(Pause.)
Was ist das?—Alles schweigt!
Sie zeigen sich nicht?
Zürnt ihr mir, oder betrat ein Fuß,
Eines Frevlers Fuß
Die heilige Stätte?
Angst befällt mich, Schauer faßt mich!
(Mit steigender Stimme.)
Allgewaltige! Lauscht meinem Rufen,
Hört Medeens Stimme!
Eure Freundin ist's die ruft.
Ich fleh' ich verlang' es
Erscheinet, erscheint!
Jason (springt hinter der Bildsäule hervor.)
Medea (zurückfahrend).
Ha!
Jason.
Verfluchte Zauberin, du bist am Ende,
Erschienen ist, der dich vernichten wird.
(Indem er mit vorgehaltenem Schwerte hervorspringt verwundet er
Medeen am Arme.)
Medea (den verwundeten rechten Arm mit der linken Hand fassend).
Weh mir!
(Stürzt auf den Felsensitz hin, wo sie schwer atmend leise ächzt.)
Jason.
Du fliehst? Mein Arm wird dich ereilen!
(Im Dunkeln herum blickend.)
Wo ist sie hin!
(Er nimmt die Lampe und leuchtet vor sich hin.)
Dort!—Du entgehst mir nicht!
(Hinzutretend.)
Verruchte!
Medea (stöhnend).
Ah!
Jason.
Stöhnst du? Ja zittre nur!
Mein Schwert soll deine dunkeln Netze lösen!
(Sie mit der Lampe beleuchtend).
Doch seh' ich recht? Bist du die Zauberin,
Die dort erst heischre Flüche murmelte?
Ein weiblich Wesen liegt zu meinen Füßen,
Verteidigt durch der Anmut Freiheitsbrief,
Nichts zauberhaft an ihr, als ihre Schönheit.
(Bist) du's?—Doch ja! Der weiße Arm, er blutet,
Verletzt von meinem mitleidslosen Schwert!
Was hast du angerichtet? Weißt du wohl,
Ich hätt' dich töten können, holdes Bild,
Beim ersten Anfall in der dunkeln Nacht?
Und Schade wär's, fürwahr, um so viel Reiz!
Wer bist du, doppeldeutiges Geschöpf?
Scheinst du so schön und bist so arg, zugleich
So liebenswürdig und so hassenswert,
Was konnte dich bewegen, diesen Mund,
Der, eine Rose, wie die Rose auch
Nur hauchen sollte süßer Worte Duft,
Mit schwarzer Sprüche Greuel zu entweihn?
Als die Natur dich dachte, schrieb sie: (Milde)
Mit holden Lettern auf das erste Blatt
Wer malte Zauberformeln auf die andern?
O geh! ich hasse deine Schönheit, weil sie
Mich hindert deine Tücke recht zu hassen!
Du atmest schwer. Schmerzt dich dein Arm? Ja, siehst du
Das sind die Früchte deines argen Treibens!
Es blutet! Laß doch sehn!
(Nimmt ihre Hand.)
Du zitterst, Mädchen,
Die Pulse klopfen, jede Fiber zuckt.
Vielleicht bist du so arg nicht, als du scheinst,
Nur angesteckt von dieses Landes Wildheit,
Und Reue wohnt in dir und fromme Scheu.
Heb auf das Aug und blicke mir ins Antlitz,
Daß ich die dunkeln Rätsel deines Handelns
Erläutert seh' in deinem klaren Blick.—
Du schweigst!—O wärst du stumm, und jene Laute,
Die mir ertönten, fluchenswerten Inhalts,
Gesprochen hätte sie ein andrer Mund,
Der minder lieblich, Mädchen, als der deine.
Du seufzest!—Sprich!—Laß deine Worte tönen;
Vertrau' den Lüften sie, als Boten, an,
Sonst holt mein Mund sie ab von deinen Lippen.
(Er beugt sich gegen sie.)
(Man hört Waffengeklirr und Stimmen in der Ferne.)
Horch!—Stimmen!
(Er läßt sie los.)
Näher!
(Medea steht auf.)
Deine Freunde kommen
Und ich muß fort. Des freuest du dich wohl?
Allein ich seh' dich wieder, glaube mir!
Ich muß dich sprechen hören, gütig sprechen,
Und kostet' es mein Leben!—Doch man naht.
Glaub' nicht, daß ich Gefahr und Waffen scheue,
Doch auch ein Tapfrer weicht der Überzahl,
Und meiner harren Freunde.—Leb' denn wohl.
(Er geht dem Seiteneingange zu, durch den er gekommen ist. Aus
diesem, so wie aus dem Haupteingange stürzen) Bewaffnete (herein,
mit ihnen) Absyrtus.
Absyrtus.
Zurück!
Jason.
So gilt's zu fechten!—Gebet Raum!
Absyrtus.
Dein Schwert!
Jason.
Dir in die Brust, nicht in die Hand!
Absyrtus.
Fangt ihn!
Jason (sich in Stellung werfend).
Kommt an! Ihr alle schreckt mich nicht!
Absyrtus.
Laß uns versuchen denn!
(Stürzt auf Jason los.)
Medea (macht eine abhaltende Bewegung gegen ihn).
Absyrtus (zurücktretend).
Was hältst du mich Schwester?
Jason.
Du sorgst um mich? Hab' Dank, du holdes Wesen,
Nicht für die Hilfe, ich bedarf sie nicht,
Für diese Sorge Dank. Leb' wohl, o Mädchen,
(Sie bei der Hand fassend und rasch küssend.)
Und dieser Kuß sei dir ein sichres Pfand,
Daß wir uns wiedersehn!—Gebt Raum!
(Er schlägt sich durch.)
Absyrtus.
Auf ihn!
(Jason durch die Seitentüre fechtend ab.)
Absyrtus.
Ihm nach! Er soll uns nicht entrinnen!
(Eilt Jason nach mit den Bewaffneten.)
Medea (die unbeweglich mit gesenktem Haupt gestanden, hebt jetzt
Kopf und Augen empor).
Götter!
(Ihre Jungfrauen stehen um sie.)
(Der Vorhang fällt.)
Zweiter Aufzug
(Halle wie am Ende des vorigen Aufzuges. Es ist Tag.)
Gora, Peritta. Jungfrauen.
Gora.
Ich sage dir, sprich lieber Medeen nicht.
Ob der Ereignung zürnt sie der heutigen Nacht
Und sie spricht sich nicht gut, wenn sie zürnt; das weißt du!
Auch gebot sie dir, ihr Antlitz zu fliehn.
Peritta.
Was soll ich tun? Wer hilft, wenn sie nicht?
Gefangen der Gatte, die Hütte verbrannt.
Alles geraubt von den fremden Männern
Wem klag' ich mein Leid, wer rettet, wenn sie nicht?
Gora.
Tu wie du willst, ich hab' dich gewarnt,
Auch ist's recht und billig nur, daß sie dich hört,
Aber der Mensch tut nicht immer was recht.
Peritta.
Ach, ich Unselige!
Gora.
Klage nicht! Was hilft's
Überleg' und handle, das tut dir Not!
Doch wo weilt Medea? komm in ihr Gemach.
(Eine) Jungfrau (stürzt atemlos herein.)
Jungfrau.
O Übermaß des Unglücks!
Gora (an der Türe umkehrend).
Wohl nur der Torheit, will ich hoffen!
Was neues gibt's?
Jungfrau.
Der Fürstin Lieblingspferd.—
Gora.
Das herrliche Tigerroß—
Jungfrau.
Es ist entflohn!
Gora.
So?
Jungfrau.
