Taanith, Fol. 19a: “… Einst sprach man zu Choni (Onias) dem Kreiszeichner: Bete für uns, daß Regen niederfalle. Er antwortete ihnen: Gehet und bringet die Öfen der Pesachopfer herein, damit sie nicht dann zerweicht werden. Darauf betete er, aber es kam kein Regen herab. Was tat er? Er bildete einen Kreis, stellte sich hinein und sprach: Herr der Welt! Deine Kinder haben ihr Gesicht auf mich gerichtet, weil ich wie ein Hausfreund bei dir bin: ich schwöre bei deinem großen Namen, daß ich mich von hier nicht eher rühre, als bis du dich für deine Kinder erbarmt hast. Da begann Regen herabzuträufeln. Er sprach: Nicht um solchen Regen habe ich dich gebeten, sondern um Regen für Brunnen, Gruben und Höhlen. Da kam ein heftiger Regen. Er sprach: Nicht um solchen Regen habe ich dich gebeten, sondern um einen guten, gesegneten und wohltätigen Regen.
Da floß der Regen ordentlich herab, bis die Jisraeliten aus Jerusalem auf den Tempelberg wegen des Regens stiegen. Faßgroße Tropfen sind gefallen.”
Fol. 23b: “Chanan der ‘Versteckte’ war ein Sohn der Tochter Chonis des Kreiszeichners, und wenn man des Regens bedurfte, schickten die Rabbiner Schulkinder zu ihm, die ihn an den Rockschößen faßten und riefen: Vater, Vater, gib uns Regen! Weshalb hieß er der Versteckte? Weil er sich in dem Abort zu verstecken pflegte.”
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Berakhoth, Fol. 34b: “Wer beim Beten sich irrt, für den ist es ein böses Zeichen. Man erzählt von R. Chanina ben Dosa, daß er, wenn er für Kranke betete, zu sagen pflegte, dieser werde leben, jener werde sterben. Man fragte ihn: Woher weißt du dies? Er erwiderte: Ist mir mein Gebet im Munde geläufig, so weiß ich, daß es angenommen wird, wenn nicht, so weiß ich, daß es nicht gewährt wurde.”
Fol. 3a: “… Rabbi Jose erzählte: Als ich einst auf Reisen war, trat ich in eine von den Ruinen Jerusalems ein, um zu beten. Da kam Elijahu (Prophet Elias) und erwartete mich am Eingange; er verweilte da, bis ich mein Gebet beendet hatte. Nachdem sprach er zu mir: Friede sei mit dir, mein Herr! Darauf erwiderte ich ihm: Friede sei mit dir, mein Herr und Meister! Er sagte dann zu mir: Mein Sohn, weshalb bist du in diese Ruine eingetreten? Ich erwiderte ihm: Um zu beten. Da
sprach er zu mir: Du hättest ja auf der Straße beten können. Ich erwiderte ihm: Ich befürchtete, von den Vorübergehenden gestört zu werden. Darauf sprach er zu mir: Du hättest ja kurze Gebete verrichten können. Er sprach ferner zu ihm: Mein Sohn, was sagte die Stimme, die du in dieser Ruine gehört hast? Ich erwiderte ihm: Ich hörte den Widerhall einer Stimme, die wie eine Taube gurrte und sprach: Wehe, daß ich mein Haus zerstört, meinen. Tempel verbrannt und meine Kinder unter die Völker verbannt habe. Darauf sprach er zu mir: Bei deinem Leben, beim Leben deines Hauptes, - nicht allein zu dieser Stunde, sondern dreimal an jedem Tag (sprich sie so). Und nicht nur das, sondern auch zur Stunde, da die Jisraeliten in die Bet-und Lehrhäuser eintreten und rufen: Amen, gepriesen sei sein großer Name, - schüttelt der Heilige sein Haupt und spricht: Wohl dem König, den man in seinem Hause preist, und wehe den Kindern, die vom Tische ihres Vaters vertrieben wurden.”
Taanith, Fol.23a: “… Abba Chilkija war der Enkel Chonis des Kreiszeichners, und wenn man des Regens bedurfte, schickten die 190
Rabbiner die Jünger zu ihm, daß er um Regen flehe. Die Jünger trafen ihn nicht zu Hause; hierauf gingen sie aufs Feld und trafen ihn beim Graben. Sie grüßten ihn, er aber wandte ihnen sein Gesicht nicht zu.
Als er abends das Holz nach Hause trug, nahm er das Holz und die Schaufel auf die eine Schulter und das Gewand auf die andere Schulter. Zu Hause setzte er sich und speiste, lud aber die Jünger nicht ein, mit ihm zu speisen. Nach dem Nachtmahl sprach er zu seiner Frau: Ich weiß, daß die Rabbiner wegen des Regens gekommen sind; wollen wir auf den Söller gehen und um Erbarmen flehen? Sodann stiegen sie auf den Söller, er stellte sich in die eine Ecke zu beten und sie in die andere, und die Wolken kamen zuerst von der Seite der Frau. Erst als er herunterkam, hat er die Rabbiner gefragt, warum sie gekommen sind.”
Menachoth, Fol. 44a: “R. Meir sagte: Der Mensch ist verpflichtet, täglich folgende drei Segenssprüche zu sprechen: Gebenedeit sei Gott, daß er mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hat, daß er mich nicht zu einem Weib gemacht hat, daß er mich nicht zu einem Unwissenden gemacht hat.” (s. Orach Chajim46.) Berakhoth, Fol. 7a: “Woher (wissen wir), daß der Heilige betet? Es heißt (Jsai. 56, 7): Ich werde sie nach meinem heiligen Berge bringen und sie in meinem Bethaus erfreuen. Daraus folgt: daß der Heilige betet. Was betet er? R. Zutra b. Tobias erwiderte im Namen Rabba: Es möge mein Wille sein, daß meine Barmherzigkeit meinen Zorn bezwinge, daß meine Barmherzigkeit sich über meine Eigenschaften wälze, daß ich mit meinen Kindern nach der Eigenschaft der Barmherzigkeit verfahre und daß ich ihretwegen innerhalb der Rechtslinie trete.”
