5. DIE RATSCHLAGE DER WEISEN

Sanhedrin, Fol. 94b: “Rabina sagte: Wenn jemand sich ängstigt, so sein Geist sieht etwas, obgleich er körperlich nichts sieht. Was mache er nun? Er hüpfe vier Ellen von seinem Platz, oder er lese das Schema-Gebet. Wenn er sich aber auf einer schmutzigen Stelle befindet, so spreche er wie folgt: Die Ziege beim Schlächter ist fetter als ich.”

Schabbath, Fol. 13a: “Es fragten die Schüler den R. Schimon ben Eleazar: Darf die Menstruierende zusammen mit ihrem Mann schlafen, wenn beide ihre Gewänder anhaben? R. Joseph erwiderte: Komm und höre: Geflügel darf mit Käse auf einen Tisch aufgetragen, jedoch nicht zusammen gegessen werden, - so die Schule Schammajs;

die Schule Hillels verbietet es.”

Sanhedrin, Fol. 98a: “Jehoschua traf einst Elijahu am Eingang der Höhle des R. Schimon stehen; da sprach er zu ihm: Werde ich in die zukünftige Welt kommen? Jener erwiderte: Wenn es dem Herrn gefällig sein wird. - Wann wird der Messias kommen? -Geh, frag ihn selbst. - Wo befindet er sich? - Am Tor Roms. - Darauf ging er zu ihm und sprach zu ihm: Friede mit dir, Herr und Meister! - Friede mit dir, Sohn Levis! - Wann kommt der Meister?

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-Heute!”

Fol. 98b: “… R. Chija sagte: Alle Propheten zusammen weissagten nur von den Bußfertigen, von den vollständig Frommen, es heißt aber (Jsai. 64, 4): ‘Es hat außer Gott kein Auge gesehen.1 Was ist das, was kein Auge geschaut hat? R. Jehoschua sagte: Das ist der seit den sechs Schöpfungstagen in seinen Trauben aufbewahrte Wein.”

Kethuboth, Fol. 10b. “Einmal kam ein Mann vor Rabbi Gamliel bar Rabbi und sprach zu ihm: Rabbi, ich habe meine Frau beschlafen und nicht Blut gefunden. Sie aber sprach zu ihm: Rabbi, ich bin noch Jungfer. Darauf sprach der Rabbi zu ihnen: Bringt mir zwei Mägde; eine, die noch Jungfer ist, und eine, die bereits beschlafen worden ist.

Sie brachten ihm dieselben und er ließ sie auf ein Weinfaß sitzen. Bei der Beschlafenen verbreitete dasselbe einen Duft, bei der Jungfrau dagegen verbreitete es keinen Duft. Darauf ließ er auch die Frau auf das Weinfaß setzen und es verbreitete keinen Duft. Da sprach er zu dem Manne. Geh, nimm Besitz von deinem Kaufe.

Ein Mann kam einst vor R. Gamliel den Alten und sprach zu ihm: Ich habe meinem Weibe beigewohnt, habe aber kein Blut gefunden. Das Weib aber sprach zu ihm: Rabbi! ich bin von der Familie, deren Frauen an Blutmangel leiden, also weder menstruieren, noch das Blut der Jungfernschaft haben. Rabban Gamliel stellte Nachforschungen bei ihren Verwandten an und fand, daß es sich so verhielt, wie sie gesagt hatte. Er sprach darauf zu dem Mann: Geh, nimm von deinem Kaufe Besitz! Heil dir, daß du zu einer Familie, deren Frauen an Blutmangel leiden, gelangt bist!”

Berakhoth, Fol. 4b: “Eleazar sagte im Namen des Rabbi Abina: Jeder, der dreimal täglich das ‘Loblied Davids’ (Ps. 144) liest, sei dessen sicher, daß er ein Kind der zukünftigen Welt ist.”

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Fol. 5a: “… Rabbi Jizchak sagte: Wenn man das Schema im Bett liest, so ist es gleich, als hielte man ein zweischneidiges Schwert in der Hand. Von jedem, der das Schema auf seinem Bett liest, wie-chen die Gespenster.”

 

Fol. 19a: “Wenn jemand in den Bann getan wird und im Banne stirbt, bewirft das Gericht seinen Sarg mit Steinen.”

Fol. 55b: “… Wenn jemand krank wird, so tue er dies am ersten Tage nicht kund, damit er seinen Glücksstern nicht gefährde; von da ab und weiter, tue er es kund.”

Megilla Fol. la: “Die Estherrolle wird am 11., 12., 13., 14. oder 15.

Adar gelesen; weder früher, noch später.”

Fol. 3a: “Rabina sagte: Wenn jemand in Angst ist, so sieht sein Geist etwas, obgleich er selbst nichts sieht. Welches Mittel gibt es dagegen?

Man lese das Schema-Gebet; wenn man sich aber auf einer schmutzigen Stelle befindet, so hüpfe man vier Ellen von seinem Platz weg, und wenn nicht das, so spreche man wie folgt: Die Ziege beim Schlächter ist fetter als ich.” (S. Sanhedrin 95a.) “R. Jehoschua sagte: Man darf nachts seinen Nächsten nicht begrüßen, weil zu befürchten ist, es sei vielleicht ein Dämon.”

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16. ERKLÄRUNGEN DER WEISEN

Sukka, Fol. 52b: „Im Zach. 1,20 heißt es: ‘Der Ewige zeigte mir vier Schmiede.’ Wer sind sie? R. Chama sagt: Es sind: Messias der Sohn Davids, der Messias der Sohn Josephs; Elia und der Kohenzeedek (gerechter Priester).”

Taanith, Fol. 5b: „R. Jizchak sagte: Unser Vater Jakob ist nicht gestorben. So hat man ihn umsonst begraben? entgegnete R.

Nachman. Ich schließe daraus, was Jerimija (30,10) sagt: ‘Ich errette dich aus der Ferne und deinen Sohn aus dem Lande der Gefangenschaft. ’”

Fol. 8a. „Wenn du ein Zeitalter siehst, dessen Sonne rot ist wie Kupfer, da es weder Tau noch Regen gibt, so geschieht es darum, weil es in diesem Zeitalter keine Flüsterbeter gibt. Was läßt sich da tun?

Man gehe zu dem, der das Flüsterbeten versteht. Wenn er aber geflüstert hat und nicht erhört worden ist, was ist dann zu tun? Er gehe zu einem Frommen seines Zeitalters, und dieser bete viel für ihn.

Wenn zwei Gelehrte in einer Stadt wohnen und sie in der Halacha (Regel, i. d. Mischna) einander nicht verstehen, so reizen sie den Zorn Gottes und bringen ihn auf die Welt.”

