenig von Juda, traten bei Bet-Schemesch, das zu Juda gehoert, einander gegenueber. 14:12 Die Judaeer wurden von den Israeliten geschlagen und flohen zu ihren Zelten. 14:13 Den Koenig Amazja von Juda, den Sohn des Joasch, des Sohnes Ahasjas, nahm Koenig Joasch von Israel bei Bet-Schemesch gefangen und brachte ihn nach Jerusalem. Dort riss er die Mauer der Stadt vom Efraimtor bis zum Ecktor auf einer Strecke von vierhundert Ellen nieder, [und brachte ihn: Text korr. nach 2 Chr 25,23; H: und kam.] 14:14 nahm alles Gold und Silber sowie alle Geraete, die sich im Haus des Herrn und in den Schatzkammern des koeniglichen Palastes befanden, liess sich Geiseln stellen und kehrte nach Samaria zurueck. 14:15 Die uebrige Geschichte des Joasch, seine Taten und Erfolge, auch wie er mit Amazja, dem Koenig von Juda, Krieg fuehrte, all das ist aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. [(15-16) 13,12f] 14:16 Joasch entschlief zu seinen Vaetern und wurde in Samaria bei den Koenigen von Israel begraben. Sein Sohn Jerobeam wurde Koenig an seiner Stelle. 14:17 Amazja, der Sohn des Joasch, der Koenig von Juda, lebte nach dem Tod des Joasch, des Sohnes des Joahas, des Koenigs von Israel, noch fuenfzehn Jahre. 14:18 Die uebrige Geschichte Amazjas ist aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 14:19 Gegen ihn zettelte man in Jerusalem eine Verschwoerung an. Er floh nach Lachisch; aber man sandte Verfolger hinter ihm her nach Lachisch, die ihn dort erschlugen. 14:20 Man brachte ihn auf Pferden nach Jerusalem; dort wurde er bei seinen Vaetern in der Davidstadt begraben. 14:21 Das ganze Volk von Juda nahm nun Asarja, der damals sechzehn Jahre alt war, und machte ihn zum Koenig anstelle seines Vaters Amazja. [(21-22) 2 Chr 26,1f 21f: V. 21 und vielleicht auch 22 gehoeren in den Zusammenhang von V. 14.] 14:22 Er baute Elat aus, das er fuer Juda zurueckgewonnen hatte, nachdem der Koenig zu seinen Vaetern entschlafen war. 14:23 Jerobeam II. von Israel: 14,23-29 Im fuenfzehnten Jahr Amazjas, des Sohnes des Joasch, des Koenigs von Juda, wurde Jerobeam, der Sohn des Joasch, Koenig von Israel. Er regierte einundvierzig Jahre in Samaria 14:24 und tat, was dem Herrn missfiel; er liess nicht von all den Suenden ab, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte. 14:25 Er stellte die Grenzen Israels wieder her von Lebo-Hamat bis zum Meer der Araba, wie es der Herr, der Gott Israels, durch seinen Knecht, den Propheten Jona, den Sohn Amittais aus Gat-Hefer, vorhergesagt hatte. [Zu Lebo-Hamat vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 8,65. Das "Meer der Araba" ist das Tote Meer. Auch Am 6,13 erwaehnt Eroberungen im Ostjordanland. Eine entsprechende Weissagung findet sich nicht im AT.] 14:26 Denn der Herr sah die bittere Not Israels: dass bis zum letzten Mann alle dahinschwanden und dass es fuer Israel keinen Retter gab. 14:27 Er hatte nicht im Sinn, den Namen Israels unter dem Himmel auszutilgen. Darum half er ihnen durch Jerobeam, den Sohn des Joasch. 14:28 Die uebrige Geschichte Jerobeams, alle seine Taten und Erfolge, wie er Krieg fuehrte, . . . all das ist aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. [H: und wie er Damaskus und Hamat fuer Juda in Israel zurueckbrachte. Sinn unklar.] 14:29 Jerobeam entschlief zu seinen Vaetern, den Koenigen von Israel, und sein Sohn Secharja wurde Koenig an seiner Stelle. 15:1 Asarja (Usija) von Juda: 15,1-7 Im siebenundzwanzigsten Jahr Jerobeams, des Koenigs von Israel, wurde Asarja, der Sohn Amazjas, Koenig von Juda. [(1-7) 2 Chr 26,3-4.16-23 Der Name des Koenigs ist in beiden Formen ueberliefert (vgl. V. 13 und 2 Chr 26,1).] 15:2 Er war sechzehn Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte zweiundfuenfzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Jecholja und stammte aus Jerusalem. [Die Zeit vom 27. Jahr Jerobeams bis zum 2. Jahr Pekachs (V. 32) umspannt nur 28 Jahre. Die hier genannte Zahl 52 setzt voraus, dass er schon 24 Jahre vor dem Tod Amazjas als Mitregent oder Stellvertreter seines Vaters Koenig geworden war.] 15:3 Genau wie sein Vater Amazja tat er, was dem Herrn gefiel. 15:4 Nur die Kulthoehen verschwanden nicht; das Volk brachte noch Schlacht- und Rauchopfer auf ihnen dar. 15:5 Doch der Herr schlug den Koenig mit Aussatz. Er musste bis zu seinem Tod in einem abgesonderten Haus wohnen, waehrend Jotam, der Sohn des Koenigs, Vorsteher des Palastes war und die Buerger des Landes regierte. [2 Chr 26,21] 15:6 Die uebrige Geschichte Asarjas und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 15:7 Asarja entschlief zu seinen Vaetern; man begrub ihn bei seinen Vaetern in der Davidstadt. Sein Sohn Jotam wurde Koenig an seiner Stelle. 15:8 Secharja von Israel: 15,8-12 Im achtunddreissigsten Jahr des Koenigs Asarja von Juda wurde Secharja, der Sohn Jerobeams, Koenig von Israel. Er regierte sechs Monate in Samaria. 15:9 Wie seine Vaeter tat er, was dem Herrn missfiel. Er liess nicht von den Suenden ab, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte. 15:10 Gegen ihn zettelte Schallum, der Sohn des Jabesch, eine Verschwoerung an; er erschlug ihn in Jibleam und wurde Koenig an seiner Stelle. [Jibleam: suedlich von Jesreel; in H ist der Name entstellt.] 15:11 Die uebrige Geschichte Secharjas ist aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 15:12 So erfuellte sich das Wort, das der Herr zu Jehu gesprochen hatte: Nachkommen von dir sollen bis in das vierte Geschlecht auf dem Thron Israels sitzen. So ist es geschehen. [10,30] 15:13 Schallum von Israel: 15,13-16 Im neununddreissigsten Jahr Usijas, des Koenigs von Juda, wurde Schallum, der Sohn des Jabesch, Koenig und regierte einen Monat in Samaria. 15:14 Gegen ihn zog Menahem, der Sohn Gadis, von Tirza heran, kam nach Samaria, erschlug Schallum, den Sohn des Jabesch, in Samaria und wurde Koenig an seiner Stelle. 15:15 Die uebrige Geschichte Schallums und die Verschwoerung, die er angezettelt hat, sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 15:16 Damals eroberte Menahem von Tirza aus die Stadt Tifsach und toetete alle Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung, weil sie ihm die Tore nicht geoeffnet hatten. Er eroberte sie und liess ihren schwangeren Frauen den Leib aufschlitzen. 15:17 Menahem von Israel: 15,17-22 Im neununddreissigsten Jahr Asarjas, des Koenigs von Juda, wurde Menahem, der Sohn Gadis, Koenig von Israel. Er regierte zehn Jahre in Samaria 15:18 und tat, was dem Herrn missfiel; er liess nicht von den Suenden ab, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte. 15:19 In seinen Tagen kam Pul, der Koenig von Assur, in das Land. Menahem gab ihm tausend Talente Silber, damit er ihm helfe, seine Herrschaft zu festigen. [In seinen Tagen: Text korr. nach G; H: alle seine Tage (mit dem vorausgehenden Satz verbunden). - Pul ist der babylonische Thronname des assyrischen Koenigs Tiglat-Pileser III. (745-727 v. Chr.). Seine Annalen berichten ausfuehrlich ueber seine Vasallen und erwaehnen unter ihnen auch Menahem von Samaria.] 15:20 Um das Geld dem Koenig von Assur abliefern zu koennen, musste er den wohlhabenden Maennern in Israel eine Steuer auferlegen; fuenfzig Silberschekel kamen auf jeden. Daraufhin zog der Koenig von Assur ab und blieb nicht laenger im Land. [Von der Steuer wurden auf diese Weise 72000 Buerger betroffen.] 15:21 Die uebrige Geschichte Menahems und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 15:22 Er entschlief zu seinen Vaetern, und sein Sohn Pekachja wurde Koenig an seiner Stelle. 15:23 Pekachja von Israel: 15,23-26 Im fuenfzigsten Jahr Asarjas, des Koenigs von Juda, wurde Pekachja, der Sohn Menahems, Koenig von Israel. Er regierte zwei Jahre in Samaria 15:24 und tat, was dem Herrn missfiel; er liess nicht von den Suenden ab, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte. 15:25 Gegen ihn zettelte sein Adjutant Pekach, der Sohn Remaljas, eine Verschwoerung an und erschlug ihn im Wohnturm des koeniglichen Palastes in Samaria . . . Er hatte fuenfzig Mann aus Gilead bei sich, toetete Pekachja und wurde Koenig an seiner Stelle. [H unverstaendlich.] 15:26 Die uebrige Geschichte Pekachjas und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 15:27 Pekach von Israel: 15,27-31 Im zweiundfuenfzigsten Jahr des Koenigs Asarja von Juda wurde Pekach, der Sohn Remaljas, Koenig von Israel. Er regierte zwanzig Jahre in Samaria 15:28 und tat, was dem Herrn missfiel; er liess nicht von den Suenden ab, zu denen Jerobeam, der Sohn Nebats, Israel verfuehrt hatte. 15:29 In den Tagen Pekachs, des Koenigs von Israel, zog Tiglat-Pileser, der Koenig von Assur, heran. Er eroberte Ijon, Abel-Bet-Maacha, Janoach, Kedesch, Hazor, Gilead, Galilaea, das ganze Land Naftali, und verschleppte ihre Bewohner nach Assur. [Die genannten Staedte liegen im Norden des Reiches Israel. Naftali ist der Landstrich westlich des Jordan zwischen dem See Gennesaret und dem Hule-See. Assyrische Texte berichten ausfuehrlich ueber den Feldzug Tiglat-Pilesers.] 