Taanith, Fol. 124b: “… R. Papa verordnete ein Fasten, es kam aber kein Regen. Da wurde er entmutigt; er löffelte eine Schüssel Graupen aus und flehte wiederum, aber es kam kein Regen. Darauf sprach R.
Nachman zu ihm: Wenn du noch eine Schüssel Graupen auslöffelst, so kommt gewiß ein Regen. Und er kam.” “R. Jehuda sagte: Alle Tage ruft ein Widerhall aus: Die ganze Welt wird wegen Chanina, meines Sohnes, ernährt, und Chanina, mein Sohn begnügt sich mit einem Kab Johannisbrot von dem Vorabend des Schabbath bis zum anderen. Sein Weib pflegte am Vorabend
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des Schabbaths den Ofen zu heizen und warf aus Scham etwas hinein, was Rauch verursachte. Sie hatte eine böse Nachbarin, welche sprach: Ich weiß, daß sie nichts hat, was soll dies tun? Sie ging und klopfte an ihre Tür, und jene schämte sich und flüchtete in eine Kammer. Da geschah ihr aber ein Wunder, denn als die Nachbarin in den Ofen schaute, war er voll Brot und die Mulde voll Teig. Da rief sie: Du, du, hole eine Schaufel, dein Brot brennt ja an. Sie war gewöhnt an Wunder.”
Berakhoth, Fol. 5b: “Rabbi Eleazar erkrankte und Rabbi Jochanan besuchte ihn. Da fand er ihn in einem dunklen Zimmer liegen und er entblößte seinen Arm, aus welchem Licht hervor strahlte.”
Baba bathra, Fol. 91b: R. Jochanan sagte: Ich erinnere mich, daß einmal ein Kind Johannisbrot aufbrach und einen Faden Honig auf seine beiden Hände zog. Ich erinnere mich, daß einmal ein Rabe ein Stück Fleisch nahm und einen Faden Fett von der Spitze der Mauer bis auf die Erde floß. Ich erinnere mich, daß einmal Knaben und Mädchen von 16 bis 17 Jahren auf der Straße spielten und nicht sündigten.”
Schabbath, Fol 130a: “R. Jamaj sagte: Die Tephillin erfordern einen reinen Körper, wie Elischa der Flügelmann. Wie ist dies zu verstehen?
Abajje erwiderte: Daß man mit ihnen keine Blähungen von sich gebe.
Raba erwiderte: Daß man mit ihnen nicht schlafe. -Weshalb nennt man ihn Elischa den Flügelmann? Einst verhängte die ruchlose Regierung eine Verfolgung über Jisrael, daß man nämlich demjenigen, der Tephillin auf sein Haupt anlegt, das Gehirn durchbohre. Elischa aber legte die Tephillin an und ging auf die Straße hinaus. Da bemerkte ihn ein Scherge und er lief fort. Als dieser ihm nachgesetzt und ihn ergriffen hatte, nahm er sie von seinem Haupt und hielt sie in der Hand. Dieser fragte ihn: Was hast du da in der Hand? Er erwiderte: Taubenflügel. Darauf
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streckte er seine Hand aus, und es waren wirklich Taubenflügel.
Deshalb nennt man ihn den Flügelmann.”
Taanith, Fol. 23b: “… R. Mani b. Jona pflegte sich bei R. Jizchak einzufinden mit den Worten: Die Reichen des Hauses meines Schwiegervaters ärgern mich. Dieser sprach: So mögen sie arm werden. Und sie wurden arm. Darauf er: Sie bedrängen mich. Dieser: So mögen sie reich werden. Und sie wurden wieder reich. Einst sagte er: Meine Frau gefällt mir nicht. R. Jizchak sprach: Wie heißt sie? Channa (Anna). - Channa soll schön werden. Und sie wurde schön.
Ein andermal sagte er, sie widersetzt sich mir. Jizchak sprach: Wenn dem so ist, so soll Channa wieder häßlich werden. Und sie wurde wieder häßlich. - Zwei Schüler baten ihn: Möge der Herr für uns beten, daß wir weise werden. Dieser erwiderte: Einst besaß ich die Macht, habe sie aber fortgeschickt.”
Megillah, Fol. 7b: “Raba sagte: Am Purimfest muß man soviel trinken, bis man zwischen ‘Verflucht sei Haman!1 und ‘Gepriesen sei Mordekhaj!’ nicht mehr unterscheiden vermag. Rabba und R. Zera hielten zusammen das Purimfest ab, und als sie betrunken waren, stand Rabba auf und schlachtete R. Zera. Am folgenden Tage flehte er um Erbarmen und belebte ihn. Im nächsten Jahr sprach er zu ihm: Möge der Meister kommen, wir wollen zusammen das Purimfest abhalten. Dieser erwiderte: Nicht jederzeit geschieht ein Wunder.”