Cholin, Fol. 91b: „Es heißt (1. Mos. 28,11): ‘Er (Jakob) nahm von den Steinen des Ortes.’ R. Jizchak erklärte: Dies lehrt, daß alle jene Steine sich an einer Stelle versammelten und jeder von ihnen sprach: auf mich lege dieser Fromme sein Haupt. Es wird gelehrt: Alle Steine wurden zu einem verschmolzen. Es heißt (1. Mos. 5,12) : ‘Und er träumte und siehe, eine Leiter war gestellt auf die Erde.’ Es ist gelehrt worden: (1. Mos. 5,13): ‘Und siehe, die Engel Gottes stiegen auf und

ab an ihr.’ Zwei stiegen nämlich hinauf und zwei stiegen herab und als sie einander begegneten, da waren sie

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zu viert auf der Leiter, und von einem Engel heißt es: (Dan. 10,6): ‘Und sein Leib war wie Tarschisch’, und wir haben gelernt, daß das Meer von Tarschisch 2000 Parasangen beträgt. Es ist gelehrt worden: Sie stiegen heraus und schauten auf das Bild unten und wollten ihn in Gefahr bringen (weil sein Bild dem Gottes glich). ‘Die Erde, worauf du liegst.’ (1. Mos. 28,13) R. Jizchak erklärte. Dies lehrt, daß der Heilige das ganze Jisraelland zusammenrollte und unter Jakob legte, damit es von seinen Kindern leicht erobert wurde. Da sprach der Engel (1. Mos. 32,27): ‘Laß mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen.’ Jakob sprach: Bist du denn ein Dieb oder ein Würfelspieler, daß du die Morgenröte furchtest? Jener erwiderte: Ich bin ein Engel und seit meiner Erschaffung komme ich erst jetzt an die Reihe, das Loblied anzustimmen.” Hierzu hören wir den evangelischen Theologen Reinhold Mayer S. 57: „Andererseits wird auffallen, daß ein Bibeltext bei seiner Auslegung manchmal einen völlig anderen Sinn erhält, als er im biblischen Zusammenhang hat.

Das bedeutet nicht, daß die Gelehrten den Text verändert hätten. Da aber der Bibeltext damals nur mit Konsonanten ohne Vokalzeichen geschrieben wurde, wie auch der Talmudtext und das moderne Hebräisch geschrieben werden, konnten die Ausleger durch andere Vokale einen Sinn des Wortes aufdecken, der bis dahin verborgen war, der aber nach ihrer Meinung von Anbeginn darin enthalten war.”

Gittin, Fol. 6b: „R. Ebjathar begegnete einst dem Propheten Ilijahu und fragte ihn: Was macht der Heilige? Jener antwortete. Er beschäftigt sich mit dem Traktate vom Kebsweib in Gibela. (Über das die Rabbiner eben stritten.) Und was sagt er? Elijahu antwortete: Ebjathar mein Sohn sagte es so und Jonathan mein Sohn sagte es so.

Ebjathar fragte: Gibt es denn auch im Himmel Zweifel? Elijahu antwortete: Diese wie jene sind Worte des lebendigen Gottes; er fand eine Fliege und nahm es nicht genau, später fand er ein Haar und nahm es genau. R. Jehuda erklärte: Die Fliege war in der Speise und das Haar an der Scham.”

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Baba kamma, Fol. 38a: „… unsere Rabbiner lehrten: Einst schickte die ruchlose Regierung zwei Feldherren zu den Weisen Jisraels. Sie sagten: Lehret uns eure Gesetze. Die Weisen erfüllten ihren Wunsch und haben mit ihnen das ganze Gesetz dreimal durchgelesen. Als sie sich von ihnen verabschiedeten, sprachen sie: Wir haben genau alles durchgenommen und finden es auf Wahrheit beruhend, nur jene Stelle kommt uns rätselhaft vor, wo es heißt: Wenn der Ochs eines Israeliten den Ochsen eines Nichtjuden niedergestoßen hat … Die Rabbiner antworteten. Diese Sache wollen wir der Regierung nicht erklären.”

 

Baba mezia, Fol. 91 a: „R. Papa sagte: Einst haben mich die Schüler des R. Papa ben Abba gefragt, ob man Tiere verschiedenen Geschlechtes zusammen in einen Stall bringen dürfe, und ich entschied, daß es verboten sei, nachdem Schemuel sagte: bei den Hurenden, wenn sie sich so haben, wie die Hurenden; bei der Kreuzung aber, wenn man das Zeugungsglied wie den Schminkstift ins Schminkrohr hineinsteckt. R. Achadboj wandte ein: Würde es geheißen haben (3. Mos. 19,19): ‘Du sollst dein Vieh nicht begatten lassen’ - so könnte man verstehen, man dürfe ein Vieh nicht festhalten, wenn das Männchen es besteigt, daher heißt es: ‘verschiedene Geschlechter’, demnach ist bei verschiedenen Geschlechtern auch das Festhalten verboten? Unter ‘Festhalten’ ist das Hineinstecken zu verstehen, nur nennt man es deshalb ‘Festhalten’, weil man einen beschönigenden (!) Ausdruck gebrauchen will!”

Fol. 16a: „Resch-Lakisch sagte: Der Satan, der böse Trieb und der Todesengel sind identisch. Er steigt herab und verfuhrt, steigt auf und klagt an, holt sich Vollmacht und holt die Seele. - R. Levi sagte: Der Satan und der Penina (Fenenna) handelten beide im Namen des Himmels (d.i. mit einer guten Absicht). R. Acha trug dies in Papunja vor, da kam der Satan und küßte ihm den Fuß. -Raba sagte: Hiob (Job) wollte die ganze Welt vom Strafgericht

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befreien; er sprach nämlich vor dem Herrn: Herr der Welt! Du hast das Rind erschaffen und seine Hufe sind gespalten (d.i. es ist koscher): du hast den Esel erschaffen und seine Hufe sind geschlossen; du hast den Edengarten und die Hölle erschaffen; du hast Fromme erschaffen und du hast Frevler erschaffen; wer kann dich zurückhalten?” (d.i. der Mensch ist für seine Handlungen nicht verantwortlich, da sie durch den Willen Gottes geschehen.)

Berakhoth, Fol. 59a: „Was bedeutet Beben? R. Katthina erwiderte: Erderschütterung (Seufzen der Erde). R. Katthina befand sich einmal auf dem Wege; als er an die Tür des Hauses eines Wahrsagers durch Totengebeine kam, da bebte und seufzte es. Da fragte er: Weiß der Wahrsager durch Totengebeine, was dieses Beben zu bedeuten hat?

Da ließ sich eine Stimme vernehmen: Katthina, Katthina, warum soll ich es nicht wissen? Zur Zeit, wann der Heilige seiner Kinder gedenkt, welche im Elend unter den Völkern der Welt wohnen, läßt er zwei Tränen in das große Meer fallen, deren Schall von einem Ende der Welt bis zum anderen gehört wird. (s. Chagiga 5b) Das ist ein Beben … R. Katthina selbst erklärte: Er (Gott) schlägt seine Hände zusammen. R. Nathan erklärte: Er stößt einen Seufzer aus. Die Rabbinen erklärten: Er stampft gegen den Himmel. R. Acha ben Jakob erklärte: Er stößt seine Füße unter den Thron der Herrlichkeit.”