15:30 Hoschea aber, der Sohn Elas, zettelte eine Verschwoerung gegen Pekach, den Sohn Remaljas, an. Er erschlug ihn und wurde Koenig an seiner Stelle im zwanzigsten Jahr Jotams, des Sohnes Usijas. 15:31 Die uebrige Geschichte Pekachs und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Israel. 15:32 Jotam von Juda: 15,32-38 Im zweiten Jahr Pekachs, des Sohnes Remaljas, des Koenigs von Israel, wurde Jotam, der Sohn Usijas, Koenig von Juda. [(32-38) 2 Chr 27,1-9] 15:33 Er war fuenfundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte sechzehn Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Jeruscha und war eine Tochter Zadoks. [In den sechzehn Jahren sind zehn Jahre enthalten, in denen Jotam fuer seinen erkrankten Vater die Regierungsgeschaefte fuehrte (V. 5). Auf den Tod Usijas folgten daher nicht sechzehn, sondern nur sechs Jahre Jotams. Die Nichtbeachtung dieser Tatsache fuehrte zu Unstimmigkeiten in den Daten Pekachs, Hoscheas und des Ahas, die auch durch nachtraegliche Aenderungen nicht beseitigt werden konnten.] 15:34 Er tat, was dem Herrn gefiel, genau wie sein Vater Usija. 15:35 Nur die Kulthoehen verschwanden nicht. Das Volk brachte noch Schlacht- und Rauchopfer auf ihnen dar. Er baute das obere Tor am Haus des Herrn. 15:36 Die uebrige Geschichte Jotams und seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 15:37 In jenen Tagen begann der Herr, Rezin, den Koenig von Aram, und Pekach, den Sohn Remaljas, gegen Juda ziehen zu lassen. 15:38 Jotam aber entschlief zu seinen Vaetern und wurde bei seinen Vaetern in der Stadt seines Vaters David begraben. Sein Sohn Ahas wurde Koenig an seiner Stelle. 16:1 Ahas von Juda: 16,1-20 Im siebzehnten Jahr Pekachs, des Sohnes Remaljas, wurde Ahas, der Sohn Jotams, Koenig von Juda. [(1-20) 2 Chr 28,1-27 In Wirklichkeit ist es das siebte Jahr Pekachs.] 16:2 Er war zwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte sechzehn Jahre in Jerusalem. Er tat nicht wie sein Vater David, was dem Herrn, seinem Gott, gefiel, [Ahas regierte nur sechs Jahre: drei gleichzeitig mit Pekach (15,27) und drei mit Hoschea (18,1).] 16:3 sondern er folgte den Wegen der Koenige von Israel. Er liess sogar seinen Sohn durch das Feuer gehen und ahmte so die Greuel der Voelker nach, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte. [Er liess ihn durch das Feuer gehen: Er verbrannte ihn als Opfergabe fuer Baal (vgl. die Anmerkung zu Lev 18,21).] 16:4 Auf den Kulthoehen und Huegeln und unter jedem ueppigen Baum brachte er Schlacht- und Rauchopfer dar. [Vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 14,23.] 16:5 Damals unternahmen Rezin, der Koenig von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der Koenig von Israel, einen Kriegszug gegen Jerusalem. Sie schlossen Ahas ein, konnten ihn aber nicht zum Kampf zwingen. [Damaskus hatte das Nordreich und andere Staaten fuer ein Buendnis gegen Assur gewonnen. Da Jotam und Ahas den Beitritt verweigerten, kam es zum sog. Syrisch-efraimitischen Krieg. Er gab Anlass zur Immanuel-Weissagung von Jes 7,1-17.] 16:6 Zur gleichen Zeit gewann Rezin, der Koenig von Aram, Elat fuer Edom zurueck. Er vertrieb die Judaeer aus Elat, und die Edomiter kamen und blieben dort ansaessig bis zum heutigen Tag. [Edom: Text korr.; H: Aram.] 16:7 Ahas aber sandte Boten an Tiglat-Pileser, den Koenig von Assur, und liess ihm sagen: Ich bin dein Knecht und dein Sohn; zieh herauf, und rette mich aus der Hand des Koenigs von Aram und des Koenigs von Israel, die mich bedrohen. 16:8 Zugleich nahm Ahas das Silber und Gold, das sich im Haus des Herrn und in den Schatzkammern des koeniglichen Palastes befand, und sandte es als Huldigungsgeschenk an den Koenig von Assur. 16:9 Dieser hoerte auf ihn, zog gegen Damaskus, nahm es ein und verschleppte seine Bewohner nach Kir; Rezin aber liess er hinrichten. 16:10 Als Koenig Ahas zu Tiglat-Pileser, dem Koenig von Assur, nach Damaskus kam und den Altar in Damaskus sah, schickte er dem Priester Urija ein Abbild und eine genaue Beschreibung des Altars. [10-16: Ahas wollte keinen neuen Kult einfuehren, sondern nur die Bauweise des Altars uebernehmen.] 16:11 Daraufhin baute der Priester Urija einen Altar; genau nach dem Auftrag, den Koenig Ahas von Damaskus aus erteilt hatte, liess er ihn anfertigen, bevor der Koenig aus Damaskus zurueckkehrte. 16:12 Als dann Ahas nach seiner Rueckkehr aus Damaskus den Altar sah, ging er zu ihm hin, stieg hinauf 16:13 und verbrannte auf ihm sein Brand- und Speiseopfer, goss sein Trankopfer aus und besprengte den Altar mit dem Blut seiner Heilsopfer. 16:14 Den bronzenen Altar aber, der zwischen dem neuen Altar und dem Tempel vor dem Herrn stand, liess er von seinem Platz vor dem Tempel wegruecken und noerdlich vom neuen Altar aufstellen. 16:15 Zugleich gab er dem Priester Urija die Anweisung: Auf dem neuen grossen Altar sollst du das Brandopfer am Morgen und das Speiseopfer am Abend, das Brandopfer des Koenigs und sein Speiseopfer sowie das Brandopfer aller Buerger des Landes, ihr Speiseopfer und ihre Trankopfer darbringen. Auf ihn sollst du auch das Blut aller Brand- und Schlachtopfer sprengen. Was aber mit dem bronzenen Altar geschehen soll, will ich noch ueberlegen. 16:16 Der Priester Urija tat alles, was Koenig Ahas angeordnet hatte. 16:17 Koenig Ahas liess die Leisten an den fahrbaren Gestellen abtrennen und die Kessel aus ihnen nehmen, auch das "Meer" von den bronzenen Rindern, auf denen es ruhte, wegnehmen und auf das Steinpflaster setzen. [Die bronzenen Gestelle und das "Meer" waren von Salomo fuer den Tempel angefertigt worden (vgl. 1 Koen 7,23-39). Ahas war vielleicht durch Not gezwungen, das entbehrliche Metall fuer andere Zwecke (Tribut an Assur) zu verwenden.] 16:18 Ferner liess er den ueberdachten Sabbatgang, den man an den Tempel angebaut hatte, und den aeusseren Zugang fuer den Koenig vom Haus des Herrn entfernen. Er tat dies mit Ruecksicht auf den Koenig von Assur. [Sabbatgang: Uebersetzung unsicher.] 16:19 Die uebrige Geschichte des Ahas und seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 16:20 Ahas entschlief zu seinen Vaetern und wurde bei seinen Vaetern in der Davidstadt begraben. Sein Sohn Hiskija wurde Koenig an seiner Stelle. 17:1 Die Eroberung Samarias: 17,1-23 Im zwoelften Jahr des Koenigs Ahas von Juda wurde Hoschea, der Sohn Elas, in Samaria Koenig von Israel. Er regierte neun Jahre 17:2 und tat, was dem Herrn missfiel, jedoch nicht in dem Mass wie die Koenige von Israel, die vor ihm herrschten. 17:3 Gegen ihn zog Salmanassar, der Koenig von Assur. Hoschea musste sich ihm unterwerfen und Abgaben entrichten. 17:4 Dann aber erfuhr der Koenig von Assur, dass Hoschea an einer Verschwoerung beteiligt war. Er hatte naemlich Boten nach So zum Koenig von Aegypten gesandt und die jaehrliche Abgabe an den Koenig von Assur nicht mehr geleistet. Daher liess ihn dieser festnehmen und ins Gefaengnis werfen. [So: Name der Stadt Sais, Sitz der 24. Dynastie.] 17:5 Der Koenig von Assur fiel ueber das ganze Land her, rueckte gegen Samaria vor und belagerte es drei Jahre lang. [5f: Beide Verse sind Parallelbericht zu V. 3f.] 17:6 Im neunten Jahr Hoscheas eroberte er die Stadt, verschleppte die Israeliten nach Assur und siedelte sie in Halach, am Habor, einem Fluss von Gosan, und in den Staedten der Meder an. [Samaria wurde im Spaetherbst 722 v. Chr. erobert. Die Wegfuehrung der Bevoelkerung erfolgte erst 720 durch Sargon. Die genannten Gegenden liegen im noerdlichen Mesopotamien. Medien ist das Bergland suedwestlich des Kaspischen Meers.] 17:7 Das geschah, weil die Israeliten sich gegen den Herrn, ihren Gott, versuendigten, der sie aus Aegypten, aus der Gewalt des Pharao, des Koenigs von Aegypten, heraufgefuehrt hatte. Sie verehrten fremde Goetter, 17:8 ahmten die Braeuche der Voelker nach, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte, und folgten dem Beispiel, das die Koenige von Israel gaben. 17:9 Gegen den Herrn, ihren Gott, ersannen die Israeliten Dinge, die nicht recht waren. Sie bauten sich Kulthoehen in allen ihren Staedten, vom Wachtturm angefangen bis zur befestigten Stadt, 17:10 errichteten Steinmale und Kultpfaehle auf jedem hohen Huegel und unter jedem ueppigen Baum. 17:11 Auf allen Kulthoehen brachten sie Opfer dar wie die Voelker, die der Herr vor ihnen vertrieben hatte, taten boese Dinge und erzuernten dadurch den Herrn. 17:12 Sie dienten den Goetzen, obwohl der Herr es ihnen verboten hatte. 17:13 Der Herr warnte Israel und Juda durch alle seine Propheten, durch alle Seher: Kehrt um von euren boesen Wegen, achtet auf meine Befehle und meine Gebote genau nach dem Gesetz, das ich euren Vaetern gegeben und euch durch meine Knechte, die Propheten, verkuendet habe. 17:14 Doch sie wollten nicht hoeren, sondern versteiften ihre Nacken wie ihre Vaeter, die nicht auf den Herrn, ihren Gott, vertrauten. 