Sechstes Kapitel
Das rote Zimmer

Dieselbe Mittagssonne, die Arvid Falk in dem erstem Kampf mit dem Hunger hatte unterliegen sehen, schien heiter in die Stube in Lill-Jans, in der Sellén in Hemdärmeln vor seiner Staffelei stand und an seinem Bilde malte, das am folgenden Tage vor zehn Uhr, vollständig fertig, gefirnißt und mit Rahmen versehen in der Ausstellung sein sollte. Olle Montanus saß auf der Schlafbank und las in dem wunderbaren Buche, das er sich auf einen Tag gegen sein Halstuch geborgt hatte; ab und zu warf er einen Blick auf Selléns Bild und sprach seinen Beifall aus, denn er bewunderte in Sellén ein großes Talent. Lundell arbeitete in Ruhe an seiner Kreuzesabnahme; er hatte schon drei Bilder auf der Ausstellung und wartete, wie so viele andere, mit einer gewissen Spannung den Verkauf ab.

»Das ist gut, Sellén!« sagte Olle. »Du malst göttlich!«

»Darf ich deinen Spinat jetzt einmal anschauen?« fiel Lundell ein, der prinzipiell nie etwas bewunderte.

Das Motiv war einfach und großzügig. Ein Flugsandfeld an der Küste von Halland mit dem Meer im Hintergrunde; Herbststimmung, Sonnenstrahlen durch zerrissene Wolken; ein Teil des Vordergrundes war Flugsand mit eben angeschwemmtem, noch von Wasser triefendem Tang, von der Sonne beleuchtet; dahinter das Meer, zu einem guten Stück in starkem Schatten, hohe See mit weißen Kämmen, ganz hinten am Horizont aber schien wieder die Sonne und öffnete eine Perspektive ins Unendliche. Die einzige Staffage bildete ein Volk Strichvögel. Dies Bild mußte von jedem unverdorbenen Gemüt verstanden werden, das den Mut gehabt hat, die geheimnisvolle, reiche Bekanntschaft der Einsamkeit zu machen, das gesehen hat, wie der Flugsand vielversprechende Ernten erstickt. Es war mit Inspiration und Talent gemalt; die Stimmung hatte die Farbe gegeben, nicht umgekehrt.

»Du mußt etwas im Vordergrunde haben,« predigte Lundell. »Setze eine Vordergrundkuh dahin!«

»Ach rede nicht!« antwortete Sellén.

»Tu, wie ich sage, du Tollkopf, sonst verkaufst du nicht. Setze irgendeine Figur dahin, ein Mädchen. Ich will dir helfen, wenn du es nicht kannst, sieh her ...«

»Bitte, keine Dummheiten! Was soll man draußen im Sturm mit Weiberröcken. Du bist doch zu toll auf Weiberröcke!«

»Nun, tu was du willst,« antwortete Lundell, heimlich verletzt durch den Scherz über eine seiner schwachen Seiten. — »Aber wenigstens hättest du Störche malen können statt dieser grauen Möwen, von denen man nicht weiß, was für eine Art es ist. Denke dir die roten Storchbeine gegen die dunkle Wolke, das wäre ein Kontrast!«

»Ach, das verstehst du nicht!«

Sellén war nicht stark im Motivieren, doch war er seiner Sache gewiß, und sein gesunder Instinkt führte ihn sicher an allen Mißgriffen vorbei.

»Aber du wirst nicht verkaufen,« fing Lundell wieder an, der um das ökonomische Wohlergehen des Kameraden besorgt war.

»Nun, so werde ich auch so leben! Habe ich jemals etwas verkauft? Bin ich deswegen schlechter? Denkst du, ich weiß nicht, daß ich verkaufen könnte, wenn ich malte wie die andern; denkst du, ich kann nicht ebenso schlecht malen wie sie? Oh, darauf kannst du Gift nehmen! Aber ich will nicht!«

»Du mußt doch schließlich daran denken, deine Schulden zu bezahlen. Du bist Meister Lund im ›Kochkessel‹ ein paar hundert Reichstaler schuldig.«

»Nun, davon wird er nicht arm! Übrigens hat er ein Bild bekommen, das doppelt soviel wert ist!«

»Du bist doch der eingebildetste Mensch, der mir je vorgekommen ist! Das Bild war keine zwanzig Reichstaler wert.«

»Ich taxiere es auf fünfhundert, nach dem üblichen Preis! Aber Neigung und Geschmack sind recht verschieden hier in der Welt, das weiß Gott! Ich finde deine Kreuzigung erbärmlich, du findest sie gut. Nun also! Das kann dir niemand verdenken! Es ist eben sehr verschieden!«

»Jedenfalls hast du uns allen im ›Kochkessel‹ den Kredit verdorben; Meister Lund hat ihn mir gestern gekündigt, und ich weiß nicht, wo ich heute zu Mittag essen soll.«

