>_ Gopher und der Rest der Welt (1) Seitdem ich meinem gopherserver wieder Leben eingehaucht und einen Account auf dem freien Unix Server sdf.org angelegt habe, habe ich einige nette und interessante Menschen kennengelernt. Viele, die noch nie oder zum ersten Mal von gopher gehört haben, würden interessant wohl durch merkwürdig oder sonderbar ersetzen. Aber es sind mitnichten nur Nerds und Nostalgiker im gopherspace unterwegs und das hat mich selbst ein wenig überrascht. Zugegeben, die Anzahl an technisch affinen Menschen wird relativ hoch sein, genau wie bei anderen sehr technologiebasierten Medien auch. Dennoch, die Einstiegshürden bei dem Erstellen eines gopher spaces sind vergleichsweise niedrig und Inhalte zu erstellen ist so einfach wie eine Textdatei in einem beliebigen Editor zu bearbeiten. Angebote wie sdf.org ermöglichen jedem mit einem Befehl ein eigenes "gopher Zuhause" zu erstellen. Und das kostenlos. Die Bewohner des gopherspace sind also ein eher heterogener "Haufen". Was aber auffällig ist, ist, ein kollektives überdrüssig sein des Internets in seiner jetzigen Form. Also des www im allgemeinen und social media im speziellen. Mir kommt es so vor, als würde gopher nicht der Nostalgie wegen genutzt, sondern eher als Fluchtort gesehen, oder als Gegenpol zu dem hektischen, bunten, sterilen und von vielen als antisozial gesehenem Internet von heute. Und es ist doch so, man muss sich ja nicht sonderlich bemühen, einen Blickwinkel einzunehmen, von dem aus betrachtet das Internet kaputt und schlecht für die Gesellschaft aussieht. Oder zumindest für Teile der Gesellschaft, nämlich für die Konsumenten. Natürlich wird sich an dem Status Quo durch gopher nichts ändern. Aber es ist schön, wieder etwas von seiner Selbstbestimmung zurück zu bekommen. Eine Art safe space im Internet.