Chagigah, Fol. 24a: “Eines Tages hatte R. Josa Tagelöhner auf dem Felde gemietet, und es wurde spät und man brachte ihnen kein Brot.
Da sprachen sie zu seinem Sohne: Wir sind hungrig. Da stand dort ein Feigenbaum, und er sprach zu ihm: Feigenbaum, Feigenbaum, gib deine Früchte, daß die Arbeiter meines Vaters zu essen haben. Da brachte er Früchte hervor, und sie aßen. Mittlerweile kam sein Vater und sprach zu ihm: Du hast deinen Schöpfer
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bemüht, daß der Feigenbaum seine Früchte vor der Zeit hervorbringe, so sterbe auch du vor der Zeit! - Er hatte eine sehr schöne Tochter und einmal bemerkte er, wie jemand den Zaun des Gartens einriß, um sie zu sehen. Er fragte ihn: Was soll das? Jener antwortet: Rabbi! wenn ich sie zu heiraten nicht würdig bin, soll ich nicht einmal sie zu sehen würdig sein? Da sprach er: Meine Tochter! Du machst den Leuten Herzleid; kehre zum Staube zurück, damit die Menschenkinder durch dich nicht straucheln. - Er hatte auch eine Eselin, die während des ganzen Tages vermietet wurde. Abends legte man ihr den Lohn auf den Rücken, und sie ging in den Stall heim. Wenn es mehr oder weniger war, so ging sie nicht fort. Eines Tages wurden ein Paar Sandalen auf ihrem Rücken vergessen, und sie ging nicht eher fort, als bis man sie herunternahm.”
Kethuboth, Fol. 111b: “R. Eleazar sagte: Die Leute aus dem
gemeinen Volke (s. Berakhoth Fol. 47b.) werden nicht auferstehen.
Chija sagte: Einst werden die Gerechten in Jerusalem emporsprossen und auferstehen. Dereinst werden die Frommen mit ihren Gewändern auferstehen. Dereinst wird Jisraelland Kuchen (gebackenes Brot) und fertige Kleider hervorbringen. Die Rabbinen sagten: Dereinst wird das Weizenkorn gleich einer Dattelpalme bis an die Spitze der Berge reichen. Der Heilige wird aus seiner Schatzkammer einen Wind herauslassen, der ein Feinmehl herunterblasen wird und der Mensch geht hinaus aufs Feld und holt eine Handvoll und versieht damit sich und seine Hausleute mit Nahrung. Einst wird ein Weizenkorn so groß sein, wie die zwei Nieren eines Ochsen. Wundere dich darüber nicht; ein Fuchs machte sich nämlich ein Nest in einer Rübe und als man die Rübe wog, hatte sie noch 60 Litra nach dem Gewicht von Sepphoris.
R. Joseph erzählte: Einst hinterließ einem sein Vater drei Senfstengel; davon wurde einer gespalten und man fand darin 9 Kab Senfkörner, und mit dem Holze überdachte man eine Töpferhütte. R.
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Schimon b. Tachlipha hat gesagt: Unser Vater hat uns einen Kraut-stengel hinterlassen und wir steigen darauf auf und ab wie auf einer Leiter. In der zukünftigen Welt wird man eine Traube in einem Wagen oder in einem Kahne bringen und sie in einen Winkel des Hauses stellen und daraus wie aus einem großen Faß genießen; es wird keine Traube sein, die nicht 30 Maß Wein faßt. Es wird kein einziger Weinstock in Jisraelland sein, zu dessen Ernte nicht eine ganze Stadt nötig wäre. Es wird keinen fruchtbaren Baum im Lande Jisrael geben, welcher nicht soviel Früchte trägt, als zwei Eselinnen tragen können.”
Cholin, Fol. 7a: “R. Pinchas ben Jair begab sich auf die Reise, um Gefangene auszulösen. Da gelangte er an den Fluß Ginaj. Da sprach er zu demselben: Ginaj, teile das Wasser, damit ich hindurchgehen kann.
Der Fluß antwortete ihm: Du gehst, um den Willen deines Schöpfers zu vollbringen, auch ich gehe, um den Willen meines Schöpfers zu vollbringen. In Bezug auf dich waltet noch Zweifel, ob du es erreichst oder nicht, ich tue es aber gewiß. Da sprach R. Pinchas zum Flusse: Wenn du dich nicht teilst, so verhänge ich über dich, daß niemals Wasser in dir fließen soll. Da teilte sich der Fluß. Neben R. Pinchas stand ein Mann, welcher Weizen zu Pesach trug. Da sprach R. Pinchas zu dem Flusse: Teile dich auch für diesen Mann. Noch war bei ihnen ein Tajite, welcher sie begleitete. Pinchas sprach zu dem Flusse: Teile dich auch für diesen, damit er nicht sage: Also tut man dem Menschen, welcher sie begleitet. Der Fluß teilte sich auch für ihn. Da sprach R. Joseph: Um wieviel ist dieser Mann größer, als Moscheh mit den 600 000, denn dort spaltete sich das Meer nur einmal, hier aber hat sich der Fluß dreimal geteilt. R. Pinchas war so groß wie Moscheh und die 600 000 zusammen.”