Schabbath, Fol. 55b u. 56a: „R. Schemule ben Nachman sagte: Wer da glaubt, Reuben habe gesündigt, er irrt sich nur … Wie halte ich aber

aufrecht (die Worte): Er beschlief die Bilha, das Kebsweib seines Vaters (1. Mos. 25,22)? Dies lehrt, daß er das Lager seines Vaters verirrt hat, was die Schrift ihm so aufrechnet, als hätte er jene beschlafen. Wer da glaubt, die Söhne des Heli hätten gesündigt, irrt sich nur … Wieso aber halte ich aufrecht (die Worte): ‘Sie bei den Weibern lagen’? (1. Sam. 2,22) Da sie die Darbringung ihrer Vogelnestopfer verzögerten, so daß sie zu ihren Männern nicht zurückkehren konnten, so rechnet es etc. wie oben.

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- Wer da glaubt, die Söhne des Propheten Schemuels haben gesündigt, irrt sich nur … Wie aber halte ich aufrecht (die Worte): ‘Sie neigten nach dem Gewinne’? (1. Sam. 5,3) Sie handelten nicht nach den Worten ihres Vaters … vielmehr saßen sie in ihren Städten, um die Einkünfte ihrer Beamten und Schreiber zu mehren.

- Wer da glaubt, David habe gesündigt, irrt sich nur … Wie aber halte ich aufrecht (die Worte): ‘Warum hast du die Worte des Herrn verachtet, das Böse zu tun?’ (2. Sam. 19,9) Er wollte es tun, tat es aber nicht … Wer in den Krieg zog, gab seiner Frau einen Scheidebrief …

Urija war übrigens strafbar, weil er Majestätsverbrecher war, denn er hat dem König widersprochen! (1. Sam. 11,11) - Wer da glaubt, daß Schelomo (Salomon) gesündigt habe, irrt sich nur … Wieso aber halte ich aufrecht (die Worte): ‘Als Schelomo alt geworden war, lenkten seine Weiber sein Herz ab’? (1. Kon. 11,4) Aber er wandelte ihnen nicht nach. Er wollte einen Altar (für die Götter) errichten, errichtete aber ihn nicht.”

Fol. 104b: „Es wird gelehrt: R. Eliezer sprach zu den Weisen: Der Sohn Satedas (alias Satada, Stada, Setada) brachte Zauberkünste aus Ägypten durch Ritzungen auf seinem Leibe mit. Sie erwiderten: Dieser war ein Narr und vom Narren ist kein Beweis zu erbringen.

‘Sohn Satedas’? er war der Sohn Panderas. - R. Chisda erwiderte. Der Ehemann (seiner Mutter hieß) Sateda, ihr Buhle hieß Pandera. Ihr Ehemann war ja Papos ben Jehuda? Seine Mutter hieß Sateda. Seine Mutter war ja Mirjam die Frauenhaarflechterin. Darum hieß sie Sateda, weil, wie sie es in der Stadt Pumbeitha erklärten: diese war ihrem Manne untreu.” (s. Jerus. Talmud Xlld, u. Sanhedrin 67a) Hier wird die Herkunft Jesu besprochen. Im Mayerschen Talmud steht S.

202 in der Fußnote 576:

„Panderas Sohn ist eine polemische Verdrehung von Jungfrauen-Sohn (griechisch: Parthenos), wie sie sich auch bei heidnischen Christengegnern fand. Nach Origenes (Kirchenvater), Acht Bücher gegen Celus, hat dieser jedenfalls behauptet, Jesus sei von 91

einem römischen Soldaten Panthern gezeugt, seine Mutter dann wegen Ehebruchs verstoßen worden; er habe in Ägypten Zauberei kennengelernt und, zurückgekehrt, sich in Israel für Gott erklärt. ”

Fol. 64a: „In der Schule R. Jannajs sagten sie: Es heißt (Sprü. 30,33):

Die Pressung der Milch bringt Butter hervor, die Pressung der Nase bringt Blut hervor und die Pressung des Zorns bringt Hader hervor; die Butter der Thora findest du nur bei dem, der ihretwegen die Milch ausbricht, die er aus den Brüsten seiner Mutter gesogen. Die Pressung der Nase bringt Blut hervor, wenn ein Schüler von seinem Lehrer einmal und zweimal angefahren wird und schweigt, so ist es ihm beschieden, zwischen unreinem (Menstruations-) Blut und reinem Blut zu unterscheiden. Und die Pressung des Zorns bringt Hader hervor; Wenn ein Schüler von seinem Lehrer einmal und zweimal angefahren wird und schweigt, so ist ihm beschieden, zwischen Zivilrecht (Geldprozeß) und Strafrecht zu unterscheiden. Wir haben nämlich gelernt: R. Jischmael sagte: Wer weise werden will, befasse sich mit dem Zivilrecht, denn du hast in der Thora kein umfassenderes Gebiet als dieses; es ist wie eine unversiegbare Quelle.” (Wichtig für Advokaten!)

Pesachim, Fol. 9b: „Einst warf eine Magd ihre Fehlgeburt in einen Graben, und es kam ein Priester und schaute hinein, um zu sehen, ob sie eine männliche oder eine weibliche sei. Als die Sache vor die Weisen kam, erklärten sie es als unrein, weil da auch Wiesel und Iltisse waren”

Baba bathra, Fol: §”B: „Einst sprach jemand zu seinem Nächsten: Gib mir 100 Zuz, die ich von dir zu erhalten habe und da hast du deinen Schein. Dieser erwiderte: Der Schein ist gefälscht. Hier-aufbückte sich der andere zu Rabba und raunte ihm zu: Allerdings ist der Schein gefälscht, ich hatte aber einen echten Schein, den ich verloren habe und nahm nun diesen, damit ich etwas in der Hand 92

habe. Da entschied Rabba: Er hat keine Ursache zu lügen, denn wenn er wollte, so könnte er dabei bleiben, daß der Schein echt sei.

Berakhoth, Fol. 22a: „Die Rabbinen lehrten: Ein Samengußbehafteter, über den man 9 Kab Wasser gegossen hat, ist rein.”

Kethuboth, Fol. 28b: „Was heißt Ausstoßung? Die Rabbinen lehrten: Wenn einer von den Brüdern eine für ihn nicht würdige Frau genommen hat, so kommen die Familienmitglieder und bringen ein Faß voll Früchte und zerbrechen es ia der Mitte der Straße und sagen: Unsere Brüder, Haus Jisraels, vernehmet! Unser Bruder N. hat eine unwürdige Frau genommen, und wir fürchten uns, daß sein Samen mit unserem Samen vermischt wird. Kommt und nehmet euch ein Merkzeichen in Bezug auf die Geschlechter, damit sein Same nicht mit unserem Samen vermischt werde.”