In der Verwirrung der heutigen Nacht
Da die Pforte offen, wir alle voll Angst,
Entkam es dem Stall und ward nimmer gesehn!
Weh mir!
Gora.
Ja wohl!
Jungfrau.
Wie entflieh' ich der Fürstin Zorn?
Wird sie's ertragen—?
Gora.
Das (wie) ist ihre Sache
Doch tragen muß sie's, da es (ist).
Nur rat' ich dir geh fürs erste ihr aus dem Auge!
Doch horch! Sie naht schon! Peritta tritt zu mir.
Medea (kommt in Gedanken versunken aus der Türe rechts.)
Gora (nach einer Pause).
Medea—
Jungfrau (ihr zuvorkommend und zu Medeens Füßen stürzend).
O Königin verzeih!
Medea (den Kopf emporhebend).
Was ist?
Jungfrau.
Vernichte mich nicht in deinem Zorn!
Dein Leibroß—Dein Liebling!—Es ist entflohn.
(Pause während welcher sie Medeen voll Erwartung ins Gesicht sieht).
Nicht meine Schuld war's fürwahr. Der Schrecken heut Nacht
Das Getümmel, der Lärm—Da geschah's—
Du sprichst nicht?—Zürne Fürstin—
Medea.
Es ist gut!
(Jungfrau steht auf.)
Gora (sie bei Seite ziehend).
Was sprach sie?
Jungfrau (freudig).
Es sei gut.
Gora.
Das ist (nicht) gut!
Trägt sie so leicht, was sie sonst schwer ertrug,
Das begünstigt unsre Sache, Peritta!
Fast ist mir's unlieb, daß sie so mild gestimmt
Ich hatte mich drauf gefreut, wie sie sich sträuben würde
Und endlich überwinden müßte zu tun was sie soll.
Nu komm denn, komm, für dich ist's besser so.
Medea hier ist noch jemand den du kennst!
Medea.
Wer?
Gora.
Kennst deine Gespielin, Peritta, nicht?
Zürnst du ihr gleich—
Medea.
Peritta bist du's;
Sei mir gegrüßt, sei herzlich mir gegrüßt!
(Sie mit dem Arm umschlingend und sich auf sie stützend.)
Wir haben frohe Tage zusammen gelebt.
Seit dem ist viel übles geschehn.
Viel übles seit der Zeit, Peritta!
Hast du deine Herde verlassen und dein Haus
Und kommst wieder zu mir, Peritta?
Sei mir willkommen, du bist sanft und gut,
Du sollst mir die Nächste sein im Kreis meiner Frauen!
Peritta.
Kein Haus hab' ich mehr und keine Herde
Alles verloren, mein Gatte gefangen,
Dahin meine Ruhe, mein Segen, mein Glück.
Medea.
So ist er dahin, ist tot!
Du dauerst mich armes, armes Kind!
War so jung, so kräftig, so glänzend, so schön,
Und ist tot und kalt! Du dauerst mich
Ich könnte weinen, so rührst du mich.
(Legt ihre Stirne auf Perittas Schulter.)
Peritta.
Nicht tot, nur gefangen ist mein Gatte
Drum kam ich zu flehn, daß du bittest den Vater
Ihn zu lösen, zu retten, zu befrein—
Medea hörst du?—
(Zu Gora.)
Sie spricht nicht! Was sinnt sie?
Gora.
Mich überrascht sie nicht minder als dich
Das ist sonst nicht Medeens Sitte.
Peritta.
Was ist das? Trau' ich meinen Sinnen?
Feucht fühl' ich dein Antlitz auf meiner Schulter!
Medea Tränen?—O du Milde, du Gute!
(Küßt Medeens herabhängende Hand.)
(Medea reißt sich empor, faßt rasch mit der rechten Hand die geküßte Linke und sieht Peritten starr ins Gesicht. Dann entfernt sie sich rasch von ihr, sie immer starr betrachtend und nähert sich der Amme.)
Medea.
Gora!
Gora.
Frau?
Medea.
Heiß sie gehn!
Gora.
So willst du—
Medea.
Heiß sie gehn!
Gora
(winkt Peritten mit der Hand Entfernung zu).
(Peritta hält flehend ihr die Hände entgegen.)
(Gora winkt ihr beruhigend zu, sich zu entfernen.)
(Peritta von zwei Mädchen geführt, ab.)
Medea (unterdessen).
Ah!—es ist heiß hier.—Schwüle Luft.
(Reißt gewaltsam den Gürtel entzwei und wirft ihn weg.)
Gora.
Sie ist fort!.
Medea (zusammenfahrend).
Fort?
Gora.
Peritta ist fort.
Medea.
Gora!
Gora.
Gebieterin!
Medea (halblaut, sie bei Seite führend).
Warst du zugegen heut Nacht?
Gora.
Wo?
Medea (Sieht ihr fremd ins Gesicht.)
Gora.
Ah hier? Freilich!
Medea (mit freudeglänzenden Blicken).
Ich sage dir es war ein Gott!
Gora.
Ein Gott?
Medea.
Ich habe lange darüber nachgedacht,
Nachgedacht und geträumt die lange Nacht,
Aber 's war ein Himmlischer, des bin ich gewiß.
Als er mit einemmal dastand, zürnenden Muts,
Hochaufleuchtend, einen Blitz in der Hand
Und zwei andre im flammenden Blick,
Da fühlt' ich's am Sinken des Muts, an meiner Vernichtung,
Daß ihn kein sterbliches Weib gebar.
Gora.
Wie? so—
Medea.
Du hast mir wohl selbst erzählet,
Oft, daß Menschen, die nah dem Sterben,
(Heimdar) sich zeige, der furchtbare Gott,
Der die Toten führt in die schaurige Tiefe.
Sieh, der war es glaub' ich, o Gora!
(Heimdar) war es, der Todesgott.
Bezeichnet hat er sein dunkles Opfer,
Bezeichnet mich mit dem ladenden Kuß
Und Medea wird sterben, hinuntergehn
Zu den Schatten der schweigenden Tiefe.
Glaub' mir, ich fühle das, gute Gora,
An diesem Bangen, an diesem Verwelken der Sinne,
An dieser Grabessehnsucht fühl' ich es,
Daß mir nicht fern das Ende der Tage!
Gora.
Was hat deinen Sinn so sehr umwölkt,
Daß du trüb schaust, was klar und deutlich?
Ein Mensch war's, ein Übermüt'ger, ein Frecher
Der hier eindrang
Medea (zurückfahrend).
Ha!
Gora.
Der die Nacht benützend—
Medea.
Schweig!
Gora.
Deine Angst
Medea.
Verruchte schweig.
Gora.
Schweigen kann ich wenn du's gebietest,
Einst mein Pflegling, jetzt meine Frau.
Aber drum ist's nicht anders als ich sagte.
Medea.
Sieh wie du albern bist und töricht!
Wie käm' ein Fremder in diese Mauern?
Wie hätt' ein Sterblicher sich erfrecht,
Zu drängen sich vor Medeas Antlitz,
Sie zu sprechen, ihr zu drohn, mit seinen Lippen—
Geh Unselige, geh
Daß ich dich nicht töte,
Nicht räche deine Torheit
An deinem Leben.
Ein Sterblicher? Scham und Schmach!
Entferne dich, Verräterin!
Geh! sonst trifft dich mein Zorn.
Gora.
Ich rede was ist und nicht was du willst.
Gehn soll ich? ich gehe.
Medea.
Gora, bleib!
Hast du kein freundlichs Wort, du Gute?
