7. VOM LEBEN UND TREIBEN DER DIENSTENGE

Sanhedrin, Fol. 105a: “Die Dienstengel sprachen vor dem Heiligen: Herr der Welt, wenn David, der den Philister getötet und deine Kinder Gath (Geth) erben ließ, vor dich treten wird (und seine Feinde Doeg und Achitophel sehen wird), was tust du dann? - Für mich ist es, sie miteinander zu befreunden. - Eine trotzige Antwort gab die Gemeinschaft Jisraels dem Propheten. Der Prophet sprach nämlich zu Jisrael: Tut Buße; wo sind denn eure Väter, die gesündigt haben?

Diese erwiderten: Wo sind denn eure Väter, die nicht gesündigt haben?”

Schabbath, Fol. 88b: “… R. Jochanan sagte: jedes Wort, das aus dem Munde des Heiligen hervorging, wurde in siebzig Sprachen 183

zerteilt. R. Jehoschua sagte: Der Heilige brachte aus seiner Vor-ratskammer einen Wind hervor, der fortwährend den vorhergehenden fortwehte. Bei jedem einzelnen Satze, der aus dem Munde des Heiligen hervorkam, hauchte Jisrael die Seele aus; der Herr ließ aber einen Tau niedersteigen, mit dem er dereinst die Toten beleben wird, und belebte sie wieder. Bei jedem einzelnen Satze, der aus dem Munde des Heiligen hervorkam, bebten die Jisraeliten zwölf Mil rückwärts und die Dienstengel ließen sie heranhüpfen.

R. Jehoschua sagte: Zur Stunde, da Moscheh in die Höhe stieg, sprachen die Dienstengel vor dem Herrn: Herr der Welt, was soll ein Weibgeborener (suchen) unter uns? Er erwiderte ihnen: Er kam die Thora in Empfang zu nehmen. Da sprachen sie zu ihm: Die Köstliche und Verwahrte, die du seit (den 6 Schöpfungstagen) 974 Generationen vor der Weltschöpfung verborgen gehalten hast, willst du einem

(Menschen aus) Fleisch und Blut geben? Darauf sprach der Heilige zu Moscheh: Antworte ihnen! … Zur Stunde, da Moscheh vom Heiligen fortgegangen war, kam der Satan und sprach vor ihm: Herr der Welt, wo ist die Thora? Der Herr erwiderte: Ich habe sie der Erde gegeben…

Zur Stunde, da Moscheh in die Höhe stieg, traf er den Heiligen für die Buchstaben (der Thorarolle) Kränze winden… Da sprach er zu ihm: Kennt man in deiner Ortschaft keinen Gruß? Da sprach dieser vor ihm: Grüßt etwa ein Knecht seinen Herrn? Du solltest mir Erfolg wünschen.”

Baba bathra, Fol. 11 a: “Die Dienstengel sprachen vor dem Heiligen: Herr der Welt, du hast gesagt, daß, wenn jemand eine Seele von Jisrael erhält, es ebenso sei, als hätte er die ganze Welt erhalten (s.

Sanhedrin, Fol. 37a.) und Benjamin der Gerechte, der eine Frau mit ihren sieben Kindern am Leben erhalten hat, sollte nun nach wenigen Jahren sterben? Sofort zerriß man seinen Gerichtsbeschluß. Es wird gelehrt: Man fuge ihm noch 22 zu seinen Lebensjahren zu.”

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Chagigah, Fol. 14a: “Schemuel sprach zu R. Chija ben Rabh: Gelehrtersohn, komm, ich will dir etwas von den schönen Dingen sagen, die dein Vater gesagt hat. An jedem Tage werden Dienstengel aus dem Feuerstrome erschaffen, singen das Loblied und verschwinden. R. Schemuel sagte: Aus jedem Worte, das aus dem Munde des Heiligen hervorkommt, wird ein Engel erschaffen.”

Megilla, Fol. 15a: “… ‘Und die Königin wurde von heftigem Schmerze ergriffen’ Rabh erklärte: Sie bekam Monatsblutung. Jeremja sagte: Sie bekam Notdurft. ‘Und es geschah, als der König Esther stehen sah’

(usw). R. Jochanan sagte: In dieser Stunde stellten sich drei Dienstengel zu ihr; einer richtete ihren Hals hoch, der andere zog den Faden der Liebe über sie und der dritte dehnte das Szepter des Königs aus, und zwar nach Jirmeja auf zwölf Ellen. Nach anderen auf 16 - 24

- 60 - 200 Ellen!”