Chagiga, Fol. 14b: „Einst befand sich R. Jochanan auf der Reise und ritt auf einem Esel, und R. Eleazar trieb hinter ihm seinen Esel. Er sprach zu ihm: Rabbi, lehre mich einen Abschnitt von der

Wagenerscheinung (Sphärenkunde) Jechezkels. - Das darf vor einem einzelnen nicht gelehrt werden. - So erlaube mir, daß ich dir etwas vortrage. - Sprich! sagte R. Jochanan und sofort stieg er vom Esel herab, verhüllte sich und setzte sich auf einen Stein unter einem Ölbaum. Darauf Eleazar: Rabbi, warum bist du vom Esel herabgestiegen? Dieser erwiderte: Soll ich vielleicht, während du von dem Wagen Jechezkels vorträgst und die Göttlichkeit bei uns ist und die Dienstengel uns begleiten, auf dem Esel reiten? - Hierauf begann R. Eleazar seinen Vortrag, und sofort fuhr ein Feuer vom Himmel herab und umgab alle Bäume auf dem Felde, und die Engel fingen ein Loblied an. Da rief ein Engel aus dem Feuer und sprach: Das ist die Geschichte des Wagens von Jechezkel. Diese Sache wurde dem R.

Jehoschua erzählt, als derselbe sich mit

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R. Jehoschua unterwegs befand. Die Jünger sprachen zu ihm: Wir könnten euch über jene Geschichte vortragen. Darauf begann R.

Jehoschua vorzutragen. Es war aber gerade das Solstitium im Monat Tammuz, dennoch wurde der Himmel mit Wolken bedeckt und es wurde eine Art von Regenbogen im Gewölk sichtbar, und die Dienstengel sammelten sich an, um den Vortrag anzuhören, wie die Menschenkinder um die Belustigung des Bräutigams und der Braut zusammenkommen. Dann ging R. Jose und erzählte dies dem R.

Jochanan. Dieser sprach: Ich sah mich und euch im Traume am Berg Sinaj lagern, und es erscholl ein Widerhall vom Himmel: Kommt hier herauf! Große Speisesäle, Paläste und Lager sind für euch bereitet, und herrliche Polster sind für euch ausgearbeitet! Ihr, eure Schüler und die Schüler eurer Schüler sind für die dritte Abteilung (der göttlichen Umgebung) bestimmt. Vier traten in das Paradies ein, und zwar: Ben Azaj, Ben Zoma, Acher und R. Akiba. Ben Zoma hat man gefragt: Darf man einen Hund kastrieren? Dieser erwiderte: In eurem Lande dürft ihr es nicht tun. Ferner fragte man Ben Zoma: Darf der Hohepriester eine schwangere Jungfrau heiraten? Ist bei einer das zu berücksichtigen, was Schemuel sagte, daß er nämlich den Beischlaf wiederholt ohne Blutungen ausüben könne. Dieser erwiderte: Das, was Schemuel gesagt hat, ist selten, man nehme daher an, daß sie in einer Wanne (in der ein Mann seinen Samentropfen ausgestoßen hatte) konzipiert hat. Aber Schemuel sagte ja, daß ein jeder Beischläfer dessen Samen nicht wie ein Pfeil schießt, nicht befruchten könne. Allein er kann vorher wie ein schießender Pfeil gewesen sein.”

Fol. 5a: „R. Jochanan weinte, als er an den Schriftvers kam (Pred.

12,14): ‘Denn alles Tun wird Gott ins Gericht bringen, über alles Verborgene.’ Was heißt ‘alles Verborgene’? Rabh erklärte: Wenn jemand eine Laus in Gegenwart eines anderen tötet, wodurch sich dieser verekelt.”

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Fol. 10a: „Der da ausgeht und eingeht, hat keinen Frieden. (Zach.

8,10) Rabh sagte: Wenn der Mensch von den Worten des Talmud

(Halakha) zur Mischna übergeht, der hat keinen Frieden mehr.”

Schabbath, Fol. 64a: „… R. Aschi sagte: Die Schriftgelehrten haben keine Ruhe, weder in dieser Welt, noch in der zukünftigen Welt, denn es heißt (Ps. 67): Sie gehen von Heer zu Heer, sie erscheinen vor Gott in Sion.”

Fol. 21b: „… Mein Sohn, gib mehr acht auf die Worte der Schriftgelehrten, als auf die Worte des Gesetzes … Ein jeder, der die Worte des Schriftgelehrten übertritt, ist des Todes würdig.” (s. Fol. 62a) Kethuboth, Fol. 17a: „Die Rabbinen haben gelehrt: Was sagt man vor einer Braut bei dem Tanze? Die Schule Schammajs sagt: Je nach dem wie die Braut ist. Die Schule Hillels sagt: 0 Schöne, liebenswürdige Braut! Da wendete aber die Schule Schammajs ein: Wie denn, wenn sie lahm oder blind ist? Kann man dann auch zu ihr sagen: Schöne, liebenswürdige Braut? Die Schule Hillels antwortet darauf: Nach eurer Ansicht, wenn jemand einen schlechten Kauf auf dem Markt gemacht hat, soll man die Ware vor seinen Augen loben oder herabsetzen? Doch wohl loben! Als R. Dimi kam, sagte er: Im Westen singen sie vor der Braut wie folgt: Kein Stibium, keine Schminke und keine Frisur, und doch eine anmutige Gazelle! - Man erzählte von R.

Jehuda ben Ilaj, daß er einen Myrtenzweig nahm und vor der Braut tanzte, indem er sprach: Schöne, liebenswürdige Braut! R. Schemuel b. Jizchak pflegte vor der Braut mit drei Myrtenzweigen zu jonglieren.

Da sprach R. Zera: Der Alte beschämt uns! Als R. Schemuel verschieden war, kam eine Feuersäule herab und stellte sich zwischen ihn und die ganze Gemeinde, und wir haben gelernt, daß eine Feuersäule nur bei solchem herabkommt, der in seinem Zeitalter einzig (vorzüglich) ist oder nur noch einen zweiten hat. Da sprach R.

Zera:

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Der Myrtenzweig hat dem Alten dazu verhelfen. - Manche sagen: Die Narrheit hat dem Alten dazu verhelfen. - R. Acha nahm die Braut sogar auf seine Schultern und tanzte so mit ihr. Da sprachen unsere Rabbinen zu ihm: Dürfen wir auch so tun? Kommt sie euch wie ein Balken vor (d.h., wenn sie euch nicht aufregt), so ist es erlaubt, sonst aber nicht. R. Schemuel sagte: Es ist gestattet, das Antlitz der Braut alle sieben Tage zu betrachten, um sie ihrem Manne beliebt zu machen. Doch die Regel sagt es anders.”

17. DIE WEISHEITEN DER WEISEN

Chagigah, Fol. 12a: „R. Eleazar und R. Jehuda sagten: Der erste Mensch reichte von der Erde bis zum Himmel; als er aber gesündigt hat, legte der Heilige seine Hand auf ihn und verkleinerte ihn.” (s.

Sanhedrin 38b)

Taanith, Fol. 22a: „… Wegen der wilden Tiere lärme man nur dann, wenn sie aufgereizt sind. Was heißt aufgereizt? Tötete es zwei

Menschen und fraß einen von ihnen, so ist es aufgereizt; fraß es beide, so ist es nicht aufgereizt. Das ist kein Widerspruch.”