Fühlst du denn nicht, so ist's so muß es sein,
(Heimdar) war es, der stille Gott,
Und nun kein Wort mehr, kein Wort, o Gora!
(Wirft sich ihr an den Hals und verschließt mit ihrem Munde Goras
Lippen.)
(Nach einer Pause.)
Medea.
Horch!
Gora.
Tritte nahen!
Medea.
Man kommt! Fort!
Gora.
Bleib! Dein Bruder ist's und dein Vater! Sieh!
Aietes und Absyrtus (stürzen herein.)
Aietes.
Entkommen ist er, des trägst du die Schuld!
(Zu Medeen.)
Warum hemmtest den Streich des Bruders,
Da er ihn töten wollte, den Frevler?
Absyrtus.
Vater, scheltet sie nicht darum
War doch angstvoll und bang ihre Seele!
Denkt! ein Fremder, allein, bei Nacht,
Eingedrungen in ihre Kammer;
Sollte sie da nicht zagen, Vater?
Und nicht weiß die Furcht was sie tut.
Doch der Grieche—
Medea.
Grieche?
Aietes.
Wer sonst?
Einer der Fremden war's, der Hellenen,
Die gekommen an Kolchis' Küste,
Argonauten, auf Argo dem Schiff,
Zu verwüsten unsere Täler
Und zu rauben unser Gut.
Medea
(Goras Hand fassend).
Gora!
Gora.
Siehst du? es ist so, wie ich sagte.
Absyrtus.
Übermütig sind sie und stark
Ja, bei Peronto! Stark und kühn!
Setzt' ich nicht nach ihm, ich und die Meinen
Hart ihn drängend, nach auf den Fersen?
Aber er führte in Kreisen sein Schwert
Keiner von uns kam ihm nah zu Leibe.
Jetzt zum Strom gekommen, warf er
Raschen Sprungs sich hinein.
Dumpf ertönte die Gegend dem Sturze,
Hoch auf spritzten die schäumenden Wasser
Und er verschwand in umhüllende Nacht.
Aietes.
Ist er entkommen dieses Mal
Fürder soll es ihm nicht gelingen!
Die kühnen Fremdlinge stolz und trotzig
Haben Zweisprach begehrt mit mir.
Zugesagt hab' ich's, den Groll verbergend
Den tödlichen Haß in der tiefen Brust
Aber gelingt mir, was ich sinne,
Und bist du mir gewärtig mit deiner Kunst,
So soll sie der frevelnde Mut gereuen,
So endet der Streit noch eh er begann.
Auf Medea, komm! Mach' dich fertig
Gut zu machen, was du gefehlet
Und zu rächen die eigene Schmach
(Deine) Sache ist's nun geworden
Haben sie doch an dir auch gefrevelt,
Gefrevelt durch jenes Kühnen Tat,
Denn wahr ist's doch, was Absyrtus mir sagte,
Daß er's gewagt mit entehrendem Kuß—
Medea.
Vater schweig, ich bitte dich—
Aietes.
Ist's wahr?
Medea.
Frage mich nicht was wahr, was nicht!
Laß dir's sagen die Röte meiner Wangen
Laß dir's sagen—Was soll ich? Gebeut!
Willst du vernichten die Schar der Frevler?
Sage nur wie, ich bin bereit!
Aietes.
So recht Medea, so mag ich's gern
So erkenn' ich in dir mein Kind
Zeig' daß dir fremd war des Frechen Erkühnen
Laß sie nicht glauben, du habest gewußt
Selber gewußt um die frevelnde Tat!
Medea.
Gewußt? Wer glaubt das, Vater und von wem?
Aietes.
Wer? der's sah, der's hörte, Kind!
Wer Zeuge war wie Aletes' fürstliche Tochter
Den Kuß duldete von des Frevlers Lippe.
Medea.
Vater!
Aietes.
Was ist?
Medea.
Du tötest mich!
Aietes.
(Ich) glaub's (nicht), Medea!
Medea.
Wirklich nicht?
Laß uns gehn!
Aietes.
Wohin?
Medea.
Wohin du willst
Zu vernichten, zu töten, zu sterben!
Aietes.
Du versprichst mir also?
Medea.
Ich hab' es gesagt!
Aber laß uns gehn!
Aietes.
Hör' erst!
Medea.
Nicht hier!
Hohnzulachen scheint mir des Gottes Bild
Des Gewölbes Steine formen sich mir
Zu lachenden Mäulern und grinsenden Larven.
Hinweg von dem Orte meiner Schmach!
Nimmer betret' ich ihn. Vater komm!
Was du willst, wie du willst, doch fort von hier!
Aietes.
So höre!
Medea.
Fort!
Aietes.
Medea!
Medea.
Fort!
(Eilt ab.)
Aietes.
Medea!
(Mit Absyrtus ihr nach.)
(Freier Platz mit Bäumen. Links im Hintergrunde des Königs Zelt.)
Acht Abgeordnete der Argonauten (treten auf von einem) Kolchischen
Hauptmanne (geleitet.)
Hauptmann.
Hier sollt ihr weilen ist des Königs Befehl
Bald naht er selbst.
Erster Argonaut.
Befehl? Nichtswürdiger Barbar,
Für dich mag's sein, doch uns Befehl?
Wir harren deines Königs weil wir wollen,
Doch eil' er sich, sonst suchen wir ihn auf!
Zweiter Argonaut.
Laß ihn! Die Knechtesrede ziemt dem Knecht!
(Kolcher ab.)
So sind wir hier; erreicht des Strebens Ziel!
Nach mancher Fährlichkeit zu Land und See
Umfängt uns Kolchis' düstre Märchenwelt,
Von der man spricht so weit die Sonne leuchtet.
Was keinem möglich deuchte ist geschehn;
Durchsegelt ist ein unbekanntes Meer,
Das zürnend Untergang dem ersten Schiffer drohte,
Zu neuen Völkern und zu neuen Ländern
Tat sich der Weg, und was oft schwerer noch,
Tat auch der Rückweg sich uns günstig auf:
Wir sind in Kolchis, unsrer Reise Ziel.
So weit hat gnädig uns ein Gott geführt;
Doch jetzo fürcht' ich wendet er sich ab!
Wir stehn in Feindes Land, von Tod umgeben
Fremd, ohne Rat und Führer—Jason fehlt.
Er, der zum Zug geworben, ihn geführt,
Er, dessen eigne Sache wir verfechten,
Mit Milo hat er sich vom Zug entfernt,
Heut Nacht entfernt und ward nicht mehr gesehn.
Ob er im Wald verirrt, verlassen schmachtet,
Ob er ins Netz gefallen der Barbaren,
Ob ihn aus Hinterhalt der Tod ereilt
Ich weiß es nicht, doch jedes steht zu fürchten.
So aufgelöst, vereinzelt, ohne Band,
Ist jeder nun sein eigner Rat und Führer
Drum frag' ich euch, die Ersten unsrer Schar:
Was ist zu tun?
(Alle schweigen mit gesenkten Häuptern.)
Ihr schweigt. Jetzt gilt's Entschluß!
Geladen von dem König dieses Landes
Zur Zweisprach, zum Versuch der Gütlichkeit,
Schien's uns gefährlich, ob des Führers Abgang
Den Aufruf abzulehnen, der geschehn,
Und zu enthüllen unsre Not und Schwäche.
Wir gingen, wir sind hier!—Was nun zu tun?
Wer Rat weiß, spreche nun!
Dritter Argonaut.
Du bist der Ältste
Sprich du!
Zweiter Argonaut.
Der Ältste ist der Erste nicht
Wo's Kraft gilt und Entschluß. Fragt einen andern!