17:15 Sie verwarfen seine Gebote und den Bund, den er mit ihren Vaetern geschlossen hatte, und verschmaehten die Warnungen, die er an sie richtete. Sie liefen nichtigen Goettern nach und wurden selbst zunichte; sie ahmten die Voelker ihrer Umgebung nach, obwohl der Herr verboten hatte, ihrem Beispiel zu folgen. [Jer 2,5] 17:16 Sie uebertraten alle Gebote des Herrn, ihres Gottes, schufen sich Gussbilder, zwei Kaelber, stellten einen Kultpfahl auf, beteten das ganze Heer des Himmels an und dienten dem Baal. [Heer des Himmels: die Sterne, die von den oestlichen Voelkern als Goetter verehrt wurden.] 17:17 Ihre Soehne und Toechter liessen sie durch das Feuer gehen, trieben Wahrsagerei und Zauberei und gaben sich dazu her zu tun, was dem Herrn missfiel, und ihn zu erzuernen. 17:18 Darum wurde der Herr ueber Israel sehr zornig. Er verstiess es von seinem Angesicht, so dass der Stamm Juda allein uebrigblieb. 17:19 Doch auch Juda befolgte nicht die Befehle des Herrn, seines Gottes, sondern ahmte die Braeuche nach, die Israel eingefuehrt hatte. 17:20 Darum verwarf der Herr das ganze Geschlecht Israels. Er demuetigte sie und gab sie Raeubern preis; schliesslich verstiess er sie von seinem Angesicht. 17:21 Er hatte Israel vom Haus David losgerissen, und sie hatten Jerobeam, den Sohn Nebats, als Koenig eingesetzt. Jerobeam aber machte Israel vom Herrn abtruennig und verfuehrte es zu schwerer Suende. [1 Koen 11,31] 17:22 Die Israeliten begingen all die Suenden, die Jerobeam begangen hatte, und liessen nicht von ihnen ab. 17:23 Schliesslich verstiess der Herr Israel von sich, wie er es durch seine Knechte, die Propheten, angedroht hatte. So wanderte Israel aus seinem Land weg in die Verbannung nach Assur und blieb dort bis zum heutigen Tag. 17:24 Die Umsiedlung der Bevoelkerung: 17,24-28 Der Koenig von Assur brachte Leute aus Babel, Kuta, Awa, Hamat und Sefarwajim in das Land und siedelte sie anstelle der Israeliten in den Staedten Samariens an. Sie nahmen Samarien in Besitz und liessen sich in seinen Staedten nieder. Die neue Bevoelkerung kam aus dem Osten und Norden. 17:25 In der ersten Zeit, in der sie dort wohnten, erwiesen sie dem Herrn keine Verehrung. Er schickte deshalb Loewen unter sie, die manche von ihnen toeteten. 17:26 Da meldete man dem Koenig von Assur: Die Voelker, die du weggefuehrt und in den Staedten Samariens angesiedelt hast, wissen nicht, wie man den Landesgott verehren soll. Er hat daher Loewen unter sie gesandt, von denen sie getoetet werden, weil sie nicht wissen, wie man den Landesgott verehren soll. 17:27 Da befahl der Koenig von Assur: Bringt einen von den Priestern zurueck, die ihr von dort weggefuehrt habt. Er soll zu ihnen gehen, bei ihnen wohnen und sie belehren, wie man den Landesgott verehren soll. [Er soll zu ihnen gehen: H: Sie sollen . . .] 17:28 So kam einer von den Priestern zurueck, die man aus Samarien weggefuehrt hatte. Er liess sich in Bet-El nieder und belehrte sie, wie man den Herrn verehren muesse. 17:29 Die Religion der neuen Bevoelkerung: 17,29-41 Jedes Volk aber schuf sich seine eigenen Goetter und stellte sie in den Hoehentempeln auf, die von den Bewohnern Samariens erbaut worden waren. Jedes Volk tat dies in der Stadt, in der es wohnte. 17:30 Die Leute aus Babel machten sich Bilder Sukkot-Benots. Die Ansiedler aus Kuta stellten Bilder Nergals her. Jene aus Hamat schufen Bilder Aschimas. [30f: Die Aufzaehlung nennt Namen von weniger oder nicht bekannten Gottheiten, die vom Volk mehr verehrt wurden als die Staatsgottheiten. Nergal ist der Gott der Unterwelt, der Sonnenhitze und der Pest.] 17:31 Die Awiter fertigten Bilder des Nibhas und des Tartak an. Die, die aus Sefarwajim gekommen waren, verbrannten ihre Kinder zur Ehre Adrammelechs und Anammelechs, der Goetter von Sefarwajim. 17:32 Gleichzeitig verehrten sie aber auch den Herrn. Auch setzten sie aus ihren eigenen Reihen Priester fuer die Kulthoehen ein, die fuer sie in den Hoehentempeln Dienst taten. 17:33 So verehrten sie den Herrn und dienten daneben ihren Goettern nach den Braeuchen der Voelker, aus denen man sie weggefuehrt hatte. 17:34 Bis zum heutigen Tag handeln sie nach ihren frueheren Braeuchen. Sie fuerchten den Herrn nicht und halten sich nicht an die Satzungen und Braeuche, an das Gesetz und die Gebote, auf die der Herr die Nachkommen Jakobs, dem er den Namen Israel gegeben hatte, verpflichtet hat. [34b-40a: Einschaltung, die die Schuld der im Land verbliebenen Israeliten hervorhebt.] 17:35 Der Herr hat naemlich mit ihnen einen Bund geschlossen und ihnen befohlen: Ihr duerft keine fremden Goetter verehren, sie nicht anbeten, ihnen nicht dienen und ihnen keine Opfer darbringen. 17:36 Den Herrn allein, der euch mit grosser Kraft und hoch erhobenem Arm aus Aegypten heraufgefuehrt hat, sollt ihr fuerchten und anbeten und ihm eure Opfer darbringen. 17:37 Die Satzungen und Braeuche, das Gesetz und die Gebote, die er fuer euch niedergeschrieben hat, sollt ihr befolgen und alle Tage erfuellen. Fremde Goetter aber duerft ihr nicht verehren. 17:38 Ihr sollt den Bund, den er mit euch geschlossen hat, nicht vergessen und fremde Goetter nicht verehren. 17:39 Den Herrn allein, euren Gott, sollt ihr fuerchten. Er wird euch aus der Gewalt all eurer Feinde erretten. 17:40 Doch sie wollten nicht hoeren, sondern sie handelten, wie sie es immer schon gewohnt waren. 17:41 Sie verehren den Herrn und dienen zugleich ihren Goetzen. Was ihre Vaeter getan haben, das tun auch ihre Kinder und Kindeskinder bis zum heutigen Tag. 18:1 Die weitere Geschichte des Reiches Juda: 18,1 - 25,30 Hiskija: 18,1-12 Im dritten Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Koenigs von Israel, wurde Hiskija, der Sohn des Ahas, Koenig von Juda. [(1-3) 2 Chr 29,1f] 18:2 Er war fuenfundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Abi und war eine Tochter Secharjas. 18:3 Genau wie sein Vater David tat er, was dem Herrn gefiel. 18:4 Er schaffte die Kulthoehen ab, zerbrach die Steinmale, zerstoerte den Kultpfahl und zerschlug die Kupferschlange, die Mose angefertigt hatte und der die Israeliten bis zu jener Zeit Rauchopfer darbrachten - man nannte sie Nehuschtan (Kupferbild). [Zum erstenmal wird berichtet, dass ein judaeischer Koenig die Kulthoehen beseitigt. - Zur Kupferschlange vgl. Num 21,4-9 und die Anmerkung zu Num 21,9.] 18:5 Er setzte sein Vertrauen auf den Herrn, den Gott Israels. Unter allen Koenigen Judas, die nach ihm kamen oder vor ihm lebten, war keiner wie er. 18:6 Er hing dem Herrn an, ohne von ihm abzuweichen, und hielt die Gebote, die der Herr dem Mose gegeben hatte. 18:7 Daher war der Herr mit ihm; in allem, was er unternahm, hatte er Erfolg. So fiel er vom Koenig von Assur ab und war ihm nicht laenger untertan. 18:8 Auch schlug er die Philister bis Gaza und den Umkreis dieser Stadt, vom Wachtturm bis zur befestigten Stadt. 18:9 Im vierten Jahr des Koenigs Hiskija, das ist im siebten Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Koenigs von Israel, zog Salmanassar, der Koenig von Assur, gegen Samaria und belagerte es. [(9-11) 17,5f] 18:10 Nach drei Jahren, das ist im sechsten Jahr Hiskijas und im neunten Jahr Hoscheas, des Koenigs von Israel, wurde Samaria erobert. 18:11 Der Koenig von Assur verschleppte die Israeliten nach Assur und brachte sie nach Halach, an den Habor, einen Fluss von Gosan, und in die Staedte der Meder. 18:12 Denn sie hatten auf die Stimme des Herrn, ihres Gottes, nicht gehoert, seinen Bund gebrochen und die Gebote, die Mose, der Knecht des Herrn, verkuendet hatte, uebertreten und sie nicht befolgt. 18:13 Sanheribs Feldzug gegen Jerusalem: 18,13 - 19,37 Erste Gesandtschaft Sanheribs: 18,13-37 Im vierzehnten Jahr des Koenigs Hiskija zog Sanherib, der Koenig von Assur, gegen alle befestigten Staedte Judas und nahm sie ein. [(13-37) Jes 36,1-22; 2 Chr 32,1-19 13-16: Nach assyrischen Quellen fand der Feldzug 701 v. Chr. statt; das ist das 26. Jahr Hiskijas. Das 14. Jahr ist aus 20,6 errechnet.] 18:14 Hiskija aber, der Koenig von Juda, schickte Boten an den Koenig von Assur nach Lachisch und liess ihm sagen: Ich habe gefehlt. Lass ab von mir! Alles, was du mir auferlegst, will ich tragen. Der Koenig von Assur verlangte von Hiskija, dem Koenig von Juda, dreihundert Talente Silber und dreissig Talente Gold. 18:15 Hiskija musste alles Geld abliefern, das sich im Haus des Herrn und in den Schatzkammern des koeniglichen Palastes befand. 18:16 Damals liess Hiskija, der Koenig von Juda, die Tueren am Tempel des Herrn und die Pfosten, die er mit Gold und Silber ueberzogen hatte, zerschlagen und lieferte das Metall an den Koenig von Assur. [Aehnliches geschah unter Ahas (vgl. 16,17).] 