Erubin, Fol. 4a: „Tritt jemand in ein aussätziges Haus, seine Kleider auf der Schulter und seine Sandalen und seine Ringe in der Hand tragend, so ist er samt mit diesen sofort unrein; wenn er aber seine Kleider auf dem Körper, seine Sandalen auf den Füßen und seine Ringe auf den Fingern hat: so ist er sofort unrein, diese bleiben rein.”

Fol. 100b: „… Die Frau verlangt mit dem Herzen, der Mann mit dem Mund. Sie läßt das Haar wachsen wie die Lilith (Nachtgespenst), sie setzt sich beim Wasserabschlagen nieder, gleich

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einem Vieh, und sie dient dem Mann als Matratze. R. Jochanan sagte: Würde die Gesetzeslehre nicht verliehen worden sein, so würden wir Keuschheit von der Katze, das Verbot des Rauhens von der Ameise, das Verbot des Ehebruchs von der Taube und Anstand vom Hahn, der zuerst die Henne karessiert und nachher die Begattung ausübt, gelernt haben.” Wie liest man doch bei Reinhold Mayer s. 40?: „Im Judentum wird die Frau sehr hoch geachtet als Mitte des Hauses und Hüterin aller guten Sitten. Sie schützt ihren Mann vor Unzucht und leitet ihn zur höchsten Tugend… ”

Jabmuth, Fol. 6a: „Einst besuchte R. Akiba den Jehoschua mit seinen Schülern, und sie fragten ihn: Wie verhält es sich mit der Nebenbuhlerin ihrer Tochter? Ein ‘Teufelskerl’ namens Jonathan hat 300 Einwendungen hinsichtlich der Nebenbuhlerin einer Tochter, daß sie erlaubt sei. Er stieß dann auf R. Akiba und bestürmte ihn durch Fragen. Sodann sprach er. Du bist Akiba, dessen Name von einem Weltende zum anderen reicht? Wohl dir, daß du zu einem Namen gekommen bist, während du noch nicht einmal zu einem Rindhirten ausreichst. R. Akiba erwiderte: Nicht einmal zu einem Schafhirten.”

Sotah, Fol. 22a: „Unsere Rabbiner haben gelehrt. Eine Betschwester, eine herumschweifende Witwe und ein Kind, dessen Monate noch nicht voll sind, verderben die Welt.

Baba kamma, Fol. 59a: „Der Notzüchter braucht kein Schmerzensgeld zu zahlen, weil das Mädchen diese Schmerzen später unter ihrem Ehemann gehabt haben würde.”

Taanith, Fol. 7a: „R. Chanina sagte: Viel habe ich von meinen Lehrern gelernt, von meinen Kollegen mehr als von meinen Lehrern und von meinen Schülern am allermeisten.”

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Schabbath, Fol. 156a: „Im Notizbuche des R. Jehoschua ben Levi stand geschrieben: Wer am Sonntag geboren wurde, wird ein Mann

sein, an dem nichts ist. R. Aschi sagte: Ich und Dimi sind am Sonntag geboren: Ich bin ein Schuloberhaupt und er ist Häuptling der Diebe.

Wer am Montag, wird jähzornig sein. Wer am Dienstag wird reich und buhlerisch sein. Wer am Mittwoch, wird weise und erleuchtet (gedächtnisbegabt) sein. Wer am Donnerstag, wird wohltätig sein.

Wer am Freitag, wird ein strebsamer Mensch sein. Wer am Schabbath wird am Schabbath sterben, weil seinetwegen der Schabbath (durch Arbeit) entweiht wurde. - Da sprach Rabbi zu ihnen: Gehet, saget dem Sohne Levajs, daß nicht der Glücksstern des Tages einwirkt, sondern der Glücksstern der Stunde. Wer unter der Herrschaft der Sonne geboren wurde, wird ein glanzvoller Mann sein; er wird sein Eigenes essen und trinken, seine Geheimnisse werden bekannt werden und beim Stehlen wird er kein Glück haben. Wer unter der Herrschaft der Venus geboren wurde, wird reich und buhlerisch werden, weil unter ihm das Feuer stand. Wer unter der Herrschaft des Merkur geboren wurde, wird erleuchtet und weise sein, weil dieser der Schreiber der Sonne ist. Wer unter der Herrschaft des Mondes geboren wurde, wird Leiden ausgesetzt sein, er wird bauen und niederreißen, niederreißen und bauen, Fremdes essen und trinken, seine Geheimnisse werden verborgen bleiben, und beim Stehlen wird er Glück haben. Wer unter der Herrschaft des Saturns geboren wurde, wird ein Mann sein, dessen Pläne vereitelt werden. Wer unter der Herrschaft des Jupiter geboren wurde, wird ein tugendhafter Mann sein. Wer unter der Herrschaft des Mars geboren wurde, wird ein blutvergießender Mensch sein. R.

Aschi sagte: Ein Bader oder ein Räuber oder ein Schlächter oder ein Beschneidender. Rabba sagte: Ich bin unter der Herrschaft des Mars geboren (und doch bin ich weder ein Dieb, noch ein Schlächter).

Abajje erwiderte: Der Meister läßt ja ebenfalls strafen und töten.”

Kethuboth, Fol. 5a: „Bar Kapara hat vorgetragen: Das Werk der 98

Gerechten ist größer als das Werk der Erschaffung des Himmels und der Erde …

In der Schule des R. Jismael ist gelehrt worden: Warum ist das ganze Ohr hart und das Ohrläppchen weich? Damit der Mensch, wenn er etwas Unanständiges hört, das Ohrläppchen in dasselbe hineinbiege.”

Schabbath, Fol. 89a: „Was bedeutet Har Sinaj? Es bedeutet einen Berg, von welchem der Haß über alle Völker der Welt sich aus-gebreitet hat.”

Berakhoth, Fol. 54b: „R. Jehuda sagte: Drei Dinge verlängern die Tage und die Jahre des Menschen: wenn man sein Gebet in die Länge zieht, wenn man lange bei Tisch und wenn man lange im Aborte sitze.”

Jom - Tob oder Bezah, Fol. 32b: „Dreien ist das Leben kein Leben, nämlich dem, der auf den Tisch seines Nächsten hoffen muß, dem, der

von seinem Weibe beherrscht wird, und dem, dessen Körper von Leiden bewältigt wird. Manche zählen auch denjenigen hinzu, der nur ein Hemd hat. Warum wurde er nicht gleich mit zu den vorigen gezählt? Weil er nachsehen konnte, wo Ungeziefer steckt.”

Schabbath, Fol. 62b: „R. Abahu sagte: Drei Dinge bringen den Menschen Armut, und zwar: wenn man nackt vor seinem Bette Harn läßt, wenn man das Händewaschen mißachtet und wem seine Frau ins Gesicht flucht.”

Fol. 63a: „Rabbi Jirmeje und Rabbi Abba sagten: Wenn zwei Schriftgelehrte einander in der Halakha belauschen, so hört der Heilige auf ihre Stimme.”

