21. FAMILIENKLATSCH AUS DEM HAUSE ABRAHAM-SARAH

Baba mezia, Fol. 87a: „Abraham aß profanes Brot und Sarah bekam an jedem Tag ihre Menstruation. - Wieviel Kinder säugte denn Sarah?

R. Levi erklärte: An jenem Tag, an welchem Abraham seinen Sohn Jizchak entwöhnte, veranstaltete er ein großes Gastmahl. Da räsonierten alle Völker der Welt und sprachen: Habt ihr gesehen, dieser Greis und diese Greisin haben einen Findling von der Straße heimgebracht und sagen, er sei ihr Sohn, und sie ver-110

anstalten sogar ein großes Gastmahl, um ihre Worte zu bestätigen.

Was tat nun unser Vater Abraham? Er ging und lud alle bedeutenden Leute des Zeitalters ein und Sarah lud ihre Frauen ein. Von diesen brachte jede ihr Kind mit, ohne jedoch die Amme mitzunehmen. Da geschah ein Wunder an unserer Mutter Sarah und es öffneten sich ihre Brüste, gleich zweier Quellen, und sie säugte sie alle. Aber noch immer räsonierten sie und sprachen: Wenn schon die neunzigjährige Sarah geboren hat, sollte auch der hundertjährige Abraham gezeugt haben? Sogleich verwandelte sich das Gesicht Jizchaks nach dem des Abraham. Hierauf hüben sie alle an und sprachen: Abraham zeugte Jizchak. - Bis Abraham gab es keine Alterung; wer mit Abraham sprechen wollte, sprach mit Jizchak und wer mit Jizchak sprechen wollte, sprach mit Abraham. Da kam Abraham und flehte um Erbarmen, da entstand die Alterung. Bis Jakob gab es keine Krankheit, bis Elisa gab es keine Genesung. Elisa selber erkrankte dreimal.”

Menachoth, Fol. 58b: „In der Stunde, da der Tempel zerstört wurde, traf der Heilige Abraham im Tempel stehend. Der Heilige sagte: Was sucht mein Geliebter in meinem Hause? Dieser antwortete: Ich bin in der Angelegenheit meiner Kinder gekommen. Er erwiderte: Deine Kinder haben gesündigt und sind vertrieben worden. Abraham sprach: Vielleicht haben sie unvorsätzlich gesündigt? Der Heilige antwortete: Bosheit verübt. Abraham sagte: Vielleicht hat nur die Minderheit gesündigt? Der Heilige antwortete: Die Mehrheit. Abraham sagte: Du sollst ihnen die Beschneidung bedenken. Der Heilige erwiderte: ‘Das heilige Fleisch ließen sie entfernen.’ (Jerem. 11,15) Abraham sagte: Vielleicht hätten sie, wenn du auf sie gewartet hättest, Buße getan?

Der Heilige antwortete: ‘Das ist dein Unglück, wenn du darüber froh-lockst.’ (Jerem. 11,16) Hierauf schlug Abraham die Hände über das Haupt und schrie und weinte, indem er sprach: Vielleicht gibt es gar kein Mittel für sie? Da ertönte ein Widerhall und sprach zu ihm: ‘Einen frischgrünen Olivenbaum mit schöner Frucht, nannte

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dich der Herr.’ (Jerem. 5,16) Also, wie der Olivenbaum seine Zukunft erst spät erreicht; ebenso erreichen die Jisraeliten ihre Zukunft erst spät.”