18:17 Doch der Koenig von Assur sandte den Tartan, den Rabsaris und den Rabschake mit einer grossen Streitmacht von Lachisch aus gegen Koenig Hiskija. Sie zogen nach Jerusalem hinauf, stellten sich an der Wasserleitung des oberen Teiches auf, der an der Walkerfeldstrasse liegt, [Jes 7,3 17-19,36: Die zeitliche Einordnung des hier beschriebenen Vorgangs ist schwer moeglich. Tartan, Rabsaris und Rabschake: assyrische Beamtenbezeichnungen, etwa Oberfeldherr, Oberkaemmerer und Obermundschenk. - In Lachisch, suedwestlich von Jerusalem, war das Hauptquartier des assyrischen Heeres. Die Eroberung der Stadt ist auf einem Relief in Ninive dargestellt.] 18:18 und liessen den Koenig rufen. Der Palastvorsteher Eljakim, der Sohn Hilkijas, der Staatsschreiber Schebna und Joach, der Sohn Asafs, der Sprecher des Koenigs, gingen zu ihnen hinaus. 18:19 Der Rabschake sagte zu ihnen: Sagt zu Hiskija: So spricht der Grosskoenig, der Koenig von Assur: Worauf vertraust du denn, dass du dich so sicher fuehlst? 18:20 Du glaubst wohl, blosses Gerede sei im Krieg schon Rat und Staerke? Auf wen vertraust du also, dass du von mir abgefallen bist? 18:21 Du vertraust gewiss auf Aegypten, dieses geknickte Schilfrohr, das jeden, der sich darauf stuetzt, in die Hand sticht und sie durchbohrt. Denn so macht es der Pharao, der Koenig von Aegypten, mit allen, die ihm vertrauen. [Der Zug Sanheribs war durch ein Buendnis der westlichen Vasallen mit Aegypten veranlasst.] 18:22 Wenn ihr aber zu mir sagt: Wir vertrauen auf Jahwe, unseren Gott!, dann bedenkt: Ist nicht gerade er der Gott, dessen Kulthoehen und Altaere Hiskija beseitigt hat? Hat nicht Hiskija in Juda und Jerusalem angeordnet: Nur vor diesem Altar in Jerusalem duerft ihr euch niederwerfen? 18:23 Geh doch mit meinem Herrn, dem Koenig von Assur, eine Wette ein! Ich gebe dir zweitausend Pferde: Kannst du die Reiter fuer sie stellen? 18:24 Wie willst du auch nur einen einzigen Statthalter meines Herrn in die Flucht schlagen, und waere es der unbedeutendste seiner Knechte? Du vertraust ja nur auf Aegypten, auf seine Wagen und deren Besatzung. 18:25 Ausserdem: Bin ich denn gegen den Willen Jahwes heraufgezogen, um dieses Land zu verwuesten? Jahwe selbst hat mir befohlen: Zieh gegen dieses Land, und verwueste es! 18:26 Da sagten Eljakim, der Sohn Hilkijas, sowie Schebna und Joach zu dem Rabschake: Sprich doch aramaeisch mit deinen Knechten; wir verstehen es. Sprich vor den Ohren des Volkes, das auf der Mauer steht, nicht judaeisch mit uns! [Das Aramaeische begann vom 8. bis 6 Jh. zur Sprache des Handels und der Diplomatie zu werden. Der Text setzt voraus, dass es in Jerusalem von den hoeheren Beamten, nicht aber vom Volk verstanden wurde.] 18:27 Der Rabschake antwortete ihnen: Hat mich mein Herr etwa beauftragt, das alles nur zu deinem Herrn und zu dir zu sagen, und nicht vielmehr zu all den Maennern, die auf der Mauer sitzen und ihren eigenen Kot essen und ihren Harn trinken wie ihr? 18:28 Dann trat der Rabschake vor und rief laut auf judaeisch: Hoert die Worte des Grosskoenigs, des Koenigs von Assur! 18:29 So spricht der Koenig: Lasst euch nicht von Hiskija betoeren; denn er kann euch nicht aus meiner Hand retten. [aus meiner Hand: Text korr.; H: aus seiner Hand.] 18:30 Er soll euch nicht verleiten, auf Jahwe zu vertrauen, und sagen: Jahwe wird uns sicher retten, und diese Stadt wird dem Koenig von Assur nicht in die Haende fallen. 18:31 Hoert nicht auf Hiskija! Denn so spricht der Koenig von Assur: Trefft mit mir ein Abkommen, und ergebt euch! Dann kann jeder von euch von seinem Weinstock und von seinem Feigenbaum essen und Wasser aus seiner Zisterne trinken, 18:32 bis ich komme und euch in ein Land bringe, das eurem Land gleicht: in ein Land voll Getreide und Most, ein Land voll Brot und Wein, ein Land mit Oelbaeumen und Honig. So werdet ihr am Leben bleiben und nicht umkommen. Hoert nicht auf Hiskija; denn er fuehrt euch in die Irre, wenn er sagt: Jahwe wird uns retten. 18:33 Hat denn einer von den Goettern der anderen Voelker sein Land vor dem Koenig von Assur gerettet? 18:34 Wo sind die Goetter von Hamat und Arpad? Wo sind die Goetter von Sefarwajim, Hena und Awa? Haben sie etwa Samaria vor mir gerettet? 18:35 Wer von all den Goettern der anderen Laender hat sein Land vor mir gerettet? Wie sollte dann Jahwe Jerusalem vor mir retten? 18:36 Das Volk aber schwieg und gab ihm keine Antwort; denn der Koenig hatte befohlen: Ihr duerft ihm nicht antworten. 18:37 Der Palastvorsteher Eljakim, der Sohn Hilkijas, der Staatsschreiber Schebna und Joach, der Sohn Asafs, der Sprecher des Koenigs, zerrissen ihre Kleider, gingen zu Hiskija und berichteten ihm, was der Rabschake gesagt hatte. 19:1 Die Reaktion des Koenigs Hiskija: 19,1-7 Als Koenig Hiskija das hoerte, zerriss er seine Kleider, legte ein Trauergewand an und ging in das Haus des Herrn. [(1-7) Jes 37,1-7] 19:2 Dann sandte er den Palastvorsteher Eljakim, den Staatsschreiber Schebna und die Aeltesten der Priester in Trauergewaendern zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz. 19:3 Sie sagten zu ihm: So spricht Hiskija: Heute ist ein Tag der Not, der Strafe und der Schande. Die Kinder sind bis an die Oeffnung des Mutterschosses gelangt, doch den Frauen fehlt die Kraft zum Gebaeren. [Hos 13,13] 19:4 Aber vielleicht hoert der Herr, dein Gott, alle Worte des Rabschake, den sein Herr, der Koenig von Assur, hergesandt hat, damit er den lebendigen Gott beschimpft, und vielleicht schickt der Herr, dein Gott, eine Strafe fuer die Worte, die er gehoert hat. Darum bete fuer den Rest, der noch uebrig ist. 19:5 Jesaja antwortete den Abgesandten des Koenigs Hiskija, die zu ihm gekommen waren: 19:6 Sagt zu eurem Herrn folgendes: So spricht der Herr: Fuerchte dich nicht wegen der Worte, die du gehoert hast und mit denen die Knechte des Koenigs von Assur mich verhoehnt haben. 19:7 Seht, ich lege einen Geist in ihn, so dass er ein Geruecht hoert und in sein Land zurueckkehrt; dort bringe ich ihn durch das Schwert zu Fall. 19:8 Die zweite Gesandtschaft Sanheribs: 19,8-13 Der Rabschake trat den Rueckweg an und fand den Koenig von Assur im Kampf gegen die Stadt Libna. Sanherib war inzwischen, wie der Rabschake gehoert hatte, von Lachisch abgezogen. [(8-13) Jes 37,8-13] 19:9 Dann erfuhr Sanherib, dass Tirhaka, der Koenig von Kusch, zum Kampf gegen ihn heranzog. Er schickte wiederum Boten zu Hiskija mit dem Auftrag: [Tirhaka, der 690-664 v. Chr. als dritter Pharao der 25., nubischen Dynastie regierte, war 701 fuer seinen Bruder Schebitku Oberbefehlshaber des aegyptischen Heeres in Palaestina.] 19:10 So sollt ihr zu Hiskija, dem Koenig von Juda, sagen: Lass dir nicht von deinem Gott, auf den du vertraust, einreden, Jerusalem werde dem Koenig von Assur nicht in die Haende fallen. 19:11 Du hast doch gehoert, was die Koenige von Assur mit allen anderen Laendern gemacht haben. Sie haben sie dem Untergang geweiht. Und du meinst, du wirst gerettet? 19:12 Sind denn die Voelker, die von meinen Vaetern vernichtet wurden, von ihren Goettern gerettet worden, die Voelker von Gosan, Haran und Rezef, die Soehne von Eden, die in Telassar wohnten? 19:13 Wo ist der Koenig von Hamat, der Koenig von Arpad, der Koenig der Stadt Sefarwajim, wo sind die Koenige von Hena und Awa? 19:14 Das Gebet des Koenigs: 19,14-19 Hiskija nahm das Schreiben von den Boten in Empfang und las es. Dann ging er zum Haus des Herrn hinauf, breitete das Schreiben vor dem Herrn aus [(14-19) Jes 37,14-20] 19:15 und betete vor dem Herrn; er sagte: Herr, Gott Israels, der ueber den Kerubim thront, du allein bist der Gott aller Reiche der Erde. Du hast den Himmel und die Erde gemacht. 19:16 Wende mir dein Ohr zu, Herr, und hoere! Oeffne, Herr, deine Augen, und sieh her! Hoer alles, was Sanherib sagt, der seinen Boten hergesandt hat, um den lebendigen Gott zu verhoehnen. 19:17 Es ist wahr, Herr, die Koenige von Assur haben die Voelker vernichtet, ihre Laender verwuestet 19:18 und ihre Goetter ins Feuer geworfen. Aber das waren keine Goetter, sondern Werke von Menschenhand, aus Holz und Stein; darum konnte man sie vernichten. 19:19 Nun aber, Herr, unser Gott, rette uns aus seiner Hand, damit alle Reiche der Erde erkennen, dass du, Jahwe, Gott bist, du allein. 19:20 Die Verheissung der goettlichen Hilfe durch Jesaja: 19,20-34 Jesaja, der Sohn des Amoz, schickte zu Hiskija (einen Boten) und liess ihm sagen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe gehoert, wie du wegen des Koenigs Sanherib von Assur zu mir gebetet hast. [(20-34) Jes 37,21-35] 19:21 Das ist das Wort des Herrn gegen ihn: Dich verachtet, dich verspottet die Jungfrau, die Tochter Zion. Die Tochter Jerusalem schuettelt spoettisch den Kopf ueber dich. ["Jungfrau" und "Tochter" sind bei den Propheten Bezeichnungen fuer die Bevoelkerung von Laendern oder Staedten.] 