Erster Argonaut.
Laßt uns die Schwerter nehmen in die Hand
Den König töten und sein treulos Volk
Dann fort, doch erst die Beut' ins Schiff gebracht!
Zweiter Argonaut.
Nicht auch das Land und heimgebracht zur Schau?
Dein Rat ist unreif Freund wie deine Jahre.
Gebt andern!
Dritter Argonaut.
Rate du, wir folgen dir!
Zweiter Argonaut.
Mein Rat ist Rückkehr! Murrt ihr? Nun wohlan
Sprech' einer Besseres, ich stimme bei!
Ihr schweigt gesamt und Niemand tritt hervor.
So hört, und stört nicht oder überzeugt mich!
Nicht eignes Streben hat uns hergeführt
Was kümmert Kolchis uns mit seinen Wundern?
Dem Mut, dem Glücke Jasons folgten wir
Den Arm ihm leihend zum gebotnen Werk;
Er tat des Oheims Willen, wir den seinen.
Wer ist, der treten mag an Jasons Stelle,
Hat ihn der Tod, wie möglich, hingerafft?
Wem liegt daran das Wundervließ zu rauben
Das Tod umringt und dräuende Gefahr?
Habt ihr gehört? im Schlund der Höhle liegt's,
Bewacht von eines Drachen gift'gen Zähnen,
Vom Graun verteidigt schwarzer Zauberei,
Beschützt von allem was verrucht und greulich;
Wer wagt's von euch, wer hebt den goldnen Schatz?
Wie Keiner? Nun, so woll' auch keiner (scheinen)
Was keiner Kraft und Willen hat zu (sein).
Hier leg' ich von mir Schild und Speer
Und geh' zum König als ein Mann des Friedens.
Drei Tage gönn' er uns zu harren Zeit,
Und kehrt dann Jason nicht, so ziehn wir heim.
Wer mit mir gleichdenkt, tue so wie ich.
Ein Held ist wer das Leben Großem opfert
Wer's für ein Nichts vergeudet ist ein Tor!
(Die meisten stoßen ihre Speere in den Boden.)
Nun kommt zu Kolchis' König. Gerne tauscht er
Die eigne Sicherheit wohl aus für unsre!
Erster Argonaut.
Halt noch. Dort nahn zwei Griechen! Milo ist's
Der fort mit Jason ging und—
(schreiend)
Jason selber!
Jason!
Mehrere.
Jason!
Alle (tumultuarisch).
Jason!
Milo
(hinter der) Szene). Hier Gefährten! Hier Jason, Argonauten!
Erster Argonaut (zum zweiten).
Was sagst du nun?
Zweiter Argonaut.
Daß Jason da ist, sag' ich Freund wie du.
Statt meines Rates gibt er euch die Tat.
Nur da er fort war hatt' ich eine Meinung!
Milo (tritt auf), Jason (an der Hand führend.)
Milo.
Hier habt ihr ihn! Hier ist er ganz und gar!
Nun seht euch satt an ihm und schreit und jubelt!
(Die Argonauten drängen sich um Jason, fassen seine Hände und drücken ihre Freude aus.)
Vermischte Stimmen.
Willkommen—Jason!—Freund!—Willkommen Bruder!
Jason.
Habt ihr um mich gebangt? Hier bin ich wieder!
(Indem er den Andrängenden die Hände reicht.)
Milo (den nächststehenden umarmend).
Freund siehst du, er ist da? Gesund und rüstig!
Und's ging ihm nah ans Leben, ei beim Himmel!
Ein Haar! und ihr saht Jason nimmer mehr!
Er wagte sich, allein—ich durft' nicht mit—
Um euretwillen Freunde wagt' er sich,
Im dichten Wald, allein, in einen Turm,
Der voll Barbaren steckte bis zum Giebel.
Da hieß es fechten.
Jason.
Ja fürwahr es galt!
Verloren war ich, wenn ein Mädchen nicht—
Milo.
Ein Mädchen? Ein Barbarenmädchen?
Jason.
Ja!
Milo.
Sieh davon sagtest du mir früher nichts!
Und war sie schön?
Jason.
So schön so reizend so—
Doch eine arge, böse Zauberin.—
Ihr dank' ich dies mein Leben!
Milo.
Wackres Mädchen!
Jason.
Ich schlug mich durch und—doch genug, ich lebe
Und bin bei euch!—Doch was führt euch hierher?
Zweiter Argonaut.
Zur Zweisprach ließ uns laden Kolchis' König
Vernehmen will er unsre Forderung
Und dann entscheiden.
Jason.
Hier?
Zweiter Argonaut.
Hier ist sein Sitz!
Jason.
Ich will ihn sprechen. Fügt er sich in Frieden
Gut denn! wenn nicht, dann mag das Schwert entscheiden.
(Auf die seitwärts gestellten Speere zeigend.)
Doch diese Waffen!—Seid ihr hier so sicher
Daß ihr des Schutzes selber euch beraubt?
(Sie nehmen beschämt die weggelegten Speere wieder auf.)
Ihr schweigt und schlagt beschämt die Augen nieder?
Habt ihr?—
(Zu Milo.)
Oh sieh, sie meiden meinen Blick!
Unglückliche! es war doch nicht die Furcht—
Die (Furcht) Hellenen, die den Speer euch nahm?
Es war's nicht—?
(Zu Milo.)
Ach es war's! Die Unglücksel'gen
Sie wagen's nicht der Lüge mich zu zeihn.
Was hat euch denn verblendet arme Brüder?—
Es war die (Furcht)!—
(Zu einem der sprechen will.)
Ich bitte dich, sprich nicht
Ich kann mir denken was du fühlst. Sprich nicht!
Mach' nicht, daß ich mich schäme vor mir selbst!
Denn, o nicht ohne Tränen könnt' ich schauen
In ein von Scham gerötet Männerantlitz.
Ich will's vergessen wenn ich kann.
(Ein Kolcher tritt auf.)
Kolcher.
Der König naht!
Jason.
So laßt uns stark sein und entschlossen, Freunde
Nicht ahne der Barbar, was hier geschehn!
Aietes (tritt auf mit) Gefolge.
Aietes.
Wer ist der das Wort führt für die Fremden!
Jason (vortretend).
Ich!
Aietes.
Beginn!
Jason.
Hochmütiger Barbar, du wagst—?
Aietes.
Was willst du?
Jason.
Achtung!
Aietes.
Achtung?
Jason.
Meiner Macht,
Wenn meinem Namen nicht!
Aietes.
Wohlan, so sprich!
Jason.
Thessaliens Beherrscher, Pelias,
Mein Oheim und mein Herr, schickt mich zu dir,
Mich, Jason, dieser Männer Kriegeshaupt,
Zu dir zu reden, wie ich jetzo rede!
Gekommen ist die Kunde übers Meer,
Daß Phryxus, ein Hellene, hohen Stammes,
Den Tod gefunden hier in deinem Reich!
Aietes.
Ich schlug ihn nicht.
Jason.
Warum verteidigst du dich,
Eh ich dich noch beschuldigt? Hör' mich erst.
Mit Schätzen und mit Gute reich beladen
War Phryxus' Schiff. Das blieb in deiner Hand
Als er verblich geheimnisvollen Todes!
Sein Haus ist aber nahverwandt dem meinen,
Drum in dem Namen meines Ohms und Herrn
Fordr' ich, daß du erstattest, was sein eigen,
Und was nun mein und meines Fürstenhauses.
Aietes.
Nichts weiß ich von Schätzen.
Jason.