8. ÜBER DIE TODESENGE

Kethuboth, Fol. 77b: “… R. Chanina b. Papa war ein Vertrauter des Todesengels (nach seiner Handschrift) und als er sterben sollte, ging der Todesengel auch zu ihm, um seinen Willen zu tun. Er aber sprach zu ihm: Laß mich noch dreißig Tage leben, um mein Studium zu wiederholen. Der Todesengel gestattete es ihm. Nach dreißig Tagen kam er wieder und zeigte sich ihm: R. Chanina sprach zu ihm: Zeige mir meinen Platz im Paradiese. Der Todesengel erwiderte: Es sei!

Darauf der Rabbi: Gib mir dein Messer, denn du könntest mich auf dem Wege erschrecken. Jener aber erwiderte: Du willst wohl mit mir ebenso verfahren, wie dein Genösse! Da sprach er zu ihm: Bringe mir eine Thorarolle und siehe zu, ob darin etwas geschrieben steht, was ich nicht gehalten habe. Hast du dich nicht einem Flußbehafteten angeschmiegt und dabei

 

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die Thora studiert? Als er aber gestorben war, kam dennoch eine Feuersäule herab und stellte sich zwischen ihm und die Gemeinde.” (s.

Fol 17a.)

Mo’ed katan, Fol. 28a: “Rab Seoram, der Bruder R.abas, saß vor Raba; da sah er, daß er in der Agonie liegt. Da sprach Raba zu ihm: Sage doch dem Todesengel, daß er mich nicht so sehr quäle. Rab Seoram entgegnete ihm: Ist der Herr nicht sein Vertrauter? Raba antwortete: Wenn das Gestirn einmal angekommen ist, so kehrt es sich nicht an mich. Darauf Rab Seoram: Hat der Herr Schmerzen? Rab antwortete: Ungefähr solche wie beim Aderlaß. -Raba saß vor Rab Nachman und sah, daß er« in Agonie liegt. Dieser sprach zu ihm: Möchte der Herr doch den Todesengel bitten, daß er mich nicht quäle.

Jener antwortete: Ist der Herr nicht ein angesehener Mann? Darauf dieser: Wer ist denn bei ihm geachtet? Darauf bat jener: Der Herr erscheine mir im Traume. Als er ihm später erschien, fragte er: Hatte der Meister Schmerzen? Dieser erwiderte: Wie man ein Haar aus der Milch zieht. Und wenn der Heilige zu mir spräche: Gehe in diese Welt zurück, wo du warst, und dann komme zurück, dennoch würde ich es nicht tun aus Angst vor dem Todesengel. - Dem R. Sescheth erschien der Todesengel auf dem Markte. Da sprach er zu ihm: Soll ich wie ein Vieh auf der Straße sterben? Da ging er mit ihm nach Hause und kam ihm dort bei. - Dem R. Aschi erschien der Todesengel auf der Straße.

Da sprach er zu ihm: Gib mir noch 30 Tage Frist, damit ich mein Studium wiederhole, denn es heißt: Heil dem, der da mit seinem Studium in der Hand kommt. Am dreißigsten Tage stellte sich der Todesengel wieder ein. Da sprach er zu ihm: Weshalb diese Eile? Ist denn der dreißigste Tag schon vorüber? Der Todesengel antwortete: Der Fuß des Sohnes Nathans drängt (er wollte schon in deine Stelle treten) und eine Regierung berührt die andere nicht um ein Haar. Dem R Chisda konnte der Todesengel nicht beikommen, weil sein Mund vom Studieren nicht abließ. Da stieg er auf eine Zeder beim Haus Rabs, und die Zeder brach; da hielt er

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einen Moment inne, und der Todesengel bemächtigte sich seiner. Dem R. Chija konnte sich der Todensengel auch nicht nähern; Da erschien er ihm eines Tages als ein Armer und klopfte an seiner Tür und rief: Gebt mir ein Stück Brot! R. Chija sprach: gebt ihm! Dann sprach er: Der Herr hat Mitleid mit dem Armen, weshalb hat er kein Mitleid mit mir? Hierauf offenbarte er sich ihm und zeigte ihm eine Feuerrute; da lieferte er sich ihm aus.”