»Nun, was willst du auch damit? Man kann auch so leben! Ich habe seit zwei Jahren nicht zu Mittag gegessen!«

»Ach, du hast erst neulich ein Mittagessen ergaunert von diesem Assessor, der dir in die Klauen gefallen war.«

»Ja, das stimmt! Das ist ein netter Junge! Übrigens ein Talent, es ist viel Natur in seinen Versen; ich habe an diesen Abenden einige gelesen. Doch ich fürchte, er ist etwas zu weich, um sich in der Welt durchzusetzen; die Kanaille hat so empfindliche Gefühle!«

»Wenn er mit dir verkehrt, wird sich das schon legen. Aber ich finde es eine Schande mit anzusehen, wie du den jungen Rehnhjelm in der kurzen Zeit verdorben hast. Du hast ihm ja wohl in den Kopf gesetzt, er müsse zum Theater gehen!«

»Nein, hat er das erzählt? Ja, das ist ein forscher Kerl! Aus dem wird was, wenn er am Leben bleibt; das ist jedoch gar nicht so einfach, wenn es so schrecklich wenig zu essen gibt! — Gottsdonnerwetter! Jetzt ist die Farbe verbraucht! Hast du etwas Weiß? Gott sei mir gnädig, alle Tuben sind so ausgepreßt, daß — du mußt mir Farbe geben, Lundell.«

»Ich habe nicht mehr, als ich selber brauche, und wenn ich auch welche hätte, würde ich mich hüten, dir etwas zu geben!«

»Ach, rede keinen Unsinn; du weißt, es ist eilig!«

»Im Ernst, ich habe deine Farben nicht! Wenn du Haus hieltest, würden sie länger reichen ...«

»Ja, das wissen wir! Dann gib Geld her!«

»Geld, ja, das wäre so etwas!«

»Auf, Olle, du mußt hin und was versetzen!«

Bei dem Wort Versetzen machte Olle ein heiteres Gesicht, denn dann, wußte er, würde es auch Essen geben. Sellén begann das Zimmer zu durchsuchen.

»Was habt ihr denn hier? Ein Paar Stiefel! Darauf bekommen wir fünfundzwanzig Öre, also ist es besser, sie zu verkaufen.«

»Das sind Rehnhjelms Stiefel, die darfst du nicht nehmen,« unterbrach Lundell, der sie am Nachmittag, wenn er in die Stadt ging, anziehen wollte. — »Findest du, daß du fremde Sachen nehmen darfst?«

»Ja, was tut das? Er kriegt sie ja später bezahlt! Was ist dies hier für ein Paket? Eine Samtweste! Die ist schön! Die nehme ich selber, dann kann Olle meine wegtragen! Kragen und Manschetten! Ach, das ist nur Papier! Ein Paar Strümpfe! Hier, Olle, fünfundzwanzig Öre! Stecke sie in die Weste. Die leeren Flaschen kannst du verkaufen! Ich glaube, am besten verkaufst du alles!«

»Willst du wirklich anderer Leute Sachen verkaufen? Du hast doch keine Spur von Rechtsgefühl,« unterbrach Lundell wieder, der stark darauf spekuliert hatte, auf dem Wege der Überredung in den Besitz dieses Pakets zu kommen, das ihm schon lange in die Augen gestochen hatte.

»Ach, das bekommt er später bezahlt! Aber dies ist nicht genug! Wir müssen ein paar Bettlaken nehmen! Was tut das! Wir brauchen keine Laken! So, Olle! Pack es nur ein!«

Olle machte mit großer Geschicklichkeit aus einem Laken einen Sack, in den er unter Lundells eifrigsten Protesten alles hineinstopfte.

Als der Sack fertig war, nahm Olle ihn unter den Arm, knöpfte den zerlumpten Gehrock zu, um das Fehlen der Weste besser zu verdecken, und machte sich auf den Weg nach der Stadt.

»Er sieht aus wie ein Dieb,« sagte Sellén, der am Fenster stand und verschmitzt auf den Weg hinausblickte. — »Wenn ihn nur die Polizei ungeschoren läßt, ist es gut! — Eile dich, Olle!« rief er dem Fortgehenden nach. »Kaufe sechs Brötchen und zwei Flaschen Bier, wenn bei der Farbe noch etwas übrigbleibt.«

Olle drehte sich um und schwenkte so zuversichtlich den Hut, als habe er das Festmahl schon in den Taschen.

Lundell und Sellén waren allein. Sellén stand da und bewunderte seine neue Samtweste, der so lange Lundells heimliche Liebe gegolten hatte. Lundell kratzte seine Palette ab und warf neidische Blicke auf die verlorene Herrlichkeit. Aber nicht darüber wollte er jetzt sprechen, nicht das wollte ihm so schwer über die Lippen.