19:22 Wen hast du beschimpft und verhoehnt, gegen wen die Stimme erhoben, auf wen voll Hochmut herabgeblickt? Auf den Heiligen Israels. Koenig 19:23 Durch deine Gesandten hast du den Herrn verhoehnt; du hast gesagt: Mit meinen zahlreichen Wagen fuhr ich auf die Hoehen der Berge, in die fernsten Winkel des Libanon. Ich faellte seine hohen Zedern, seine schoensten Zypressen, kam bis zu seinen entlegensten Huetten, in das Dickicht seiner Waelder. 19:24 Ich habe Brunnen gegraben und fremdes Wasser getrunken. Ich liess unter dem Schritt meiner Fuesse alle Stroeme Aegyptens vertrocknen. 19:25 Hast du nicht gehoert: Schon vor langer Zeit habe ich es so gefuegt, seit den Tagen der Vorzeit habe ich es so geplant; jetzt liess ich es kommen. So konntest du befestigte Staedte zerstoeren und in Truemmer verwandeln. 19:26 Ihre Bewohner waren machtlos, in Schrecken und Schande gestossen. Sie glichen den Pflanzen auf dem Feld und dem frischen Gruen, dem Gras auf den Daechern, das im Ostwind verdorrt. [Ps 129,6 Ostwind: Text korr. nach dem Jesaja-Text von Qumran.] 19:27 Ich weiss, ob du ruhst, ob du gehst oder kommst, ob du dich gegen mich auflehnst. 19:28 Weil du gegen mich wuetest und dein Laerm meine Ohren erreicht hat, ziehe ich dir einen Ring durch die Nase und lege dir einen Zaum in das Maul. Auf dem Weg, auf dem du herankamst, treibe ich dich wieder zurueck. [Ez 38,4 dein Laerm: Text sinngemaess korr.; H: deine Sorglosigkeit.] 19:29 Und das soll fuer dich (Hiskija) ein Vorzeichen sein: In diesem Jahr isst man, was von selbst nachwaechst, im naechsten Jahr, was wild waechst; im dritten Jahr aber sollt ihr wieder saeen und ernten, die Weinberge bepflanzen und ihre Fruechte geniessen. [29f: Der Spruch setzt voraus, dass zwei Jahre hindurch keine Aussaat, aber eine kaergliche Ernte moeglich ist.] 19:30 Wer vom Haus Juda entronnen und uebriggeblieben ist, wird wieder unten Wurzeln treiben und oben Frucht tragen. [Ps 80,10] 19:31 Denn von Jerusalem wird ein Rest ausziehen, vom Berg Zion ziehen die Geretteten hinaus. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn wird das vollbringen. 19:32 Darum - so spricht der Herr ueber den Koenig von Assur: Er wird nicht in diese Stadt eindringen; er wird keinen einzigen Pfeil hineinschiessen, er wird nicht unter dem Schutz seines Schildes gegen sie anrennen und keinen Damm gegen sie aufschuetten. 19:33 Auf dem Weg, auf dem er gekommen ist, wird er wieder zurueckkehren. Aber in diese Stadt wird er nicht eindringen - Spruch des Herrn. 19:34 Ich werde diese Stadt beschuetzen und retten, um meinetwillen und um meines Knechtes David willen. 19:35 Die Rettung der Stadt: 19,35-37 In jener Nacht zog der Engel des Herrn aus und erschlug im Lager der Assyrer hundertfuenfundachtzigtausend Mann. Als man am naechsten Morgen aufstand, fand man sie alle als Leichen. [(35-37) Jes 37,36-38] 19:36 Da brach Sanherib, der Koenig von Assur, auf und kehrte in sein Land zurueck. Er blieb in Ninive. 19:37 Als er eines Tages im Tempel seines Gottes Nisroch betete, erschlugen ihn seine Soehne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert. Darauf mussten sie in das Land Ararat fliehen, und Sanheribs Sohn Asarhaddon wurde Koenig an seiner Stelle. [seine Soehne: ergaenzt nach Jes 37,38.] 20:1 Die Krankheit Hiskijas: 20,1-11 In jenen Tagen wurde Hiskija schwer krank und war dem Tod nahe. Der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, kam zu ihm und sagte: So spricht der Herr: Bestell dein Haus; denn du wirst sterben, du wirst nicht am Leben bleiben. [(1-11) Jes 38,1-8; 2 Chr 32,24-26] 20:2 Da drehte sich Hiskija mit dem Gesicht zur Wand und betete zum Herrn: 20:3 Ach, Herr, denk daran, dass ich mein Leben lang treu und mit aufrichtigem Herzen meinen Weg vor deinen Augen gegangen bin und dass ich immer getan habe, was dir gefaellt. Und Hiskija begann laut zu weinen. 20:4 Jesaja hatte aber die innere Stadt noch nicht verlassen, als das Wort des Herrn an ihn erging: 20:5 Kehr um, und sag zu Hiskija, dem Fuersten meines Volkes: So spricht der Herr, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehoert und deine Traenen gesehen. Nun heile ich dich. Uebermorgen wirst du zum Haus des Herrn hinaufgehen; 20:6 zu deiner Lebenszeit will ich noch fuenfzehn Jahre hinzufuegen. Und ich will dich und diese Stadt aus der Hand des Koenigs von Assur retten und diese Stadt beschuetzen, um meinetwillen und um meines Knechtes David willen. 20:8 Hiskija aber fragte Jesaja: Was ist das Zeichen dafuer, dass der Herr mich heilen wird und ich uebermorgen zum Haus des Herrn hinaufgehen werde? [V. 7 ist wegen des Zusammenhangs nach V. 11 eingereiht.] 20:9 Jesaja antwortete: Das soll fuer dich das Zeichen des Herrn sein, dass der Herr sein Versprechen halten wird: Soll der Schatten zehn Stufen weiter abwaerts oder zehn Stufen rueckwaerts gehen? [soll der Schatten: Text korr. nach G. Es kann sich um die Beobachtung des Schattens an einer Sonnenuhr oder an den Stufen der Treppe handeln.] 20:10 Hiskija erwiderte: Fuer den Schatten ist es ein leichtes, zehn Stufen weiter abwaerts zu gehen. Nein, er soll zehn Stufen rueckwaerts gehen. 20:11 Da rief der Prophet Jesaja zum Herrn, und dieser liess den Schatten die zehn Stufen zurueckgehen, die er auf den Stufen des Ahas bereits herabgestiegen war. 20:7 Darauf sagte Jesaja: Holt einen Feigenbrei! Man holte ihn, strich ihn auf das Geschwuer, und der Koenig wurde gesund. 20:12 Die Gesandtschaft aus Babel: 20,12-21 Damals sandte Merodach-Baladan, der Sohn Baladans, der Koenig von Babel, einen Brief und Geschenke an Hiskija; denn er hatte von seiner Krankheit gehoert. [(12-19) Jes 39,1-8 Merodach: nach G und Jes 39,1; H: Berodach.] 20:13 Hiskija freute sich darueber und zeigte den Gesandten sein ganzes Schatzhaus, das Silber und das Gold, die Vorraete an Balsam und feinem Oel, sein Waffenlager und alle anderen Schaetze, die er besass. Es gab nichts in seinem Haus und in seinem Herrschaftsbereich, das er ihnen nicht gezeigt haette. [freute sich: Text korr. nach G und Jes 39,2; H: hoerte davon. - Merodach-Baladan hatte sich im Kampf gegen Assur zum Koenig von Babylon gemacht und suchte Bundesgenossen. Hiskija scheint bereit gewesen zu sein und zeigte seine Schaetze, um sich als leistungsfaehigen Helfer zu empfehlen. Jesaja hatte wiederholt vor solchen Buendnissen gewarnt.] 20:14 Danach kam der Prophet Jesaja zu Koenig Hiskija und fragte ihn: Was haben diese Maenner gesagt? Woher sind sie gekommen? Hiskija antwortete: Sie sind aus einem fernen Land, aus Babel, gekommen. 20:15 Er fragte weiter: Was haben sie in deinem Haus gesehen? Hiskija antwortete: Sie haben alles gesehen, was in meinem Haus ist. Es gibt nichts in meinen Schatzkammern, das ich ihnen nicht gezeigt haette. 20:16 Da sagte Jesaja zu Hiskija: Hoere das Wort des Herrn: 20:17 Es werden Tage kommen, an denen man alles, was in deinem Haus ist, alles, was deine Vaeter bis zum heutigen Tag angesammelt haben, nach Babel bringt. Nichts wird uebrigbleiben, spricht der Herr. 20:18 Auch von deinen eigenen Soehnen, die du noch bekommen wirst, wird man einige mitnehmen, und sie werden als Kaemmerer im Palast des Koenigs von Babel dienen muessen. 20:19 Hiskija sagte zu Jesaja: Das Wort des Herrn, das du mir gesagt hast, ist gut. Und er dachte: Wenn nur zu meinen Lebzeiten noch Friede und Sicherheit herrschen. 20:20 Die uebrige Geschichte Hiskijas und alle seine Erfolge, wie er den Teich und die Wasserleitung angelegt und das Wasser in die Stadt geleitet hat, das alles ist aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 20:21 Hiskija entschlief zu seinen Vaetern, und sein Sohn Manasse wurde Koenig an seiner Stelle. 21:1 Manasse: 21,1-18 Manasse war zwoelf Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte fuenfundfuenfzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Hefzi-Bah. [(1-18) 2 Chr 33,1-20] 21:2 Er tat, was dem Herrn missfiel, und ahmte die Greuel der Voelker nach, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte. 21:3 Er baute die Kulthoehen wieder auf, die sein Vater Hiskija zerstoert hatte, errichtete Altaere fuer den Baal, liess einen Kultpfahl anfertigen, wie es schon Ahab, der Koenig von Israel, getan hatte, warf sich vor dem ganzen Heer des Himmels nieder und diente ihm. [1 Koen 16,33 Heer des Himmels: vgl. die Anmerkung zu 17,16.] 21:4 Auch baute er Altaere im Haus des Herrn, obwohl der Herr gesagt hatte: Auf Jerusalem will ich meinen Namen legen. [1 Koen 8,16] 21:5 In den beiden Hoefen des Tempels baute er Altaere fuer das ganze Heer des Himmels. 21:6 Er liess seinen Sohn durch das Feuer gehen, trieb Zauberei und Wahrsagerei, bestellte Totenbeschwoerer und Zeichendeuter. So tat er vieles, was dem Herrn missfiel und ihn erzuernte. 21:7 Er brachte auch den Kultpfahl, den er hatte anfertigen lassen, in das Haus, von dem der Herr zu David und dessen Sohn Salomo gesagt hatte: Auf dieses Haus und auf Jerusalem, das ich aus allen Staemmen Israels auserwaehlt habe, will ich meinen Namen auf ewig legen. 