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Mo’ed katan, Fol. 9b: „R. Jonathan ben Achmaj und R. Jehuda, ein Proselytenabkömmling, studierten den Traktat von den Gelübden von R. Schimon ben Jochaj und verabschiedeten sich von ihm. Da sprach er zu seinem Sohn: Sie sind angesehene Männer, gehe zu ihnen, damit sie dich segnen. Sie sprachen dann zu ihm: Möge es (Gottes) Wille sein, daß du säest und nicht erntest, daß du heimbringest und nicht fortbringest, fortbringest und nicht heimbringest, daß dein Haus zerstört wird und deine Wohnung eine Herberge sei, daß dein Tisch in Verwirrung geraten möge und daß du kein neues Jahr erblickst. Als er zu seinem Vater zurückkam, sprach er zu ihm: Sie haben mich nicht gesegnet, sondern gekränkt. Was sprachen sie zu dir? Jener erwiderte: Das und das sprachen sie zu mir. Da sprach dieser: Das sind alles Segnungen. Daß du säest und nicht erntest: daß du Kinder zeugest und sie nicht sterben. Daß du heimbringest und nicht fortbringest: daß du Schwiegertöchter heimfuhrst und deine Söhne nicht sterben, so daß sie nicht fortgehen. Daß du fortbringest und nicht heimbringest: daß du Töchter zeugest und ihre Männer nicht sterben, so daß sie nicht zu dir zurückkehren. Daß dein Haus zerstört und deine Wohnung eine Herberge sei: Diese Welt ist ja eine Herberge und die zukünftige Welt ist die richtige Heimat. Daß dein Tisch in Verwirrung geraten möge: Durch viele Söhne und Töchter. Daß du kein neues Jahr erblickst: Daß dein Weib nicht sterben soll und du nicht ein anderes nehmen müßtest.”

Baba mezia, Fol. 33b: „Wenn man sich mit der Schrift befaßt, so ist dies etwas, aber nichts Besonderes; wenn man mit der Mischna, so ist dies etwas und erhält dafür auch Belohnung; wenn man aber mit der Gemara, so gibt es nichts Größeres als dies.”

Schabbath, Fol. 25b: „Die Rabbanen lehrten: Wer ist reich? Wer an seinem Reichtum Zufriedenheit findet. Worte R Meirs. R. Tryphon sagt: Wer 100 Weinberge, 100 Felder und 100 Knechte 100

 

hat. R. Akiba sagt: Wer eine Frau hat, die schön ist in ihrem Betragen.

R. Jose sagt: Wer den Abort in der Nähe seines Tisches hat.”

Erubin, Fol. 13b: „R. Meir hatte einen Schüler namens Symmachos, der über jeden unreinen Gegenstand 48 Gründe der Unreinheit sagte. In Jamnia war ein tüchtiger Jünger, der 150 Gründe aufzufuhren vermochte, daß das Kriechtier rein sei.”

Schabbath, Fol. 152b: „R. Eliezer sagte: Die Seelen der Gerechten werden unter dem Throne der Herrlichkeit verwahrt, die Frevler werden hin-und hergeschleudert. Ein Engel steht an einem Ende der Welt und ein anderer am anderen Ende der Welt, und die schleudern einander die Seelen zu.”

„… R. Abahu sagte: Zwölf Monate bleibt der Körper erhalten und die Seele steigt auf und ab (unter dieser Zeit kann die Seele durch Nekromantie heraufzitiert werden), nach zwölf Monaten verwest der Körper, und die Seele steigt hinauf, ohne wieder herzukommen.”

Fol. 55b: „R. Hona sagte: In einer Stadt, da kein Grünkraut zu haben ist, darf kein Schriftgelehrter wohnen. - Drei Dinge mehren den Kot, biegen die Statur und rauben ein Fünfhundertstel vom Augenlicht des Menschen: und zwar Kleinbrot, frische Sicera (Luc. 1,15) und Grünkraut.” (s. Pesachim Fol 42b)

Fol. 64b: „Betrunken heißt derjenige, der nicht einmal vor dem König sprechen kann.”

Pesachim, Fol. 118a: „Der Erwerb und der Stuhlgang des Menschen ist so schwer, wie der Todestag und wie das Spalten des Schilfmeeres.”

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Jom - Tob oder Bezah, Fol. 7a: „Alles, was sich tags begattet, gebiert tags; was sich nachts begattet, gebiert nachts; was sich sowohl tags wie auch nachts begattet, gebiert sowohl tags wie nachts. Was sich tags begattet, nämlich das Huhn; was sich nachts begattet, nämlich die Fledermaus; was sich tags und nachts begattet, das ist der Mensch und alles, was ihm gleicht.”

Sanhedrin, Fol. 91 a: „… Antonius fragte R. Rabbi: Warum geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter? Dieser sprach. Wenn es sich umgekehrt verhielte, so würdest du dasselbe gefragt haben.”

Fol. 92a: „… R. Eleazar sagte: Wenn ein Mensch kein Wissen besitzt, so ist es verboten, sich seiner zu erbarmen.”

Makkoth, Fol. 12a: „Dereinst wird sich der Schutzengel Roms dreifach irren. Er wird irren, indem er sich nach Bosra flüchten wird, während die Zufluchtsstadt Bezer ist; er wird sich irren, indem eine solche nur unvorsätzlich Zuflucht gewährt, während sie eine vorsätzliche ist; er wird sie irren, indem eine solche nur für Menschen

Zuflucht gewährt, während er’ein Engel ist.”

Nidda, Fol. 38a: „Schemuel hat gesagt: Ist ein Weib schwanger geworden, so gebiert sie nach 271, 272 oder 273 Tagen.”

Rösch - Haschanah, Fol. 11 a: „R. Eliezer sagt: Im Monat Tischri ist die Welt erschaffen, im Tischri sind die Väter geboren worden, im Tischri sind auch die Väter gestorben, am Pesachfest ist Jizchak geboren, am Neujahrstag sind Sarah, Rachel und Hanna mit Kindersegen bedacht worden. Am Neujahrstag kam ferner Jose aus dem Gefängnis, am Neujahrstag erreichte die Sklaverei unserer Väter in Ägypten ihre Endschaft, im Nisan sind die Jisraeliten erlöst worden, und im Tischri werden sie einst erlöst werden.

 

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Chava (Eva) zugestellt, in der achten legten sie sich ins Bett zu zweien und verließen es zu vieren, in der neunten wurde ihm das Verbot erteilt, in der zehnten sündigte er, in der elften wurde über ihn Gericht gehalten, in der zwölften wurde er verjagt und er ging fort.- Als der Heilige den Menschen erschaffen wollte, erschuf er vorher eine Klasse von Dienstengeln und sprach zu ihnen: Ist es euer Wille, daß wir einen Menschen zu unserem Ebenbild erschaffen? Diese fragten ihn: Herr der Welt, wie sind seine Handlungen? So und so sind seine Handlungen. Darauf sprachen sie: Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst? (Ps. 8.) Da steckte er seinen Finger zwischen sie und verbrannte sie. Ebenso geschah es auch mit der anderen Klasse. Die dritte Klasse sprach zu ihm: Herr der Welt! Was nützte es den ersten, daß sie dir es gesagt haben; die ganze Welt ist ja dein, tu das, was du auf deiner Welt tun willst. Als das Zeitalter der Sintflut und das Zeitalter der Sprachenteilung herankam, deren Handlungen ausarteten, sprachen sie vor ihm: Herr der Welt, hatten die ersten, die zu dir

sprachen, nicht recht?