Schabbath, Fol. 89b: „Dereinst wird der Heilige zu Abraham sprechen: Deine Kinder haben gegen mich gesündigt. Er wird aber erwidern: Herr der Welt! So mögen sie wegen der Heiligung deines Namens zugrunde gehen! Dann wird er sprechen: Ich werde es Jakob sagen, er hat die Leiden der Kindererziehung gefühlt, vielleicht wird er für sie um Erbarmen flehen. Darauf wird er zu ihm sprechen: Deine Kinder haben gesündigt. Und er wird erwidern: So mögen sie zugrunde gehen. Da wird er sprechen: Weder ist bei den Alten Vernunft, noch bei den Jungen Rat zu finden. Alsdann wird er zu Jezchak sprechen: Deine Kinder haben gegen mich gesündigt. Und dieser wird erwidern: Herr der Welt! Wie heißt ‘meine Kinder’? Sind sie denn auch deine Kinder? Als sie vor dir gesprochen haben: ‘Wir werden tun, wir werden hören’, nanntest du sie ‘Meinen erstgeborenen Sohn’, jetzt aber sprichst du von meinen Kindern! Ferner haben sie etwa viel gesündigt? Das menschliche Leben hat 70 Jahre (Ps. 89); wenn man von diesen 20 abzieht (die Kinder-und Jugendjahre) für die du mich bestrafst, so bleiben 50; wenn man von diesen wieder 25

Jahre für die Nächte abzieht, so bleiben 25 Jahre; von diesen ziehe ferner das Beten, Essen und Verrichten der Notdurft 12 1/2 ab, so bleiben 12 1/2 ; willst du alles auf dich nehmen, so ist es recht; wo nicht, nehme ich die Hälfte auf mich; wenn du aber auch dies nicht tust, so nehme ich alles auf mich, ich habe mich ja für dich opfern lassen.”

Jabmuth, Fol. 63b: „… R. Ami sagte: Abraham und Sarah waren geschlechtslos. R. Nachman sagte: Unsere Mutter Sarah war unfruchtbar, sie hatte nicht einmal selbst eine Gebärmutter.” Hier sollte man wieder mit Reinhold Mayer sprechen (S. 11): „ Vieles von dem, was diese Lehrer Israels aufgezeichnet haben, ist heutigen Menschen unmittelbar verständlich. ”

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Baba bathra, Fol. 58a: „Einst zeichnete R. Banaah die Grüfte, und als er an die Gruft Abrahams kam, traf er Eliezer, den Knecht Abrahams, vor der Tür stehen. Da fragte er ihn, was Abraham tue. Dieser erwiderte: Er liegt am Busen der Sarah und sie untersuche ihm die Haut. Da sprach er zu ihm: Geh, melde mich, Banaah stehe an der Tür. Jener sprach: Er mag eintreten; es ist ja bekannt, daß in dieser Welt der böse Trieb nicht vorhanden ist. Da ging er hinein, sah sich um und kam heraus. Hierauf gelangte er zur Gruft Adams. Da ertönte ein himmlischer Widerhall und sprach: Du hast das Bild meines Ebenbildes geschaut, mein Ebenbild darfst du aber nicht schauen. Ich muß ja aber die Gruft messen. - Das Maß des Inneren gleicht dem

Maß des Äußeren. Und nach demjenigen, welcher sagt, es waren zwei Stöcke, einer über dem anderen: das Maß des Unteren gleicht dem Maß des Oberen. R. Banaah erzählte: Ich schaute seine beiden Fußballen und sie glichen zwei Sonnenkugeln. - Jede andere war Sarah wie ein Affe vor einem Menschen; Sarah war Chava (Eva) wie ein Affe vor einem Menschen; Chava vor Adam und Adam vor der Gottheit wie ein Affe vor einem Menschen.”

Fol. 12b: „… R. Eleazar erklärte: Die Sternkunde wohnt im Herzen unseres Vaters Abraham und alle Könige des Morgenlandes wandten sich in aller Frühe an seine Tür. Ein Edelstein hing an seinem Hals und jeder Kranke, der ihn sah, genas sofort. Als er aus der Welt schied, hing der Heilige diesen Stein an das Sonnenrad.”

Baba mezia, Fol. 86b: „… Es war der dritte Tag seit der Beschneidung Abrahams, und der Heilige kam, um sich nach Abraham zu erkundigen. Der Heilige ließ die Sonne aus ihrem Futteral heraustreten, damit dieser Fromme nicht durch Gäste belästigt werde.

Er schickte Eliezer hinaus, dieser ging hinaus, traf aber niemanden.

Alsdann ging er selber hinaus und traf den Heiligen an der Tür stehen.