Nedarim, Fol. 53b: “… Die Rabbinen lehrten: Einst starb jemandem seine Frau und hinterließ ihm einen saugenden Knaben, er besaß aber nicht die Mittel, eine Amme zu halten. Da geschah
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ihm ein Wunder und es öffneten sich ihm die Brüste wie zwei Frauenbrüste, und er säugte sein Kind.”
Berakhoth, Fol. 54a: “Es ging einmal Mär ben Rabina im Tal von Haraboth und lechzte nach Wasser. Da geschah ihm ein Wunder und es wurde ihm eine Wasserquelle erschaffen, aus der er trank. Ein anderesmal ging er in der Umgebung von Machoza und ein tolles Kamel fiel ihn an, da öffnete sich ihm eine Mauer und er flüchtete sich darin.”
Taanith, Fol. 24b: “… R. Mari sagte: Ich stand am Strande des Flusses Pappa und sah Engel, welche in der Gestalt von Seeleuten Sand brachten, womit sie die Schiffe füllten und woraus feines Mehl wurde.
Da kamen die Leute, um es zu kaufen. Er rief ihnen aber zu: Kaufet es nicht, denn es liegt ein Wunder vor. Am ändern Morgen kamen Kisten mit Weizen von Parsina. R. Chanina befand sich unterwegs, und es kam ein Regen. Er sprach: Herr der Welt! Die ganze Welt befindet sich im Wohlsein, nur Chanina ist in Not. Da hörte das Regnen auf.
Als er nach Hause kam, sprach er: Herr der Welt! Die ganze Welt befindet sich im Wohlsein, nur Chanina ist in Not. Da kam Regen.”
Sanhedrin, Fol. 68a: “R. Eliezer sagte: Einst befand ich mich mit R.
Akiba auf dem Weg; da sprach er zu mir: Meister, lehre mich etwas über die Gurkenpflanzen. Da sprach (ich etwas und das ganze Feld ward voller Gurken. Darauf sprach er zu mir: Meister, du hast mir gezeigt, wie sie gepflanzt werden, zeige mir auch, wie sie gepflückt werden. Da sprach ich etwas und sie wurden alle auf eine Stelle gesammelt.”
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20. JESUS, EINER DER IHREN, DEN SIE ABER GAR
NICHT MÖGEN
Sanhedrin, Fol. 43a: “… Am Vorabend des Pesachfestes hängte man Jeschu (Spottname Jesu). Vierzig Tage vorher hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgehen, weil er Zauberei getrieben und Jisrael zur Sünde verleitet und verfuhrt hat. Wer etwas zu seiner Verteidigung sagen kann, der komme und melde es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, hängte man ihn am Vorabend des Pesachfestes. Ulas sagte: Glaubst du denn, daß zur Verteidigung seiner Unschuld etwas umzuwenden war? Er war ein Verführer u”nd der Allbarmherzige sagt (5. Mos. 13, 8): ‘Du sollst seiner nicht schonen, noch seine Schuld verheimlichen.1 “
Sotah, Fol. 47a: “Als der König Jannaj (Janäus) die Rabbinen tötete, flohen R. Jehoschua ben Parechja und Jeschu nach Alexandrien in Ägypten. Nachdem Frieden eingetreten war, sandte Schimon ben
Satah (der ein Schwager des Königs war) zu ihm: Von mir Jerusalem, der heiligen Stadt, an dich Alexandrien in Ägypten. Meine Schwester, mein Mann weilt in der Mitte und ich sitze da verlassen. Da machte er sich auf und kehrte heim. Als man ihm in einem Gasthaus sehr viel Ehre erwies, sprach er: Wie schön ist die Wirtin. Jeschu entgegnete: Ihre Augen sind fließend. Da sprach Jehoschua zu ihm: Ruchloser, damit befaßt du dich? Dann brachte er 400 Posaunen hervor und tat ihn in den Bann. Darauf kam er wiederholt zu ihm und bat ihn, daß er ihn zurücknehme, er aber beachtete ihn nicht. Eines Tages kam er zu ihm, als er das Schema-Gebot las; er wollte ihn nunmehr aufnehmen und winkte ihm mit der Hand; jener aber dachte, er weise ihn ab. Da ging er fort, stellte einen Ziegelstein auf und betete ihn an. Darauf sprach er zu ihm: Tue Buße! Jener erwiderte: ich habe von dir so übernommen, daß, wenn jemand sündigt und die Menge zur Sünde verleitet, man nicht die Möglichkeit in seine Hand gibt, Buße zu 218
tun. Der Meister (Mär) sagte: Jeschu hat Zauberei getrieben und verleitete Jisrael zur Sünde und verführte es.” (s. Sanhedrin, Fol.
107b.)