»Wirf doch einen Blick auf mein Bild,« sagte er. »Was hältst du davon, im Ernst?«

»Du mußt nicht soviel daran tüfteln und zeichnen, du mußt malen! Wo kommt das Licht her? Von den Kleidern! Von den nackten Partien! Das ist doch ganz närrisch! Was atmen diese Menschen? Farbe, Leinöl! Ich sehe keine Luft!«

»Nun,« meinte Lundell, »das ist eben verschieden, wie du sagst! Aber wie findest du die Komposition?«

»Zu viel Menschen!«

»O, du bist ja schrecklich, ich möchte am liebsten noch ein paar mehr haben!«

»Laß mich jetzt sehen! Einen Fehler hat das Bild!« — Sellén schoß diese langen Blicke, die den Bewohnern der Küste oder der Ebene eigen sind.

»Ja, einen Fehler hat es! Siehst du ihn?« gab Lundell zu.

»Es sind nur Männer! Das ist etwas zu trocken!«

»Ja, das stimmt! Daß du das siehst!«

»Du willst also ein Weib haben?«

Lundell überzeugte sich durch einen Blick, ob er scherze; aber das war schwer festzustellen, denn jetzt pfiff er.

»Ja, mir fehlt eine weibliche Figur,« antwortete er.

Es wurde still, und das war unangenehm, wenn zwei so alte Bekannte unter vier Augen sind.

»Wenn ich nur wüßte, was ich tun soll, um ein Modell zu bekommen. Die von der Akademie will ich nicht haben, denn die kennt alle Welt, und im übrigen ist der Stoff religiös.«

»Du willst etwas Feineres haben? Oui! Ich verstehe! Wenn sie nicht nackt sein müßte, könnte ich vielleicht ...«

»Sie soll gar nicht nackt sein, bist du verrückt, unter so vielen Männern; im übrigen ist es ein religiöser Stoff ...«

»Ja, ja, das wissen wir schon. Sie soll jedenfalls ein Kostüm anhaben, etwas orientalisch, soll vornübergebeugt dastehen, denke ich mir, und tun, als höbe sie etwas vom Boden auf, soll die Schultern, den Hals und die ersten Rückenwirbel zeigen, ich verstehe! Aber religiös, natürlich, wie Magdalena! Oui! Vogelperspektive, jawohl!«

»Du mußt doch auch mit allem deinen Scherz treiben und alles herabziehen!«

»Zur Sache! Zur Sache! Du sollst ein Modell haben, denn das muß man haben; du selber kennst keins! Gut! Deine religiösen Gefühle verbieten dir, eins zu beschaffen, also werden Rehnhjelm und ich, wir beiden leichtsinnigen Gesellen, dir eins besorgen!«

»Es muß ein anständiges Mädchen sein, das sage ich im voraus!«

»Natürlich, ja! Wir wollen sehen, was wir in der Sache tun können, übermorgen, wenn wir Geld bekommen!«

Und dann wurde wieder gemalt, schweigend und still, bis die Uhr vier wurde, bis sie fünf wurde. Dann und wann warf man unruhige Blicke auf den Weg hinaus. Sellén brach zuerst das bange Schweigen.

»Olle bleibt lange aus! Es ist ihm bestimmt etwas zugestoßen!« sagte er.

»Ja, es geht nicht mit rechten Dingen zu; aber warum mußt du auch immer diesen armen Teufel schicken? Du kannst doch deine Besorgungen selbst machen!«

»Ach, er hat nichts weiter zu tun, und er geht so gern!«

»Das kannst du nicht wissen, und übrigens will ich dir sagen: man weiß nicht, wie Olle endet. Er hat große Pläne und kann jeden Tag wieder auf den Beinen sein, und dann wäre es gut, zu seinen Freunden zu zählen!«

»Ach, was du sagst! Was hat er denn Großes vor? Ich glaube wohl, daß Olle ein großer Mann wird, wenn auch nicht als Bildhauer! Aber was trödelt dieser entsetzliche Kerl! Hältst du es für möglich, daß er das Geld vertut?«

»O ja! Er hat schon lange nichts gekriegt, und die Versuchung kann zu groß gewesen sein,« antwortete Lundell und schnallte den Schmachtriemen zwei Löcher enger, während er überlegte, was er an Olles Stelle getan haben würde.