Jehuda sagte: Der Urmensch reichte von einem Ende der Welt bis zum ändern, als er aber gesündigt hatte, legte der Heilige seine Hand auf ihn und verkleinerte ihn. Eleazar sagt: Der Urmensch reichte von der Erde bis zum Himmel, als er aber” usw. wie oben. „Die Auslegungen der Schriften widersprachen ja einander? -Beide Maße sind identisch.

- Ferner sagte R. Jehuda: Der Urmensch sprach aramäisch. So sagte auch Resch Lakisch, daß der Heilige ihm jedes Zeitalter und seine Gelehrten und seine Weisen zeigte; als er zum Zeitalter R. Akibas herankam, freute er sich über seine Gesetzkunde und war betrübt über seinen Tod. Ferner sagte R. Jehuda: Der Urmensch war ein Häretiker, denn es heißt: Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? d. h., wohin hat sich dein Herz abgewendet? R. Nachman sagte: Er war ein Gottesleugner, weil er das Bündnis des Herrn übertrat.

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Jochanan sagte, daß der Heilige nichts tue, bevor er sich mit seinem Gefolge berät.”

Erubin, Fol. 13b: „… Zweiundeinhalbes Jahr stritten die Schule Sammajs und die Schule Hillels: eine sagte, es wäre für den Menschen besser, nicht erschaffen worden zu sein, als daß er erschaffen wurde; die andere sagte, es sei für den Menschen besser, daß er erschaffen wurde, als daß er nicht erschaffen worden wäre. Sie stimmten darauf ab und einigten sich, daß es für den Menschen zwar besser wäre, nicht erschaffen worden zu sein, da er aber erschaffen wurde, so untersuche er seine Geschäfte.”

Fol. 18a: „R. Jirmeja b. Eleazar sagte: Adam der Urmensch hatte zwei Gesichter, denn es heißt: ‘Flinten und vorne hast du mich gebildet.’

(Ps. 138,5) Rabh und Schemuel streiten hierüber: Einer sagt, es war ein Gesicht, der andere sagt, es war ein Schwanz. -Der Heilige flocht das Haar der Chava (Eva) und brachte sie zum Adam. Der Heilige hat die Chava in der Form eines Speichers gebaut; wie der Speicher unten breit und oben schmal ist, um die Früchte aufzunehmen, ebenso ist auch die Frau unten breit und oben schmal, um die Geburt aufzunehmen. ‘Und er brachte sie zum Adam.’ Dies lehrt, daß der Heilige Brautführer bei Adam war.”

Fol. 18b: „… Ferner sagte R. Jirmeja b. Eleazar: All diese Jahre, in denen Adam der Urmensch im Bann war (Von seiner Austreibung aus dem Paradiese bis zur Geburt Seths.), erzeugte er Geister, Dämonen und Nachtgespenster. Er war sehr fromm, er verbrachte 130 Jahre in Fasten, trennte sich von seiner Frau und trug Feigengurte auf seinem Leib. Die Geister erzeugte er durch unverschuldeten Samenerguß.”

Berakhoth, Fol. 61 a: „R. Nachman ben Chisda trug vor: Es heißt (1.

Mos. 2,7): Und der Herr Gott bildete den Menschen. Das Wort 105

 

(wajjicer) ist mit zwei Jod geschrieben, weil der Heilige hat den Menschen (Adam) mit zwei Trieben geschaffen hat, von dem R.

Schimon ben Pazi sagte: Wehe mir vor meinem Schöpfer (joscri) und vor meinem Trieb (jisri). R. Jirmeja ben Eleazar sagte: Zwei Gesichter hatte der Heilige Adam dem Urmenschen erschaffen. (Je ein Gesicht vorn und hinten; er teilte ihn und bildete die Eva, - sagt Goldschmidt.) ‘Und der Herr baute die Rippe.’ Rabh und Schemuel (streiten hierüber); einer sagt: Es war ein Gesicht, der andere sagt: Es war ein Schwanz. Nach R. Schimon ben Menasja (bedeutet der obige Vers, daß) der Heilige Chava (Eva) das Haar flocht und zu Adam brachte, (s. Nidda Fol. 45b.) Dies lehrt, daß der Heilige Chava nach Art eines Speichers baute; wie der Speicher oben schmal und unten breit ist, um die Früchte aufzunehmen: so ist auch die Frau oben schmal und unten breit, um das Kind aufzunehmen. ‘Und der Herr brachte sie zu Adam.1

R. Jirmeje ben Eleazar sagte: Dies lehrt, daß der Heilige bei Adam Brautführer war.” (s. Erubin Fol. 18a.,b. Schabb. Fol. 95a u. Nidda Fol. 45b.)

19. ENTSCHÄDIGUNG

Kethuboth, Fol. 11 a: „Die von einem Erwachsenen beschlafene Minderjährige, die von einem Minderjährigen beschlafene Erwachsene und die Verletzte erhalten 200 Zuz (Pfennige) als Morgengabe.”

Baba kamma, Fol. lOOa: „Einst zeigte eine Frau R. Chija einen Denar und er sagte ihr, er sei gut. Am folgenden Tag kam sie zu ihm und sprach: Ich zeigte ihn vor und man sagte mir, er sei schlecht; nun kann ich ihn nicht mehr ausgeben. Da sprach er zu Rabh: Geh, tausche ihn ihr und schreibe in mein Notizbuch: Das war ein schlechtes Geschäft.”

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20. DAS WELTALL AUS DER SICHT DER WEISEN VON

BABYLON

Rösch - Haschanah, Fol. 31 a: „R. Katthina sagte, daß die Welt 6000

Jahre lang bestehen wird und 1000 Jahre lang werde sie zerstört. (Also die Juden erwarten für das Jahr 2340 die Zerstörung der Welt.) Abajje aber sagte, sie würde 2000 Jahre lang zerstört.” (s.Sanhedrin97a.) Chagigah, Fol. 12b: „R. Jose sagte: Worauf ruht die Erde? Auf Säulen. Die Säulen ruhen auf dem Wasser. Das Wasser ruht auf den Bergen. Die Berge ruhen auf dem Winde. Der Wind ruht auf dem Sturme. Der Sturm hing am Arm des Heiligen. Es gibt zwei Himmel.

Resch Lakisch sagte: Es gibt sieben Himmel.”