Laß mich enden.
Das Köstlichste von Phryxus' Gütern aber
Es war ein köstliches, geheimnisvolles Vließ,
Des er entkleidete in Delphis hoher Stadt
Das Bildnis eines unbekannten Gottes
Das dort seit grauen Jahren aufgestellt,
Man sagt, von den Urvätern unsers Landes,
Die fernher kommend, und von Oben stammend,
Das Land betraten und der Menschheit Samen
Weitbreitend in die leere Wildnis streuten,
Und Hellas' Väter wurden, unsre Ahnen
Von ihnen sagt man stamme jenes Zeichen,
Ein teures Pfand für Hellas' Heil und Glück.
Vor allem nun dies Vließ fordr' ich von dir,
Daß es ein Kleinod bleibe der Hellenen
Und nicht in trotziger Barbaren Hand
Zum Siegeszeichen diene wider sie.
Sag' was beschließest du?
Aietes.
Ich hab's nicht!
Jason.
Nicht?
Das goldne Vließ?
Aietes.
Ich hab's nicht, sag' ich dir!
Jason.
Ist dies dein letztes Wort?
Aietes.
Mein letztes!
Jason.
Wohlan!
(Wendet sich zu gehn.)
Aietes.
Wo willst du hin?
Jason.
Fort, zu den Meinen,
Sie zu den Waffen rufen, um zu sehen,
Ob du der Macht unnahbar wie dem Recht.
Aietes.
Ich lache deiner Drohungen!
Jason.
Wie lange?
Aietes.
Tollkühner! Mit einem Häufchen Abenteurer
Willst du trotzen dem König von Kolchis?
Jason.
Ich will's versuchen!
(Will gehen.)
Aietes.
Halt! Du rasest glaub' ich.
Ist wirklich der Götter Huld geknüpft an jenes Zeichen
Und ist dem Sieg und Rache, der's besitzt,
Wie kannst du hoffen zu bestehen gegen mich,
In dessen Hand—
Jason.
Ha, so besitzest du's?
Aietes.
Wenn's wäre, mein' ich, wie du glaubst.
Jason.
Ich weiß genug!
Schwachsinniger Barbar, und darauf stützest
Du deiner Weigrung unhaltbaren Trotz?
Du glaubst zu siegen, weil in deiner Hand—
Nicht gut nicht schlimm ist, was die Götter geben
Und der Empfänger erst macht das Geschenk.
So wie das Brot, das uns die Erde spendet,
Den Starken stärkt, des Kranken Siechtum mehrt,
So sind der Götter hohe Gaben alle,
Dem Guten gut, dem Argen zum Verderben.
In meiner Hand führt jenes Vließ zum Siege
In deiner sichert's dir den Untergang.
Sprich selbst, wirst du es wagen zu berühren
Besprützt wie's ist mit deines Gastfreunds Blut,—
Aietes.
Schweig!
Jason.
Sag' gibst du's heraus?—ja oder nein!
Aietes.
So höre mich!
Jason.
Ja oder nein!
Aietes.
Du rascher!
Warum uns zanken ohne Not
Laß uns friedlich überlegen
Und dann entscheiden was zu geschehn!
Jason.
Du gibst es denn heraus?
Aietes.
Was?—Ei laß das!
Wir wollen uns erst kennen und verstehn.
Dem Freunde gibt man, nicht dem Fremden!
Tritt ein bei mir und ruhe von der Fahrt.
Jason.
Ich trau' dir nicht!
Aietes.
Warum nicht?
Ist auch rauh meine Sprache, fürchte nichts.
Laß dir's wohl sein in meinem Lande.
Liebst du den Becher? Wir haben Tranks die Fülle.
Jagd? Wildreich sind unsre Forste.
Magst du dich freun in der Weiber Umarmung?
Kolchis hat—
(Näher zu ihm tretend.)
Liebst du die Weiber?
Jason.
(Eure) Weiber? und doch—
Aietes.
Liebst du die Weiber?
Jason.
Kennst einen Turm du dort im nahen Walde,
Der—doch wo bin ich! Komm zur Sache König!
Gibst du das Vließ?
Aietes
(zu einem Kolcher). Ruf Medeen und bring' Wein!
Jason.
Noch einmal, gibst du mir das Vließ?
Aietes.
Sei ruhig!
Erst gezecht dann zum Rat, so halten wir's.
Jason.
Ich will von deinen Gaben nichts.
Aietes.
Du sollst!
Ungespeist geht keiner aus Aietes' Hause!
Sieh man kommt, laß dir's gefallen, Fremdling!
Medea (kömmt verschleiert einen Becher in der Hand, mit ihr) Diener
(die Pokale tragen.)
Aietes.
Hier trink, mein edler Gast!
(Zu Medeen.)
Ist er bereitet?
Medea.
O frage nicht!
Aietes.
So geh und biet ihn an!
Erlabe dich mein Gast!
Jason.
Ich trinke nicht!
(Medea fährt beim Klang von Jasons Stimme zusammen. Sie blickt empor, erkennt ihn und tritt einige Schritte zurück.)
Aietes (zu Jason).
Warum nicht?
(Zu Medeen.)
Hin zu ihm. Tritt näher sag' ich!
Jason.
Was seh' ich?—Diese Kleider!—Mädchen bleib!
Dein Kleid erneuert mir ein holdes Bild
Das ich nur erst—Gib deinen Becher mir,
Ich wag's auf deine Außenseite! Gib!
(Er nimmt den Becher aus ihrer Hand.)
Ich leer' ihn auf dein Wohl!
Medea.
Halt ein!
Jason.
Was ist?
Medea.
Du trinkst Verderben!
Jason.
Wie?
Aietes.
Medea!
Jason
(indem er den Becher wegwirft).
König
Das deine Freundschaft? Rache dir Barbar!
Doch du, wer bist du? die so sonderbar
Mit Grausamkeit vereinet Mitleids Milde?
Laß mich dich schaun!
(Er reißt ihr den Schleier ab.)
Sie ist's! Es ist dieselbe!
Aietes.
Medea fort!
Jason.
Medea heißest du?
So sprich Medea denn!
Medea.
Was willst du?
Jason.
Wie?
So mild dein Tun und rauh dein Wort, Medea?
Nur zweimal sah ich dich und beidemal
Verdank' ich dir mein Leben. Habe Dank!
Es scheint die Götter haben uns ersehn
Uns Freund zu sein, nicht Feinde, o Medea!
Noch einmal diesen Blick, o sieh nicht weg!
Schau' mir ins Aug, ich mein' es rein und gut.
(Erfaßt ihre Hand und wendet sie gegen sich.)
Laß mich in deinem Blick die Kunde lesen
(Medea entreißt ihm die Hand.)
Jason.
Halt ein!
Medea (sich emporrichtend).
Verwegner wagst du's?—Weh!
(Sie begegnet seinem Blicke, fährt zusammen und entflieht.)
Jason.
Medea!
(Medea ab.)
(Er eilt ihr nach.)
Aietes.
Zurück!
Jason.
Du selbst zurück, Barbar!—Medea!
(Indem er ins Zelt dringen will und Aietes sich ihm abwehrend in
den Weg stellt, fällt der Vorhang.)
