Jahrhunderts
ö fters auf Vitoria gestoß en und hatte das interessante Thema vö lkerrechtsgeschichtlich vertieft. Er hat in vielen bedeutenden Arbeiten, zuerst in einem Aufsatz der Revue de Droit international et de Legislation comparee (Bd. XXI) aus dem Jahre 1889 über “die spanischen Publizisten und die Rechte der Indianer”, immer wieder auf Vitoria hingewiesen und schließ lich 1917, in den von James Brown Scott herausgegebenen “Classics of International Law”, eine sehr gute Edition von
1 Lorimer hatte in seinem Institutes of International Law 1883/4 (von Nys ins Franzö sische übersetzt) auf Vitoria, Soto und Suarez als Begründer des Vö lkerrechts hingewiesen.
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LANDNAHME EINER NEUEN WELT
Vitorias Releccionen “de Indis et de jure belli” verö ffentlicht1. Nys hat mit seinen Arbeiten die Bahn gebrochen und jene Vitoria-Renaissance fundiert, die nach dem ersten Weltkrieg mit so groß er Wirkung hervortrat und heute bereits eine unübersehbare Literatur auf zuweisen hat2.
Die grundsätzliche Intention des Lebenswerkes von Ernest Nys ergibt sich aus seinem Glauben an humanitäre Zivilisation und Fortschritt. Wir dürfen das hier unumwunden aussprechen, weil Nys selber sich mit groß er Offenheit ausdrücklich und ex professo zu seinen Ü berzeugungen bekannt hat, und zwar nicht etwa nur in gelegentlichen Ä uß erungen oder in Festreden bei irgendeinem Jubiläum, sondern in einer wissenschaftlichen und für die moderne Geschichte des Vö lkerrechts sehr wichtigen Abhandlung aus dem Jahre 19083. Die Schrift ist, wie alle Arbeiten des groß en Gelehrten, auß erordentlich inhaltreich und für die Idee der Kriminalisierung des Angriffskrieges, “le crime de l’attaque”, ein Dokument von weltgeschichtlichem Format.
1 Von den Schriften des Ernest Nys nenne ich hier: The Papacy considered in relation to International Law, übersetzt durch den Rev. Ponsonby, London 1879; Le Droit de la guerre et les precurseurs de Grotius, Brüssel 1882; Les Droits des Indiens et les publicistes espagnols, Brüssel 1890; Les initiateurs du droit public moderne, Brüssel 1890; Les Origines du Droit International, 1894.
2 Die Vorträge von Camilo Barcia Trelles in der Academie de Droit International im Haag (Recueil des Cours t. 17, 1927) bedeuten den stärksten Durchbruch für die Weltö ffentlichkeit. Schon im Jahre 1925 hatte Barcia Trelles in einem Vortrag in Salamanca Vitoria sogar als den Vorläufer der Monroedoktrin (Amerika den Amerikanern) gefeiert. Alejandro Alvarez hat die Monroedoktrin als das “wahre Evangelium des Neuen Kontinents” gefeiert (Droit international americain, 1910, S. 33); freilich wird dieses moderne Evangelium mit dem Evangelium, für dessen Predigt Vitoria eingetreten ist, nicht ganz identisch sein. 1928
erschien von J. B. Scott in Valladolid ein Vortrag über den spanischen Ursprung des modernen Vö lkerrechts; ebendort im gleichen Jahr ein Buch von Camilo B. Trelles über Francisco de Vitoria als den Begründer des modernen Vö lkerrechts. Der Madrider Professor Fernandez Prida hat 1930 ein Buch über den Einfluß der spanischen Autoren auf das moderne Vö lkerrecht verö ffentlicht; weitere Angaben bei R.
Octavio im Recueil des Cours der Haager Academie de Droit International Bd. 31 (1930) S. 218 f. In Utrecht hat eine an der dortigen Universität gegründete Vereinigung Vitoria zum Führer in der Frage der Kolonisation proklamiert (van der Molen, Albericus Genlilis, Amsterdam 1937, S. 270 Anm. 14); dazu A.
H. Bö hm, Het recht van kolonisatie, Francisco de Vitoria’s lesson over het recht van kolonisieren in verband met de Spaansche kolonisatie, Utrecht 1936, und Jean Baumel, Les problemes de la colonisation et de la guerre dans l’oevre de Francisco de Vitoria, Montpellier 1936. Diese Notizen mö gen für unseren Zusammenhang genügen. Eine Ü bersicht über weitere Literatur findet man bei Fr. A. Frh. von der Heydte, Franciscus de Vitoria und sein Vö lkerrecht, Zeitschr. f. ö ffentl. Recht XIII (1933) S. 239/40, dann in dem ausgezeichneten ungarischen Werk von L. von Gajzago über den Ursprung des Vö lkerrechts aus der spanischen Schule (Budapest 1942) und bei Jos. Hö ffner a. a. O.
s Idees modernes, Droit International et Franc-Maconnerie (Brüssel 1908).
MODERNE VERWERTUNG VITORIAS