21:8 Ich werde Israels Fuss nicht mehr unstet ausserhalb des Landes wandern lassen, das ich ihren Vaetern gegeben habe, wenn sie nur alles befolgen, was ich ihnen geboten habe, und mein ganzes Gesetz einhalten, das ihnen mein Knecht Mose gegeben hat. [2 Sam 7,10] 21:9 Doch sie wollten nicht hoeren, und Manasse verfuehrte sie, noch Schlimmeres zu tun als die Voelker, die der Herr vor den Augen der Israeliten vernichtet hatte. 21:10 Da liess der Herr durch seine Knechte, die Propheten, sagen: 21:11 Weil Manasse, der Koenig von Juda, diese Greuel veruebt und noch Schlimmeres getrieben hat als die Amoriter vor ihm, weil er auch Juda durch seine Goetzen zur Suende verfuehrt hat, 21:12 darum - so spricht der Herr, der Gott Israels: Ich bringe Unheil ueber Jerusalem und Juda, so dass jedem, der davon hoert, beide Ohren gellen werden. 21:13 Ich will an Jerusalem die Messschnur Samarias und die Waage des Hauses Ahab anlegen und Jerusalem auswischen, wie man eine Schuessel auswischt und dann umdreht. 21:14 Den Rest meines Erbbesitzes will ich preisgeben und den Feinden ausliefern. So wird mein Volk ein Raub und eine Beute all seiner Feinde werden; 21:15 denn es hat getan, was mir missfaellt, und mich erzuernt seit dem Tag, da seine Vaeter aus Aegypten zogen, bis zum heutigen Tag. 21:16 Manasse vergoss unschuldiges Blut in Stroemen, bis er Jerusalem von einem Ende zum andern damit anfuellte; er verfuehrte Juda zur Suende, so dass es tat, was dem Herrn missfiel. 21:17 Die uebrige Geschichte Manasses, alle seine Taten und die Suenden, die er beging, sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 21:18 Manasse entschlief zu seinen Vaetern und wurde im Garten seines Hauses, im Garten Usas, begraben. Sein Sohn Amon wurde Koenig an seiner Stelle. [2 Chr 33,20] 21:19 Amon: 21,19-26 Amon war zweiundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte zwei Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Meschullemet und war eine Tochter des Haruz aus Jotba. [(19-24) 2 Chr 33,21-25] 21:20 Wie sein Vater Manasse tat er, was dem Herrn missfiel, 21:21 und folgte ganz den Wegen, die sein Vater gegangen war. Er diente den Goetzen, die sein Vater verehrt hatte, und warf sich vor ihnen nieder. 21:22 Er verliess den Herrn, den Gott seiner Vaeter, und hielt sich nicht an die Wege des Herrn. 21:23 Gegen ihn zettelten seine Diener eine Verschwoerung an und toeteten ihn in seinem Haus. 21:24 Doch die Buerger des Landes erschlugen alle, die sich gegen den Koenig Amon verschworen hatten, und machten seinen Sohn Joschija zum Koenig an seiner Stelle. 21:25 Die uebrige Geschichte Amons, seine Taten, sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 21:26 Man begrub ihn in seinem Grab im Garten Usas, und sein Sohn Joschija wurde Koenig an seiner Stelle. 22:1 Joschija, Einleitung: 22,1-2 Joschija war acht Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte einunddreissig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Jedida und war eine Tochter Adajas aus Bozkat. [(1-2) 2 Chr 34,1-2] 22:2 Er tat, was dem Herrn gefiel, und folgte ganz den Wegen seines Vaters David, ohne nach rechts oder links abzuweichen. 22:3 Die Auffindung des Gesetzbuches: 22,3-20 Im achtzehnten Jahr seiner Regierung sandte Koenig Joschija den Staatsschreiber Schafan, den Sohn Azaljas, des Sohnes Meschullams, in das Haus des Herrn mit dem Auftrag: [(3-20) 2 Chr 34,8-28 3f: Es ist das Jahr 623/22 v. Chr. Aehnlich wurde unter Joasch Geld zur Instandsetzung des Tempels beschafft (vgl. 12,10-16).] 22:4 Geh zum Hohenpriester Hilkija! Er soll das Geld ausschuetten, das in das Haus des Herrn gebracht worden ist und das die Waechter an den Schwellen vom Volk gesammelt haben. [ausschuetten: korr. nach V. 9; H: fertigmachen.] 22:5 Man soll es den Werkmeistern geben, die im Haus des Herrn angestellt sind, und diese sollen es fuer die Arbeiter verwenden, die im Tempel die Schaeden des Hauses zu beseitigen haben, 22:6 fuer die Zimmerleute, Bauarbeiter, Maurer, sowie zum Ankauf von Holz und Bruchsteinen, die man zur Beseitigung der Schaeden am Haus des Herrn benoetigt. 22:7 Doch soll man ueber das Geld, das ihnen uebergeben wird, nicht abrechnen. Sie sollen auf Treu und Glauben handeln. 22:8 Damals teilte der Hohepriester Hilkija dem Staatsschreiber Schafan mit: Ich habe im Haus des Herrn das Gesetzbuch gefunden. Hilkija uebergab Schafan das Buch, und dieser las es. [Die Reform Joschijas (Kap. 23) betrifft hauptsaechlich den Kult, laesst aber den Schluss zu, dass es sich beim aufgefundenen Gesetzbuch um eine Sammlung von Gesetzen handelt, die im wesentlichen Dtn 12-29 entspricht. Sie konnte waehrend der langen Regierung Manasses in Vergessenheit geraten sein.] 22:9 Darauf begab sich der Staatsschreiber Schafan zum Koenig und meldete ihm: Deine Knechte haben das Geld ausgeschuettet, das sich im Haus vorfand, und es den Werkmeistern uebergeben, die im Haus des Herrn angestellt sind. 22:10 Dann sagte der Staatsschreiber Schafan zum Koenig: Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben. Schafan las es dem Koenig vor. 22:11 Als der Koenig die Worte des Gesetzbuches hoerte, zerriss er seine Kleider 22:12 und befahl dem Priester Hilkija sowie Ahikam, dem Sohn Schafans, Achbor, dem Sohn Michas, dem Staatsschreiber Schafan und Asaja, dem Diener des Koenigs: 22:13 Geht und befragt den Herrn fuer mich, fuer das Volk und fuer ganz Juda wegen dieses Buches, das aufgefunden wurde. Der Zorn des Herrn muss heftig gegen uns entbrannt sein, weil unsere Vaeter auf die Worte dieses Buches nicht gehoert und weil sie nicht getan haben, was in ihm niedergeschrieben ist. [in ihm niedergeschrieben ist: Text korr. nach 2 Chr 34,21; H: gegen uns niedergeschrieben ist.] 22:14 Da gingen der Priester Hilkija, Ahikam, Achbor, Schafan und Asaja zur Prophetin Hulda. Sie war die Frau Schallums, des Sohnes Tikwas, des Sohnes des Harhas, des Verwalters der Kleiderkammer, und wohnte in Jerusalem in der Neustadt. Die Abgesandten trugen ihr alles vor, 22:15 und sie gab ihnen diese Antwort: So spricht der Herr, der Gott Israels: Sagt zu dem Mann, der euch zu mir geschickt hat: 22:16 So spricht der Herr: Ich bringe Unheil ueber diesen Ort und seine Bewohner, alle Drohungen des Buches, das der Koenig von Juda gelesen hat. 22:17 Denn sie haben mich verlassen, anderen Goettern geopfert und mich durch alle Werke ihrer Haende erzuernt. Darum ist mein Zorn gegen diesen Ort entbrannt, und er wird nicht erloeschen. 22:18 Sagt aber zum Koenig von Juda, der euch hergesandt hat, um den Herrn zu befragen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Durch die Worte, die du gehoert hast, 22:19 wurde dein Herz erweicht. Du hast dich vor dem Herrn gedemuetigt, als du vernahmst, was ich ueber diesen Ort und seine Bewohner gesprochen habe: dass sie zu einem Bild des Entsetzens und zum Fluch werden sollen. Du hast deine Kleider zerrissen und vor mir geweint. Darum habe ich dich erhoert - Spruch des Herrn. 22:20 Ich werde dich mit deinen Vaetern vereinen, und du sollst in Frieden in deinem Grab beigesetzt werden. Deine Augen sollen all das Unheil nicht mehr sehen, das ich ueber diesen Ort bringen werde. - Sie berichteten dies dem Koenig. [Der Aufschub der Strafe wird als Wohltat bezeichnet (vgl. 1 Koen 11,35; 21,29; 2 Koen 20,19).] 23:1 Die Beseitigung von Missstaenden: 23,1-27 Der Koenig liess alle Aeltesten Judas und Jerusalems bei sich zusammenkommen. [(1-3) 2 Chr 34,29-33] 23:2 Er ging zum Haus des Herrn hinauf mit allen Maennern Judas und allen Einwohnern Jerusalems, den Priestern und Propheten und allem Volk, jung und alt. Er liess ihnen alle Worte des Bundesbuches vorlesen, das im Haus des Herrn gefunden worden war. 23:3 Dann trat der Koenig an die Saeule und schloss vor dem Herrn diesen Bund: Er wolle dem Herrn folgen, auf seine Gebote, Satzungen und Gesetze von ganzem Herzen und ganzer Seele achten und die Vorschriften des Bundes einhalten, die in diesem Buch niedergeschrieben sind. Das ganze Volk trat dem Bund bei. [schloss diesen Bund: Er verpflichtete das Volk zur Befolgung der im Buch verzeichneten Gebote.] 23:4 Hierauf befahl der Koenig dem Hohenpriester Hilkija, den Priestern des zweiten Ranges und den Waechtern an den Schwellen, alle Gegenstaende aus dem Tempel des Herrn hinauszuschaffen, die fuer den Baal, die Aschera und das ganze Heer des Himmels angefertigt worden waren. Er liess sie ausserhalb Jerusalems bei den Terrassen des Kidrontals verbrennen und die Asche nach Bet-El bringen. 23:5 Auch setzte er die Goetzenpriester ab, die von den Koenigen von Juda bestellt worden waren und die auf den Kulthoehen, in den Staedten Judas und in der Umgebung Jerusalems Opfer verbrannt sowie dem Baal, der Sonne, dem Mond, den Bildern des Tierkreises und dem ganzen Heer des Himmels geopfert hatten. 