»Ja, man ist ja auch nur ein Mensch, und jeder ist sich selbst der Nächste,« stimmte Sellén bei, der genau wußte, was er getan hätte. »Ich kann aber nicht warten; ich muß Farbe haben, und wenn ich sie stehlen soll! Ich gehe zu Falk!«

»Willst du den armen Kerl schon wieder aussaugen! Du hast ihm doch gestern erst das Geld für den Rahmen abgenommen! Und das war nicht wenig!«

»Ach, lieber Freund! Ich bin nun einmal gezwungen, der Scham den Kopf abzubeißen, es hilft nichts! Was muß man nicht alles auf sich nehmen! Übrigens ist Falk ein hochherziger Mann, der für jede Situation Verständnis hat. Jetzt gehe ich aber! Wenn Olle nach Hause kommt, so sage ihm, er sei ein Rindvieh! Adieu einstweilen! Komm ins Rote Zimmer, dann wollen wir sehen, ob der liebe Gott so gnädig ist, uns etwas Essen zu bescheren, ehe die Sonne untergeht! — Schließe die Tür ab, wenn du gehst, und lege den Schlüssel unter die Schwelle! Adieu!«

Er ging, und nicht lange danach stand er vor Falks Tür in der Grafmagnistraße. Er klopfte, bekam aber keine Antwort! Da öffnete er die Tür und trat ein. Falk, der wahrscheinlich unruhige Träume gehabt hatte, fuhr aus dem Schlaf auf und starrte Sellén an, ohne ihn zu erkennen.

»Guten Abend, Bruder,« grüßte Sellén.

»Ach, Donnerwetter, du bist es! Ich muß etwas Komisches geträumt haben! Guten Abend, setz dich und rauche eine Pfeife! Ist es schon Abend?«

Sellén, dem die Symptome bekannt vorkamen, tat doch, als merke er nichts, sondern nahm die Unterhaltung auf.

»Du bist wohl heute nicht im ›Zinnknopf‹ gewesen?«

»Nein,« antwortete Falk verwirrt, »ich bin nicht da gewesen. Ich war in ›Iduna‹.«

Er wußte wirklich nicht, ob er das geträumt hatte, oder ob er dagewesen war, aber er freute sich, daß er es gesagt hatte, denn er schämte sich seines Mißgeschicks.

»Nun, das war recht,« bekräftigte Sellén. »Im ›Zinnknopf‹ ist das Essen nicht gut.«

»Ja, das muß ich auch sagen,« erwiderte Falk, »ihre Fleischsuppe ist verdammt schlecht!«

»Ja, und dann steht der alte Wirt da, dieser Lümmel, und zählt die Butterbrote.«

Bei dem Wort Butterbrote erwachte Falk zum Bewußtsein, aber er fühlte sich nicht sonderlich hungrig, wenn auch etwas matt in den Beinen. Das Thema war jedoch unangenehm und mußte rasch gewechselt werden.

»Nun,« sagte er, »hast du dein Bild für morgen fertig?«

»Nein, leider Gottes, es geht nicht!«

»Was ist denn jetzt los?«

»Ich kann unmöglich fertig werden.«

»Kannst nicht? Warum sitzt du nicht zu Hause und arbeitest?«

»Ach, es ist die alte Geschichte, lieber Falk! Ich habe keine Farbe! Farbe!«

»Nun, dem läßt sich doch wohl abhelfen? Hast du etwa kein Geld?«

»Dann wäre es ja nicht schlimm!«

»Und ich habe auch keins! Was sollen wir da machen?«

Sellén schlug die Augen nieder, bis seine Blicke in die Höhe von Falks Westentasche kamen, in die eine sehr dicke goldene Kette hineinkroch; nicht, daß Sellén geglaubt hätte, es sei Gold, abgestempeltes Gold, denn er hätte nicht begriffen, wie man so übermütig sein könne, so viel Geld außen auf der Weste zu tragen. Seine Gedanken hatten aber eine bestimmte Richtung eingeschlagen und er fuhr fort:

»Wenn ich wenigstens etwas zu versetzen hätte; aber wir sind so unvorsichtig gewesen, die Winterüberzieher an dem ersten sonnigen Tag im April wegzugeben.«

Falk errötete. Solche Dinge hatte er noch nicht mitgemacht.

»Versetzt ihr Überzieher?« fragte er. »Bekommt ihr auf solche Sachen etwas?«

»Versetzen kann man alles — alles,« betonte Sellén. »Wenn man nur etwas hat.«

Vor Falks Augen drehte sich alles im Kreise. Er mußte sich setzen. Dann zog er seine goldene Uhr heraus.

»Was meinst du, was man für die bekommt, mit Kette?«

Sellén wog die künftigen Pfänder in der Hand und betrachtete sie mit Kennermiene.

»Ist es Gold?« fragte er mit schwacher Stimme.

»Es ist Gold!«

»Gestempelt?«

»Gestempelt!«

»Uhr und Kette?«

»Uhr und Kette!«

»Hundert Reichstaler,« erklärte Sellén und schüttelte die Hand, daß die goldene Kette klirrte. »Aber es ist schade. Du sollst nicht um meinetwillen deine Sachen versetzen.«

»Dann also um meinetwillen,« sagte Falk, der sich nicht einen Anschein von Selbstlosigkeit geben wollte, die er nicht besaß. »Ich brauche auch Geld. Wenn du sie in Geld verwandeln willst, so tust du mir einen Gefallen!«

»Also gut,« sagte Sellén, der seinen Freund nicht durch unzarte Fragen in Verlegenheit bringen wollte. »Ich versetze sie! Zieh dich jetzt an, Bruder! Das Leben ist zuweilen bitter, siehst du, aber wir müssen uns doch damit abfinden!«

Er schlug Falk auf die Schulter, mit einer Herzlichkeit, wie sie nicht oft den Schutzwall von Hohn durchdrang, den er um sich angelegt hatte, und sie gingen fort.