Pesachim, Fol. 54a: „Zehn Dinge wurden am Vorabend des Schabbaths bei Dämmerung erschaffen, und zwar: Der Brunnen (der

Jisraeliten in der Wüste), das Manna, der Regenbogen, die Schrift und die Schreibweise (auf den Bundestafeln), die Bundestafeln, das Grab Moschehs, die Höhle, in der Moscheh und Elijahu gestanden haben, die Maulöffnung der Eselin des Bileam (4. Mos. 22,28) und die Mundöffnung der Erde, um die Frevler zu verschlingen. - R. Jehuda sagte: Auch die erste Zange und auch das Fegefeuer; es wird ja gelehrt. Sieben Dinge wurden vor der Weltschöpfung erschaffen, und zwar: Die Gesetzlehre, die Buße, das Paradies, das Fegefeuer, der Thron der Herrlichkeit, der Tempel und der Name des Messias. - An zwei Dinge dachte der Heilige am Vorabend des Schabbaths, sie zu erschaffen; jedoch wurden sie erst am Ausgang des Schabbaths erschaffen. Am Ausgang des Schabbaths gab nämlich der Heilige Adam dem Urmenschen Verstand ein, zwei Steine zu holen und sie aneinander zu reiben, wodurch das Feuer hervorkam; und zwei Tiere zu holen und sie begatten zu lassen, wodurch der Maulesel hervorkam.”

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Baba bathra, Fol. 73a: „… R. Jehuda sagte: Von allem, was der Heilige in seiner Welt erschaffen hat, hat er Männchen und Weibchen erschaffen und den Leviathan, die Rippelschlange hat er als Männchen und Weibchen erschaffen. Wenn sie sich miteinander begattet hätten, würden sie die ganze Welt zerstört haben. Was tat aber der Heilige?

Er kastrierte das Männchen und tötete das Weibchen und salzte sie ein für die Frommen in der zukünftigen Welt, denn es heißt (Jsai. 27,1): ‘und das Seetier im Meer töten.’ Und auch den Behemoth auf dem Tausendgebirge hat er als Männchen und Weibchen erschaffen. Wenn sie sich miteinander begattet hätten, würden sie die ganze Welt zerstört haben. Was tat daher der Heilige? Er kastrierte das Männchen und machte das Weibchen steril und verwahrte sie für die Frommen in der zukünftigen Welt. Sollte er es doch umgekehrt gemacht haben?

Wenn du willst, sage ich: Das Weibchen schmeckt eingesalzen besser.

Wenn du aber willst, sage ich (Ps. 103,26): ‘Der Leviathan, den du geschaffen hast, um mit ihm zu spielen.’ Und mit einem Weibchen paßte es nicht.

Jehuda sagte: Als der Heilige die Welt erschaffen hat, sprach er zu dem Meeresfürsten: Öffne deinen Mund und verschlinge alle Ge-wässer der Welt! Da sprach dieser vor ihm: Herr der Welt, es ist genug, daß ich beim Meinigen verbleibe. Da versetzte er ihm einen Fußtritt und tötete ihn, denn es heißt (Hiob 26,12): ‘Durch seine Macht erregt er das Meer und durch seine Einsicht zerschmetterte Rahab.’ R.

Jizchak sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß der Meeresfürst Rahab heiße. Wenn das Wasser ihn nicht zugedeckt hätte, so könnte es kein Geschöpf vor seinem üblen Geruch aus-halten.”

Pesachim, Fol. 68a: „R. Schemuel sagt, daß es zwischen dieser Welt und den messianischen Tagen keinen Unterschied gebe, als die damalige Knechtschaft der Regierungen.”

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Fol. 94a: „Raba sagte: Das Weltall hat 1600 Parasangen” (l Parasange ca. 5,5 km) „und die Stärke des Himmels hat 1000 Parasangen. Ein gewöhnlicher Mensch geht 10 Parasangen am Tag; demnach beträgt die Stärke des Himmels ein Sechstel des Tages. Mizrajim hat 400 zu 400 Parasangen, und zwar mißt Mizrajim ein Sechzigstel von Kus.

Kus ein Sechzigstel der ganzen Welt, die ganze Welt ein Sechzigstel des Gartens, der Garten ein Sechzigstel des Edens, und der Eden ein Sechzigstel der Hölle; das Verhältnis der ganzen Welt zur Hölle gleicht somit dem Deckel zum Topf.” (s. Taanith lOa.) „Der Raum von der Erde bis zum Himmel beträgt 500 Jahre, die Stärke des Himmels beträgt 500 Jahre, der Raum von einem Himmel zum ändern 500 Jahre, und ebenso auch alle übrigen Himmel.”

Chagiga, Fol. 12a: „… R. Jehuda sagte: Zehn Dinge sind am ersten Tage erschaffen worden, und zwar: Himmel und Erde, Öde und Leere, Licht und Finsternis, Luft und Wasser, das Wesen des Tages und das Wesen der Nacht.” (s. Pesachim Fol. 53a.) „Mittels dieses Lichtes, das der Heilige am ersten Tage erschaffen hat, könnte man von einem Ende der Welt bis zum anderen sehen. Als aber der Herr auf das Zeitalter der Sintflut und der Teilung (der Sprachen beim Turmbau in Babylon) schaute und ihre schlechten Taten sah, versteckte er es vor ihnen. Jehuda sagte: Als der Heilige die Welt erschuf, erweiterte sie sich unaufhörlich wie die zwei Knäuel des Webeaufzugs, bis der Heilige schrie: Daj!” (Genug!) Fol. 13a: „Der Weg von der Erde bis zum Himmel beträgt 500 Jahre, die Dicke des Himmels beträgt 500 Jahre und ebenso der Raum zwischen jedem Himmel. Über diesen befinden sich die heiligen Tiere; die Füße der Tiere (sind so hoch) wie diese alle zusammen; die Unterschenkel der Tiere wie diese alle zusammen; die Oberschenkel der Tiere wie dieses alle zusammen; die Hüften

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der Tiere wie diese alle zusammen; die Rümpfe der Tiere wie diese alle zusammen; die Hälse der Tiere wie diese alle zusammen; die Köpfe der Tiere wie diese alle zusammen; die Hörner der Tiere wie diese alle zusammen. Und über diesen befindet sich der Thron der Herrlichkeit. Die Füße des Throns der Herrlichkeit wie diese alle zusammen.”

Taanith, Fol. lOa: „… Die Rabbiner lehrten: Mizrajim ist 400 Meilen lang und ebenso breit, und das ist ein Sechzigstel von Kusch (Mohrenland), und die Welt ist sechzigmal so groß als Kusch; die ganze Welt ist ein Sechzigstel des Edens, und der Eden ist ein Sechzigstel der Hölle. Somit erscheint die ganze Welt im Vergleich mit der Hölle nicht größer als der Deckel des Topfes.”

Gittin, Fol. 39b: „Sieben Dinge sind vor der Weltschöpfung erschaffen worden, nämlich die Thora, die Buße, das Paradies, die

Hölle, der Thron der Herrlichkeit, das Heiligtum und der Name des Messias. - Moscheh hat gesagt: Wenn der Hölle ein Mund erschaffen worden ist, so ist es gut, wenn aber nicht, so soll der Ewige einen erschaffen.”