23:6 Den Kultpfahl schaffte er aus dem Haus des Herrn und aus Jerusalem hinaus in das Kidrontal und verbrannte ihn dort; er zermalmte ihn zu Staub und streute diesen auf die Graeber des einfachen Volkes. 23:7 Ferner riss er die Gemaecher der Hierodulen am Tempel nieder, in denen die Frauen Schleier fuer die Aschera webten. [Hierodulen: Tempeldirnen (vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 14,24). Die Bedeutung der Schleier ist unbekannt.] 23:8 Er holte alle Priester aus den Staedten Judas weg und machte die Kulthoehen von Geba bis Beerscheba, auf denen die Priester geopfert hatten, unrein. Er zerstoerte die Torhoehen, die am Eingang zum Tor des Stadtobersten Josua auf der linken Seite dessen waren, der das Stadttor betrat. [Es sind Jahwepriester, die auf den Kulthoehen ausserhalb Jerusalems Dienst taten (vgl. die Anmerkung zu 1 Koen 3,2). Durch ihre Abberufung hoerten die Opfer an jenen Orten auf, und der Tempel wurde zur einzigen Kultstaette gemaess Dtn 12,5-18. - Torhoehen sind Opferstaetten, die nach dem Vorbild der Kulthoehen an den Stadttoren errichtet wurden.] 23:9 Doch durften die Hoehenpriester nicht an den Altar des Herrn in Jerusalem treten, sondern nur von den ungesaeuerten Broten inmitten ihrer Brueder essen. [Missstaende, die sich an den Kulthoehen eingestellt hatten, konnten zu Zweifeln an der Eignung dieser Priester fuehren. Erst Dtn 18,6-8 brachte ihnen die volle Gleichberechtigung.] 23:10 Ebenso machte er das Tofet im Tal der Soehne Hinnoms unrein, damit niemand mehr seinen Sohn oder seine Tochter fuer den Moloch durch das Feuer gehen liess. [Tofet: eine heidnische Kultstaette zu Ehren des Gottes Moloch im Hinnomtal suedlich von Jerusalem (vgl. Jes 30,33; Jer 7,32; 19,6.11-14). Zu Moloch vgl. die Anmerkung zu Lev 18,21.] 23:11 Er entfernte die Pferde, die die Koenige von Juda zu Ehren der Sonne am Eingang zum Haus des Herrn bei der Zelle des Kaemmerers Netan-Melech am Parwar aufgestellt hatten, und verbrannte die Sonnenwagen im Feuer. [Die Sonne wurde in der Umwelt Israels als Gottheit verehrt. Die hier gemachte Aussage ist dunkel. Parwar ist wahrscheinlich ein Hof oder Platz an der Westseite des Tempels.] 23:12 Auch die Altaere, die die Koenige von Juda auf dem Dach ueber dem Obergemach des Ahas errichtet hatten, sowie die Altaere, die Manasse in den beiden Hoefen des Tempels aufgestellt hatte, liess der Koenig abbrechen. Er schlug sie dort in Truemmer und warf ihren Schutt in das Kidrontal. [Die Altaere auf dem Dach des Obergemachs haben wohl dem Gestirnkult gedient.] 23:13 Desgleichen entweihte der Koenig die Kulthoehen oestlich von Jerusalem, suedlich vom Berg des Verderbens, die Salomo, der Koenig von Israel, fuer Astarte, die Goettin der Sidonier, fuer Kemosch, den Goetzen der Moabiter, und fuer Milkom, den Greuel der Ammoniter, erbaut hatte. [1 Koen 11,7] 23:14 Er zerbrach die Steinmale, hieb die Kultpfaehle um und fuellte ihre Staetten mit Menschenknochen. 23:15 Auch den Altar von Bet-El, die Kulthoehe, die Jerobeam, der Sohn Nebats, der Verfuehrer Israels, errichtet hatte, auch diesen Altar zerstoerte er samt der Kulthoehe. Er steckte das Hoehenheiligtum in Brand, zermalmte die Steine zu Staub und verbrannte den Kultpfahl. 23:16 Als Joschija sich umwandte und die Graeber sah, die dort auf dem Berg waren, liess er die Gebeine aus ihnen nehmen und auf dem Altar verbrennen. So machte er ihn unrein gemaess dem Wort des Herrn, das der Gottesmann ausgerufen hatte, der diese Drohung aussprach. [1 Koen 13,2] 23:17 Und als dann der Koenig fragte: Was ist das fuer ein Denkmal, das ich hier sehe?, antworteten ihm die Maenner der Stadt: Das ist das Grab des Gottesmannes, der aus Juda gekommen war und vorausgesagt hatte, was du am Altar von Bet-El getan hast. 23:18 Da befahl er: Lasst ihn ruhen! Niemand soll seine Gebeine beruehren. So liess man seine Gebeine samt den Gebeinen des Propheten, der aus Samaria stammte, ungestoert. 23:19 Auch beseitigte Joschija alle Hoehentempel in den Staedten Samariens, die die Koenige von Israel errichtet und durch die sie den Herrn erzuernt hatten. Er verfuhr mit ihnen so, wie er es in Bet-El getan hatte. [Joschija hatte demnach Teile des ehemaligen Nordreichs unter seine Herrschaft gebracht und so das Reich Davids in kleinerem Umfang wieder hergestellt. Durch die Zerstoerung von Bet-El war zugleich das Heiligtum beseitigt, das die religioese Spaltung des Volkes begruendet hatte.] 23:20 Alle Hoehenpriester, die dort waren, liess er auf den Altaeren niedermachen und Menschengebeine auf den Altaeren verbrennen. Darauf kehrte er nach Jerusalem zurueck. 23:21 Nun befahl der Koenig dem ganzen Volk: Feiert das Paschafest zur Ehre des Herrn, eures Gottes, wie es in diesem Bundesbuch vorgeschrieben ist. [2 Chr 35,1-19] 23:22 Ein solches Pascha war naemlich nicht gefeiert worden seit den Tagen der Richter, die Israel regierten, auch nicht in der ganzen Zeit der Koenige von Israel und Juda. [Vgl. die Anmerkung zu 2 Chr 35,18.] 23:23 Erst im achtzehnten Jahr des Koenigs Joschija wurde dieses Pascha zur Ehre des Herrn in Jerusalem begangen. 23:24 Auch die Totenbeschwoerer und Zeichendeuter, die Hausgoetter, Goetzen und alle Greuel, die im Land Juda und in Jerusalem zu sehen waren, fegte Joschija hinweg. So fuehrte er die Worte des Gesetzes aus, die in dem Buch niedergeschrieben waren, das der Priester Hilkija im Haus des Herrn gefunden hatte. 23:25 Es gab vor ihm keinen Koenig, der so mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all seinen Kraeften zum Herrn umkehrte und so getreu das Gesetz des Mose befolgte, und auch nach ihm war keiner wie er. [Dtn 6,5] 23:26 Doch der Herr liess von der gewaltigen Glut seines Zornes nicht ab. Sein Zorn war ueber Juda entbrannt wegen all der Kraenkungen, die Manasse ihm zugefuegt hatte. 23:27 Darum sprach der Herr: Auch Juda will ich von meinem Angesicht entfernen, wie ich Israel entfernt habe. Ich verwerfe diese Stadt Jerusalem, die ich erwaehlt habe, und das Haus, von dem ich gesagt habe: Hier wird mein Name sein. 23:28 Das Ende Joschijas: 23,28-30 Die uebrige Geschichte Joschijas und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. [(28-30) 2 Chr 35,20-24; 36,1] 23:29 In seinen Tagen unternahm der Pharao Necho, der Koenig von Aegypten, einen Kriegszug gegen den Koenig von Assur an den Eufrat. Koenig Joschija stellte sich ihm entgegen. Doch der Pharao toetete ihn bei Megiddo, sobald er ihn sah. [Vgl. die Anmerkung zu 2 Chr 35,20.] 23:30 Die Diener Joschijas hoben den Toten auf einen Wagen, brachten ihn von Megiddo weg nach Jerusalem und begruben ihn in seinem Grab. Dann nahmen die Buerger des Landes Joahas, den Sohn Joschijas, salbten ihn und machten ihn zum Koenig an seines Vaters Stelle. 23:31 Joahas: 23,31-35 Joahas war dreiundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte drei Monate in Jerusalem. Seine Mutter hiess Hamutal und war eine Tochter Jirmejas aus Libna. 23:32 Genau wie seine Vaeter tat er, was dem Herrn missfiel. [(32-35) 2 Chr 36,2-4] 23:33 Doch der Pharao Necho setzte ihn zu Ribla im Land Hamat als Koenig von Jerusalem ab und legte dem Land eine Geldbusse von hundert Talenten Silber und einem Talent Gold auf. [setzte ihn als Koenig ab: Text korr. nach G.] 23:34 Dann machte der Pharao Necho Eljakim, den Sohn Joschijas, anstelle seines Vaters Joschija zum Koenig und aenderte seinen Namen in Jojakim. Joahas aber nahm er fest und brachte ihn nach Aegypten, wo er starb. [brachte ihn: Text korr. nach 2 Chr 36,4. Durch die Verleihung eines neuen Namens drueckt der Pharao aus, dass Jojakim sein Untertan ist.] 23:35 Jojakim lieferte dem Pharao das Silber und das Gold ab. Doch musste er das Land besteuern, um das Geld aufbringen zu koennen, das der Pharao forderte. Nach dem Vermoegen eines jeden Buergers trieb er von den Buergern des Landes das Silber und das Gold ein, um es an den Pharao Necho abzuliefern. [Das gleiche wird von Menahem berichtet (vgl. 15,20).] 23:36 Jojakim: 23,36 - 24,7 Jojakim war fuenfundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte elf Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Sebuda und war eine Tochter Pedajas aus Ruma. [(36-24,6) 2 Chr 36,5-8] 23:37 Wie seine Vaeter tat er, was dem Herrn missfiel. 24:1 In seinen Tagen zog Nebukadnezzar, der Koenig von Babel, herauf. Jojakim war ihm drei Jahre untertan; dann aber fiel er von ihm ab. 24:2 Der Herr sandte nun die Raeuberscharen der Chaldaeer, Aramaeer, Moabiter und Ammoniter gegen ihn. Er liess sie ueber Juda herfallen und es verwuesten, wie er durch seine Diener, die Propheten, angedroht hatte. 24:3 Nur weil der Herr zuernte, kam dieses Unglueck ueber Juda, so dass er es von seinem Angesicht verstiess. Es geschah wegen der Suende Manasses, fuer alles, was dieser getan hatte, [zuernte: Text korr. nach V. 20 und G.] 24:4 auch wegen des unschuldigen Blutes, das Manasse vergossen und mit dem er Jerusalem angefuellt hatte. Das wollte der Herr nicht mehr verzeihen. 