Es wurde sieben Uhr, bis die Besorgung erledigt war. Dann kauften sie Farbe, und darauf begaben sie sich ins Rote Zimmer hinunter.

Berns Salon begann gerade zu dieser Zeit seine kulturhistorische Rolle in dem Stockholmer Leben zu spielen, indem er dem ungesunden Café-Chantant-Betrieb, der in den sechziger Jahren in der Hauptstadt floriert oder grassiert und sich von da über das ganze Land verbreitet hatte, den Garaus machte. Hier versammelten sich von sieben Uhr an Scharen von jungen Leuten, die sich in dem abnormen Zustand befanden, der eintritt, wenn man das elterliche Haus verläßt, und so lange dauert, bis man selbständig wird; hier saßen Scharen von Junggesellen, die der einsamen Kammer oder dem Dachstübchen entflohen waren, um hier in Licht und Wärme sitzen zu können, um ein menschliches Wesen zu treffen, mit dem sie plaudern konnten. Der Wirt des Lokals hatte verschiedentlich Versuche gemacht, sein Publikum durch Pantomime, Gymnastik, Ballett und so weiter zu amüsieren, aber man hatte ihm sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß man nicht hierher kam, um sich zu amüsieren, sondern um Ruhe zu haben, daß man ein Konversationszimmer, einen Versammlungsraum suchte, in dem man sicher war, jederzeit einen Bekannten zu treffen; da die Musik kein Hindernis für eine Unterhaltung bildete, eher im Gegenteil sie förderte, so wurde sie geduldet und bildete schließlich einen Bestandteil der Abenddiät des Stockholmers, neben Punsch und Tabak. So wurde Berns Salon der Junggesellenklub für ganz Stockholm. Die einzelnen Cliquen hatten ihre Ecken, und die Kolonisten von Lill-Jans usurpierten das hintere Schachzimmer unter der südlichen Galerie, das wegen seiner roten Möbel und um der Kürze willen mit der Zeit den Namen »Das rote Zimmer« bekam. Hier war man immer sicher, sich zu treffen, wenn man auch im Laufe des Tages wie Spreu auseinandergeweht worden war; von hier wurden förmliche Razzien durch den Saal unternommen, wenn die Not groß war und Geld aufgetrieben werden mußte; dann wurde eine Kette gebildet; zwei Mann streiften die Galerien ab, zwei nahmen den Saal auf den Längsseiten; man zog gewissermaßen ein Schleppnetz, und selten zog man vergeblich, da ja im Laufe des Abends immer neue Gäste zuströmten. Heute abend kam eine solche Arbeit nicht in Frage, deshalb ließ sich Sellén stolz und ruhig neben Falk auf dem roten Sofa nieder.

Nachdem sie eine kleine Komödie miteinander gespielt hatten, was sie trinken wollten, blieben sie schließlich dabei stehen, daß sie essen müßten. Sie hatten gerade das Abendbrot in Angriff genommen, und Falk fühlte seine Kräfte wachsen, als ein langer Schatten auf ihren Tisch fiel — und vor ihnen stand Ygberg, bleich und abgezehrt wie gewöhnlich. Sellén, der sich in einer glücklichen Situation befand und dann immer gut und höflich war, fragte sofort, ob er ihnen nicht Gesellschaft leisten wolle, und Falk schloß sich diesem Aufforderung an. Ygberg zierte sich noch, während er schon den Inhalt der Schüsseln abschätzte, ob er wohl satt oder nur halb satt werden würde.

»Sie haben eine scharfe Feder, Herr Assessor,« sagte er, um die Aufmerksamkeit von den Streifzügen, die seine Gabel über das Tablett machte, abzulenken.

»Wieso? Was habe ich?« fragte Falk und flammte auf; nach seiner Meinung hatte kein Mensch mit seiner Feder Bekanntschaft gemacht.

»Dieser Artikel hat viel Beifall gefunden!«

»Welcher Artikel? Ich verstehe nicht!«

»Nun, dieser Artikel in der ›Volksfahne‹ über das Kollegium für Auszahlung der Beamtengehälter!«

»Den habe ich nicht geschrieben!«

»Im Kollegium wird das aber behauptet! Ich habe einen mir bekannten außerordentlichen Hilfsarbeiter aus dem Amt getroffen: die Erbitterung soll nicht klein sein!«

»So?«

Falk fühlte sich zur Hälfte schuldig, und jetzt wurde ihm klar, was sich Struve an jenem Abend auf Mosebacke notiert hatte. Struve war aber doch nur Referent gewesen, Falk hatte gesprochen, und er fühlte sich verpflichtet, für das Gesagte einzustehen, selbst auf die Gefahr hin, als — Skandalschreiber angesehen zu werden! Da er jetzt fühlte, daß der Rückzug ihm abgeschnitten war, erkannte er deutlich, daß es nur eine Möglichkeit gab, und zwar: draufloszugehen!