Dritter Aufzug
(Das Innere von des Königs Zelte. Der hintere Vorhang desselben ist so, daß man durch denselben, ohne die draußen befindlichen Personen genau unterscheiden zu können, doch die Umrisse derselben erkennen kann.) Medea, Gora, Jungfrauen (im Zelte.) Jason, Aietes (und) Alle Personen des letzten Aktschlusses (außer demselben.) (Medea steht links im Vorgrunde aufgerichtet, die linke Hand auf einen Tisch gestützt, die Augen unbeweglich vor sich gerichtet in der Stellung einer die hört was außen vorgeht. Gora sie beobachtend auf der andern Seite des Tisches. Jungfrauen teils knieend, teils stehend um sie gruppiert. Einige) Krieger (im Hintergrunde des Zeltes an den Seiten aufgestellt.)
Jason (von außen).
Ich will hinein!
Aietes (außen).
Zurück!
Jason.
Denkst du's zu wehren?
Vom Schwert die Hand! die Hand vom Schwerte sag' ich,
Das meine zuckt, ich kann nicht drohen sehn!
Ich will hinein! Gib Raum!
Aietes.
Zurück Verwegner!
Gora (zu Medeen).
Er rast der Freche!
Jason (außen).
Hörst du mich Medea?
Gib mir ein Zeichen wenn du hörst!
Gora.
Vernahmst du?
Jason.
Dringt bis zu dir mein Ruf, so gib ein Zeichen.
Erwählte!
(Medea, die bis jetzt unbeweglich gestanden fährt zusammen und legt die Hand auf die tiefatmende Brust.)
Jason.
Sieh, mein Arm ist offen. Komm!
(Jasons Stimme kommt immer näher.)
Ich hab' dein Herz erkannt! Erkenn' das meine
Medea komm!
Aietes.
Zurück!
Gora.
Er dringt herein!
(Medea reißt sich aus den Armen ihrer Jungfrauen los und flieht auf die andere Seite des Vorgrunds.)
Jason.
Ich rufe dir! Ich liebe dich, Medea.
Gora (Medeen folgend).
Hast du gehört?
Medea (verhüllt die Augen mit der Hand).
Gora (dringend).
Unglückliche das also war's?
Daher die Bewegung, daher deine Angst
O Schmach und Schande, wär' es wirklich?
Medea (aufgerichtet, sie mit Hoheit anblickend).
Was?
Jason (indem er die Vorhänge des Zeltes aufreißt).
Ich muß sie sehn!—Da ist sie!—Komm Medea!
Gora.
Er naht! Entflieh!
Medea (zu den Soldaten im Zelte).
Steht ihr so müßig
Braucht die Waffen, helft eurem Herrn!
Aietes (der indes mit Jason am Eingange gerungen hat).
Mit meinem Tod erst dringst du hinein!
(Die Soldaten im Zelte stürzen auf die Streitenden los. Jason wird weggedrängt. Die Vorhänge fallen wieder zu.)
Jason (draußen).
Medea!—Wohl so mag das Schwert entscheiden!
Absyrtus' Stimme.
Schwerter bloß! Hier ist das Meine!
(Waffengeklirr von außen.)
Gora.
Sie fechten! Götter stärkt der Unsern Arm!
(Medea steht wieder bewegungslos da.)
Milos Stimme (von außen).
Jason zurück! Wir werden übermannt
Zwölf unsre Schar und hunderte der Feinde!
Barbaren brecht ihr den geschwornen Stillstand?
Jason.
Laß sie nur kommen, ich empfange sie!
Aietes.
Haut sie nieder, weichen sie nicht!
(Das Waffengeklirr entfernt sich.)
Gora.
Die Fremden werden zurückgedrängt, die Unsern siegen!
Medea fasse dich. Dein Vater naht.
Aietes und Absyrtus kommen.
Aietes.
Wo ist sie?—Hier! Verräterin
Wagst du's zu stehn deines Vaters Blick?
Medea (ihm entgegen).
Nicht zu Worten ist's jetzt Zeit, zu Taten!
Aietes.
Das sagst du mir nach dem was geschehn,
Jetzt, da das Schwert noch bloß in meiner Hand?
Medea.
Nichts weiter von Vergleich, von Unterredung
Von gütlichen Vertrags fruchtlosem Versuch.
Bewaffne die Krieger, versammle die Deinen
Und jetzt auf sie hin, hin auf die Fremden
Eh sie's vermuten, eh sie sich fassen.
Hinaus mit ihnen, hinaus aus deinem Land
Rettend entführe sie ihr schnelles Schiff
Oder der Tod ihnen allen—allen!
Aietes.
Wähnst du mich zu täuschen, Betrügerin?
Wenn du sie hassest, was warfst du den Becher,
Der mir sie liefern sollte, Jason liefern sollte,
Jason—sich mir ins Antlitz. Du wendest dich ab?
Medea.
Was liegt dir an meiner Beschämung,
Rat bedarfst du, ich g e b e dir Rat.
Noch einmal also, verjag' sie die Fremden
Stoß sie hinaus aus den Marken des Reichs
Der grauende Morgen, der kommende Tag
Sehe sie nicht mehr in Kolchis' Umfang.
Aietes.
Du machst mich irre an dir, Medea.
Medea.
War ich es lange nicht, lange nicht selbst?
Aietes.
So wünschest du daß ich vertreibe die Fremden?
Medea.
Flehend, knieend bitt' ich dich drum.
Aietes.
Alle?
Medea.
Alle!
Aietes.
Alle?
Medea.
Frage mich nicht!
Aietes.
Nun wohlan denn ich waffne die Freunde!
Du gehst mit!
Medea.
Ich?
Aietes.
Seltsame, du!
Sieh ich weiß, nicht den Pfeil nur vom Bogen,
Schleuderst den Speer auch, die mächtige Lanze,
Schwingest das Schwert in kräftiger Hand.
Komm mit, wir verjagen die Feinde!
Medea.
Nimmermehr!
Aietes.
Nicht?
Medea.
Mich sende zurück
In das Innre des Landes Vater,
Tief, wo nur Wälder und dunkles Geklüft,
Wo kein Aug hindringt, kein Ohr, keine Stimme,
Wo nur die Einsamkeit und ich.
Dort will ich für dich zu den Göttern rufen
Um Beistand für dich, um Kraft, um Sieg.
Beten Vater, doch kämpfen nicht.
Wenn die Feinde verjagt, wenn kein Frevler mehr hier,
Dann komm' ich zurück und bleibe bei dir
Und pflege dein Alter sorglich und treu
Bis der Tod herankommt, der freundliche Gott
Und leise beschwichtigend, den Finger am Mund,
Auf seinem Kissen von Staub und Moos
Die Gedanken schlafen heißt und ruhn die Wünsche.
Aietes.
Du willst nicht mit und ich soll dir glauben?
Ungeratene zittre!—Jason?
Medea.
Was fragst du mich wenn du's weißt.
Oder willst du's hören aus meinem Mund
Was ich bis jetzt mir selber verbarg,
Ich mir verbarg? die Götter mir bargen.
Laß dich nicht stören die flammende Glut,
Die mir, ich fühl' es die Wangen bedeckt,
Du willst es hören und ich sag' es dir.
Ich kann nicht im Trüben ahnen und zagen
Klar muß es sein um Medea, klar!
Man sagt—und ich fühle es ist so!—
Es gibt ein Etwas in des Menschen Wesen,
Das, unabhängig von des Eigners Willen,
Anzieht und abstößt mit blinder Gewalt;
Wie vom Blitz zum Metall, vom Magnet zum Eisen,
Besteht ein Zug, ein geheimnisvoller Zug
Vom Menschen zum Menschen, von Brust zu Brust.
Da ist nicht Reiz, nicht Anmut, nicht Tugend nicht Recht
Was knüpft und losknüpft die zaub'rischen Fäden,
Unsichtbar geht der Neigung Zauberbrücke
So viel sie betraten hat keiner sie gesehn!