Als Gott sah, daß er die Wunde an der Beschneidungsstelle verband und löste, sprach er: Es ist keine Art,

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hier zu stehen. - Wer waren die drei Männer? Michael kam, um Sarah die Botschaft zu bringen, Raphael kam, um Abraham zu heilen und Gabriel kam, Sedom zu zerstören.”

22. ÜBER SCHEIDUNGEN

Nedarim, Fol. 5b: „Der Text des Scheidebriefes lautet: Du bist nun jedem Menschen erlaubt. R. Jehuda sagt: Man schreibe noch zu: Dies diene dir von mir als Scheidungsschrift und Entlassungsbrief.”

Fol. 20b: „Einst kam eine Frau vor R. Rabbi und sprach: Rabbi, ich richtete meinem Manne den Tisch her, er aber hat ihn umgewendet (auf unnatürliche Weise). Er antwortete ihr: Meine Tochter, die Thora hat dich preisgegeben, was soll ich da für dich tun? - Einst kam eine Frau vor Rabh und sprach: „Rabbi, ich richtete” usw. „Er antwortete: Damit ist es nicht anders, als mit einem Fische (den man vom Fänger holt).”

Sanhedrin, Fol. 11a: „Von R. Meir wird es gelehrt: Einst kam eine Frau in das Lehrhaus des R. Meir und sprach zu ihm: Einer von euch hat mich durch Begattung geehelicht. Da stand R. Meir auf, schrieb ihr einen Scheidebrief und überreichte ihn.ihr; darauf standen alle übrigen auf, schrieben ihr Scheidebriefe und überreichten sie ihr.”

Jabmuth, Fol. 118b: Mischnah: „Wenn jemand sich eine Frau von fünfen angetraut und nicht weiß, welche er sich angetraut hat, und

jede sagt: Mich hat er angetraut, so gebe er jeder einen Scheidebrief, lege die Morgengabe in ihre Mitte und entferne sich.”

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23. NEUES VOM MOSCHEH (MOSE).

Schabbath, Fol. 89a: „R. Jehoschua sagte: Als Moscheh in die Höhe stieg, sprach er zu den Jisraeliten: Nach Ablauf von vierzig Tagen, zu Anfang der sechs Stunden (d.i. um 6 Uhr in der Frühe) komme ich zurück. Nach Ablauf der vierzig Tage kam der Satan und brachte Verwirrung in die Welt. Er sprach zu ihnen: Wo ist euer Meister Moscheh? Die sechs Stunden sind ja bereits verstrichen! Sie aber beachteten ihn nicht. - Er ist gestorben. Sie aber beachteten ihn nicht.

Da zeigte er ihnen das Bild seiner Bahre. Dann forderten sie von Aharon, daß er ihnen Götzenbilder verfertigen soll. (Mos. 32,1.)”

Nedarim, Fol. 38a. R. Chama b. Chanina sagte: Moscheh ist nur von Abfällen der Gesetztafeln reich geworden. Rabh und Schemuel sagten: Fünfzig Tore der Weisheit sind in der Welt erschaffen worden und außer einem alle sind dem Moscheh verliehen worden. R.

Jochanan sagte: Anfangs lernte Moscheh die Thora und er vergaß sie wieder, bis sie ihm endlich als Geschenk verliehen wurde.”

Makkoth, Fol. 11b: „Die ganzen vierzig Jahre, während welcher die Jisraeliten in der Steppe verweilten, wackelten die Gebeine Jehudas im Sarg herum, bis Moscheh kam und für ihn um Erbarmen flehte. Da setzten sich seine Gebeine zusammen. Als man ihn aber darauf nicht in das himmlische Kollegium hineinlassen wollte, sprach er: „Zu seinem Volk bringe ihn.” (s. Baba kamma Fol. 92a.) 115

24. NEUES ÜBER SCHELOMOH (SALOMO)

Erubin, Fol. 14b: Das Meer, welches Schelomoh gemacht hatte, faßt 150 Tauchbäder und umfaßt 500 Quadratellen.”

Baba mezia, Fol. 86b: „Schelomoh hatte tausend Weiber und jedes bereitete ihm eine Mahlzeit in ihrer Wohnung, denn jedes glaubte, er werde heute bei ihr speisen.”

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