»Gewiß,« sagte er, »ich bin der Urheber des Artikels. Aber sprechen wir von etwas anderm! Was halten Sie von Ulrika Eleonora, Herr Ygberg? Ist das nicht eine interessante Gestalt? Oder die Seeversicherungsaktiengesellschaft Triton? Oder Haqvin Spegel?«

»Ulrika Eleonora ist der interessanteste Charakter in der ganzen schwedischen Geschichte,« erwiderte Ygberg ernst; »ich habe eben eine Bestellung auf einen Aufsatz über sie bekommen.«

»Von Smith?« fragte Falk.

»Ja, woher wissen Sie das?«

»Dann kennen Sie auch den Schutzengel?«

»Woher wissen Sie denn das?«

»Ich habe ihm die Sachen heute mittag zurückgeschickt.«

»Es ist unrecht, nicht zu arbeiten! Sie werden es bereuen! Glauben Sie mir!«

Eine hektische Röte war Falk in die Wangen gestiegen, und er sprach wie im Fieber. Sellén saß ruhig da und rauchte und hörte mehr auf die Musik als auf die Unterhaltung, die ihn einesteils nicht interessierte und ihm andernteils unverständlich war. Von der Sofaecke, in der er saß, konnte er durch die beiden Türöffnungen, die auf die südliche Galerie führten und Aussicht auf den Saal gewährten, die nördliche Galerie überblicken. Durch die gewaltigen Rauchwolken, die ständig über dem Schlund zwischen den beiden Galerien standen, konnte er doch die Gesichter der Leute erkennen, die sich auf der andern Seite befanden. Plötzlich heftete sich seine Aufmerksamkeit auf irgend etwas weit hinten. Er nahm Falk beim Arm.

»Nein, sieh doch, so ein Duckmäuser! Sieh, dort hinter dem linken Vorhang!«

»Lundell!«

»Ja, der! Er ist auf der Suche nach einer Magdalena! Sieh, jetzt redet er sie an! Das ist ein feines Kind!«

Falk errötete, daß Sellén es bemerkte.

»Sucht er seine Modelle hier?« fragte er verwundert.

»Ja, wo sollte er sie sonst herkriegen? Er kann sie sich doch nicht im Dunkeln greifen!«

Gleich darauf trat Lundell ein und wurde von Sellén mit einem gönnerhaften Kopfnicken begrüßt, dessen Bedeutung er zu verstehen meinte; er verbeugte sich deshalb höflicher als gewöhnlich vor Falk und drückte in beleidigender Weise sein Erstaunen über Ygbergs Anwesenheit aus. Ygberg, der dies alles genau beobachtet hatte, nahm die Gelegenheit beim Schopf und fragte, was Lundell zu verzehren wünsche; dieser machte große Augen und glaubte sich unter lauter Magnaten zu befinden. Er fühlte sich sehr glücklich, er wurde weich und menschenfreundlich, und als er ein warmem Abendbrot bekam, empfand er das Bedürfnis, seinen Gefühlen Ausdruck zu geben. Er hatte Falk etwas zu sagen, das war unverkennbar, konnte aber nicht dazu kommen. Unglücklicherweise spielte das Orchester gerade »Hör uns, Schweden« und ging im nächsten Augenblick zu »Ein feste Burg ist unser Gott« über.

Falk ließ mehr Getränke kommen.

»Sie lieben gleich mir das alte gute Kirchenlied, Herr Assessor,« begann Lundell.

Falk konnte eigentlich nicht sagen, daß er Choräle besonders bevorzugte, sondern er fragte Lundell, ob er nicht Punsch trinken wolle. Lundell hatte Bedenken; er wisse nicht, ob er es wagen könne. Er wolle vielleicht erst noch etwas mehr essen, er sei kein großer Trinker, was er, nachdem er den dritten Schnaps getrunken hatte, durch einen heftigen aber kurzen Hustenanfall beweisen zu müssen glaubte.

»Versöhnungsfackel ist ein guter Name,« fuhr er fort; »er deutet das tiefe religiöse Bedürfnis der Versöhnung an und zugleich das Licht, das in die Welt kam, als das größte aller Wunder geschah, das den Hoffärtigen ein Ärgernis ist.«

Damit legte er einen Fleischkloß hinter den letzten Backenzahn und wartete ab, was für eine Wirkung seine Worte haben würden; — aber er fühlte sich nicht geschmeichelt, als er drei verständnislose Gesichter, die das größte Erstaunen ausdrückten, sich zugewandt sah. Er mußte deutlicher sprechen.