Taanith, Fol. 25a: “Einst sprach das Weib zu R. Chanina: Wie lange
werden wir uns noch ärgern müssen? Bete zu Gott, daß er dir etwas gibt. Er betete und es ragte eine Art Hand hervor und 191
gab ihm einen Fuß von einem goldenen Tische. Darauf sah sein Weib im Traume: Die Gerechten werden einst an einem goldenen Tische mit drei Füßen sitzen, du aber an einem Tische mit zwei Füßen. Er betete dann zu Gott und dieser nahm den Fuß wieder von ihm.”
12. VORSICHT BEI GELÜBDEN UND SCHWUREN
Aboda zara, Fol. 28a: “Als R. Jochana an Scharbok (Zahnschmerzen) litt, ging er zu einer nichtjüdischen Matrone, um sich von ihr heilen zu lassen. Sie behandelte ihn am fünften Tage (Donnerstag) und am Vorabend des Schabbaths. Da sprach er zu ihr: Was soll ich morgen tun (weil ich ja wegen der Schüler der Weisen nicht zu dir kommen kann)? Sie antwortete: Du wirst es nicht nötig haben. - Wenn ich es aber doch nötig hätte, was soll ich tun? - Die Matrone antwortete: Schwöre mir, daß du dieses Geheimnis nicht entdecken wirst! Er schwur ihr: Dem Gotte Jisraels werde ich es nicht offenbaren. Die Matrone hat aber verstanden: bei Gott. Er sagte aber: Dem Volke Jisrael will ich es offenbaren. Nun offenbarte sie es ihm. Am ändern Tage (am Schabbath) trug er das Geheimnis wirklich öffentlich vor.
Hatte er denn aber nicht beim Gotte Jisraels geschworen, daß er es nicht entdecken solle? Nein; er hatte ihr ja geschworen: Dem Gotte Jisraels entdecke ich es nicht (der weiß es ja von selbst!), aber dem Volke Jisraels entdecke ich es schon. Ist das nicht eine Entweihung des Gottesnamens? Nein; denn er hat es ihr sofort kundgetan, daß er es entdecken werde.”
Sanhedrin, Fol. 64a: “… R. Jehuda erzählte: Einst erkrankte eine Nichtjüdin sehr schwer; da gelobte sie, daß sie, wenn sie von ihrer Krankheit genesen sollte, gehen und sämtlichen Götzen der Welt dienen werde. Als sie genas und an den Peor (Fegor) herankam, 192
fragte sie die Pfaffen, wodurch dieser verehrt werde; diese erwiderten ihr: Man esse Mangold und trinke Rauschtrank (diese Genußmittel wirken abführend) darauf. Da sprach sie: Lieber werde ich wieder krank, als einen Götzen auf diese Weise zu verehren. -Einst vermietete Sabta seinen Esel an eine Nichtjüdin; als sie an einen Peorgötzen herangekommen waren, sprach sie zu ihm: Warte, bis ich hineingegangen und herausgekommen sein werde. Nachdem sie herausgekommen war, sprach er zu ihr: Warte nun auch du, bis ich hineingegangen und herausgekommen sein werde. Da sprach sie zu ihm: Bist du denn nicht ein Jude? Dieser erwiderte: Was geht dich dies an? Darauf ging er hinein, entleerte sich vor dem Peor und wischte sich an seiner Nase ab. Da lobten ihn die Pfaffen, indem sie sprachen: Noch nie hat unseren Gott jemand auf diese Weise verehrt.”
Kalla, Fol. 18b: “Als einmal die Ältesten an dem Tore saßen, gingen zwei Knaben vor ihnen vorbei; der eine bedeckte sein Haupt (aus Ehrfurcht), der andere aber entblößte das seine (aus Mangel an Achtung für die sitzenden Ältesten). Da sagte der Rabbi Eliezer: Derjenige, welcher sein Haupt entblößte, ist ein Hurenkind. Rabbi Jehoschua sagte, er sei ein Menstruationskind. Rabbi Akiba aber sprach, er sei ein Mamser und Ben-hannidah. Da sprachen sie zu R.
Akiba: Wie darfst du das Herz haben, deinen Mitgenossen zu widersprechen? Er aber antwortet: Ich werde es aber beweisen. Er ging also zur Mutter des Knaben, welche auf dem Markte saß und Hülsenfrüchte verkaufte, und sprach zu ihr: Meine Tochter, wenn du mir etwas, das ich dich fragen werde, beantwortest, so werde ich dich in das zukünftige (ewige) Leben bringen. Da sagte sie zu ihm: Schwöre es mir beim Namen (Gottes)! Hierauf schwur R. Akiba mit seinen Lippen, in seinem Herzen aber machte er den Eidschwur wieder zunichte, und fragte sie: Wie ist es mit deinem Sohn bewandt?
Da antwortete sie: Als ich Hochzeit hielt, war ich unrein und mein Mann sonderte sich von mir ab. Es kam aber mein Brautführer zu mir und von ihm
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habe ich diesen Sohn. Es ist also befunden, daß dieser Knabe ein Mamser und Ben-hannidah sei. Hierauf sprachen die Ältesten: R.
Akiba ist groß, indem er seine Rabbiner des Irrtums überwiesen hat.
Und in derselben Zeit sprachen sie: Gesegtnet ist der Herr, Gott Jisraels, der sein Geheimnis dem R. Akiba ben Jose endeckt hat!”