Gefallen muß dir was dir gefällt
So weit ist's Zwang, rohe Naturkraft:
Doch steht's nicht bei dir die Neigung zu (rufen)
Der Neigung zu (folgen) steht bei dir,
Da beginnt des Wollens sonniges Reich
Und ich will nicht
(Mit aufgehobener Hand.)
Medea will (nicht)!
Als ich ihn sah, zum erstenmale sah,
Da fühlt' ich stocken das Blut in meinen Adern,
Aus seinem Aug, seiner Hand, seinen Lippen
Gingen sprühende Funken über mich aus
Und flammend loderte auf mein Innres.
Doch verhehlt' ich's mir selbst. Erst als er's aussprach,
Aussprach in der Wut seines tollen Beginnens,
Daß er liebe—
Schöner Name
Für eine fluchenswerte Sache!—
Da ward mir's klar und (darnach) will ich handeln.
Aber verlange nicht, daß ich ihm begegne,
Laß mich ihn fliehn—Schwach ist der Mensch
Auch der stärkste, schwach!
Wenn ich ihn sehe drehn sich die Sinne
Dumpfes Bangen überschleicht Haupt und Busen
Und ich bin nicht mehr, die ich bin.
Vertreib ihn, verjag' ihn, töt' ihn,
Ja, weicht er nicht, töt' ihn Vater
Den Toten will ich (schaun), wenn auch mit Tränen schaun
Den Lebenden nicht.
Aietes.
Medea!
Medea.
Was beschließest du?
Aietes (indem er ihre Hand nimmt).
Du bist ein wackres Mädchen!
Absyrtus (ihre andre Hand nehmend).
Arme Schwester!
Medea.
Was beschließest du?
Aietes.
Wohl, du sollst zurück.
Medea.
Dank! tausend Dank! Und nun ans Werk mein Vater!
Aietes.
Absyrtus wähl' aus den Tapfern des Heers
Und geleite die Schwester nach der Felsenkluft—
Weißt du?—wo wir's aufbewahrten—das goldne Vließ!
Medea.
Dorthin? Nein!
Aietes.
Warum nicht?
Medea.
Nimmermehr!
Dorthin, an den Ort unsers Frevels?
Rache strahlet das schimmernde Vließ.
So oft ich's versuch' in die Zukunft zu schauen
Flammt's vor mir wie ein blut'ger Komet,
Droht mir Unheil, findet's mich dort!
Aietes.
Törin! Kein sichrerer Ort im ganzen Lande
Auch bedarf ich dein, zu hüten den Schatz
Mit deinen Künsten, deinen Sprüchen,
Dorthin oder mit mir!
Medea.
Es sei, ich gehorche!
Aber einen Weg sende mich, wo kein Feind uns trifft.
Aietes.
Zwei Wege sind. Einer nah am Lager des Feindes
Der andre rauh und beschwerlich, wenig betreten,
Über die Brücke führt er am Strom, den nimm Absyrtus!
Nun geht!—Hier der Schlüssel zum Falltor
Das zur Kluft führt! Nimm ihn, Medea.
Medea.
Ich? Dem Bruder gib ihn!
Aietes.
Dir!
Medea.
Vater!
Aietes.
Nimm ihn, sag' ich und reize mich nicht
Deiner törichten Grillen bin ich satt.
Medea.
Nun wohl ich nehme!
Aietes.
Lebe wohl!
Medea.
Vater!
Aietes.
Was?
(Medea wirft sich lautschluchzend in seine Arme.)
Aietes (weicher).
Törichtes Mädchen!
(Er küßt sie.)
Leb' wohl mein Kind.
Medea.
Vater auf Wieder- Wiedersehn
Auf baldiges, frohes Wiedersehn!
Aietes.
Nun ja, auf frohes Wiedersehn.
(Sie mit der Hand von sich entfernend.)
Nun geh!
Medea (die Augen mit der Hand verhüllend).
Leb' wohl!
(Ab mit Absyrtus.)
(Aietes bleibt nach dem Abgehen der Medea einige Augenblicke mit gesenktem Haupt hinbrütend stehen. Plötzlich rafft er sich auf blickt einige Male rasch um sich her und geht schnell ab.)
(Eine waldichte Gegend an der Straße, die zum Lager der Argonauten
führt.)
Jason, Milo und Andre Argonauten kommen.
Milo.
Hier laßt uns halten Freunde. Die Barbaren
Verfolgen uns nicht mehr. Der Ort hier scheint bequem
Zum Angriff so, wie zur Verteidigung.
Auch ist's der einz'ge Weg, der, seit der Sturm
Die Brücken abgerissen heute Nacht,
Vom Sitze führt des Königs nach dem Innern
Und lagern wir uns hier, so schneiden wir
Ihm jeden Hilfszug ab, den er erwartet.
Geh' einer hin zur Schar der Rückgebliebnen
Und leite sie hierher. Wir warten ihrer.
(Erster Argonaut ab.)
(Zu Jason der mit gekreuzten Armen auf und nieder geht.)
Was überdenkst du Freund?
Jason.
Gar mancherlei!
Milo.
Gesteh' ich's dir? Du hast mich überrascht
Du zeigtest eine Falte deines Innern heut
Die neu mir ist.
Jason.
Hätt' ich doch bald gesagt:
Mir auch!
Milo.
So liebst du sie denn wirklich?
Jason.
Lieben?
Milo.
Du sagtest heut es mind'stens laut genug!
Jason.
Der Augenblick entriß mir's—und gesteh!
Sie rettete mir zweimal nun das Leben.
Milo.
Wie? zweimal?
Jason.
Erst im Turm!—
Milo.
Das also war's
Was dir den Turm so teuer machte?
Jason.
Das war's.
Milo.
Ja so.
Jason.
Nun denk' dir; so vollgült'gen Anspruch
Auf meinen Dank und—Milo sie ist schön—
Milo.
Ja, doch eine Barbarin—
Jason.
Sie ist gut—
Milo.
Und eine Zauberin dazu.
Jason.
Ja wohl!
Milo.
Ein furchtbar Weib mit ihren dunkeln Augen!
Jason.
Ein herrlich Weib mit ihren dunkeln Augen!
Milo.
Und was gedenkst du nun zu tun?
Jason.
Zu tun?
Das Vließ zu holen, so mein Wort zu lösen,
Das andre aber heimzustellen jenen
Die oben walten über dir und mir.
Milo.
So mag ich's gern! Beim Zeus so denkst du recht!
(Ein) Argonaut (kommt).
Argonaut.
Links her vom Fluß sieht man sich Staub erheben,
Ein Häuflein Feinde naht heran.
Jason.
Wie viele?
Argonaut.
An vierzig oder fünfzig, kaum wohl mehr.
Jason.
Laßt uns zurückziehn und am Weg verbergen,
Denn sähn sie uns, sie kämen nicht heran.
Verschwunden ist die Hoffnung zum Vergleich
So mögen denn die Schwerter blutig walten
Und die dort nahn, den Reihen führen an.
Zieht euch zurück, und haltet bis ich's sage.
Milo.
Nur leis und sacht, daß sie uns nicht erspähn.
(Ziehen sich alle zurück und ab.)
(Absyrtus und Kolchische Krieger treten auf, Medea verschleiert in ihrer Mitte.)
Absyrtus.
Die Waffen haltet bereit zum Schlagen,
Leicht könnten wir treffen 'ne Feindesschar,
Der Weg hier führt vorbei an ihrem Lager.
Medea
(den Schleier zurückschlagend und vortretend). Am Feindeslager? Warum diesen Weg? Warum nicht den andern, mein Bruder?