»Spegel ist ein großer Name, und seine Rede ist nicht wie die der Pharisäer. Wir wissen alle, daß er den herrlichen Choral ›Jetzt schweigen die Klagelieder‹ geschrieben hat, dessengleichen man suchen soll. Prost, Assessor! es freut mich, daß Sie ein solcher Repräsentant sind!«

Hier entdeckte Lundell, daß er nichts im Glase habe. — »Ich darf mir wohl noch einen Schnaps einschenken!«

Zwei Gedanken schwirrten durch Falks Hirn. Erstens: Der Kerl säuft ja Branntwein! Zweitens: Wie kann er das von Spegel wissen? Wie ein Blitz durchfuhr ihn ein Verdacht, aber er wollte nichts wissen, sondern sagte nur:

»Prosit, Herr Lundell!«

Das unangenehme Gespräch, das nun folgen mußte, wurde glücklicherweise durch Olles Kommen verhindert. Denn dieser kam wirklich, zerlumpter als gewöhnlich, schmutziger als gewöhnlich und dem Anschein nach auch lahmer in den Hüften, die wie Bugspriete unter dem Gehrock abstanden, der jetzt nur noch von einem einzigen Knopf dicht über der ersten Rippe zusammengehalten wurde. Aber er war vergnügt und lachte, als er so viele Speisen und Getränke auf dem Tisch sah, und zu Selléns Entsetzen begann er über den Verlauf seiner Mission zu berichten und sich seiner Aufträge zu entledigen. Er war wirklich von der Polizei gefaßt worden.

»Hier hast du die Quittungen!«

Er reichte Sellén über den Tisch zwei grüne Pfandscheine, die dieser sofort in eine Papierkugel verwandelte.

Er war zur Polizeiwache gebracht worden. Er zeigte, daß man ihm den Rockkragen abgerissen hatte. Dort hatte er seinen Namen angeben müssen. Der war natürlich falsch! Kein Mensch hieß Montanus! Dann den Geburtsort: Västermanland. Das war natürlich falsch, denn der Wachtmeister stammte selber daher und kannte natürlich seine Landsleute. Nun das Alter: achtundzwanzig Jahre. Das war eine Lüge, »denn er müsse mindestens vierzig sein«. Wohnung: Lill-Jans! Das war eine Lüge, denn da wohnte nur ein Gärtner. Beruf: Künstler! Das war auch eine Lüge, »denn er sehe aus wie ein Vagabund«!

»Hier ist die Farbe, vier Tuben! Sieh sie dir an!«

Dann hatten sie das Bündel aufgemacht, wobei das eine Laken zerrissen war!

»Deshalb habe ich nur eine Krone und fünfundzwanzig Öre für beide bekommen! Sieh dir die Quittungen an; da wirst du sehen, daß es stimmt!«

Dann war er gefragt worden, wo er die Sachen gestohlen habe. Olle hatte geantwortet, er habe die Sachen nicht gestohlen, worauf der Wachtmeister ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, es sei hier nicht die Rede davon, ob er sie gestohlen, sondern wo er sie gestohlen habe! Wo? Wo? Wo?

»Hier ist das Geld zurück, fünfundzwanzig Öre! Ich habe nichts genommen.«

Darauf war ein Protokoll über die »Gestohlenen Sachen«, die mit drei Siegeln versiegelt wurden, aufgesetzt worden. Vergebens hatte Olle seine Unschuld beteuert, vergebens hatte er an ihr Rechtsgefühl und ihre Humanität appelliert. Dieser letzte Appell hatte, wie es schien, die Wirkung, daß der Polizist vorschlug, man solle zu Protokoll nehmen, daß der »Gefangene« — er war schon Gefangener — einen starken Rausch gehabt habe, was auch geschah, allerdings mit der Einschränkung, daß das Wort »stark« wegfiel. Dann hatte der Wachtmeister wiederholt den Polizisten gebeten, sich zu erinnern, ob der Gefangene bei der Festnahme nicht Widerstand geleistet habe; der Polizist hatte versichert, er könne es nicht auf seinen Eid nahmen, daß der Gefangene Widerstand geleistet habe (was in diesem Falle sehr bedenklich gewesen wäre, weil er tückisch und drohend aussehe), er »glaube« aber doch bestimmt, der Gefangene habe versucht, Widerstand zu leisten, indem er in einen Torweg flüchtete; das wurde zu Protokoll genommen.

