Da Jesus in den Garten ging

Da Jesus in den Garten ging
Und ihm sein bittres Leiden anfing,
Da trauert alles, was da was,
Es trauert alles Laub und Gras.
Maria, die hört ein Hämmerlein klingen:
O weh, o weh, meins lieben Kindes!
O weh, o weh, meins Herzen ein Kron,
Mein Sohn, mein Sohn will mich verlon.
Maria kam unter das Kreuz gegangen,
Sie sah ihr liebs Kind vor ihr hangen
An einem Kreuz, was ihr nit lieb,
Maria war das Herz betrübt.
„Johannes, liebster Diener mein,
Laß dir mein Mutter befohlen sein!
Nimm s’ bei der Hand, führ s’ weit hintan,
Daß sie nit seh mein Marter an!“
„Ach Herr, das will ich gerne tun,
Ich will sie führen also schön,
Ich will sie trösten also wohl,
Wie ein Kind sein Mutter trösten soll.“
Nun bieg dich, Baum! Nun bieg dich, Ast!
Mein Kind hat weder Ruh noch Rast.
Nun bieg dich, Laub! Nun bieg dich, Gras!
Laßt euch zu Herzen gehen das!
Die Feigenbäum, die bogen sich,
Die harten Felsen zerkloben sich,
Die Sonne verlor ihren güldnen Schein,
Die Vögel ließen ihr Singen sein.
Volksmund