Absyrtus.
Der Sturm hat die Brücken abgerissen heut Nacht;
Jetzt erst erfuhr ich's. Aber sorge nicht!
Ich verteidige dich mit meinem Blut.
Wärst du nicht hier, ich forderte sie heraus.
Medea.
Um aller Götter willen—
Absyrtus.
Ich sagte: wärst du nicht hier;
Aber nun, da du hier bist, tu' ich's nicht.
Nicht um den höchsten Preis, nicht um Kampf und Sieg,
Setzt' ich dich in Gefahr, meine Schwester!
Medea.
So laß uns eilig vorüberziehn.
Absyrtus.
Kommt denn!
Jason
(hinter der Szene). Jetzt ist es Zeit! Greift an, ihr Freunde!
(Hervorspringend.)
Halt!
Medea (aufschreiend).
Er!
(Zu Absyrtus.)
Laß uns fliehen, Bruder!
Absyrtus.
Fliehen? Fechten!
Jason (zu den andringenden Argonauten).
Wenn sie sich widersetzen, haut sie nieder!
(Zu den Kolchern.)
Zu Boden die Waffen!
Absyrtus.
Du selber zu Boden!
Schließt euch Gefährten! Haltet sie aus!
Medea.
Bruder! Hältst du so dein Versprechen?
Absyrtus.
Versprach ich zu fliehn so verzeihn mir die Götter,
Nicht daß ich's breche, daß ich's gab das Wort!
(Zu den Seinen).
Weicht nicht! Der Vater ist nah, er sendet uns Hilfe!
Jason (Medeen erblickend).
Bist du's Medea? Unverhofftes Glück!
Komm hierher!
Medea (zu den Kolchern).
Schützet mich!
Jason (die sich ihm entgegenstellenden Kolcher angreifend).
Ihr! aus dem Wege!
Eu'r Eisen hält nicht ab, zieht an den Blitzstrahl.
(Die Kolcher werden zurückgedrängt, die Griechen verfolgen sie.)
Jason.
Die Deinen fliehn. Du bist in meiner Macht!
Medea.
Du lügst! In der Götter Macht, in meiner.
Verläßt mich alles, ich selber nicht!
(Sie entreißt einem fliehenden Kolcher die Waffen und dringt mit vorgehaltenem Schild und gesenktem Speer auf Jason ein.)
Stirb oder töte!
Jason (indem er schonend zurückweicht).
Medea was tust du?
Medea (näher dringend).
Töte oder stirb!
Jason (mit einem Schwertstreich ihre Lanze zertrümmernd).
Genug des Spiels!
(Das Schwert in die linke Hand nehmend, in welcher er den Schild hält.)
Was nun?
Medea.
Treulose Götter!
(Die abgebrochene Lanze samt dem Schild hinwerfend und einen Dolch ziehend.)
Noch sind mir Waffen!
Jason (indem er Schild und Schwert von sich wirft und vor sie hintritt).
Töte mich wenn du kannst.
Medea (mit abgewandten Gesicht, den Dolch in der Hand).
Kraft!
Jason (weich).
Töte mich Medea, wenn du kannst!
Medea (steht erstarrt).
Jason.
Siehst du, du kannst's nicht, du vermagst es nicht!
Und nun zu mir! Genug des Widerstrebens!
Und weigerst du's? Versuch' es wenn du kannst.
(Sie rasch anfassend und auf seinem Arm in die Höhe haltend.)
So fass' ich dich, so halt' ich dich empor
Und trage dich durch unsrer Völker Streit,
Durch Haß und Tod, durch Kampfes blut'ge Wogen.
Wer wagt's zu wehren? Wer entreißt dich mir?
Medea.
Laß mich!
Jason.
Nicht eher bis du gütig sprichst,
Nicht eher bis ein Wort, ein Wink, ein Laut
Verrät daß du mir weichst, daß du dich gibst.
(Zu ihr empor blickend und heftig schüttelnd.)
Medea, dieses Zeichen!
Medea
(leise). Jason! laß mich!
Jason.
"Jason!"—Da sprachst du meinen Namen aus,
Zum ersten Male aus! O holder Klang!
"Jason!" wie ist der Name doch so schön
Seit du ihn sprachst mit deinen süßen Lippen.
Hab' Dank Medea, hab' den besten Dank!
(Er hat sie auf den Boden niedergelassen.)
Medea, Jason; Jason und Medea
O schöner Einklang! Dünket dir's nicht auch?
Du zitterst! Setz' dich hier! Erhole dich!
(Er führt Medeen zu einer Rasenbank. Sie folgt ihm und sitzt mit vorhängendem Leibe, die Augen vor sich starr auf dem Boden, die Hände, in denen noch der Dolch, gefaltet im Schoße.)
Jason (steht vor ihr).
Noch immer stumm, noch immer trüb und düster?
O zage nicht; du bist in Freundes Hand.
Zwar geb' ich leicht dem Vater dich nicht wieder,
Ein teures Unterpfand ist mir sein Kind;
Doch soll dir's drum bei mir nicht schlimm ergehn,
Nicht schlimmer wenigstens als mir bei dir.
Wenn ich so vor dir steh' und dich betrachte,
Beschleicht mich ein fast wunderbar Gefühl.
Als hätt' des Lebens Grenz' ich überschritten
Und stünd' auf einem unbekannten Stern,
Wo anders die Gesetze alles Seins und Handelns,
Wo ohne Ursach' was geschieht und ohne Folge,
Da seiend weil es ist.
Dahergekommen durch ein wildes Meer,
Aus Ländern, so entfernt, so abgelegen,
Daß (Wünsche) kaum vorher die Reise wagten,
Auf Kampf und Streit gestellt, lang' ich hier an,
Und sehe dich und bin mit dir bekannt.
Wie eine Heimat fast dünkt mir dies fremde Land,
Und, abenteuerlich ich selbst, schau' ich
Verwundrungslos, als könnt' es so nur sein,
Die Abenteuer dieses Wunderbodens.
Und wieder, ist das Fremde mir bekannt,
So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes.
Ich selber bin mir (Gegenstand) geworden,
Ein andrer denkt in mir, ein andrer handelt.
Oft sinn' ich meinen eignen Worten nach,
Wie eines Dritten, was damit gemeint,
Und kommt's zur Tat, denk' ich wohl bei mir selber,
Mich soll's doch wundern, was er tun wird und was nicht.
Ein einz'ges ist mir licht und das bist du,
Ja du Medea, scheint's auch noch so fremd.
Ich ein Hellene, du Barbarenbluts,
Ich frei und offen, du voll Zaubertrug,
Ich Kolchis' Feind, du seines Königs Kind
Und doch Medea, ach und dennoch, dennoch!
Es ist ein schöner Glaub' in meinem Land,
Die Götter hätten doppelt einst geschaffen
Ein jeglich Wesen und sodann geteilt;
Da suche jede Hälfte nun die andre
Durch Meer und Land und wenn sie sich gefunden,
Vereinen sie die Seelen, mischen sie
Und sind nun eins!—Fühlst du ein halbes Herz
Ist's schmerzlich dir gespalten in der Brust,
So komm—doch nein da sitzt sie trüb und düster,
Ein rauhes Nein auf meine milde Deutung,
Den Dolch noch immer in geschloßner Hand.
O fort!
(Ihre Hand fassend und den Dolch entwendend.)
Laßt los ihr Finger! Bunte Kränze,
Geschmeid und Blumen ziemt euch zu berühren,
Nicht diesen Stahl, gemacht für Männerhand.