Nun wurde ein Rapport aufgesetzt, den Olle unterschreiben sollte. Der Rapport hatte folgenden Wortlaut: Ein Mann von tückischem und drohendem Aussehen ist in der Norrlandstraße angetroffen worden, wie er an der linken Häuserreihe entlang schlich, um dreiviertel fünf Uhr nachmittags, mit einem Bündel von verdächtiger Beschaffenheit in der Hand. Die verhaftete Mannsperson war bei ihrer Festnahme mit einem Rock aus grünem Kord bekleidet (ohne Weste), mit Beinkleidern aus blauem Boi und einem Hemd, das am Halse P. L. gezeichnet war (was beweist, daß es entweder gestohlen ist oder daß der Verhaftete einen falschen Namen angegeben hat), mit grauen Wollstrümpfen und einem niedrigen Filzhut mit Hahnenfeder. Der Verhaftete hat den angenommenen Namen Olle Montanus angegeben, hat fälschlich behauptet, in Västermanland als Sohn eines Bauern geboren zu sein, hat glaubhaft zu machen versucht, daß er Künstler sei und hat als Wohnort Lill-Jans angegeben, was nachweislich falsch ist. Er hat bei der Verhaftung Widerstand zu leisten versucht, indem er in einen Torweg flüchtete.

Darauf folgte die Spezifikation des Inhalts des gestohlenen Bündels. Da Olle sich weigerte, die Richtigkeit des Rapports anzuerkennen, wurde sofort nach dem Gefängnis telephoniert, worauf eine Droschke den Gefangenen, das Bündel und einen Polizisten abführte. Als sie in die Münzstraße einbogen, erblickte Olle seinen Retter, den Reichstagsabgeordneten Per Ilsson aus Träskaala, einen Landsmann von ihm, den er anrief und der ihm bestätigte, daß der Rapport falsch sei. Darauf wurde Olle losgelassen und bekam sein Bündel wieder. Und jetzt war er hier und —

»Hier habt ihr Brötchen! Es sind nur noch fünf, ich habe eins aufgegessen. Und hier ist das Bier!«

Er legte wirklich fünf Brötchen auf den Tisch, die er aus der Rocktasche holte, dazu zwei Flaschen Bier, die er aus den Hosentaschen hervorzog, worauf seine Figur wieder die gewohnten Disproportionen annahm.

»Du mußt Olle entschuldigen, Falk, er ist es nicht gewohnt, sich unter Menschen zu bewegen. — Stecke die Brötchen wieder ein, Olle; was sind das für Dummheiten!« belehrte Sellén.

Olle gehorchte. Lundell wollte das Tablett nicht hergeben, obwohl er es so gründlich abgeweidet hatte, daß man auch nach den Spuren nicht hätte bestimmen können, was auf den Platten gelegen hatte; aber die Branntweinflasche wurde dann und wann dem Glase genähert, worauf Lundell wie in Gedanken einen Schnaps trank. Ab und zu stand er auf oder drehte sich auf dem Stuhl um, um »nachzusehen«, was sie spielten, wobei seine Gesten von Sellén genau beobachtet wurden. Dann kam Rehnhjelm. Schweigsam und betrunken setzte er sich nieder und suchte ein Ziel für seine umherirrenden Blicke, wo sie sich ausruhen konnten, während er Lundells Verwarnungen anhörte. Seine müden Augen richteten sich schließlich auf Sellén und blieben auf der Samtweste haften, die für den ganzen späteren Teil des Abends einen reichen Stoff für seine stillen Betrachtungen bildete. Einen Moment hellte sich sein Gesicht auf wie beim Anblick eines alten Bekannten, dann aber erlosch das Licht wieder, als Sellén, »weil es zog«, den Rock zuknöpfte. Ygberg protegierte Olle, indem er ihm ein Abendbrot spendierte, und wurde nicht müde, ihn mäzenatenhaft zu ermuntern, zuzugreifen und sich einzuschenken. Die Musik wurde, je weiter der Abend vorschritt, um so lebhafter, und die Unterhaltung paßte sich ihr an. Falk fühlte sich sehr wohl in diesem Zustand der Betäubung; hier war es warm, hell, geräuschvoll, rauchig, und hier saßen Menschen, deren Leben er um einige Stunden verlängert hatte und die infolgedessen glücklich und fröhlich waren wie Fliegen, die von einigen Sonnenstrahlen neu belebt werden. Er fühlte sich ihnen verwandt, denn sie waren im Grunde unglücklich, und sie waren bescheiden, sie verstanden, was er sagte, und wenn sie sich äußerten, sprachen sie wie Menschen, nicht wie Bücher; sogar ihre Roheit hatte einen gewissen Reiz, denn es lag so viel Natur darin, so viel Unschuld; selbst Lundells Heuchelei vermochte ihm keinen Widerwillen einzuflößen, denn sie war so naiv, so lose angeklebt, daß sie jeden Augenblick abgerissen werden konnte. Und so verging der Abend, und der Tag ging zu Ende, der ihn unwiderruflich auf die dornige Laufbahn des Schriftstellers geworfen hatte.