24:5 Die uebrige Geschichte Jojakims und alle seine Taten sind aufgezeichnet in der Chronik der Koenige von Juda. 24:6 Jojakim entschlief zu seinen Vaetern, und sein Sohn Jojachin wurde Koenig an seiner Stelle. 24:7 Der Koenig von Aegypten unternahm keinen Kriegszug mehr aus seinem Land; denn der Koenig von Babel hatte ihm alles genommen, was vom Grenzbach Aegyptens bis zum Eufrat den Koenigen von Aegypten gehoert hatte. [Aegypten, das die Vorherrschaft ueber Syrien und Palaestina anstrebte, wurde von Nebukadnezzar 605 v. Chr. bei Karkemisch am Eufrat entscheidend geschlagen.] 24:8 Jojachin: 24,8-17 Jojachin war achtzehn Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte drei Monate in Jerusalem. Seine Mutter hiess Nehuschta und war eine Tochter Elnatans aus Jerusalem. [(8-17) 2 Chr 36,9-10] 24:9 Wie sein Vater tat er, was dem Herrn missfiel. 24:10 In jener Zeit zogen die Truppen Nebukadnezzars, des Koenigs von Babel, gegen Jerusalem und belagerten die Stadt. 24:11 Als dann Koenig Nebukadnezzar von Babel selbst vor der Stadt erschien, waehrend seine Krieger sie belagerten, 24:12 ging Jojachin, der Koenig von Juda, mit seiner Mutter, seinen Dienern, Fuersten und Kaemmerern zum Koenig von Babel hinaus, und dieser nahm ihn im achten Jahr seiner Regierung fest. 24:13 Wie der Herr angedroht hatte, nahm Nebukadnezzar auch alle Schaetze des Hauses des Herrn und die Schaetze des koeniglichen Palastes weg und zerbrach alle goldenen Geraete, die Salomo, der Koenig von Israel, im Haus des Herrn hatte anfertigen lassen. 24:14 Von ganz Jerusalem verschleppte er alle Vornehmen und alle wehrfaehigen Maenner, insgesamt zehntausend Mann, auch alle Schmiede und Schlosser. Von den Buergern des Landes blieben nur die geringen Leute zurueck. 24:15 Jojachin verschleppte er nach Babel. Auch die Mutter des Koenigs, die koeniglichen Frauen und Kaemmerer sowie die einflussreichen Maenner des Landes verschleppte er von Jerusalem nach Babel, [Die Gefangennahme erfolgte 597 v. Chr. Babylonische Texte aus der Zeit Nebukadnezzars verzeichnen Lebensmittelzuweisungen an Jojachin und seine Soehne.] 24:16 dazu alle Wehrfaehigen, siebentausend Mann, die Schmiede und Schlosser, tausend an der Zahl, lauter kriegstuechtige Maenner. Sie alle verschleppte der babylonische Koenig nach Babel. 24:17 Dann machte der Koenig von Babel den Mattanja, den Onkel Jojachins, an dessen Stelle zum Koenig und aenderte seinen Namen in Zidkija. 24:18 Zidkija: 24,18 - 25,7 Zidkija war einundzwanzig Jahre alt, als er Koenig wurde, und regierte elf Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hiess Hamutal und war eine Tochter Jirmejas aus Libna. [(18-25,7) 2 Chr 36,11-12; Jer 52,1-11] 24:19 Er tat, was dem Herrn missfiel, genau so, wie es Jojakim getan hatte. 24:20 Weil der Herr ueber Juda und Jerusalem erzuernt war, kam es soweit, dass er sie von seinem Angesicht verstiess. 25:1 Zidkija hatte sich gegen den Koenig von Babel empoert. Im neunten Regierungsjahr, am zehnten Tag des zehnten Monats, rueckte Nebukadnezzar, der Koenig von Babel, mit seiner ganzen Streitmacht vor Jerusalem und belagerte es. Man errichtete ringsherum einen Belagerungswall. 25:2 Bis zum elften Jahr des Koenigs Zidkija wurde die Stadt belagert. 25:3 Am neunten Tag des vierten Monats war in der Stadt die Hungersnot gross geworden, und die Buerger des Landes hatten kein Brot mehr. 25:4 Damals wurden Breschen in die Stadtmauer geschlagen. Der Koenig und alle Krieger verliessen die Stadt bei Nacht auf dem Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern, das zum koeniglichen Garten hinausfuehrt, obwohl die Chaldaeer rings um die Stadt lagen. Sie schlugen die Richtung nach der Araba ein. [Zwei in H fehlende Woerter sind aus Jer 52,7 ergaenzt.] 25:5 Aber die chaldaeischen Truppen setzten dem Koenig nach und holten ihn in den Niederungen von Jericho ein, nachdem alle seine Truppen ihn verlassen und sich zerstreut hatten. 25:6 Man ergriff den Koenig und brachte ihn nach Ribla, zum Koenig von Babel, und dieser sprach ueber ihn das Urteil. 25:7 Die Soehne Zidkijas machte man vor dessen Augen nieder. Zidkija liess er blenden, in Fesseln legen und nach Babel bringen. 25:8 Das Ende des Reiches Juda: 25,8-26 Am siebten Tag des fuenften Monats - das ist im neunzehnten Jahr des Koenigs Nebukadnezzar, des Koenigs von Babel - rueckte Nebusaradan, der Kommandant der Leibwache und Diener des Koenigs von Babel, in Jerusalem ein [(8-21) 2 Chr 36,17-21; Jer 52,12-27] 25:9 und steckte das Haus des Herrn, den koeniglichen Palast und alle Haeuser Jerusalems in Brand. Jedes grosse Haus liess er in Flammen aufgehen. 25:10 Auch die Umfassungsmauern Jerusalems rissen die chaldaeischen Truppen, die dem Kommandanten der Leibwache unterstanden, nieder. 25:11 Den Rest der Bevoelkerung, der noch in der Stadt geblieben war, sowie alle, die zum Koenig von Babel uebergelaufen waren, und den Rest der Handwerker schleppte Nebusaradan, der Kommandant der Leibwache, in die Verbannung. 25:12 Nur von den armen Leuten im Land liess der Kommandant der Leibwache einen Teil als Wein- und Ackerbauern zurueck. 25:13 Die bronzenen Saeulen am Haus des Herrn, die fahrbaren Gestelle und das Eherne Meer beim Haus des Herrn zerschlugen die Chaldaeer und nahmen alle Gegenstaende aus Bronze mit nach Babel. 25:14 Auch die Toepfe, Schaufeln, Messer und Becher sowie alle bronzenen Geraete, die man beim Tempeldienst verwendete, nahmen sie weg. 25:15 Ebenso nahm der Kommandant der Leibwache die Kohlenpfannen und die Schalen weg, die saemtlich aus Gold oder aus Silber waren, 25:16 ferner die zwei Saeulen, das eine "Meer", die Gestelle, die Salomo fuer das Haus des Herrn hatte anfertigen lassen - die Bronze von all diesen Geraeten war nicht zu waegen. 25:17 Achtzehn Ellen betrug die Hoehe der einen Saeule, und oben hatte sie ein Kapitell aus Bronze. Die Hoehe des einen Kapitells betrug fuenf Ellen; das Kapitell umgaben Flechtwerk und Granataepfel, alles aus Bronze. Ebenso war es bei der zweiten Saeule auf dem Flechtwerk. 25:18 Der Kommandant der Leibwache nahm ferner den Oberpriester Seraja, den zweiten Priester Zefanja und die drei Schwellenwaechter mit. 25:19 Aus der Stadt nahm er einen Hofbeamten, der Kommandant der Soldaten war, und fuenf Leute vom persoenlichen Dienst des Koenigs mit, die sich noch in der Stadt befanden, sowie den Schreiber des Heerfuehrers, der die Buerger des Landes auszuheben hatte, schliesslich sechzig Mann von der Buergerschaft, die sich noch in der Stadt befanden. 25:20 Nebusaradan, der Kommandant der Leibwache nahm sie fest und schickte sie zum Koenig von Babel nach Ribla. 25:21 Der Koenig von Babel liess sie in Ribla in der Landschaft Hamat hinrichten. So wurde Juda von seiner Heimat weggefuehrt. 25:22 Ueber das Volk, das im Land Juda geblieben war und das Nebukadnezzar, der Koenig von Babel, zurueckgelassen hatte, setzte er Gedalja, den Sohn Ahikams und Enkel Schafans, als Statthalter ein. [Jer 40,7 - 41,18] 25:23 Als nun alle Truppenfuehrer und ihre Mannschaften hoerten, dass der Koenig von Babel Gedalja als Statthalter eingesetzt habe, kamen sie zu ihm nach Mizpa. Es waren Jischmael, der Sohn Netanjas, Johanan, der Sohn Kareachs, Seraja, der Sohn Tanhumets aus Netofa, und Jaasanja, der Sohn des Maachatiters, mit ihren Leuten. 25:24 Gedalja schwor ihnen und ihren Mannschaften und sagte ihnen: Fuerchtet euch nicht vor den chaldaeischen Beamten! Bleibt im Land, und dient dem Koenig von Babel; dann wird es euch gut gehen. 25:25 Aber im siebten Monat kam Jischmael, der Sohn Netanjas, des Sohnes Elischamas, ein Mann aus koeniglichem Geschlecht, mit zehn Mann. Sie erschlugen Gedalja samt den Judaeern und Chaldaeern, die bei ihm in Mizpa waren. 25:26 Dann machte sich das ganze Volk vom Kleinsten bis zum Groessten mit den Truppenfuehrern auf und zog nach Aegypten. Sie fuerchteten sich naemlich vor den Chaldaeern. 25:27 Die Begnadigung Jojachins: 25,27-30 Im siebenunddreissigsten Jahr nach der Wegfuehrung Jojachins, des Koenigs von Juda, am siebenundzwanzigsten Tag des zwoelften Monats, begnadigte Ewil-Merodach, der Koenig von Babel, im Jahr seines Regierungsantritts Jojachin, den Koenig von Juda, und entliess ihn aus dem Kerker. [(27-30) Jer 52,31-34 Es ist das Jahr 561 v. Chr. Ewil-Merodach (babylonisch Amel-Marduk) war der Sohn und Nachfolger Nebukadnezzars.] 25:28 Er soehnte sich mit ihm aus und wies ihm seinen Sitz oberhalb des Sitzes der anderen Koenige an, die bei ihm in Babel waren. 25:29 Er durfte seine Gefaengniskleidung ablegen und staendig bei ihm speisen, solange er lebte. 25:30 Sein Unterhalt - ein dauernder Unterhalt - wurde ihm vom Koenig von Babel in der bestimmten Menge taeglich geliefert, solange er lebte.