Chagigah, Fol. 4b: “R. Joseph weinte, wenn er an den Schriftvers kam (Sprü. 13, 23): “Und mancher wird unschuldig weggerafft.’ Er sprach: Sollte denn ein Mensch vor seiner Zeit dahingehen? - In der Tat, denn R. Bebaj (Bibi) ben Abajje, bei dem sich der Todesengel zu

befinden pflegte, hörte einst, wie der Todesengel zu seinem Boten sprach: Geh’ und hole mir Mirjam die Frauenhaarflechterin. (s.

Schabbath, Fol. 104b.) Dieser ging und brachte ihm Mirjam, die Kindererzieherin. Der Todesengel sprach: Ich wollte Mirjam, die Haarflechterin der Frauen. So werde ich diese zurückbringen antwortete der Bote. Der Todesengel erwiderte: Wenn du sie einmal hergebracht hast, so soll sie nur bleiben, unter der Zahl derer, die mir anheimgefallen sind. Wie hast du dich aber ihrer bemächtigt (indem ihre Sterbezeit noch nicht da war)? Der Bote erwiderte: Sie nahm einen brennenden Span (Schürholz) in die Hand und heizte den Ofen, und es fiel ihr aufs Knie, und so verbrannte sie sich. Ihr Gestirn wollte es, daß es so geschehe und ich holte sie. R. Bebaj fragte jetzt den Todesengel: Habet ihr Recht, so zu verfahren? ‘Mancher wird ohne Recht dahingerafft?’ Der Rabbi sprach: Es heißt doch aber (Pred. l, 4): ‘Ein Geschlecht geht fort und ein Geschlecht kommt.’ Darauf der Todesengel: Ich überliefere sie nicht dem Duma (Wächter des Todes), sondern sie wälzen sich mit mir und schwärmen in der Welt umher, bis ihre Jahre voll geworden sind. Darauf der Rabbi: Und zuletzt, was geschieht dann? Ist derjenige ein Schriftgelehrter, so wird ihm ein Ersatz dafür gewährt.”

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9. ÜBER DIE FASTENTAGE.

Taanith, Fol. 12b: “Einst traf R. Jehoschua bei R. Aschi ein, und es wurde ihm zu Ehren ein dreijähriges Kalb bereitet. Man sprach zu ihm: Möge der Herr doch davon kosten! Er antwortete: Ich habe heute Fasten. Da sprach er zu ihm: So möge doch der Meister das Fasten verschieben und es ein andermal fortsetzen. Ist der Herr nicht der Meinung des R. Jehuda, welcher sagt: Der Mensch kann sein Fasten verschieben und ein andermal bezahlen? Er sprach: Ich faste wegen eines (bösen) Traumes, und Rabba hat gesagt: Das Fasten wirkt auf den Traum wie Feuer auf Werg. Nach R. Chisda muß es aber am selben Tage geschehen, und R. Jose sagte, selbst wenn derselbe Tag ein Schabbath wäre. Sind die Fasttage vorüber, ohne daß das Volk erhört worden ist, so verfügt das Gericht drei andere allgemeine Fasttage. Das Arbeiten, das Baden, das Schmieren, Anziehen der Sandalen und der Beischlaf sind verboten, und man schließe die Badehäuser. Sind auch diese vorüber, ohne daß man erhört wurde, so verfügt das Gericht noch sieben allgemeine Fasttage. Diese sind strenger als die ersten, indem man an diesen Lärm bläst und die Kaufläden schließt. Sind auch diese vorüber, ohne daß man erhört wurde, so vermindere man den Kauf und Verkauf, das Bauen, das Pflanzen, die Verlobungen, die Heiraten und die gegenseitigen Grüße.

Die Einzelnen beginnen wiederum zu fasten, bis der (Monat) Nisan vorüber ist. Kommt der Regen, nachdem der Nisan vorüber ist, so ist dies ein Zeichen des Fluches.”

Fol. 25a: “… R. Ghana ordnete ein Fasten an, aber es kam kein Regen.

Endlich sprach er: Himmel, Himmel! verhülle dein Angesicht! Der

Himmel verhüllte es aber nicht. Da sprach er: Wie frech ist der Himmel! Da kam Regen.”

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